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Betrachtungen zum Stand des Legal Tech Marktes: Warum die Zukunft sich Zeit lässt

von Dr. Roland Vogl

27.10.2016

2/3: Keine beliebte Anlagegruppe bei Investoren

Einige der hier erwähnten Einsatzgebiete wie Datenbanksuche und Vertragsverwaltung haben sich zu dicht besiedelten und hart umkämpften Sparten innerhalb des Legal Tech Marktes entwickelt. Für Kanzleien oder Justitiare kann die große Auswahl hier die Wahl eines bestimmten Anbieters erschweren. Andere Bereiche stecken hingegen noch in den Kindesschuhen. So wurde beispielsweise viel über den Einsatz von Blockchain und Ethereum im Kontext von Vertragsschlüssen, Gesellschaftsgründungen und anderen Rechtsgeschäften gesprochen; aber abgesehen von einigen noch recht frühen Konzepten hat bisher niemand einen konkreten Anwendungsfall entwickelt, in dem diese Technologien dabei helfen würden, die rechtlichen Probleme von Verbrauchern oder Unternehmern bei diesen Geschäften tatsächlich zu lösen.

Für Venture Capitalists sind Legal Tech Startups aus Gründen, die über den Rahmen dieses Beitrags hinausgehen, nach wie vor eine randständige und eher unbeliebte Investmentkategorie. Es ist allerdings erwähnenswert, dass die Finanzierungsbereitschaft von VCs in den USA im vergangenen Jahr insgesamt etwas gesunken ist, was es für Legal Tech Startups besonders schwer macht, auf diesem Weg an Kapital zu kommen. Manche schlagen daher vor, auf diese Option zu verzichten und stattdessen auf klassischere Formen der Geschäftsentwicklung durch organisches Wachstum und etwaige Finanzspritzen von Privatinvestoren zu setzen.

Kanzleien und Rechtsabteilungen: Not macht erfinderisch

Für mehr als zehn Jahre haben zahlreiche Bücher, Fachartikel und selbst Presseberichte die Zukunft der Rechtsberatung in düsteren Tönen gezeichnet. Die Krise betrifft große, mittlere und kleine Kanzleien, aber jeweils auf ihre eigene Art. Kurz zusammengefasst müssen sie sich mit einer wachsenden Erwartungshaltung ihrer Mandanten auseinandersetzen, insbesondere von Unternehmensjuristen, die für das gleiche Geld mehr Leistung fordern. Zudem müssen die Kanzleien sich neuer Konkurrenz in Form von Outsourcing-Anbietern für Rechtsdienstleistungen (LPOs) und Legal Tech Anbietern erwehren. Auch ihre eigenen Mandanten machen ihnen Konkurrenz, indem Rechtsabteilungen Aufträge, die sie früher extern vergeben hätten, häufiger selbst erledigen. Branchenkenner wie Prof. Richard Susskind und Prof. William Henderson haben eloquent beschrieben, wie das traditionelle Kanzlei-Geschäftsmodell zwischen systemischen wirtschaftlichen Zwängen und technologischen Entwicklungen zerrieben wird, und einige Strategien aufgezeigt, mit denen Kanzleien sich für die Zukunft wappnen können.

Als Reaktion auf diese verschärfte Lage haben Kanzleien angefangen, sich stärker mit Innovationsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Viele haben CIOs (Chief Innovation Officer) angestellt oder einen Partner oder ein Komitee von Partnern damit betraut, für ihr Geschäftsfeld relevanten Neuentwicklungen nachzuspüren. Einige größere US-Kanzleien wie z.B. Seyfarth Shaw konzentrieren sich darauf, ihre Abläufe mit betriebswirtschaftlichen Gestaltungsmethoden wie Lean Six Sigma straffer und effizienter zu gestalten. Andere wie Fenwick and West versuchen, Mandanten zu halten, die ihre Dienste nur noch bei besonders schwierigen Rechtsfragen in Anspruch nehmen, indem sie ihnen für ihre übrigen Angelegenheiten über kanzleieigene Agenturen bedarfsgerecht Anwälte als (vorübergehendes) In-House-Personal vermitteln. Die Großkanzlei Dentons hat mit dem NextLaw Lab gar einen eigenen Inkubator zur Forschung an und Entwicklung von innovativen Legal Tech Produkten gegründet. Einige stark spezialisierte Boutiquen und Einzelanwälte stellen ihre Expertise über Onlinedienste bereit, so z.B. die Anwältin Leila Banijamali aus San Francisco über ihr Portal Startup Documents. Und Kanzleien jeder Größenordnung beschäftigen Berater, um ihre IT-Ausstattung auf Vordermann zu bringen. In den Entwicklungsprozess neuer Legal Tech-Lösungen bringen sich inzwischen sogar bekannte Designunternehmen wie IDEO mit ihrem Verständnis von anwenderorientierter Produktgestaltung ein.

