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Themenwoche Jobmarkt Jura: Die juris­ti­sche Arbeits­welt in Zahlen

von Johanna Strohm, LL.M.

05.05.2014

Die Aufregung vor dem ersten Plädoyer und die Freude über das erste Gehalt kann man nicht in Zahlen ausdrücken – vieles andere aus der juristischen Arbeitswelt aber schon. Beispiel gefällig? Die Zahl der Juristen hat in zehn Jahren um über 40 Prozent zugelegt, auf der Anklagebank sitzen zu 90 Prozent Männer, im Vorzimmer aber zu 99 Prozent Frauen.

Juristen rechnen vielleicht nicht gern, aber Rechnungen über den Berufsstand lassen sich doch einige anstellen – zumal er so viele Vertreter hat. Sie bilden eine der fünf großen Berufsgruppen unter den erwerbstätigen Akademikern in Deutschland und wachsen stetig weiter. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für den Sommer 2011 223.000 erwerbstätige und sozialversicherungspflichtige Juristen aus, im Jahre 2001 waren es nur 167.000.

Den größten Teil der Beschäftigten stellten 2011 die Juristen in der Rechtsberatung. Vier von zehn waren in diesem Bereich angestellt, größtenteils in Rechtsanwaltskanzleien und Notariaten. Weitere 15 Prozent der Beschäftigten sind in der Rechtspflege zum Beispiel bei Gerichten und fünf Prozent im Allgemeinen Verwaltungsdienst bei Ministerien und Behörden tätig. Das verbleibende Drittel verteilt sich auf Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberatungskanzleien, Verbände und Unternehmen aller Wirtschaftszweige. 

Die Jobsituation für Juristen ist relativ konstant. Im Jahr 2012 waren durchschnittlich 5.300 arbeitslos gemeldet, rund vier Prozent weniger als im Jahr 2011. Schwierigkeiten haben vor allem Berufsanfänger ohne oder mit geringer Berufserfahrung, fast zwei Drittel der arbeitslosen Juristen sind unter 35 Jahren. Im Allgemeinen stellt Arbeitslosigkeit für Juristen jedoch nur ein Randphänomen dar. Bezogen auf alle in Deutschland Tätigen mit einem Studienabschluss der Rechtswissenschaften betrug die Arbeitslosenquote 2011 gerade einmal 2,2 Prozent.

Nach der Sonderauswertung Jura der Studie Jobtrends Deutschland 2014 des staufenbiel Instituts bleibt der Bedarf an Juristen auch 2014 konstant. 68 Prozent der befragten großen Sozietäten, Boutiquen und Unternehmen sehen im Vergleich zum Vorjahr eine gleichbleibende Nachfrage, 25 Prozent rechnen gar mit einem steigenden Bedarf.

Das liebe Geld: Kanzleien vor Unternehmen vor Behörden vor… Kanzleien

Die größten Unterschiede innerhalb der Berufsgruppen zeigen sich beim Gehalt. Die von der Zeitschrift Azur veröffentlichen Gehaltstabellen 2014 weisen etwa ein Jahreseinstiegsgehalt von 37.500 bis 45.000 Euro für die Arbeit bei Bundes- und Landesbehörden aus. Dem stehen stolze 93.000 beim bestzahlenden Unternehmen (Siemens) gegenüber, und McKinsey, die spendabelste unter den Beratungsgesellschaften, zahlt gleich 100.000 Euro im ersten Jahr.

Noch mehr kann man allerdings mit der klassischen Arbeit als Rechtsanwalt verdienen – den richtigen Arbeitgeber vorausgesetzt. Hier führt die Kanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy die Liste an; sie zahlt Einsteigern ein Fixum von stolzen 125.000 Euro. Dafür ist unter Rechtsanwälten auch viel Raum nach unten: Mit wenig Berufserfahrung und einer kleinen Kanzlei als Arbeitgeber kommen Gehälter von nur 30.000 Euro jährlich durchaus vor.

Im Staatsdienst gibt es ebenfalls wachsende Gehaltsunterschiede, dort werden die Diskrepanzen in der Besoldung zwischen den Bundesländern immer größer. Ein junger Richter oder Staatsanwalt im Saarland erhält inzwischen 776,57 Euro oder knapp 20 Prozent weniger Gehalt pro Monat als ein Berufsanfänger in der Hamburger Justiz. Ein verheirateter Richter oder Staatsanwalt mit zwei Kindern in der Besoldungsgruppe R2/Endstufe erhält heute in Bayern knapp 800 Euro mehr als sein vergleichbarer Kollege in Berlin. Vor fünf Jahren waren es noch 423,05 Euro.

