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Mann und Frau im Anwaltsberuf: Jurist oder Juristin – (k)ein Unter­schied

von Dr. Geertje Tutschka

16.11.2015

Unternehmen setzen in schwierigen Verhandlungssituationen ganz bewusst einen Anwalt oder eine Anwältin ein, bei Scheidungen wählen Mandanten den Anwalt auch nach Geschlecht. Alles Kopfsache? Sicher nicht, weiß Geertje Tutschka.

Dass Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren ist längst bekannt. Und dass auch Juristen Menschen, vor allem aber Männer und Frauen sind, auch. Kommt es also weit weniger auf berufliche Qualifikation und Erfahrung an als wir dachten? Entscheidet über unseren Erfolg am Ende allein die Tatsache, ob wir Jurist oder Juristin sind?

Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht nicht ums "Gendern". Es geht nicht darum, was auf der Packung draufsteht, sondern um den Inhalt: Wie viel Einfluss hat es auf den Erfolg eines Rechtsstreits, ob der Mandant einen Anwalt oder eine Anwältin mit seiner Interessenvertretung beauftragt? Macht es einen Unterschied, ob ein Richter oder eine Richterin über einen Streitfall entscheidet? Und wie neutral sind eigentlich unsere Gesetze?

Unser Rechtssystem ist die Kommunikation von Wertvorstellungen und die Kommunikation ist der Schlüssel dazu. Kommunikation ist also auch der Austausch und die Verarbeitung von Informationen.

Typisch Mann, typisch Frau

Fakt ist, dass Frauen und Männer aufgrund ihrer biologisch-physiologischen Veranlagung Informationen typischer Weise in unterschiedlicher Quantität und Qualität aufnehmen und verarbeiten. Dies ist uns wegen der jahrtausendealten Prägung auf typische Geschlechterrollen in Fleisch und Blut übergegangen. Frauen haben eher einen Rundumblick, sind auf das Wohl der Allgemeinheit bedacht und richten ihren Lösungsansatz auf Verhandlung und Einigung aus. Männer hingegen agieren im Ernstfall eher mit einem Tunnelblick. Sie sind dadurch zwar (scheinbar) schneller, entscheiden tatsächlich aber nur zweidimensional zwischen Angriff oder Wegrennen. Beides schränkt unsere Handlungsalternativen stark ein, zumindest wenn wir typisch männlich oder typisch weiblich kommunizieren.

"Typisch" ist dabei nichts anderes als das, was wir irgendwann einmal als weiblich und männlich im Hinblick auf die Geschlechterrollen definiert haben. Kommunikation selbst ist neutral. Stellen Sie sich Kommunikation als Klaviertastatur vor, eine Vielzahl von schwarzen und weißen Tasten über mehrere Oktaven. Sie reicht von ganz dunklen Tönen bis hin zu ganz hellen, von warmen zu schrillen. Und es kommt natürlich darauf an, wie und was gespielt wird – in welcher Tonart, laut oder leise, eine gefühlvoll Ballade oder eher ein schneidiger Marsch. Lassen Sie uns nun die obere Hälfte der Klaviertastatur als typisch weiblich und die untere als typisch männlich definieren – passend zur Stimmlage.

Schubladendenken? Genau so sind wir Menschen gestrickt. Deshalb definieren wir Geschlechterrollen, definieren, was Gut und was Böse ist. Jeder kommt mit einem größeren oder kleineren Teil dieser Klaviertastatur auf die Welt, einen Bruchteil davon bildet er aus. Welchen, das bestimmen frühkindliche Prägungen und persönliche Erfahrungen. Schule und Ausbildung erweitern das persönliche Kommunikationsmuster bestenfalls. Die Chance, dass sich dieses persönliche Kommunikationsmuster vor allem irgendwo in der Mitte ansiedelt und dabei Bereiche des jeweils anderen Geschlechts miteinschließt, ist groß.

Zitiervorschlag

Dr. Geertje Tutschka, Mann und Frau im Anwaltsberuf: Jurist oder Juristin – (k)ein Unterschied . In: Legal Tribune Online, 16.11.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17483/ (abgerufen am: 21.04.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 17.11.2015 12:06, Battosai

    Den "Kranzgeld"-Paragraphen gibt es seit Mitte 1998 nicht mehr....

  • 21.11.2015 17:58, Leon

    " In den juristischen Berufen ist der Abstand zu den Einkommen der Männer sogar am Größten..."

    Ja, das stimmt, zumindest in Amerika: Weil das Einkommen ein Spiegel der Leistung ist, wie eine - seriöse! - Untersuchung gerade vor kurzem herausfand: Frauen in amerikanischen Anwaltskanzleien leisten wesentlich weniger und erhalten deshalb auch weniger Boni. Warum hat sie eigentlich nicht darauf verwiesen, das hätte bei dem Thema doch eigentlich nahe gelegen? Z.B. hier ganz aktuell:

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/recht-und-gehalt/leistungsunterschied-fuehrt-zu-weniger-gehalt-fuer-frauen-13909158.html

    " Selbst ein Mordmerkmal wie Heimtücke steht mittlerweile auf dem Prüfstand, weil es Frauen benachteilige. .."

    Was für ein haarsträubender Unfug! Ein Mordmerkmal stand auf dem Prüfstand, weil es Frauen benachteiligt? Die Autorin scheint den Hintergrund der Diskussion um den 211 nicht einmal annähernd verstanden zu haben.

