Druckversion
Dienstag, 9.12.2025, 02:20 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/bmjv-finanzierung-deutsche-richterakademie-fortbildungspflicht-richter-anfrage-gruene
Fenster schließen
Artikel drucken
39643

Streit um Finanzierung der Deutschen Richterakademie: BMJV von Rech­nungshof-Kritik unbe­ein­druckt

von Annelie Kaufmann

13.01.2020

Justitia und Geld

(c) AA+W/stock.adobe.com

Der Bundesrechnungshof hatte die Finanzierung der Deutschen Richterakademie kritisiert, doch das BMJV will an dem Anteil festhalten. Wenn der Bund schon zahlt - sollte er Richter dann auch zu regelmäßigen Fortbildungen verpflichten?

Anzeige

Knapp 150 Fortbildungen für Richter und Staatsanwälte bietet die Deutsche Richterakademie im Jahr 2020 an – von "Praktische Fragen des Familienrechts" über Arbeitsrecht, Ausländerrecht und Steuerstrafrecht zu Grundlagen wie interkulturelle Kompetenz und Gesprächsführung. Doch die Finanzierung des Programms ist umstritten. Der Bundesrechnungshof hält den Anteil des Bundes für zu hoch. 

Bisher tragen Bund und Länder jeweils fünfzig Prozent der laufenden Kosten. Doch der Bundesrechnungshof kritisierte diese Vereinbarung schon vor rund einem Jahr: Da die Veranstaltungen hauptsächlich von Richtern und Staatsanwälten aus den Ländern besucht würden, sei eine hälftige Beteiligung deutlich zu hoch. Für das Jahr 2016 hätten dem Bund etwa nur 193 von insgesamt 4.950 Tagungsplätzen zur Verfügung gestanden. Und dieses Kontingent sei auch gar nicht ausgenutzt worden, der Bund habe lediglich 68 Tagungsplätze in Anspruch genommen. Kurz: Bundesrichter und Bundesanwälte trifft man bei den Seminaren der Richterakademie eher selten. 

Der Bund finanziere also hauptsächlich die Weiterbildung von Personal der Länder, bemängelte der Bundesrechnungshof. Dafür seien aber nun mal die Länder selbst zuständig. 

Der Bundesrechnungshof empfiehlt deshalb die Vereinbarung mit den Ländern neu zu verhandeln und die Finanzierung deutlich abzusenken, etwa auf 2,2 Prozent, was dem Personalanteil des Bundes an allen Richtern und Staatsanwälten entspreche. Für vertretbar hält der Bundesrechnungshof aber auch eine "moderat überproportionale" Bundesbeteiligung, etwa bei einem Finanzierungsanteil von fünf Prozent.

BMJV beruft sich auf "Pakt für den Rechtsstaat" 

Die Bundesregierung will an der hälftigen Finanzierung allerdings festhalten. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) betont, man habe schließlich die gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern für die Justiz gerade erst im "Pakt für den Rechtsstaat" bekräftigt. 

Nun muss sich der Rechnungsprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Thema befassen. Er hatte das BMJV zunächst aufgefordert, gemeinsam mit den Ländern zu prüfen, ob die Finanzierungsanteile "noch angemessen" seien. Einen Bericht über diese Gespräche hat das BMJV nun an den Rechnungsprüfungsausschuss weitergegeben. Er kommt zu dem Ergebnis, "dass die verfassungsrechtlich zulässige hälftige Finanzierung der Deutschen Richterakademie durch den Bund sich seit 46 Jahren bewährt hat und weiterhin sachgerecht ist". Das geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor (BT-Ds 19/16307). 

Die Justizminister der Länder hatten sich auf der Justizministerkonferenz im Herbst ebenfalls dafür ausgesprochen, die hälftige Finanzierung der Richterakademie beizubehalten. 

Richterakademie kündigt Evaluierung an 

Der Leiter der Deutschen Richterakademie Dr. Stephan Jaggi bleibt angesichts der sich hinziehenden Diskussion um die Finanzierung gelassen: "Wenn der Bund die Finanzierung zurückfahren wollen würde – wonach es nicht aussieht – müsste er die Verwaltungsvereinbarungen mit den Ländern kündigen. Da besteht eine Kündigungsfrist von zwei Jahren. Wir müssen also nicht befürchten, dass von heute auf morgen kein Geld mehr da ist." 