Juristen verdienen 42 Prozent mehr als Juristinnen

Diskrepanzen gibt es im Rechtsdienstleistungsmarkt auch zwischen den Verdiensten von Frauen und Männern in der gleichen Leistungsgruppe. Die Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts weist im Jahr 2012 für männliche Beschäftigte in Führungspositionen in Unternehmen der Rechtsberatung ein monatliches Bruttogehalt ohne Sonderzahlungen von mehr als 7.000 Euro aus; für Frauen sind es nur rund 6.000 Euro.

Diese Gehaltsdifferenz der Geschlechter beträgt deutschlandweit für alle Branchen im Durchschnitt 23 Prozent. In der Rechtsberatung fällt sie mit 42 Prozent allerdings noch weit höher aus, wobei auch nichtanwaltliche Rechtsdienstleistungsunternehmen in der Erhebung berücksichtigt wurden. Zwei Drittel der Verdienstunterschiede lassen sich laut dem Statistischen Bundesamt auf strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale von Männern und Frauen zurückführen. In der Rechtsberatung kann dies zum Beispiel der Einfluss des Fachgebiets in Verbindung mit der jeweils vorherrschenden Vergütungsform sowie der jeweiligen Kanzleigröße sein.

Ursachen für die Unterschiede beim Verdienst sind vor allem Merkmale wie Kanzleigröße, Region, Alter und Fachgebiet. So sind Frauen etwa im Wirtschaftsrecht deutlich unter-, im Familien und Sozialrecht hingegen überrepräsentiert. Allerdings beziehen Kanzleiinhaberinnen nach einer großen Zukunftsstudie des Deutschen Anwaltsverein von 2013 auch bei gleicher Kanzleigröße (gemessen an der Anzahl der Berufsträger) im Durchschnitt ein geringeres Jahreseinkommen als ihre männlichen Kollegen.

Zitiervorschlag

Johanna Strohm, LL.M., Themenwoche Jobmarkt Jura: Die juristische Arbeitswelt in Zahlen . In: Legal Tribune Online, 05.05.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/11866/ (abgerufen am: 25.08.2019 )

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Kommentare
  • 06.05.2014 08:45, Nachwuchsjurist

    Der Beruf des Staatsdienstes wird (leider) immer unattraktiver. Steigende Arbeitsbelastung, hervorgerufen durch den teilweise radikalem Abbau von Richter- uns Staatsanwaltsstellen (bzw vollständige Schließung von ganzen Gerichtsbezirken und Umverlagerung des noch vorhandenen Personals auf andere Gerichtsbezirke) auf der einen Seite, im Verhältnis die unzureichende Bezahlung auf der anderen Seite. Ich wollte früher immer Richter werden, da ich einen ausgeprägten Sinn für Unterstützung des Rechts habe. Die derzeitige Arbeitsbelastung rangiert (wenn überhaupt) nur wenig unterhalb derer eines Associates in einer Großkanzlei. Bricht man die Bezahlung auf den tatsächlichen Stundenlohn herab, stellt man fest, dass eine Einkommensschere aufgeht. War der Stundenlohn bspw. eines Richters vor einigen Jahren durch Zuschläge auf das nach der Besoldungstabelle festgelegte Gehalt in etwa mit dem eines Anwalts in einer Großkanzlei vergleichbar (da wöchentlich deutlich weniger Stunden zu arbeiten waren), klafft derzeit ein riesiges Gehaltsloch. Die wöchentliche Stundenzahl ist in beiden Berufsgruppen vergleichbar, das Gehalt im Staatsdienst deutlich schlechter (weniger als 50% des Bruttogehalts einer der führenden Großkanzleien). Meines Erachtens zeichnet sich ein gefährlicher Trend ab. Der Staatsdienst wird immer umlukrativer. Zwar mag durch die weitestgehend eigene Gestaltung des Arbeitstages eine bessere Vereinbarkeit zwischen Familien und Beruf herstellbar sein als in einer Großkanzlei, in der man von den Arbeitszeiten des Chefs abhängig ist. Die gleiche Menge an Arbeit muss dennoch verrichtet werden. Insofern wird sich der Beginn des Arbeitstages drastisch nach vorne verlagern, was dann für einen früheren Feierabend spricht. Auch aus diesem Grund ist die Work-Life-Balance nur zu 1/3 zufriedenstellend hergestellt. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Entweder müssen mehr Stelen im Staatsdienst besetzt werden oder die Bezahlung muss deutlich angehoben werden. So ist es jedenfalls nachzuvollziehen, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen von dem Berufswunsch im Staatsdienst mittlerweile abstand genommen haben und sich auf eine (lebenslange) Karriere in der freien Wirtschaft vorbereiten.

    • 06.05.2014 12:07, Frank Furter

      "Der Beruf des Staatsdienstes wird (leider) immer unattraktiver."

      Gewagte These, angesichts dessen dass die Bewerberzahl konstant hoch ist und man ohne Prädikat im 2. StaatsEx kaum Chancen auf Einstellung hat.

      "Die derzeitige Arbeitsbelastung rangiert (wenn überhaupt) nur wenig unterhalb derer eines Associates in einer Großkanzlei. Bricht man die Bezahlung auf den tatsächlichen Stundenlohn herab, stellt man fest, dass eine Einkommensschere aufgeht. War der Stundenlohn bspw. eines Richters vor einigen Jahren durch Zuschläge auf das nach der Besoldungstabelle festgelegte Gehalt in etwa mit dem eines Anwalts in einer Großkanzlei vergleichbar (da wöchentlich deutlich weniger Stunden zu arbeiten waren), klafft derzeit ein riesiges Gehaltsloch. "

      Wieso wird es eigentlich von Seiten der Richterverbände immer als gesetzt betrachtet, dass Richter genauso viel verdienen müssten wie die Spitzenverdiener der Anwaltsbranche? Würden sie deren Job machen können und wollen?

      Wenn ja, warum tun sie's dann nicht?

      "So ist es jedenfalls nachzuvollziehen, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen von dem Berufswunsch im Staatsdienst mittlerweile abstand genommen haben und sich auf eine (lebenslange) Karriere in der freien Wirtschaft vorbereiten."

      Eine vernünftige ökonomische Überlegung. Was soll nun schlimm daran sein?

  • 06.05.2014 12:24, Nachwuchsjurist

    Lieber Frank,

    ich behaupte jetzt einfach mal, dass die Bewerberzahlen NOCH hoch sind. Mit Abbau von zahlreichen Richter- und Staatsanwaltsstellen alleine in Hessen steigt die Arbeitsbelastung. Diesen Trend sieht man seit einiger Zeit in ganz Deutschland. Ob die Bewerberzahlen tatsächlich genauso hoch sind wie bspw. vor 10 weiß ich nicht. Aber ich kann zumindest sagen, dass eine deutliche Bewegung bei Studierenden und Referendaren erkennbar ist. Die Bereitschaft bei vergleichsweise niedrigem Gehalt relativ viel zu arbeiten sinkt. Dass nur die besten Juristen die Chance auf einen begehrten (?) Platz im Staatsdienst haben verstärkt dieses Dilemma meines Erachtens. Ich bin absolut dafür, dass nur die Besten in unserem Lande Recht sprechen sollten, aber die Zahl potentieller Arbeitnehmer wird in Zukunft schrumpfen. Und genau dies zeigt meine "ökonomische Überlegung". Die guten Juristen wenden sich mittlerweile vom Staatsdienst ab. Ich bin ganz offen: Wäre das Gehalt besser, würde ich zu meinem ursprünglichen Berufswunsch des Richters zurückkehren. Unter diesen Umständen bin ich aber nicht dazu bereit.
    Dass Richter nicht den Job eines hochbezahlten Anwalts machen wollen kann sicherlich verschiedene Grüne haben: Bereits erlangte Sicherheit durch den Beamtenstatus, kein Gefallen am Anwaltsjob. Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden was das Richtige ist. Ich finde es nur bedenklich, dass ich in letzter Zeit verstärkt Leute getroffen habe, die von Beginn des Studiums an eine Richterkarriere geplant hatten und jetzt doch in die Großkanzleiwelt umgeschwenkt sind. Dies sind objektive Beobachtungen, die mich nachdenklich machen.

