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Berufskleidung für Juristen: Roben machen Leute

von Tanja Podolski

08.12.2016

Erst fiel Niedersachsen, nun Bayern: Die Justizministerien lockern die Vorgaben für das Aussehen einer Robe. Sehr zur Freude einer Herstellerin der Berufstrachten, die sich "um die Details der Emanzipation kümmern" will.

Als Dr. Laura Kubach ihre Laufbahn als Anwältin begann, wollte sie eines nicht: süß aussehen. Sie wollte Positionen einnehmen und Rechte vertreten. Wenn sie dann mal zu einem ihre seltenen Auftritte ins Gericht musste, stand sie da, als zierliche blonde Frau in einer unförmigen Robe. "Das sieht albern aus, und fühlt sich auch so an", sagt sie.

Inzwischen hat die 37-Jährige gemeinsam mit der Designerin Ulla Kraus ihr eigenes Start-Up gegründet, die Garde-Robe. Die Unternehmerinnen fertigen Roben in drei unterschiedlichen Längen in einem Look, der auf die Statur von Frauen angepasst ist. Was einfach klingt, erwies sich also so simpel nur hinsichtlich der Berufstracht für die Anwältinnen: Vor Gericht sind alle Juristen an Kleidungsvorschriften gebunden – und die Regelungen für Staatsbedienstete sind erheblich strenger als die für Anwälte.

Erst kippte Niedersachsen, nun Bayern

Für Rechtsanwälte gilt hinsichtlich der Robe die Regelung des § 20 Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA). Die Norm besagt lediglich, der Anwalt trage vor Gericht eine Robe, soweit das üblich sei. Weitergehende Regelungen gibt es nicht – was nicht bedeutet, dass es nicht bereits diverse Streitigkeiten um die Robe im Gerichtssälen gegeben hätte, sei es, weil Anwälte sich weigerten, etwa vor Amtsgerichten überhaupt eine Robe zu tragen, oder auf der Robe Werbung für die eigene Kanzlei machen wollten. Einer Änderung des klassischen Schnitts der Anwaltstracht aber stand sie nicht entgegen.

Bei Staatsbediensteten sieht das anders aus, wie Laura Kubach heute weiß. "Die Bundesländer haben auf landesrechtlicher Ebene Regelungen mit unterschiedlicher Regelungstiefe getroffen", so die 37-Järhige. "Für Nordrhein-Westfalen und Bayern konnten wir sehr einfach über das Internet herausfinden, welche Regelungen überhaupt gelten." Für die anderen Länder hätten sie die Informationen mühevoll in Archiven recherchieren und schließlich Anfragen an die Justizministerien stellen müssen, bis die genauen Regelungen bekannt waren. Jetzt wissen die Unternehmerinnen: In NRW gibt es noch immer das Merkblatt über die Amtstracht bei den ordentlichen Gerichten mit zentimetergenauen Vorgaben über die Breite des Besatzes – und dieses galt in sehr ähnlicher Form auch in Niedersachsen und Bayern. Auch Hamburg und Schleswig-Holstein haben noch strenge, detaillierte Regelungen.

"In Niedersachsen war es besonders interessant, weil die schärferen Vorschriften überhaupt erst 2011 eingeführt worden waren", so Kubach. Nach Hohn und Spott aus den Reihen von Staatsbediensteten sei allerdings schnell eine  erneute Veränderung angestoßen worden, so dass Niedersachsen im Frühjahr dieses Jahres als erstes Bundesland die strengen Regelungen aufgeweicht habe. Nun folgte Bayern. Ab dem  1. Dezember heißt es dort: "Die Robe bedeckt die Kleidung bis über die Mitte der Unterschenkel und bis zum Handgelenk. Material, Schnitt und Gestaltung der Robe müssen mit dem Ansehen der Rechtspflege vereinbar sein.

Passt die Robe, passt das Auftreten

"Diese Formulierung ist an die Stelle einer zentimetergenauen Vorgabe für einen sackigen Männerschnitt getreten", sagt Kubach – Formulierungen, wie nun nur noch NRW und Hamburg haben. Doch das Justizministerium NRW habe schon vor rund einem Jahr verlauten lassen, dass es eine wohlwollende Prüfung der Roben-Regelung für Staatsbedienstete geben solle.

Laura Kubach freut sich über diese Entwicklung: "Als wir mit der Produktion der Roben angefangen haben, haben wir uns gefragt, ob wir eine Änderung der Regelung hinbekommen." Dass sie dazu mit ihren Anfragen, die auf die antiquierten Regeln hinwiesen, zumindest beigetragen haben, davon ist sie überzeugt.

Für Kubach geht es dabei um mehr, als die Frauen in der Juristenwelt nur modischer zu kleiden. "Ich bin den ersten Frauen in der Juristenwelt dankbar, dass sie uns den Weg geebnet haben, so dass wir uns jetzt um die Details der Emanzipation kümmern können", sagt die Anwältin. "Ich möchte mich auch in einer Robe so angemessen gekleidet fühlen, dass ich das passende Auftreten zu meinem Fall abrufen kann. Wenn ich schon optisch verloren aussehe, muss ich zunächst gegen diesen ersten Eindruck arbeiten." Das könne sie jetzt jeder Juristin ersparen.

Ziel: etwas in den Händen halten

Zu dieser Idee kam damals, vor dem Start von Garde-Robe, das Bedürfnis, etwas zu produzieren. Bei ihrer früheren Tätigkeit in einer Großkanzlei waren einige Bieterverfahren zugunsten von Wettbewerbern ausgegangen, in der Hand hatte sie trotz viel Arbeit nichts. Das wollte sie ändern. Sie belegte einen Nähkurs bei der Designerin Ulla Kraus und wollte nach einigen anderen Gewerken ihre eigene Robe nähen.

