Top-level Domains für Juristen: .law, .lawyer und .legal

von Stefan Mey

10.03.2016

Seit Jahren vollzieht sich die größte Strukturreform in der jungen Geschichte des Internet. Hunderte neuer Domain-Endungen werden freigeschaltet, einige davon speziell für die Rechtsbranche. Welche es gibt und was sie nützen, erklärt Stefan Mey.

 

Eine Anwalts-Webseite endet auf .de oder .com, vielleicht auch einmal auf .net, was sonst? Die Auswahlmöglichkeiten im Netz waren lange Zeit sehr begrenzt. Mit der aktuellen Domainreform soll das anders werden.

Seit Ende 2013 führt die globale Internetverwaltung ICANN (Internet Corporation für Assigned Names and Numbers) sukzessive hunderte neuer Endungen ein. Die neuen Top-level Domains, wie es in der Tech-Sprache heißt, beziehen sich wie .berlin oder .bayern auf Städte und Regionen, wie .auto oder .reisen auf Branchen oder wie .shop oder .kaufen auf allgemeine Verkaufsangebote. 

Für eine Gebühr von 185.000 US-Dollar konnte sich im Jahr 2012 jeder um das Recht bewerben, eine frei gewählte Internetendung auf Grundlage eines Vertrags mit der ICANN vermarkten zu dürfen – melden sich mehrere Vermittler für dieselbe Domain, findet eine Auktion statt. Knapp 2.000 Anträge um etwa 1.400 Endungen gingen von verschiedenen Domainvermittlern ein. Seit Ende 2013 werden sie sukzessive freigeschaltet.

Fünf neue Endungen für die Rechtsbranche

Fünf Endungen richten sich explizit an Juristinnen und Juristen: .law, .lawyer und .abogado (spanisch für "Anwalt"), .attorney und .legal. Die Inhaber gehören zu den Großen des globalen Domaingeschäfts. Hinter .legal steht das US-Startup Donuts, hinter .lawyer und .attorney das US-Unternehmen Rightside. Die Endungen .law und .abogado werden von Minds + Machines betrieben, das seinen Hauptsitz auf den britischen Jungferninseln hat. Explizit deutschsprachige Jura-Endungen wie etwa .recht oder .anwalt gibt es nicht, weil niemand dafür einen Antrag bei der ICANN gestellt hatte.

Die Betreiber der Endungen haben unterschiedliche Konzepte und Preismodelle: Während auf .lawyer, .legal und .attorney grundsätzlich jeder eine Domain bekommen kann, soll der Nutzerkreis auf .law und .abogado eingeschränkt werden. Adressen dürfen dort nur zugelassene Anwälte registrieren, wie es in den häufig gestellten Fragen zu den beiden Top-level Domains heißt. Interessenten müssen unter anderem das Datum ihrer Erstzulassung und die zuständige Anwaltskammer nennen; die Nutzungsgebühr für eine der offenen Jura-Endungen liegen zwischen 20 und 80 Euro jährlich. Eine Webadresse unter der Endung .law schlägt mit 240 bis 300 Euro pro Jahr zu Buche - Branchengerüchten zufolge wurde in der Auktion für die .law-Vergaberechte allerdings auch die stolze Summe von 19 Millionen US-Dollar geboten. Die Preise für die Nutzung einer Internetadresse unter der jeweiligen Domain legen die zur Vergabe berechtigten Registrare fest - in Deutschland etwa United Domains, Strato oder Key Systems.

Welche Vorteile die neuen Domains bringen – und warum sie auch schaden können

Um Kunden für die neuen Adressen zu gewinnen und die höheren Preise zu rechtfertigen, die deutlich über denen der klassischen Endungen .de und .com liegen, werben die Betreiber der neuen Endungen gern mit Marketing-Vorteilen, vor allem bei der Suchmaschinenoptimierung (SEO).

Noch ist allerdings offen, wie viel eine thematisch passende Domain wirklich nützt. Suchmaschinen-Experten wie Hanns Kronenberg vom Seo-Softwareanbieter Sistrix sind skeptisch: "Die offizielle Aussage von Google ist, dass neue Top-level Domains keinen besonderen Vorteil besitzen. Ich halte diese Aussage für sehr glaubhaft", sagt Kronenberg. Das Ziel von Google sei es, Nutzern die möglichst besten Treffer anzuzeigen. Die Registrierung unter einer bestimmten Endung bedeute nicht automatisch, dass die jeweilige Webseite auch qualitativ besonders hochwertig sei. Das gelte umso mehr, wenn die Domains für jedermann frei registrierbar sind. Bei restriktiveren Endungen wie .law wäre denkbar, dass Google die Endung als Qualitäts-Indikator sieht. Allerdings befänden sich die meisten Anwaltskanzleien bisher unter einer der traditionellen Endungen und würden dort wohl auch bleiben. Da stelle sich die Frage, wieso Google diese Webseiten benachteiligen sollte.

Zudem glaubt Kronenberg, dass die neuen Endungen ein gewisses Risiko bezüglich der Nutzerakzeptanz bergen, weil viele Internetnutzer sie schlicht noch nicht kennen. Die neuen Auswahlmöglichkeiten seien aber an sich positiv, denn unter den klassischen Domain-Endungen seien die meisten attraktiven Adressen bereits vergeben. Sein Urteil fällt gemischt aus: "Unterm Strich sehe ich erst einmal nur einen Vorteil bezüglich der Auswahlmöglichkeit. Bezüglich der Akzeptanz muss man kurzfristig erst einmal mit Nachteilen rechnen, und Google bewertet die neuen Top-level Domains vorerst neutral." Diese Vor- und Nachteile müsse man gegeneinander abwägen.

Zitiervorschlag

Mey, Top-level Domains für Juristen: .law, .lawyer und .legal. In: Legal Tribune Online, 10.03.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/18743/ (abgerufen am: 21.09.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 10.03.2016 14:57, Andreas Moser

    Ich bin immer noch froh darüber, dass ich mir vor Jahren www.hot-shot-lawyer.com gesichert habe. :-)

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  • 10.03.2016 15:59, RMM

    Wir sind auch unter den .legal-Anwälten. Problem ist weniger das Buchstabieren der Endung, sondern, dass Kollegen und Mandanten am Ende trotzdem versuchen, uns unter .legal.de zu erreichen....

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 12.03.2016 12:03, Frank Remmertz

    Ich habe als Rechtsanwalt auch auf .legal gesetzt und mit remmertz.legal bisher gute Erfahrungen gemacht. Nachteil ist, dass die entsprechende E-Mail-Adresse in manchen Registrierungsportalen noch nicht anerkannt wird.

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  • 04.07.2017 21:48, Trixi Hoferichter

    Ich biete Arbeitsrecht, Mediation und ausgelagerte Personalabteilung und habe daher info@arbeitsrecht.services etc. Auch ich kenne es, dass immer wieder ein .de erwartet wird oder auch Registrierungsprotale den Zugriff verweigern....auch manche Spamfilter sind zunächst skeptisch...

    Dennoch habe ich im Ranking wirklich gute Erfolge in allerkürzester Zeit erzielt.

    www.arbeitsrecht.services .... das zieht!

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