    • 09.05.2014 15:28, petergabriel

      Auch befinde mich derzeit noch "in Ausbildung" und zählte zu den Landesbesten in Hessen im 1. Staatsexamen und erachte den Richterberuf als erstrebenswerte Position. Allerdings müssen die Parameter stimmen. Wenn die Vergütung hinter der Großkanzlei so stark zurückbleibt - wie es gegenwärtig der Fall ist - und zugleich die Arbeitsbelastung unvermindert in extremer Weise zunimmt, bekommt man als Berufseinsteiger doch das gefühl, dass der Staat die Qualifikation und Einsatzbereitschaft ihrer höchsten Justizangestellten nicht ausreichend würdigt.
      Wenn - worauf mein Vorredner zu Recht hinweist - dass nur die besten Juristen in eine Richterposition gehoben werden sollten, dann muss eine solche Position auch entsprechend vergütet werden. Wenn mein Gehalt als Richter nicht einmal 50% eines (Groß)Kanzleigehalts bei nahezu gleicher Arbeitsbelastung erreicht, dürfte die Stellenwahl vielen Absolventen recht leicht fallen.


      Für mich habe ich diese Entscheidung noch nicht getroffen, werde aber den Einstieg als Associate einer Richterposition vorziehen, wenn die Konditionen beider Position derart stark divergieren.

      Der Staat muss sich ins Bewusstsein rufen, dass Rechtspflege ein Mindestmaß an Qualifikation erfordert, die einen entsprechenden Preis hat.

      Würde der Staat dies berücksichtigen wäre es etwa auch nicht erforderlich, dass sich die Ministerien von Bund und Ländern bezüglich der Ausarbeitung von Gesetzentwürfen in letzter Zeit verstärkt an Großkanzleien wenden. Das Großkanzeleien im Spagat zwischen Mandantenberatung und Neutralität bei der Entwurfserstellung zumindest dem Verdacht von Interessenkonflikten aussetzt, dürfte wohl kaum von der Hand zu weisen sein. Gut, das ist dann wieder eine ganz andere Baustelle, wenn auch ausgehend von der gleichen staatlichen Ignoranz ökonomischer Anreizpolitik...

  • 06.05.2014 23:16, Amiga

    Lieber Nachwuchsjurist,

    Von einem, der beide Arbeitsbereiche (Großkanzlei und Justiz) kennt: So wie du es schilderst, ist es nicht. Meine es wirklich nicht böse, aber man merkt an dem, was du schreibst, dass du von dem tatsächlichen Arbeiten in Großkanzlei und Justiz wenig Ahnung hast. Natürlich stimmt, dass die Arbeitsbelastung in der Justiz gestiegen ist. Und gegen mehr Gehalt würde sich dort auch niemand wehren (werden im Übrigen wenige tun). Nur der Druck in der Kanzlei ist mit dem im Staatsdienst nicht zu vergleichen. Und gemessen an dem, was einem Associate teilweise abverlangt wird, ist die Bezahlung auch nicht immer so dolle.. Also vielleicht doch nicht so verwunderlich, dass der Staatsdienst -nicht nur die Justiz - immer noch zu viele hochqualifizierte Bewerber hat...

    • 07.05.2014 07:40, Nachwuchsjurist

      Liebe Amiga,

      du hast mit einer Aussage recht: Das Arbeiten in der Justiz kenne ich tatsächlich nur aus den Stationen im Referendariat. Ich arbeite aber bereits seit 2,5 Jahren in einer Großkanzlei (Corporate/M&A) und muss sagen, dass die Belastung sehr schwankend ist. Es gibt Phasen in denen man viel zu tun hat (da gehe ich auch mal nach Mitternacht nach Haue) und Phasen in denen ich manchmal einfach nur "rumsitze". Ich bin auch der festen Überzeugung, dass sich in der Justiz niemand gegen höheres Gehalt wehren würde, allerdings sind natürlich nicht die Richter für eine Gehaltserhöhung zuständig... Wenn ich meinen Stundenlohn mit dem eines Richters (ich setze jetzt mal 50 Std/Woche für einen Richter in den ersten Jahren an) vergleiche bin ich immer noch deutlich besser bezahlt. Ich bin übrigens absolut deiner Meinung, dass es immer noch zu viele jochqualifizierte Bewerber auf den Staatsdienst gibt. Die Stellen sind rar und es bewerben sich ja nicht nur diejenigen, die frisch mit dem Examen fertig sind, sondern auch solche die 2-3 Jahre in einer Großkanzlei gearbeitet haben und dann wechseln wollen (was auch lange mein Plan war....). Ich glaube aber, dass die Bewerberzahl rückläufig ist. Nur merkt man das nicht so sehr, weil es wie gesagt viel mehr Bewerber als freie Stellen gibt. Im Grunde gebe ich dir damit auf ganzer Linie recht (bis auf die Aussage, dass ich von dem tatsächlichen Arbeiten in einer Großkanzlei wenig Ahnung habe ;-)). Ich sehe trotzdem einen Wandel und bin gespannt wo es in den nächsten 5 Jahren mit dem Staatsdienst so hingeht...

