Druckversion
Dienstag, 17.02.2026, 00:04 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/beschwerde-bmjv-durchsuchung-abgewiesen-beschluss-staatsanwaltschaft-ermittlungen
Fenster schließen
Artikel drucken
46346

AG Osnabrück hat entschieden: Beschwerde gegen BMJV-Durch­su­chung abge­wiesen

von Dr. Markus Sehl

13.10.2021

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin

(c) picture alliance / POP-EYE | POP-EYE/Christian Behring

Die Beschwerde des Bundesjustizministeriums gegen eine Durchsuchung kurz vor der Bundestagswahl ist erst einmal ohne Erfolg geblieben. Das zuständige AG Osnabrück half ihr nicht ab, nun ist das LG am Zug.

Anzeige

Die Beschwerde des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gegen eine angeordnete Durchsuchung Anfang September vor der Bundestagswahl ist erst einmal ohne Erfolg geblieben. Wie LTO erfuhr, hat das Amtsgericht (AG) Osnabrück mit einer Entscheidung von Mittwoch der Beschwerde nicht abgeholfen.

Wie ein Sprecher des Gerichts gegenüber LTO sagte, habe in der "ausführlichen Nichtabhilfeentscheidung" der zur Entscheidung berufene Richter ausgeführt, aus welchen Gründen die von der Staatsanwaltschaft beantragte Durchsuchungsanordnung rechtmäßig und damit auch verhältnismäßig war.

Einige Wochen vor der Wahl fanden Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück im BMJV und im Bundesfinanzministerium (BMF) statt, letzteres ist bisher das Ministerium von Olaf Scholz (SPD). Die Ermittlungen der Osnabrücker Staatsanwaltschaft richteten sich gegen die Geldwäsche-Zentralstelle des Zolls mit Sitz in Köln, nicht gegen die Berliner Ministerien. Doch offenbar war das Misstrauen bei den Ermittlern so groß, dass man die gewünschten Unterlagen nicht über den Dienstweg anfordern, sondern lieber selbst in Berlin abholen wollte.

In den Ministerien stieß das auf Unverständnis, in der Öffentlichkeit sorgte es für Aufregung. So stand der Verdacht im Raum, die Maßnahmen hätten einen politischen Hintergrund so kurz vor der Wahl. Der Vorfall bot so auch Anlass für eine Diskussion über ein Grundproblem der deutschen Justizarchitektur: Wer in den Justizministerien hat in dem Fall bei der Staatsanwaltschaft wen wann wie angewiesen und was bekommen die Justizminister der Länder davon mit?

Nun muss das LG Osnabrück entscheiden

Das BMJV hatte eine Rechtsbeschwerde beim AG Osnabrück eingelegt, um die Rechtmäßigkeit der Durchsuchung prüfen zu lassen. In der Beschwerde argumentiert das Ministerium, man hätte die angeforderten Unterlagen auf Anfrage ohne weiteres herausgegeben. Die Durchsuchung sei also unverhältnismäßig. Das BMF legte keine Beschwerde ein.

Bei einer Beschwerde gegen eine Durchsuchung wird im ersten Schritt das Gericht bzw. der Vorsitzende Richter, von dem die Entscheidung stammt, noch einmal mit ihr befasst. Erachtet der oder die Richterin die Beschwerde nicht für begründet, so muss sie dem Beschwerdegericht vorgelegt werden.

Die Akten zur BMJV-Durchsuchung werden nun dem Landgericht Osnabrück als Beschwerdegericht zur Entscheidung vorgelegt. 

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

AG Osnabrück hat entschieden: . In: Legal Tribune Online, 13.10.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/46346 (abgerufen am: 17.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Bundesjustizministerium
    • Bundestagswahl
    • Durchsuchung
  • Gerichte
    • Amtsgericht Osnabrück
Akten im Bayerischen Verwaltungsgericht München 07.02.2026
Verfahren

Geplante VwGO-Reform:

Wie das BMJV den Ver­wal­tung­s­pro­zess besch­leu­nigen will

Mehr Entscheidungen in kleinerer Besetzung, besserer Schutz vor querulatorischen Klagen und ein "Beibringungsgrundsatz light": Was bedeuten die geplanten Änderungen für die Praxis? Eine Einordnung von Sebastian Baunack und Paul Hothneier.

Artikel lesen
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD, l) besucht den Internationalen Gerichtshof. Neben ihrTomoko Akane (r), Präsidentin des Internationalen Gerichtshofs (IStGH). 06.02.2026
IStGH

Besuch der Justizministerin in Den Haag:

Hubig wider­spricht Merz – und stärkt dem IStGH den Rücken

Bei ihrem Besuch in Den Haag wirbt Justizministerin Hubig für die Einhaltung des Völkerrechts. Mit Blick auf den Haftbefehl gegen Netanjahu widerspricht sie Bundeskanzler Merz deutlich.

Artikel lesen
Ein Stapel Akten in Nahaufnahme 03.02.2026
Gesetzgebung

Geplante VwGO-Reform:

Rich­ter­bund for­dert mehr Per­sonal für Ver­wal­tungs­ge­richte

Justizministerin Stefanie Hubig will Verfahren vor Verwaltungsgerichten beschleunigen. Dem DRB gehen die Pläne nicht weit genug. Angesichts der bestehenden  "Asylklagewelle" fordert er vor allem mehr Personal statt neuer Prozessregeln.

Artikel lesen
Dr. Stefanie Hubig 27.01.2026
Schiedsgerichtsbarkeit

Justizstandort Deutschland:

Das Schieds­ver­fah­rens­recht soll moderner werden

Schon die Ampel-Regierung hatte Änderungen des Schiedsverfahrensrechts geplant, jetzt greift SPD-Justizministerin Stefanie Hubig das Vorhaben wieder auf. Ein Entwurf aus ihrem Hause soll Deutschland vor allem wettbewerbsfähiger machen.

Artikel lesen
Schmierereien gegen Bundeskanzler Merz im Sauerland 22.01.2026
Durchsuchung

LG Arnsberg zu Anordnung durch AG:

Auch zweite Haus­durch­su­chung wegen Merz-Sch­mie­re­reien war rechts­widrig

Nach Anti-Merz-Schmierereien erklärt das LG Arnsberg auch die Hausdurchsuchung bei einem zweiten Beschuldigten für rechtswidrig. Die Ermittlungen laufen dennoch weiter.

Artikel lesen
Foto einer Gruppe von Demonstranten, die ein dunkles Banner halten, auf dem steht: "Wir sind alle linksunten". Davor steht ein Polizeibeamter mit dem Rücken zur Kamera. 15.01.2026
Ermittlungsverfahren

LG Karlsruhe linksradikaler Online-Plattform:

Durch­su­chungen bei mut­maß­li­chen "links­unten.indy­media"-Bet­rei­bern rechts­widrig

Knapp 200 Speichermedien sichergestellt, doch dabei keine Erkenntnisse gewonnen: Zum Jahreswechsel entschied das LG Karlsruhe, dass die Durchsuchungen bei fünf mutmaßlichen Betreibern der linksradikalen Plattform rechtswidrig waren.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Görg
Prak­ti­kan­ten­pro­gramm GÖRG law ta­l­ents

Görg , Köln

Logo von Bundeskartellamt
Voll­ju­ris­tin bzw. Voll­ju­rist (w/m/d) für ver­schie­de­ne...

Bundeskartellamt , Bonn

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Hil­des­heim

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Sta­de

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Legal Entity Reduction: Konzernstrukturen rechtssicher vereinfachen

18.02.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

17.02.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

17.02.2026

Kölner Tage Immobilienbesteuerung 2026

19.02.2026, Köln

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Urheberrecht

18.02.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH