Druckversion
Freitag, 23.01.2026, 16:40 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/juristen/b/bea-start-online-sicherheit-anwaelte-anmeldung
Fenster schließen
Artikel drucken
30701

Das beA startet: Von Null auf 100?

von Pia Lorenz

03.09.2018

Email-Symbol auf einem Holzwürfel

© Stockwerk-Fotodesign - stock.adobe.com

Das Anwaltspostfach geht live. Wie sicher es ist, weiß niemand. Über 100.000 Anwälte haben sich nicht einmal angemeldet. Dabei müssen alle die Post im beA ab sofort gegen sich gelten lassen. Und einige sollten sich besonders beeilen.   

Anzeige

Nun also wirklich, zum zweiten Mal. Und dieses Mal soll es richtig werden. Die Sicherheitslücken, welche die für Umsetzung und Betrieb verantwortliche Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gezwungen hatten, es vor Weihnachten vergangenen Jahres wieder vom Netz zu nehmen, sollen beseitigt sein oder bald im laufenden Betrieb beseitigt werden: Das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) ist am Montag wieder online gegangen, nach LTO-Informationen ist der Start plangemäß abgelaufen.

Nun werden sich am Montag voraussichtlich zehntausende Rechtsanwälte im System erstregistrieren und anmelden. Unmittelbar ab diesem Tag müssen alle Anwälte nämlich Dokumente, die per beA an sie zugestellt werden, gegen sich gelten lassen. Dabei geht das Gerücht um, dass die Gerichte beabsichtigten, ab Montag Dokumente auf elektronischem Weg zuzustellen. Wer sich bereits im System angemeldet und Rechte an Mitarbeiter vergeben hatte, sollte diese am Montag sofort nach der Inbetriebnahme überprüfen – der Ex-Kollege könnte sonst noch mitlesen.

Obwohl Größe und Anzahl der elektronischen Dokumente, die über das beA an die Justiz versandt werden können, bis auf Weiteres beschränkt ist, wird schon die Inbetriebnahme herausfordernd für ein System, von dem bislang nicht einmal seine Betreiber genau wissen, wie die Realbedingungen, geschweige denn eine Volllast aussehen werden. Eine Gruppe von Anwälten, welche die BRAK auf Einführung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verklagt, ruft dazu auf, das Anwaltspostfach derzeit nicht zu nutzen.

Vor dem Start: über 100.000 Anwälte nicht beim beA erstregistriert 

Am 1. Januar 2018 gab es in Deutschland nach Angaben der BRAK 165.854 zugelassene Rechtsanwälte, die Syndizi inbegriffen. Neuere offizielle Angaben gibt es nicht. Laut der Dachorganisation der Rechtsanwälte haben (Stand 28. August 2018) 26.586 der zugelassenen Advokaten noch keine Karte bestellt. 70.210 Kollegen hätten das System bereits In Betrieb bzw. seien angemeldet, teilte die BRAK mit. 104.183 Anwälte seien dagegen nicht einmal erstregistriert.

Daran dürfte sich seit dem 28. August, als die BRAK die Anfrage von LTO beantwortete, nicht allzu viel verändert haben, schließlich waren Download und Erstregistrierung weder am Donnerstag noch am Samstag und Sonntag vor dem Go live möglich. Auch am Freitag dazwischen soll es laut Nutzern massive Störungen gegeben haben. 

Die Möglichkeit, sich seit dem 4. Juli wieder beim System erstzuregistrieren, haben nur 4.777 Anwälte genutzt.  Sich beim beA anmelden oder dieses in Betrieb nehmen konnte dagegen seit Dezember 2017, als die BRAK das System wegen massiver Sicherheitslücken vom Netz nehmen musste, niemand mehr. Das ist erst ab Montag wieder möglich.

Die ersten Schritte und wer sich besonders beeilen muss

Die zur Erstregistrierung und Nutzung nötige Installation der Client Security ist nach Angaben der BRAK für die Betriebssysteme Windows, Mac OS und Linux möglich (hier die Anleitungen der BRAK dazu sowie die Liste unterstützter Betriebssysteme und Browser). Nicht unterstützt wird nach Auskunft der BRAK derzeit der Browser Edge auf dem Betriebssystem Windows 10. Er könne aber per Auswahl der Option "Mit Internet Explorer öffnen" in Edge ausgewählt werden, so die BRAK (mehr dazu hier). 

Die BRAK versicherte auf Nachfrage von LTO, der mehrere Meldungen über Probleme bei der Nutzung von Firefox sowie von Linux vorliegen, dass der Download nach einem erneuten Update für den Client nun ganz überwiegend problemlos funktioniere.  Wo das nicht der Fall sei, helfe der Support weiter, die Hotline biete "grundsätzlich" auch ständige Unterstützung für Apple-User.

Mit der Anmeldung besonders beeilen sollten sich Anwälte, die das beA bereits vor der Außerbetriebnahme im Dezember 2017 genutzt und dort Mitarbeitern oder Kollegen Rechte an ihrem Postfach eingeräumt haben. Wenn es seitdem personelle Veränderungen in der Kanzlei gegeben hat, "sollte die Rechteverwaltung zügig nach der Wiederinbetriebnahme des beA erfolgen", riet die BRAK-Sprecherin auf Nachfrage von LTO.

Die damals eingeräumten Rechte bestehen nämlich weiter und leben ab Montag wieder auf. Und das, weil sie an dem personenbezogenen Postfach hängen, auch dann, wenn der damalige Kollege die Kanzlei zwischenzeitlich verlassen hat.  Er könnte also die Nachrichten weiterhin mitlesen. Um das zu vermeiden, sollten Anwälte also die eingeräumten Rechte sofort wieder entziehen. Möglich ist das nach Angaben der BRAK, sobald das beA wieder online ist; wie es geht, stellt die BRAK hier dar. Eine vorgenommene Änderung greife sofort, versicherte die BRAK-Sprecherin auf Nachfrage von LTO. Auswirkungen auf das Nutzerprofil im Übrigen habe der Rechteentzug nicht. 

Seite 1/4
  • Seite 1:

    Warum sich alle anmelden müssen – und einige ganz besonders

  • Seite 2:

    Wer wird über das beA die Anwälte anschreiben?

  • Seite 3:

    Was kann das beA versenden -  und wieviel davon?

  • Seite 4:

    Warum das beA schon um acht Uhr morgens schlappmachen könnte

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Das beA startet: . In: Legal Tribune Online, 03.09.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/30701 (abgerufen am: 24.01.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Berufs- und Standesrecht
    • Anwaltsberuf
    • beA
    • elektronischer Rechtsverkehr
    • IT-Sicherheit
    • Rechtsanwälte
    • Software
Zwei Frauen im Gespräch. 21.01.2026
Rechtsberatung

Was heißt und wie geht "Awareness"?:

Rechts­be­ra­tung, bei der sich alle wohl­fühlen

Zur Rechtsberatung geht man häufig in Krisensituationen. In vielen Fällen kommen Traumata, Diskriminierungen und Ängste dazu, die die Beratung aufleben lässt. Wie man sensibel damit umgeht, erklären Cristina Gilfrich und Konstantina Raptis.

Artikel lesen
Justizministerin Stefanie Hubig beim DAV-Jahresauftakt. 13.01.2026
Rechtsstaat

Jahresauftakt 2026 des Deutschen Anwaltvereins:

Sorge um die Justiz, Lob für die Anwalt­schaft

Bundesjustizministerin Hubig hat auf einer Veranstaltung des DAV besorgt auf den Zustand der Rechtsstaatlichkeit geblickt. Der Druck auf den Rechtsstaat nehme auch in Deutschland zu. Wenn auch leiser und mit weniger lautem Getöse als anderswo.

Artikel lesen
Der Eingang zum Haftgelände des Silivri-Gefängnisses 09.01.2026
Türkei

Anwaltsorganisationen erleichtert über "unerwartetes" Urteil:

Ist­an­buler Anwalts­kammer vom Ter­r­or­vor­wurf frei­ge­spro­chen

Anwalts- und Menschenrechtsorganisationen haben mit Erleichterung auf den Freispruch von elf Mitgliedern des Vorstands der Istanbuler Rechtsanwaltskammer reagiert. Ihnen hatte die türkische Staatsanwaltschaft Terrorpropaganda vorgeworfen.

Artikel lesen
Foto einer Faxmaschine mit danebenliegendem Telefonhörer in einem Büro 09.01.2026
elektronischer Rechtsverkehr

BGH zum elektronischen Rechtsverkehr:

Patent­an­wälte müssen Schrift­sätze nicht elek­tro­nisch ein­rei­chen

In einer Berufungsentscheidung ging es eigentlich patentrechtlich um eine WC-Schüssel mit verbesserter Spülfunktion. Ganz nebenbei stellt der BGH aber klar: Patentanwälte müssen zwar einen sicheren Übermittlungsweg für die elektronische Zustellung…

Artikel lesen
Ein Faxgerät steht auf einem Tisch. 30.12.2025
beA

BGH zur Ersatzeinreichung bei beA-Störung:

Ver­weis auf Rou­ter­aus­fall genügt nicht

Ein Anwalt, der einen fristwahrenden Schriftsatz wegen Internetstörung nicht per beA einreicht, muss den technischen Defekt schlüssig und rechtzeitig glaubhaft machen. Der bloße Hinweis auf einen Router-Ausfall genügt nicht, so der BGH.   

Artikel lesen
Eine junge Frau steht selbstbewusst in einem modernen Büro, symbolisiert Stärke in der Rechtsbranche, insbesondere in Afrika. 29.12.2025
Berufswege

Anwältin und Trainerin für Schiedsgerichtsbarkeit in Afrika:

"Als 'junge Frau' im Liti­ga­tion-Bereich falle ich dort nicht auf"

Ronja von Poschinger-Camphausen ist seit eineinhalb Jahren Anwältin in Hamburg – und Trainerin für Schiedsgerichtsbarkeit in afrikanischen Ländern. Im Interview erzählt sie, was die Juristen unterscheidet und welches Potenzial Afrika hat.

Artikel lesen

Jobsuche

Suchoptionen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH , 100% Re­mo­te

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Deutsches Studierendenwerk e. V.
Re­fe­rent*in So­zial­recht in den Kom­pe­tenz- und Ser­vice­s­tel­len des Deut­schen...

Deutsches Studierendenwerk e. V. , Ber­lin

Logo von CMS Deutschland
Re­fe­ren­da­riat

CMS Deutschland , Köln

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Taylor Wessing
Re­fe­ren­dar (w/m/d)

Taylor Wessing , Düs­sel­dorf

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Hil­des­heim

Logo von CMS Deutschland
Re­fe­ren­da­riat

CMS Deutschland , Ham­burg

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Mehr Stellenanzeigen
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH