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Themenwoche Fachanwalt & Fortbildung: Werkzeugkoffer Weiterbildung

Soft Skills, BWL-Kenntnisse, Auslandsaufenthalt: Die Fortbildungsprogramme, die Großkanzleien für Mitarbeiter auf allen Karrierestufen auflegen, decken mittlerweile die gesamte Bandbreite der fachlichen und persönlichen Weiterbildung ab. LTO stellt die verschiedenen Bildungsprogramme vor.

Das Jurastudium als Bohrmaschine: Eine ungewöhnliche, in Sachen Fort- und Weiterbildung aber durchaus tragfähige Analogie. Denn für den Großkanzleianwalt sind zwei Examina und das damit verbundene Fachwissen eben nur ein Hilfsmittel von vielen im persönlichen Werkzeugkoffer. Ergänzt werden sie zum Beispiel durch betriebs- und volkswirtschaftliche Kenntnisse, Auslandserfahrung, Präsentations- und Motivationstechniken. Selten werden diese Qualitäten an den Unis gelehrt, nie im Examen abgeprüft.

Viele Großkanzleien füllen den Werkzeugkoffer ihrer Anwälte und Anwältinnen daher heute in eigener Regie. Junge Associates erhalten oft schon am ersten Arbeitstag einen detaillierten Aus-bildungsplan an die Hand. Mitarbeiter höherer Seniorität kommen in den Genuss speziell an ihren Berufsalltag angepasster Weiterbildungsprogramme. Auch gestandene Partner sind in so mancher Kanzlei zur organisierten Auffrischung ihres Wissens verpflichtet.

Fachwissen gefragt: Lernen in Kanzlei und Universität

Dass die juristische Ausbildung mit dem zweiten Examen abgeschlossen ist, würde wohl kein Anwalt behaupten. Zur Lektüre von Fachzeitschriften, dem Besuch einschlägiger Konferenzen und ähnlichen, in Eigeninitiative betriebenen Projekten, kommt daher in der Mehrzahl der Großkanzleien eine strukturierte juristische Fortbildung. Die Angebote rangieren von einer Einstiegswoche zum Wirtschaftsrecht, wie sie etwa Freshfields Bruckhaus Deringer anbietet, über das flexible "training on the job" bis hin zu regelmäßigen Veranstaltungen der einzelnen Praxisgruppen.

Fast ebenso wichtig wie juristisches Wissen sind manchen Großkanzleien jedoch wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse. Anwälte und Anwältinnen bei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy LLP etwa können diese an der amerikanischen Eliteuniversität Harvard erwerben. Im Rahmen des Fortbildungsprogramms "Milbank@Harvard" lernen sie dort zum Beispiel die Grundlagen der Finanzpolitik, der Makro- und Mikroökonomie und des Marketings.

Weniger weit reisen die Mitarbeiter von Hengeler Mueller: In der "HM Akademie" werden sie an der Universität St. Gallen in Wirtschaftswissenschaften ausgebildet. Fünf Jahre lang erwerben sie in mehrtägigen Seminaren entsprechende Kenntnisse. Denn die werden im Arbeitsalltag oft ebenso vorausgesetzt wie fundiertes rechtliches Wissen, weiß die verantwortliche Partnerin Dr. Viola Sailer-Coceani: "Unsere Mandanten verlangen einen Rechtsanwalt, der nicht nur die juristischen Fragen abarbeitet, sondern dabei auch ihre wirtschaftliche Zielsetzung im Blick hat."

Sicher präsentieren, kommunizieren, verhandeln: Soft Skill-Unterricht

Zusätzlich zur fachlichen Fortbildung liegt der Fokus immer stärker auf dem Einüben relevanter Soft Skills. Mit gutem Grund: "Es reicht längst nicht aus, brillantes Fachwissen vorweisen zu können. Als unternehmerisch denkender Berater muss man dieses Wissen auch verständlich und zielorientiert vermitteln und sich auf jedem Parkett sicher bewegen können", so Dr. Hubertus Kolster, Managing Partner von CMS Hasche Sigle.

Mit der "CMS Hasche Sigle Akademie" setzt seine Kanzlei auf Fortbildung nach dem Baukastenprinzip: Auf jeder Karrierestufe müssen Anwälte und Anwältinnen verschiedene, zu ihrem Berufsalltag passende Fähigkeiten erwerben. Von Präsentationstechnik in den ersten Berufsjahren über Verhandlungsstrategien bis hin zu Motivationstechniken für Führungskräfte. An einem externen Management-Institut können die Fähigkeiten weiter ausgebaut werden.

Ähnlich modular ist die hauseigene Weiterbildung von Noerr aufgebaut: Im Karriereprogramm "Noerr Campus" durchläuft jeder Mitarbeiter genau festgelegte Ausbildungsstufen. Dabei wer-den, ebenfalls nach beruflicher Erfahrung differenziert, Kompetenzen wie Kommunikation, Teamfähigkeit oder Führungsstärke trainiert. Personalleiter Wolfgang Troll hat festgestellt: "Auch wenn sich nicht immer alles sofort in die Praxis umsetzen lässt: Die Mitarbeiter sind nach den Übungen sensibilisiert und gehen mit anderen Einstellungen und Erwartungen an ihre Arbeit heran."

Zitiervorschlag

Anna K. Bernzen, Themenwoche Fachanwalt & Fortbildung: Werkzeugkoffer Weiterbildung . In: Legal Tribune Online, 14.11.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10050/ (abgerufen am: 20.08.2019 )

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