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Themenwoche Anwaltsmarkt 2030: Zukunftsstudie des Deutschen Anwaltvereins

Wie wird der Rechtsdienstleistungsmarkt in knapp zwanzig Jahren aussehen? Diese Frage sucht der DAV zu beantworten – ganz ohne Kristallkugel, dafür mit einer fast 200 Seiten starken Studie des Trendforschungsunternehmens Prognos AG. Das Ergebnis: Rosig sieht es zwar nicht aus, aber der Anwaltschaft bleibt noch genug Zeit zum Handeln und sich den Herausforderungen der kommenden Jahre anzupassen.

Wer weit in die Zukunft schauen will, der muss zunächst die Gegenwart im Blick haben. So beginnt die Studie des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mit einer umfassenden Bestandsaufnahme über den Status Quo des deutschen Rechtsdienstleistungsmarktes. In dieser Begriffswahl liegt bereits die erste Weichenstellung verborgen, denn wo früher womöglich noch vom Anwalts- oder Rechtsberatungsmarkt die Rede gewesen wäre, wird nun ein sprachliches Zugeständnis aus zweierlei Anlass nötig: Nicht alles, was der Anwalt von heute anbietet, ist Rechtsberatung, und nicht jeder, der Rechtsrat erteilt, ist Anwalt.

Allerdings: Gut 160.000 Volljuristen sind es – mehr als zwölfmal so viele wie zu Anfang der 50er Jahre. Auch die Anzahl der Kanzleien ist mit über 54.000 auf einem Allzeithoch angekommen; vor allem in den Ballungsgebieten herrscht oftmals ein Überangebot an Advokaten, die seit der Reform des Rechtsdienstleistungsgesetzes im außergerichtlichen Bereich zudem Konkurrenz von Autohändlern, Werkstattbetreibern, Sachverständigen, Banken und sonstigen wirtschaftlichen Akteuren erfahren.

Teils prekäre Arbeitsbedingungen in der deutschen Anwaltschaft

Doch damit nicht genug. Unter dem Stichwort des "Legal Outsourcing" werden so manche Arbeiten, die vormals aus einer Hand erfolgten, an externe Dienstleister vergeben. "Sie können sich das wie den Bau eines Pkw vorstellen. Einige Teile stellt das Unternehmen selbst her, andere kauft es extern ein, und am Ende fertigt es ein komplettes Produkt daraus", erläutert Rechtsanwalt Markus Hartung, Gründungsdirektor des Bucerius Center on the Legal Profession. "Eine M&A Transaktion, zum Beispiel, besteht aus vielen einzelnen Arbeitsschritten. Manches davon ist hartes, juristisches Handwerk. Anderes hingegen, wie die Durchsicht von abertausenden von Unterlagen, muss nicht unbedingt vom teuren, kanzleieigenen Associate bearbeitet werden. Solche Aufgaben werden schon heute, auch im Premium-Bereich, teilweise extern erledigt. Dieser Trend wird noch zunehmen."

Diese Rahmenbedingungen gehen an Deutschlands Anwälten nicht spurlos vorbei. Ein Drittel aller Kanzleiinhaber gibt an, starken Wettbewerbsdruck zu spüren, ganze 40 Prozent sind mit dem Verhältnis von investierter Arbeit zu erwirtschaftetem Einkommen unzufrieden. Dabei zeigt sich deutlich: Je größer die Kanzlei und je internationaler und gewerblich geprägter die Mandantschaft, desto positiver fällt die wirtschaftliche Bilanz aus. Während beinahe jeder vierte Einzelanwalt ohne Personal seine Ertragslage als mangelhaft einstuft, zieht unter Kanzleiinhabern mit drei bis fünf Anwälten nur noch gut jeder 20. ein solch negatives Fazit.

"Ich finde es alarmierend, dass gerade unter Anwälten mit vornehmlich privater Mandantschaft die Lage so schlecht ist“, kommentiert Martin Huff, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln, "schließlich sind diese elementar für einen funktionierenden Rechtsstaat. Man muss sich aber schon fragen, wer heute noch so eine Sozietät eröffnen will, wenn er sieht, dass über 40 Prozent seiner Kollegen ihre wirtschaftliche Ausbeute mangelhaft oder ausreichend, und ein weiteres Drittel sie lediglich befriedigend finden."

Zitiervorschlag

Constantin Baron van Lijnden, Themenwoche Anwaltsmarkt 2030: Zukunftsstudie des Deutschen Anwaltvereins . In: Legal Tribune Online, 07.06.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8874/ (abgerufen am: 10.08.2020 )

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