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Personalführung in der Kanzlei: Wer führt, kon­trol­liert

Gastbeitrag von Dr. Anja Schäfer

08.04.2019

Niemand spricht gerne von Kontrolle, denn der Begrifft ruft auch im Anwaltsbusiness negative Assoziationen hervor. Dr. Anja Schäfer räumt mit drei irrigen Vorstellungen auf und erklärt, warum Kontrolle sogar sinnvoll ist.

Jeder Anwalt oder jede Anwältin hat sie in der Vergangenheit schon einmal erlebt: Vorgesetzte, die einem keinen Freiraum ließen und schon beim kleinsten Fehler den Schuldigen suchten. Hat diese Erfahrung bei Ihnen als Anwalt oder Anwältin dazu geführt, dass auch Sie Ihre Mitarbeiter ungern kontrollieren und deren Fehler und Versäumnisse öfter, als es Ihnen eigentlich lieb ist, durchgehen lassen?

Die Auswirkungen mangelnder oder unzureichender Kontrolle und damit einhergehender Führung auf die Arbeitszufriedenheit im Team sind jedoch fatal. Sie können sich Ihrer eigenen, mitunter auch unbewussten "Kontrolllücken" allerdings bewusstwerden und erreichen, künftig konstruktiv zu kontrollieren und so mehr bewirken.

Fokussieren auf das Ziel

Ein Grund für unzureichende Kontrolle von Mitarbeitern ist, dass Sie als Führungskraft nicht kleinlich wirken wollen. Mitunter geht es auch darum, einer möglichen Zurückweisung durch Worte wie "Dies ist doch gar kein Fehler. Schließlich haben Sie mir gesagt, dass ich es so erledigen soll." aus dem Wege zu gehen.

Ein erster Schritt aus dieser Situation gelingt Ihnen, wenn Sie sich auf das fokussieren, was Sie tatsächlich erreichen wollen und damit weniger darauf, wie Sie vom einzelnen Mitarbeiter tatsächlich gesehen werden. Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich als Anwalt oder Anwältin Ihrer Rolle als Führungskraft bewusst sind und diese für sich in Anspruch nehmen. Das haben Sie in der Hand, denn Sie entscheiden, was Ihnen wichtiger ist: Dass Ihre Mitarbeiter von Ihnen angetan sind, oder dass sie tun, was notwendig ist.

Konstruktive Kontrolle schützt vor Frust

Die Furcht, dass jede Kontrolle in einem Konflikt enden kann, führt ebenfalls häufig dazu, dass eine Überprüfung ganz oder teilweise unterlassen wird. Hierbei wird jedoch regelmäßig übersehen, dass Kontrolle konstruktiv, nämlich in Form kontinuierlich stattfindender Feedbackgespräche und damit ohne Sympathieverlust mit dem Ergebnis möglich ist, dass alle davon profitieren.

Wenn Sie konstruktiv kontrollieren, werden Sie Ihre Mitarbeiter nicht frustrieren, sondern sie vielmehr motivieren, unterstützen und gleichzeitig sogar deren Sympathie Ihnen gegenüber steigern. Dies gelingt Ihnen, wenn Sie Kontrolle als Gelegenheit sehen und nutzen, den Mitgliedern Ihres Teams Feedback zu geben und diese so voranzubringen. Jeder Mensch ist grundsätzlich an einer ehrlichen und gleichzeitig wohlwollenden Rückmeldung zur Gewinnung neuer Erkenntnisse über die eigene Person oder die zu erledigenden Aufgaben usw. interessiert. Er fühlt sich auf diese Weise gesehen, unterstützt und hat die Möglichkeit, sich aufgrund Ihrer Resonanz fachlich und/oder persönlich weiter zu entwickeln.

Ein gutes Feedback im Sinne einer ehrlichen Rückmeldung dahingehend, was für Sie funktioniert bzw. nicht funktioniert hat, ist somit für jeden Ihrer Mitarbeiter Gold wert. Sie sollten es Ihnen daher nicht vorenthalten, sondern immer dann, wenn es wichtig ist, der betreffenden Person zeitnah eine Rückmeldung zur Erreichung des entsprechenden Ziels geben. Auf diese Weise kann sich diese auf das von Ihnen anvisierte Ergebnis fokussieren und im Einzelfall auch noch die eigene Performance verbessern.

Formulierung der Erwartungen

Wenn Ihre Mitarbeiter nicht genau wissen, was Sie von Ihnen erwarten, können Sie diese nicht erfolgreich kontrollieren. Bei unklarer Führungskommunikation oder schwammigen Formulierungen bei den delegierten Aufgaben kann jede Kontrollsituation in einer Katastrophe enden.

Ein Mitarbeiter, der im Gegenzug jedoch genau weiß, was er zu erledigen hat, lässt sich gern kontrollieren. Besser noch: er erwartet sogar, dass Sie nachfragen. Ihre Nachfrage empfindet er folglich nicht als Kontrolle, sondern als Unterstützung oder gar Motivation, was Ziel und Ergebnis jeder guten Kontrolle ist. Unterschätzen Sie daher nicht das Interesse Ihres Mitarbeiters an Ihrer Rückmeldung. Denn dieser will Ihnen nach Erledigung der übertragenen Aufgaben zeigen, was er geleistet hat, und dafür Ihre Wertschätzung erhalten.

Kontrolle führt zu Weiterentwicklung

Wenn Sie zum ersten Mal Ihre Mitarbeiter konstruktiv kontrollieren, erwarten Sie nicht, dass sich diese darüber freuen. Seien sich aber sicher, dass sich deren Einstellung bei "guter" Führung ändert. Es liegt daher an Ihnen, ob sich Ihr Team durch Ihr Vorgehen besser geführt, motiviert, unterstützt und eben nicht ständig überwacht fühlt. Wenn Sie sich dieser Herausforderung jedoch stellen, profitieren Sie doppelt, nämlich durch höhere Leistung und mehr Sympathie.

Auch wenn Sie es sich im Moment noch nicht vorstellen können: Die Sympathie Ihrer Mitarbeiter ist größer bei als ohne Kontrolle. Denn ohne entsprechende Kontrolle und Führung macht niemand den Einzelnen auf Fehler oder Versäumnisse aufmerksam und unterstützt bei deren Behebung. Zudem fehlt dem einzelnen Mitarbeiter dann auch die entsprechende positive Rückmeldung. Wenn Sie als Führungskraft Ihrer Kontrollfunktion nicht nachkommen, können Sie die Mitglieder Ihres Teams nicht anerkennen, wenn diese erfolgreich sind. Wer führt und auf konstruktive Weise kontrolliert, profitiert so von mehr Engagement des Einzelnen und erntet mehr Sympathie. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer unterstützt und berät als Business Coach und Mentorin vorrangig Rechtsanwältinnen bei Fragen zur strategischen Ausrichtung, zur beruflichen und persönlichen Neuorientierung bzw. Weiterentwicklung und zur Kommunikation im Business. Zu Themen wie "Wer kontrolliert, führt" bietet sie regelmäßig Live-Webinare, https://anja-schaefer.eu/webinare/.

Zitiervorschlag

Personalführung in der Kanzlei: Wer führt, kontrolliert . In: Legal Tribune Online, 08.04.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/34791/ (abgerufen am: 23.04.2019 )

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