Rotarier, Lions & Co: Ehrenamt mit Netzwerkeffekt

Dr. Thurid Koch

04.06.2010

Serviceclubs wie Rotary und Lions, Kiwanis und Round Table umgibt der Hauch einer geschlossenen, elitären und männlich dominierten Gesellschaft. Dabei stehen sie für Gemeinnützigkeit und Engagement, unterstützen humanitäte Projekte, förden das Lesen in Schulen oder spenden für Bedürftige. Voraussetzung für Neumitglieder: Das Gesamtpaket muss stimmen.

"We serve", "Service above self" oder "Serving the children of the world" - so oder ähnlich lauten die Grundsätze der Serviceclubs, die damit die Hilfe für andere zu ihrem grundlegenden Prinzip machen. Das auch ebenfalls genannte Ziel "Weltfrieden" klingt zwar ein bisschen nach Miss-Wahl-Befragung, soll aber das Streben nach grenzüberschreitender Verständigung und Hilfsbereitschaft verdeutlichen.

Die bekanntesten und größten Serviceclubs sind Lions und Rotary, gefolgt von Kiwanis und Round Table sowie den ausschließlich Frauen vorbehaltenen Vereinigungen Zonta und Soroptimist.

Internationale, nationale und lokale Hilfsprojekte zu unterstützen, zu organisieren oder überhaupt erst ins Leben zu rufen, ist Ziel aller Serviceclubs. Jeder Club hat daneben aber auch spezielle Anliegen, wie die Initiative "SightFirst" von Lions International, die sich der Bekämpfung von vermeidbarer Blindheit in Entwicklungsländern widmet, oder das Rotary-Programm "PolioPlus", das sich zum Ziel gesetzt hat, Kinderlähmung weltweit auszurotten.

Über allgemeine, humanitäre Projekte hinaus haben sich die Vereinigungen Zonta und Soroptimist insbesondere der Verbesserung der Stellung von Frauen in rechtlicher, sozialer und beruflicher Hinsicht verschrieben. Auf lokaler Ebene engagieren sich die einzelnen Clubs zusätzlich in der direkten Umgebung, beispielsweise mit Hausaufgabenbetreuung, Programmen zur Leseförderung in Schulen oder Sachspenden für Bedürftige.

Berufsgruppenprinzip soll Heterogenität wahren

Seit Ende der 80er Jahre hat sich mit der offiziellen Öffnung der vormals Männern vorbehaltenen Clubs für Frauen - außer bei Round Table - eine wesentliche Wandlung vollzogen. Mittlerweile gibt es immer mehr gemischte Clubs.

Die Mitglieder treffen sich in der Regel ein oder zweimal im Monat zu festen Terminen. "Diese Treffen sind im Grundsatz verbindlich", sagt eine Vertreterin der Lions International. "Fernbleiben sollte man daher nur, wenn wirklich ein Grund dafür vorliegt."

Innerhalb der Clubs wird das so genannte Berufsgruppenprinzip eingehalten, das heißt, es darf von jeder Berufsgruppe nur eine bestimmte Zahl vertreten sein. Ziel ist, die Heterogenität zu wahren, also Handwerkern, Juristen und anderen Berufsgruppen möglichst ausgewogen den Zugang zu ermöglichen.

"Es ist das Ziel unseres Aufnahmeausschusses, möglichst interessante Leute zu finden, die aus vielen Bereichen kommen, da sich die Qualität des Clubs gerade auch aus der Vielfalt der unterschiedlichen Menschen und Berufsgruppen zusammensetzt", beschreibt Thomas Kramer, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Esch & Kramer in Düsseldorf und Mitglied im Rotary Club, den Sinn des Berufsgruppenprinzips.

Diese Berufsvielfalt hilft auch bei der Durchführung von Hilfsprojekten, weil auf diese Weise viele Mitglieder ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Verbindungen erfolgreich einbringen können.

Zugang nur auf Einladung

Einem Serviceclub kann grundsätzlich nur beitreten, wer dazu eingeladen wird. Dennoch besteht die Möglichkeit, sich an einen lokalen Club in der Nähe zu wenden und sein Interesse an einer Mitgliedschaft zu bekunden. Möglicherweise erhält man dann Gelegenheit, an einer Veranstaltung teilzunehmen. "Unter welchen Kriterien dann der Interessent zur Mitgliedschaft auch tatsächlich aufgefordert wird, kann man pauschal gar nicht sagen", stellt die Vertreterin vom Lions Club fest und fügt hinzu: "Das Gesamtpaket muss halt stimmen."

Ähnlich wird dies auch bei Rotary gehandhabt. "Wenn sich hervorragende Kandidaten ohne Einladung bewerben, sind sie aus meiner Sicht ebenso willkommen", betont Club-Mitglied Thomas Kramer.

Dass bei allem Gemeinnützigkeitsdenken und wohltätigem Handeln das Wohl der Mitglieder nicht zu kurz kommt, lassen Veranstaltungen wie Charity-Golf-Cups mit Übernachtung im Nobelhotel, inklusive Beauty-Lounge für die nicht golfende Begleitung, oder gemütliche Sonntagmorgen-Benefizkonzerte vermuten. So lässt sich das Nützliche dann auch durchaus mit dem Angenehmen verbinden.

Zitiervorschlag

Thurid Koch, Rotarier, Lions & Co: Ehrenamt mit Netzwerkeffekt . In: Legal Tribune Online, 04.06.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/420/ (abgerufen am: 15.02.2019 )

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