Dem Bund komme die Weiterbildung von Richtern und Staatsanwälten schließlich zugute, auch wenn er nur wenig Tagungsplätze in Anspruch nehme. "Bundesrichter werden ja nicht als Bundesrichter geboren, sondern fangen als Landesrichter an", so Jaggi. "Deshalb hat der Bund natürlich ein Interesse bei ihrer Fortbildung mitzureden. Dadurch, dass der Bund die Richterakademie zu fünfzig Prozent mitfinanziert, ist er auch Mitglied der Programmkonferenz und kann so auch auf die Inhalte der Fortbildungen Einfluss nehmen."

Die Richterakademie hat aber auf den Prüfungsbericht des Bundesrechnungshofs reagiert und eine Evaluierungs-Kommission aufgestellt, die das Fortbildungsprogramm überprüfen soll. Sie soll insbesondere die Qualität und Anzahl der angebotenen Fortbildungen im Vergleich zum bundesweit in der Justiz bestehenden Bedarf untersuchen und sich auch mit dem Jahresprogramm der Richterakademie und den Kosten der einzelnen Fortbildungsveranstaltungen befassen. Eine solche Evaluierung hatte der Bundesrechnungshof empfohlen. 

Und was ist mit der Fortbildungspflicht?

Ein anderes umstrittenes Thema: Die Fortbildungspflicht für Richter. Im Pakt für den Rechtsstaat heißt es lediglich, Bund und Länder seien sich einig, dass "allen in der und für die Justiz arbeitenden Personen weitere Möglichkeiten zur Fortbildung eröffnet werden sollen". 

Bisher haben vier Bundesländer – Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein – eine Fortbildungspflicht in ihren Richtergesetzen ausdrücklich geregelt, Hamburg plant ebenfalls eine entsprechende Vorschrift. 

Dagegen fordern die Grünen eine bundeseinheitliche Regelung im Deutschen Richtergesetz. Wenn der Bund sich für die Finanzierung der Deutschen Richterakademie mitverantwortlich fühle, müsse das auch für die Qualität der Justiz insgesamt gelten, meint Katja Keul, rechtspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag: "Die Bundesregierung macht es sich zu einfach, wenn sie in Bezug auf die richterliche Fortbildung zwar eine Finanzierungskompetenz des Bundes bejaht, eine Gesetzgebungskompetenz jedoch ablehnt und auf nur die Länder verweist. Für die Qualität der Justiz trägt der Bund eine ganz maßgebliche Mitverantwortung - und Qualität wird insbesondere durch kontinuierliche Fortbildung gewährleistet."

Immerhin habe das BMJV gegenüber dem Bundesrechnungshof ja ausdrücklich auf seine konkurrierende Gesetzgebungszuständigkeit hingewiesen. 

Die Bundesregierung sieht das anders und betont in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen, beide Fragen seien auseinanderzuhalten: Es gebe zwar ein berechtigtes Bundesinteresse an der 50-prozentigen Finanzierung der Deutschen Richterakademie und insofern auch eine Finanzierungskompetenz nach Art. 104a GG. Der Bund besitze aber keine Gesetzgebungskompetenz, um Fragen der Fortbildung für Richter im Landesdienst zu regeln.

Allenfalls für die Bundesrichter könne man im Deutschen Richtergesetz eine Fortbildungspflicht regeln. Die allerdings sind – wie das BMJV gegenüber dem Bundesrechnungshof betont hat – ja ohnehin schon bestens ausgebildet.

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Streit um Finanzierung der Deutschen Richterakademie: . In: Legal Tribune Online, 13.01.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/39643 (abgerufen am: 09.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Bundesjustizministerium
    • Finanzierung
    • Rechtsstaat
    • Richter
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU, links) und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, rechts) auf der Regierungsbank im Bundestag, November 2025 05.12.2025
Asyl

Herkunftsstaaten, Pflichtbeistand, Einbürgerungssperre:

Bun­destag besch­ließt asyl­recht­liche Ver­schär­fungen

Der Bundestag beschloss am Freitag umstrittene Änderungen im Ausländerrecht. Die Listen sicherer Herkunftsstaaten sollen künftig per Rechtsverordnung erweitert werden können, der Rechtsbeistand bei drohender Abschiebehaft fällt weg.

