Sabbaticals in Kanzleien: Aus­zeit zum Auf­tanken

von Sabine Olschner

01.11.2017

Dass in Kanzleien viel gearbeitet wird, ist hinreichend bekannt. Doch wie jeder Mensch brauchen auch Anwälte mal Pausen, um die Batterien neu aufzuladen. Sabbaticals sind daher inzwischen in vielen Kanzleien fest etabliert.

 

In der Tora, dem ersten Teil der hebräischen Bibel, ist das Sabbatjahr ein Ruhejahr für das Ackerland. Demnach sollen nach jeweils sechs Jahren die Felder ein Jahr lang nicht bebaut werden. Aus diesem Begriff hat sich das Sabbatical abgeleitet: eine Auszeit für Arbeitnehmer, die eine Zeitlang viel gearbeitet haben und sich nun eine längere Pause gönnen sollen.

Laut einer aktuellen repräsentativen Studie des Berufsnetzwerks Xing fördern rund 20 Prozent der Unternehmen, aus denen Arbeitnehmer befragt wurden, Sabbaticals aktiv. Über 10 Prozent der knapp 1500 Befragten haben der Studie zufolge bereits eine Auszeit genommen, weitere 21 Prozent können es sich vorstellen.

Laut einer weiteren Sabbatical-Studie des Meinungsforschungsinstituts Fittkau & Maaß im Auftrag der Online-Plattform Wimdu aus dem vergangenen Jahr wollen 43 Prozent der Auszeit-Aspiranten drei bis sechs Monate Pause vom Job nehmen, fast ein Drittel wünscht sich mit zehn bis zwölf Monaten mitunter sogar ein ganzes Sabbatjahr. Elf Prozent können sich eine Auszeit von bis zu zwei Jahren vorstellen.

Wie viele Mitarbeiter aus Kanzleien in diesen Studien befragt wurden, ist nicht bekannt. Sicherlich würden die Zahlen aber anders ausfallen, wenn nur Kanzleiangehörige an den Studien teilnähmen. Denn das Sabbatical hat sich in der Rechtsbranche noch lange nicht durchgesetzt. Die ersten großen Kanzleien bieten ihren Mitarbeitern mittlerweile Auszeiten an – von einem Jahr Abstinenz vom Job können die Anwälte aber nur träumen.

Bei Hengeler Mueller zum Beispiel können Associates, die mindestens zwei Jahre an Bord sind, seit 2011 einmalig bis zu drei Monate Auszeit nehmen – für Counsels und Partner gilt die Regelung schon länger, sie dürfen alle fünf Jahre ein Sabbatical beantragen. "Darüber hinaus bieten wir bei Bedarf auch flexibel individuelle Freistellungen an", erklärt Astrid Arndt, Personalleiterin der Wirtschaftskanzlei.

Zeit nutzen, um Batterien aufzuladen

Die Pause von der Arbeit ist unbezahlt, die meisten nutzen sie für private Interessen. "Viele gehen auf Reisen, andere engagieren sich ehrenamtlich oder treiben intensiv Sport – keiner muss bei uns begründen, wozu er oder sie eine Auszeit braucht", so Arndt.

Daniela Böning, mittlerweile Partnerin in der Kanzlei, war eine der ersten, die nach Einführung des Sabbaticals die Chance genutzt haben. "Ich hatte gar keine Pläne, sondern wollte nach den ersten anstrengenden Berufsjahren nur erstmal meine Batterien aufladen und mir darüber klar werden, wie es beruflich weitergehen soll." Nach drei Monaten Auszeit freute sie sich auf die Rückkehr in die Kanzlei – für sie ein Zeichen dafür, dass sie dort richtig aufgehoben war.

Dr. Tobias Abend, mittlerweile Assoziierter Partner bei Gleiss Lutz, hat sich als Associate vier Wochen frei genommen – das Maximum an Auszeit, das die Kanzlei ihren Mitarbeitern bietet. Während dieser Zeit wird das Gehalt von der Kanzlei weiterbezahlt. Grundsätzlich kann das Sabbatical bei Gleiss Lutz auch mit dem normalen Jahresurlaub kombiniert werden. Tobias Abend hat in dieser Zeit Urlaub mit der Familie in Kanada gemacht. "Normalerweise können wir zwei, vielleicht auch mal drei Wochen Urlaub nehmen, aber der Erholungseffekt ist natürlich bei einem Monat noch besser", so der 37-Jährige.

Er hatte sich im Vorfeld mit seinem Tutor und seinen Kollegen abgestimmt, damit nicht mehrere aus seinem sechsköpfigen Team zur selben Zeit abwesend sind. Während seiner Abwesenheit haben die Kollegen ihn vertreten. "Ich hatte in der Wildnis in Kanada keinen Handyempfang, konnte nur hin und wieder beim Einkaufen meine Mails abrufen", berichtet Tobias Abend. "Aber in der Kanzlei hat auch keiner erwartet, dass ich in meinem Sabbatical erreichbar bin."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Sabbaticals in Kanzleien: Auszeit zum Auftanken. In: Legal Tribune Online, 01.11.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25323/ (abgerufen am: 20.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 01.11.2017 20:07, @topic

    Buhuhuhuhuhuhuuuuu... Mein Leben ist so anstrengend, weil ich in der Kanzlei ganz im Geld verdiene. Entweder, oder. Wer es ruhiger angeht braucht auch kein Sabbatical. Tolles neumodisches Wort für "Burnout"...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.11.2017 11:17, Kerstin Z.

      Ich finde nicht, dass man sowas gleich runtermachen sollte. Das ist einfach eine (mehr oder weniger) neue Form von Auszeit/Erholung und ich finde auch nicht, dass es das nur bei Kanzleien geben sollte, sondern überall. Allerdings auf freiwilliger Basis für den Arbeitgeber, evtl. auch einfach in Form von unbezahltem Urlaub... Mit einem entweder oder schränkt man sich unnötig ein. Wer keine Auszeit will/braucht, macht eben keine. Ich finde die Idee, auf ein Sabbatical zu sparen, um eine mehrmonatige Reise zu machen (und nicht um mich von einem Burnout zu erholen), ziemlich cool.

  • 10.11.2017 20:54, Carsten Dams

    Beunruhigend ist, dass das "Sabbatical" des Kollegen eine Dauer hatte, die im richtigen Leben ein normaler Sommerurlaub haben kann, wenn man denn an andere Stelle Abstriche macht. Jeglicher "Neid" auf die Arbeit in einer "Großbude" verfliegt spätestens jetzt, so er denn je da war.

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