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Betrachtungen zum Stand des Legal Tech Marktes: Warum die Zukunft sich Zeit lässt

von Dr. Roland Vogl

27.10.2016

3/3: Anpassungserfolge und Ausbildungsperspektiven

Die gute Nachricht ist, dass diese Bemühungen zumindest teilweise zu fruchten scheinen. Kanzleien, die auf die geänderten Kundenerwartungen proaktiv durch Anpassungen ihrer Personal-, Angebots- und Preisstruktur reagiert haben, weisen nach dem Georgetown Report on the State of the Legal Market 2016 bessere Bilanzergebnisse aus als Konkurrenten, die dies unterlassen haben.

Das Ziel der Stanford Law School ist, bei ihren Studenten Verständnis und Anwendungskompetenz für die Technologien zu vermitteln, die das Recht beeinflussen. Wir bieten entsprechende Rechtsinformatik und Progammierkurse an und nehmen Legal Tech auch in das Programm der Grundlagenfächer auf. Mehrere US Law Schools unternehmen inzwischen ähnliche Anstrengungen; in Deutschland scheint die Bucerius Law School in diesem Bereich die Führung übernommen zu haben.

Was die Zukunft bringt – und wann

Unsere verschiedenen Anstrengungen, den status quo von Legal Tech zu erfassen, bündeln wir jährlich in der CodeX FutureLaw Konferenz, die dieses Jahr am 20. Mai unter dem Motto "Sind wir am Hockey-Schläger-Moment?" stattfand. Mit anderen Worten: Sind wir an dem Punkt, an dem die lineare Entwicklungskurve der letzten Jahre aufwärts abknickt und exponentiell weiterwächst? Die Tendenz der Antworten ging in Richtung "Nein", wie Vortragstitel wie "Die technologische Revolution – Anwälte und Gerichte: Warum so langsam?", "Top oder Flop – Watson und Weitere" oder "Hindernisse für die Akzeptanz von Legal Tech und mögliche Lösungen" deutlich machen.

Zentrale Erkenntnisse der Konferenz waren, dass die Rechtsbranche noch immer mit mangelnder technischer Kompetenz zu kämpfen hat. Dass rechtliche Lösungen den Klienten in den Mittelpunkt stellen sollten. Dass Kanzleien davon profitieren könnten, alternative Gesellschaftsformen zu wählen, die Nicht-Anwälte als Anteilseigner zulassen. Dass die Integration von Legal Tech Risikobereitschaft und stärkere Zusammenarbeit von Anwälten und IT-Experten erfordert, und dass künstliche Intelligenz Anwälte nicht ersetzen, sondern unterstützen wird – wobei wir noch am Anfang der Entwicklung stehen.

Es ist eine aufregende Zeit, um im Rechtsmarkt zu sein und über die Wege nachzudenken, auf denen Technologie helfen kann, die vielen Probleme des heutigen Rechtssystems zu lösen. Für Anwälte ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ihre Dienste möglichst effektiv und kostengünstig vermitteln und dennoch ein angemessenes Einkommen erzielen können. Wer dies als Herausforderung begreift, wird sich in der neuen Umgebung vermutlich sogar sehr gut schlagen. Da Anwälte meist keine Programmierer sind, müssen sie sich mit ihnen austauschen, um die Entwicklung von anwenderorientierten Rechtslösungen zu ermöglichen. Akademische Institute wie CodeX und das Legal Design Lab in Stanford, die Bucerius Law School in Deutschland und viele andere können in diesem Dialog als Vermittler auftreten. Indem er Experten beider Welten zusammenbringt, trägt auch der Anwaltszukunftskongress zu jenem wichtigen Austausch bei, der notwendig ist, um den gemeinsamen Fortschritt zu beschleunigen. Ich freue mich darauf, den Kongress gemeinsam mit Ihnen zu erleben!

Dr. Roland Vogl ist Executive Director and Lecturer in Law an der Stanford University.

Zitiervorschlag

Dr. Roland Vogl, Betrachtungen zum Stand des Legal Tech Marktes: Warum die Zukunft sich Zeit lässt . In: Legal Tribune Online, 27.10.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20991/ (abgerufen am: 22.07.2019 )

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Kommentare
  • 27.10.2016 17:55, BRAKxIT

    Anwälte braucht man (bzw. man frau) schon deswegen, weil man sich bei ihnen ausheulen kann.

    Echte männliche menschliche Anwälte lassen sich daher nicht ersetzen, weil keine Frau ihre Sorgen einem Computer anvertrauen möchte.

    Das ist etwas, was man nicht an der Uni lernt, sondern erst später als Anwalt: Man muß als Anwalt in den ersten Jahren kapieren, daß man keine Paragrafen abspulen muß, sondern den Mandanten ein gutes Gefühl zu geben. Man muß eher ein Kaufmann sein und weniger ein Jurist.

    Männer hingegen schätzen weibliche Anwälte aufgrund ihrer Körpergröße, Figur, Haarfarbe und dem Duft, den eine solche Anwältin verströmt, was ein Computer niemals kann. Der Mandant kann sich zwar vorher bei youp.com im Computer austoben, den Reiz einer echten menschlichen 1.83m großen, gutgebauten dunkelhaarigen Anwältin mit schönen Augen, Beinen, Füßen und einer tollen Stimme kann kein Computer ersetzen.

    Anwälte müssen einfach lernen, mehr Kaufmann und weniger Jurist zu sein, dann überleben sie auch die Digitalisierung.

    • 27.10.2016 18:01, Hubert

      Es ist ja wissenschaftlich seit langem erwiesen, daß 60 % aller Männer auf die Oberweite einer Frau schauen, 80 % auf den Hintern, 20 % auf die Beine und 40 % aller Männer Fußfetischisten sind. Wie oft hat eine Kollegin von mir erzählt, daß sie in Sitzungen gelegentlich mit ihren (schönen) Füßen spielt und die Männer verrückt macht. Dies erkennend, ist es für eine Anwältin in Zukunft wohl nun ein leichtes, mit ihrem Körper Eindruck auf die Mandanten zu machen. Dies kann eben kein Computerprogramm leisten, also würde ich mal die Prognose abgeben, daß es auch weiter immer Anwältinnen geben wird. Umgekehrt gilt für Männer natürlich das gleiche.

  • 31.10.2016 22:51, Christian Wachter

    Ist diese Satire jetzt Absicht oder unfreiwillig?

    • 01.11.2016 09:21, Klaus

      Das ist wohl keine Satire. Viele Mandanten sehen es halt gerne, wenn eine Anwältin mit den Füßen unter dem Tisch spielt. Einmal hat eine Anwältin mit mir sogar gefüßelt, und das war schön. Ein Grund mehr, warum ich kein Computer als Anwalt will. Frauen haben nun mal schöne Füße, warum man sie versteckt ist mir unbegreiflich, denn das ist ein geheimer Wunsch und Fantasie vieler Männer, also krampfhaft unterdrücken führt zu rezidiven psychischen Schäden beim Mann.

  • 23.11.2016 17:43, W. Ernst

    "Für Anwälte ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ihre Dienste möglichst effektiv und kostengünstig vermitteln und dennoch ein angemessenes Einkommen erzielen können ...."
    Wie wahr, wen man die Marktentwicklung ernsthaft verfolgt!

    Umso sprachloser wird man, wenn als einzige Reaktion von großgewachsenen Anwältinnen mit schönen Füßen geträumt wird!
    Angebracht wäre doch wohl eher eine seriöse Auseinandersetzung mit diesem interessant geschriebenen Beitrag.
    Oder sollte sich da der eine oder andere schon überfordert fühlen?