Heute lassen die beiden Frauen in einer inhabergeführten kleinen Mode-Schneiderei in Essen nähen, in Düsseldorf und Berlin kann man die Roben anprobieren. Seit einem dreiviertel Jahr produziert Garde-Robe auch für Männer. Natürlich verwenden die Näherinnen ausgewählte Stoffe, doch der Clou sind der eigene Namenszug, der in die Robe gestickt werden kann, und die Widmung oder ein Motto. Bei dem einen hieße es dann: "Möge die Macht mir Dir sein", bei der anderen "Nicht was du bist, ist, was dich ehrt. Wie du es bist, bestimmt deinen Wert."

"Ich bin in erster Linie Anwältin und führe die Garde-Robe nebenbei", sagt die Juristin. "Doch die Änderungen erreicht und ein eigenes Unternehmen gegründet zu haben, das nicht mehr defizitär ist, ist schön."

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Berufskleidung für Juristen: Roben machen Leute . In: Legal Tribune Online, 08.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21371/ (abgerufen am: 15.12.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.12.2016 11:15, Reibert

    Auch auf die Gefahr hin, für einen Banausen gehalten zu werden: Ich habe mir die Garde Robe einmal angesehen und vermag hier kaum einen nennenswerten Unterschied zu erkennen.

  • 08.12.2016 12:15, Lionel Hutz

    Seltsames Geschäftskonzept. Wer irgendwie Wert auf den Schnitt seiner Robe legt, wird wohl kaum solche "Betrügerchen" tragen, wer letzteres tut, kauft sich den billigsten Polyestersack, den er finden kann.

  • 08.12.2016 12:17, Eric

    Ich finde ehrlich gesagt etwas seltsam, dass es als Emanzipation bezeichnet wird, wenn nun Juristinnen das hergebrachte Klischee weiblicher Kleidung in der Robe umsetzen können/sollen/dürfen und dafür die geschlechtsneutrale Unisex-Robe aufgeweicht wird, die sich ja gerade auch darin auszeichnet, ganz unsexistisch auch reizvolle Kurven (nicht nur von Frauen, auch von gut gebauten Männern) zu verbergen. Damit sich alle Beteiligten auf das Wesentliche konzentrieren können. Den Fall.

  • 08.12.2016 21:25, Lange

    Und als nächstes dann: Die Burkinirobe, die hautenge Minirobe mit Strass und Overknees oder einfach das Modell "Rückenfrei"...Winter- und Sommerkollektionen jetzt auch mit Innentäschle für den Cosmopolitain.

  • 09.12.2016 08:20, Anwältin

    @Vor-Kommentatoren:
    Was schert es die Herren überhaupt? Ich finde es ein gelungenes Konzept und trage seit Jahren die "Garde-Robe" gern: endlich eine Robe, die zwar nach wie vor an ein Faschingskostüm erinnert, in der ich aber mit Größe 34 nicht verschwinde und mich beim Blättern in der Akte in den Segel-ähnlichen Ärmeln verheddere... Von der Betonung (!) weiblicher Formen kann indes keine Rede sein. Darum geht es ja auch gar nicht. Auf den Fall konzentrieren wir uns immer!
    Also: lasst uns doch einfach, liebe Herren und übt ein wenig gelassene Toleranz. Ist gar nicht so schwer. Einatmen, ausatmen...:-)

    • 09.12.2016 10:46, Reibert

      Nach allgemeiner Lebenserfahrung dürfte es Kleidergröße 34 auch wenig weiblichen Formen zum Betonen geben.

    • 09.12.2016 20:55, Lange

      Ähm ja. Erstens müssen nicht alle Vor-Verfasser männlich sein. Zweitens: Wer Kleidergröße 34 trägt, sollte sein Geld nicht in Kleidung, sondern in Essen investieren. Drittens: Wer von sich selbst im plural schreibt hat Kleidergröße 34, weil er vorher Größe 68 hatte und sich geteilt hat??? Das Resultat liegt auf der Hand: Kanzleigemeinschaft. Und wieso verheddert sich Frau beim Umblättern? Ich dachte auf der Uni lernt man wenigstens umblättern. In der Sternzeit 09/12/2016 arbeitet man auch eigentlich mit Laptop/Tablet. Wer sich da noch beim umblättern verheddert macht irgendwas falsch.

    • 09.12.2016 21:40, Lexie

      Warum vergleichen Sie unsere Berufskleidung mit einem Faschingskostüm?
      Auch wenn ich mir die -10 mal zu große - Robe von Kollegen ausleihen musste, habe ich mich nicht eine Sekunde lang verkleidet oder gar albern gefühlt , weil es darauf nicht ankommt

    • 10.12.2016 14:25, Rassjurfari

      Mal ganz davon abgesehen, dass es bei dem Artikel nicht um entsprechend geschnittene Roben für Frauen geht - wenn auch den beiden Unternehmerinnen von Garde-Robe der Werbeeffekt sicherlich recht ist - möchte ich mich kurz an die Vor-Kommentatoren/innen (?) Reibert und Lange wenden:

      Sie erreichen ein Maß an ekelhafter, widerlicher Niveaulosigkeit welches seinesgleichen sucht! Einfach nur unfassbar abstoßend. Da kann man sich nur schämen, ganz gleich ob Mann oder Frau.

  • 09.12.2016 17:59, Lexie

    Und wo bleibt der Sinn und Zweck der Robe?
    Wir sollen nur Organe der Rechtspflege sein ,alle sozialen Unterschiede zwischen uns sollen unter der Robe verschwinden .
    Das wird aufgeweicht , wenn einige meinen hier maßgeschneiderte Designerröbchen tragen zu müssen.

    Um darin gut auszusehen ist die Robe nicht da