  • 08.05.2014 14:52, LexNevel

    Diese Vergleiche sind doch absurd. Richterliche Unabhängigkeit, ein Sitzungstag pro Woche, hervorragende private KV, Beamtenstatus. Das ist doch nicht bezifferbar und wird hier völlig ausgeblendet. Nörgelnde Richter sollen doch bitte aufgeben und sich etwas anderes suchen. Mit der Einstellung wird es allerdings in der Wirtschaft schwierig.

  • 09.05.2014 14:51, Ludwig Zimmermann

    Wie immer wird die Lage der Rechtsanwälte zu rosig dargestellt. Eine richtige Abschreckung ist damit nicht verbunden. Ich bin seit Jahren als Rechtsanwalt tätig und habe duzende Kollegen kennen gelernt, die unter allen möglich psychischen Erkrankungen leiden. Jüngere und ältere Kollegen, die kaum über ausreichendes Einkommen verfügen, alleine oder in Bürogemeinschaft tätig sind und mangels Aufträgen und Übrung kaum in der Lage sind einen normalen Rechtsfall einigermassen wirtschaftlich abzuwickeln. Die Schuld liegt hier nicht bei den Kollegen, sondern der Teufel steckt im System: Wer glaubt mit einemmehr oder minder efolgreichen Studienabschluss sich selbstständig machen zu können liegt auf jeden Fall falsche. Ohne Mitarbeiter und eine geschmierte Organisation läuft nichts. Bis man ohne Kapital und mit eisernen Nerven eine Kanzlei, sagen wir mal mit drei bis sechs Mitarbeitern aufgebaut hat, vergehen Jahre. Ohne eine gewissen Mindestgröße lässt sich ein Anwaltsbüro weder organisatorisch noch wirtschaftlich betreiben.

  • 11.05.2014 12:15, Henrik Leiner

    "Die Jobsituation für Juristen ist relativ konstant. Im Jahr 2012 waren durchschnittlich 5.300 arbeitslos gemeldet, rund vier Prozent weniger als im Jahr 2011. Schwierigkeiten haben vor allem Berufsanfänger ohne oder mit geringer Berufserfahrung, fast zwei Drittel der arbeitslosen Juristen sind unter 35 Jahren. Im Allgemeinen stellt Arbeitslosigkeit für Juristen jedoch nur ein Randphänomen dar. Bezogen auf alle in Deutschland Tätigen mit einem Studienabschluss der Rechtswissenschaften betrug die Arbeitslosenquote 2011 gerade einmal 2,2 Prozent. "
    Was hier betrieben wird ist gezielte Desinformation.
    Viele Volljuristen verstecken sich in der prekären Selbständigkeit als Einzelanwalt und oder beziehen Hartz-IV
    Nach einigen Jahren Arbeitslosigkeit werden Juristen nicht mehr als arbeitslos in der Statistik für Juristen geführt, sondern als ungelernte oder man hat sie in fachfremde prekäre Tätigkeiten gedrängt und so aus der Statistik gelogen. Da ist man dann ganz schnell bei 20-30 % welche sich den Abschluss hätten sparen können. Dieser Anteil ist weitaus größer als derjenige der wenigen Spitzenverdiener von denen hier die Rede ist und mit denen von den eigentlichen Verhältnissen abgelenkt werden soll.
    Allgemein zur 23 % Lohnlüge von der hier ja auch noch die Rede ist:
    http://de.wikimannia.org/Lohndiskriminierung