    "...der Zeit des klassischen Patriarchats ..." damit greift sie ohne jede Distanzierung eine fixe Vorstellung der Gender - Ideologie auf.

    "...Ein Beispiel dafür (für ein "Patriarchat") ist der Kranzgeld-Paragraph.." scheint der Autorin sicher. Ob sie wohl verstanden hat, dass das Kranzgeld die Frau bekam, und nicht der Mann?? Trotz Patriarchat?

    "Macht es einen Unterschied, ob ein Anwalt oder eine Anwältin einen Mandanten vertritt, ein Richter oder eine Richterin eine Sache entscheidet? Ja, nämlich dann, wenn das Kommunikationsmuster einen anderen Bereich bespielt." ist sich die Autorin sehr sicher. Einen Beleg, eine seriöse Quelle hat sie dafür nicht.

    Überhaupt, wie "bespielt" denn ein "Kommunikationsmuster einen anderen (welchen?) Bereich" in der Welt der Gesetzestexte?

    Eine -seriöse!- Quelle hätte hier durchaus gut hinein gepasst.

    "..Kommt es also weit weniger auf berufliche Qualifikation und Erfahrung an als wir dachten?..." so fragt sich die Autorin und fragt sich gleich weiter , ob "...über unseren Erfolg am Ende allein die Tatsache" entscheide, ob wir nun Männlein oder Weiblein seien.

    Der gesamte Artikel enthält viele fixe Vorstellungen aus der Welt der Gender-Ideologie. Die Autorin übernimmt sie leider ohne jede kritische Betrachtung. Stichhaltige Belege werden nicht geliefert und auch nicht einmal ansatzweise zitiert. Die Behauptungen an sich scheinen ihr sakrosankt. Grundsätzlich scheint das Leben der Frauen wieder einmal viel schwieriger zu sein, was ja auch wieder so eine fixe Vorstellung der Gender-Ideologinnen ist.

    Da ist es bloß gut, dass demnächst zumindest die "work-life-balance" verbessert wird, wie die Autorin als positiven Ausblick vermittelt.

    Ruhig mal öfters zuhause einen schönen Kaffee trinken, statt sich immer durch diese blöden Akten zu arbeiten.

    In Wirklichkeit kommt es auf Akten wahrscheinlich genauso wenig an wie auf "berufliche Qualifikation und Erfahrung".

    Alles nur Erfindung der klassischen Patriarchen.

    • 19.10.2017 09:11, Sophia

      Leon, Ihr Beitrag klingt auch nicht danach, als hätten Sie sich besonders vertieft mit den Ideen, Vorwürfen, Inhalten der von Ihnen so despektierlich gender-Ideologinnen genannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auseinandergesetzt. Es ist in diesem Rahmen ja wohl völlig unnötig, in altbekannter mansplaining-Manier die Darstellung der Autorin derart aggressiv als unseriös, unfundiert und inkorrekt niederzumachen, wenn Sie sich in Wahrheit lediglich auf den Schlips getreten fühlen. Was bedroht denn so an der Idee einer erstarkenden Juristinnenschaft? Dass Man(n) dann vielleicht auch mal abwaschen oder Kinderhüten muss? In meinen Augen eine durchaus zeitgemäße Entwicklung, die leider bis heute auf sich warten lässt. Ein Umstand der weniger der überdurchschnittlichen Kompetenz männlicher Juristen geschuldet ist, als vielmehr über Jahrhunderte manifestierten patriarchalischen Machtstrukturen, die wiederum das ideale Umfeld für -mit Verlaub- Männer wie Sie schaffen, um sich weiterhin einzureden, Frauen seien nunmal einfach unterlegen.
      Ihr Beitrag ist der perfekte Beweis dafür, dass es Symptome, wie die gläserne Decke, den Pay-Gap, Frauenüberschuss in der Kinderbetreuung, Diskriminierung, Chauvinismus und Belästigung am Arbeitsplatz usw. tatsächlich gibt. Und sie sind die Realität von Millionen von intelligenten Frauen.
      Ich wäre Ihnen dankbar, wenn sie diese Missstände nicht dementieren oder relativieren würden, bevor Sie sich wirklich intensiv mit den Tatsächlichkeiten beschäftigt haben. Seien Sie froh, dass Sie ein Mann sind in einem Umfeld, das geprägt ist von Männern wie Ihnen.

  • 19.10.2017 11:04, Sophia

    Und um mir nicht vorwerfen lassen zu müssen, ich sei nicht auf Ihre Kritik eingegangen: Es ist eine Frechheit, der Autorin zu unterstellen, sie habe die Debatte um den 211 StGB nicht verstanden. Sie hat sich auf eines von vielen Problemen der Mord-Dogmatik konzentriert, nämlich die strukturelle Benachteiligung der körperlich (meist) unterlegenen Frau, die sich in Haustyrannen-Konstellationen eben gerade nicht offen gegen einen Angriff wehren kann und damit schneller, als der Mann das Merkmal der Heimtücke erfüllt.

    Darüber hinaus möchte ich Ihnen gerne noch einige hoffentlich ausreichend seriöse Quellen aufzeigen, bei denen Sie sich ja mal informieren könnten:

    https://www.google.de/amp/www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gender-gap-report-des-weltwirtschaftsforums-2016-a-1118265-amp.html

    http://www3.weforum.org/docs/GGGR16/WEF_GGGR16_Full_Report.pdf

    http://m.bpb.de/gesellschaft/gender/frauen-in-deutschland/49400/fuehrungspositionen?p=all

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