Zitiervorschlag

Dr. Roland Vogl, Betrachtungen zum Stand des Legal Tech Marktes: Warum die Zukunft sich Zeit lässt . In: Legal Tribune Online, 27.10.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20991/ (abgerufen am: 17.07.2019 )

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Kommentare
  • 27.10.2016 17:55, BRAKxIT

    Anwälte braucht man (bzw. man frau) schon deswegen, weil man sich bei ihnen ausheulen kann.

    Echte männliche menschliche Anwälte lassen sich daher nicht ersetzen, weil keine Frau ihre Sorgen einem Computer anvertrauen möchte.

    Das ist etwas, was man nicht an der Uni lernt, sondern erst später als Anwalt: Man muß als Anwalt in den ersten Jahren kapieren, daß man keine Paragrafen abspulen muß, sondern den Mandanten ein gutes Gefühl zu geben. Man muß eher ein Kaufmann sein und weniger ein Jurist.

    Männer hingegen schätzen weibliche Anwälte aufgrund ihrer Körpergröße, Figur, Haarfarbe und dem Duft, den eine solche Anwältin verströmt, was ein Computer niemals kann. Der Mandant kann sich zwar vorher bei youp.com im Computer austoben, den Reiz einer echten menschlichen 1.83m großen, gutgebauten dunkelhaarigen Anwältin mit schönen Augen, Beinen, Füßen und einer tollen Stimme kann kein Computer ersetzen.

    Anwälte müssen einfach lernen, mehr Kaufmann und weniger Jurist zu sein, dann überleben sie auch die Digitalisierung.

    • 27.10.2016 18:01, Hubert

      Es ist ja wissenschaftlich seit langem erwiesen, daß 60 % aller Männer auf die Oberweite einer Frau schauen, 80 % auf den Hintern, 20 % auf die Beine und 40 % aller Männer Fußfetischisten sind. Wie oft hat eine Kollegin von mir erzählt, daß sie in Sitzungen gelegentlich mit ihren (schönen) Füßen spielt und die Männer verrückt macht. Dies erkennend, ist es für eine Anwältin in Zukunft wohl nun ein leichtes, mit ihrem Körper Eindruck auf die Mandanten zu machen. Dies kann eben kein Computerprogramm leisten, also würde ich mal die Prognose abgeben, daß es auch weiter immer Anwältinnen geben wird. Umgekehrt gilt für Männer natürlich das gleiche.

  • 31.10.2016 22:51, Christian Wachter

    Ist diese Satire jetzt Absicht oder unfreiwillig?

    • 01.11.2016 09:21, Klaus

      Das ist wohl keine Satire. Viele Mandanten sehen es halt gerne, wenn eine Anwältin mit den Füßen unter dem Tisch spielt. Einmal hat eine Anwältin mit mir sogar gefüßelt, und das war schön. Ein Grund mehr, warum ich kein Computer als Anwalt will. Frauen haben nun mal schöne Füße, warum man sie versteckt ist mir unbegreiflich, denn das ist ein geheimer Wunsch und Fantasie vieler Männer, also krampfhaft unterdrücken führt zu rezidiven psychischen Schäden beim Mann.

  • 23.11.2016 17:43, W. Ernst

    "Für Anwälte ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ihre Dienste möglichst effektiv und kostengünstig vermitteln und dennoch ein angemessenes Einkommen erzielen können ...."
    Wie wahr, wen man die Marktentwicklung ernsthaft verfolgt!

    Umso sprachloser wird man, wenn als einzige Reaktion von großgewachsenen Anwältinnen mit schönen Füßen geträumt wird!
    Angebracht wäre doch wohl eher eine seriöse Auseinandersetzung mit diesem interessant geschriebenen Beitrag.
    Oder sollte sich da der eine oder andere schon überfordert fühlen?