Die Vorsitzende Richterin am Bundessozialgericht, Elke Roos, ist im Ruhestand. Sie war seit 20 Jahren an dem Gericht in Kassel tätig. Anna Nusser wird den für das Versicherungs- und Beitragsrecht zuständigen 12. Senat verstärken.
Zum 1. Juli 2026 ist die Vorsitzende Richterin am Bundessozialgericht (BSG) Dr. Elke Roos in den Ruhestand getreten. Sie war seit 2006 am Bundessozialgericht tätig.
Roos ist 1960 in Soest in Westfalen geboren und begann 1991 ihre Tätigkeit als Richterin in der hessischen Sozialgerichtsbarkeit. Sie hatte in Gießen und Marburg studiert und arbeitete – nach einer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg und ihrer Promotion – als Verwaltungsrätin bei der Bundesagentur für Arbeit. Dem schloss sich ein Studium an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer an.
Als Sozialrichterin war Roos an den Sozialgerichten Kassel und Gießen tätig, unterbrochen von Abordnungen an das Bundessozialgericht und das Hessische Landessozialgericht. Von 2003 bis zu ihrer Ernennung zur Richterin am Bundessozialgericht leitete Roos das Sozialgericht Kassel als dessen Direktorin.
Roos übernahm viele Aufgaben
Das Tätigkeitsspektrum von Roos am Bundessozialgericht war breit gefächert: Arbeitslosenversicherung, Grundsicherung für Arbeitsuchende und gesetzliche Krankenversicherung. Zudem bearbeitete sie ab 2014 als stellvertretende Vorsitzende des 9./10. Senats unter anderem Fragen des Sozialen Entschädigungsrechts und des Elterngeldrechts. Nach ihrer Ernennung zur Vorsitzenden Richterin am BSG im Oktober 2016 übernahm sie auch dessen Vorsitz, bevor sie 2021 in den für das Recht der gesetzlichen Unfallversicherung zuständigen 2. Senat wechselte.

In ihrer richterlichen Tätigkeit hat sie unter anderem mitgewirkt an den Entscheidungen des 11b. Senats zur Verfassungsmäßigkeit der Höhe der Regelleistungen nach dem SGB II, des 1. Senats zur Nichtigkeit der Mindestmengenanhebung für Level-1-Geburten in Perinatalzentren von 14 auf 30 Behandlungsfälle durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, des 10. Senats zur Steuerakzessorietät des einkommensabhängigen Elterngelds, des 9. Senats zu den Voraussetzungen der Opferentschädigung des Kindes mit Fetalem Alkoholsyndrom sowie des 2. Senats zur Anerkennung der posttraumatischen Belastungsstörung als Wie-Berufskrankheit bei Rettungssanitätern.
Roos engagierte sich neben ihrer richterlichen Tätigkeit unter anderem als Mitglied des Präsidiums und stellvertretendes Mitglied des Präsidialrats, Vorsitzende des Richtervereins und als Ansprechperson für Korruptionsbekämpfung und Sponsoringbeauftragte sowie als Ansprechperson der Beschwerdestelle nach § 13 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und der Internen Meldestelle nach § 12 Hinweisgeberschutzgesetz.
Roos war langjährig Vorsitzende der SGB-III-Kommission des Deutschen Sozialgerichtstags. Sie ist Mitherausgeberin beziehungsweise Mitautorin zahlreicher sozialrechtlicher Standardkommentare und Zeitschriften.
Nusser ist Neuzugang für den 12. Senat
Das Gericht hat zudem einen Neuzugang zu verzeichnen: Mit Wirkung zum 1. Juli ist Dr. Anna Nusser zur Richterin an dem Gericht in Kassel ernannt worden.
Nusser, 1982 in Hamm in Westfalen geboren, studierte nach ihrem Abitur Rechtswissenschaften an der Universität Trier. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester an der Université de Lausanne/Schweiz. Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen im Jahr 2006 war sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Sozialrecht von Prof. Dr. Peter Axer an der Universität Trier tätig. Im Jahr 2009 wurde sie mit einer Arbeit zu einem sozialrechtlichen Thema promoviert.

Ihr Referendariat absolvierte Nusser von 2009 bis 2011 im Bezirk des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg. Nach dem Zweiten Juristischen Staatsexamen im Jahr 2011 wurde sie zur Richterin in der baden-württembergischen Sozialgerichtsbarkeit ernannt. Seitdem war Nusser mit verschiedenen richterlichen und ministeriellen Aufgaben betraut. Abordnungen führten sie unter anderem an das BSG (2016 bis 2018), an das Bundesverfassungsgericht (2018 bis 2020) sowie an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2022 bis 2023). Im Jahr 2023 erfolgte ihre Ernennung zur Richterin am Landessozialgericht Baden-Württemberg. Ab Mai 2024 war sie Vizepräsidentin des Sozialgerichts Karlsruhe. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter.
Nusser ist Autorin verschiedener Veröffentlichungen in sozialrechtlichen Kommentaren und Fachzeitschriften.
Das Präsidium des BSG hat sie dem für das Versicherungs- und Beitragsrecht zuständigen 12. Senat zugewiesen.
tap/LTO-Redaktion
Personalwechsel am Bundessozialgericht: . In: Legal Tribune Online, 03.07.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60324 (abgerufen am: 21.07.2026 )
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