Artikel lesen
Politiker diskutieren intensiv über den gescheiterten "Pakt für den Rechtsstaat" und die neuen Justizstellen. 03.12.2025
Justiz

Bund und Länder uneins über neue Justiz-Stellen:

Eini­gung über 450-Mil­lionen-"Pakt für den Rechts­staat" geplatzt

Eigentlich sollte auf der Ministerpräsidentenkonferenz der "Pakt für den Rechtsstaat" besiegelt werden. Doch Bund und Länder sind sich plötzlich über Details des 450-Millionen-Euro-Deals für Personal und Digitalisierung in der Justiz uneinig.

Artikel lesen
Haftzelle 03.12.2025
BRAK

"Abbau von Rechtsstaatlichkeit":

BRAK for­dert Bei­be­hal­tung verpf­lichten Rechts­bei­standes für Abschie­be­haft

Die Bundesregierung will den von der Ampel eingeführten verpflichtenden Rechtsbeistand im Rahmen von Asylverfahren abschaffen. Die BRAK äußert deutliche Kritik an den Plänen, das wäre ein “Abbau von Rechtsstaatlichkeit”. 

Artikel lesen
Richterrobe 02.12.2025
Kopftuch

VG Darmstadt bestätigt Verbot:

Mus­limin wegen Kopf­tuch vom Rich­teramt aus­ge­sch­lossen

Bewerberinnen auf Richterstellen dürfen abgelehnt werden, wenn sie ihr Kopftuch für Gerichtsverhandlungen nicht ablegen wollen, das bestätigt das VG Darmstadt. Der Fall könnte noch weitergehen. Die Rechtsfrage ist höchstrichterlich umstritten.

Artikel lesen
Justiz 02.12.2025
Justiz

Verfassungsblog "Justiz-Projekt":

Wo liegen die Schwach­s­tellen der deut­schen Justiz?

Der Verfassungsblog hat erforscht, wie und wo die Justiz von autoritären Kräften angegriffen werden kann. Zum Schutz komme es vor allem auf das Personal an, so das Ergebnis des "Justiz-Projekts". Sie sind Risiko und zugleich Chance für die Resilienz.

Artikel lesen
Stefanie Hubig (SPD) 02.12.2025
Straßenverkehr

Gesetzentwurf von Justizministerin Hubig:

Kfz-Hal­ter­haf­tung soll auch für E-Scooter gelten

Es war schon lange gefordert worden, nun geht die Bundesjustizministerin es an: E-Scooter sollen haftungsrechtlich wie andere Kfz behandelt werden, damit Geschädigte leichter Schadenersatz erhalten. Das betrifft Halter- und Fahrerhaftung.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Technische Universität München
Wis­sen­schaft­li­che/r Mit­ar­bei­ter/in (m/w/d) im Be­reich Le­gal Tech,...

Technische Universität München , Mün­chen

Logo von Budimex Bau GmbH
Voll­ju­rist (m/w/d) als In­hou­se La­wy­er Bau­recht

Budimex Bau GmbH , Ber­lin

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Re­fe­ren­tin­nen / Re­fe­ren­ten (Voll­ju­ris­tin­nen / Voll­ju­ris­ten) (m/w/d)

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) , Ham­burg

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Oppenhoff
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w/d) Pri­va­te Equi­ty/ M&A

Oppenhoff , Frank­furt am Main

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Fachseminare von Fürstenberg GmbH & Co. KG
Libra für Einsteiger & Fortgeschrittene

09.12.2025

Praxisrelevantes Wissen für die Strafverteidigung (5 Zeitstunden)

09.12.2025

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Get Ready for 2026

10.12.2025

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Sundowner @ Osborne Clarke - Hamburg - Die Winteredition

10.12.2025, Hamburg

Lizenzierung und Nutzung von KI

10.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH