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Kleidervorschrift durch den Arbeitgeber: Wo hohe Schuhe Pflicht sind

von Dr. Philipp Wiesenecker

12.12.2016

2/2: Umkleidezeiten - der Klassiker

Auswirkungen können Kleidungsvorschriften auch auf die Vergütung haben. So hatte sich das BAG mit der Frage zu beschäftigen, ob der Weg von der Umkleide zur Arbeitsstätte als Arbeitszeit zähle – was immer dann der Fall ist, wenn das Umkleiden im Betrieb vorgeschrieben und damit das Umziehen zu Hause ausgeschlossen ist (v. 19.09.2012, Az. 5 AZR 678/11).

Ähnliches gilt auch außerhalb der Werkshallen und ohne Vorgaben für den Ort des Umziehens: Es ist den Mitarbeitern nicht zuzumuten, ihre Tätigkeit bereits in der Straßenbahn zu erkennen zu geben. Das Tragen von den Arbeitgeber erkenntlich machender Dienstkleidung ist deshalb ausschließlich "fremdnützig" und die Umkleidezeit im Unternehmen deshalb zu vergüten (BAG v. 17.01.2012, Az. 1 ABR 45/10 und v. 17.11.2015, Az. 1 ABR 76/13).

Gebot zur hohen Hacke?

Nun zur Anwaltskanzlei: Darf den dort beschäftigten Empfangsmitarbeiterinnen vorgeschrieben werden, Stöckelschuhe zu tragen? Also kein Verbot aufreizender Kleidung wie bei Banken und Verbänden, sondern vielmehr ein Gebot zur hohen Hacke? Rechtlich klar wäre die Antwort, könnte der Stöckelschuh als Schutzkleidung angesehen werden. Dann könnte sein Tragen vom Dienstherrn verbindlich angeordnet werden, müsste das Recht der Trägerin auf freie Selbstverwirklichung dahinter zurücktreten. Eine hartnäckige Weigerung könnte sogar zur Kündigung führen (LAG Köln 12.12.2008, Az. 11 Sa 777/08). Das dürfte aber nur schwer vertretbar sein, weder für Stöckelschuhe noch für Anzug und Krawatte.

Es kommt damit letztlich darauf an, ob sich die Kanzlei auf berechtigte Arbeitgeberinteressen berufen kann. Die können bei Kunden- und Mandantenkontakt durchaus vorliegen. Denn Kleider machen auch nach Überzeugung einzelner Arbeitsgerichte Leute, weshalb es einem Verkäufer untersagt sein kann, in Turnschuhen zu verkaufen (LAG Hamm v. 22.10.1991, Az.13 TaBV 36/91).

Anders sieht es im Ausland aus: In London hatte sich eine 27-Jährige, als Leiharbeitnehmerin einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingesetzte Empfangskraft gegen die Vorgabe gewehrt, Stöckelschuhe zu tragen. Wenn sie damit wohl auch vor deutschen Arbeitsgerichten gescheitert wäre, so hat sie damit in Großbritannien eine erfolgreiche Medienkampagne geführt, was nun dazu führt, dass am Empfang flache Schuhe getragen werden.

Vielleicht ja im Zuge des bevorstehenden Brexit ein weiteres Argument für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt, wo stöckelschuhfreundliche Unternehmen sich des Zulaufs von qualifizierten Arbeitskräften und der Rückendeckung der Arbeitsgerichte sicher sein können.

Der Autor Dr. Philipp Wiesenecker ist Partner und Fachanwalt für Arbeitsrecht im Frankfurter Büro der Kanzlei Kliemt & Vollstädt, einer der führenden auf Arbeitsrecht spezialisierten Kanzleien in Deutschland.

Zitiervorschlag

Dr. Philipp Wiesenecker, Kleidervorschrift durch den Arbeitgeber: Wo hohe Schuhe Pflicht sind . In: Legal Tribune Online, 12.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21427/ (abgerufen am: 29.10.2020 )

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Kommentare
  • 12.12.2016 10:42, 3,2,1...

    Sexismus, Sexismus, Sexismus! Es gibt einfach gewisse Mindeststandards von Eleganz und Stil, an die sich Männchen und Weibchen zu halten haben. Vor allem im juristischen Bereich.

  • 17.12.2016 15:21, Heribert

    Schade! Ein Gebot zur hohen Hacke hätte durchaus mal ein positives Zeichen gesetzt. So bleibt der Arbeitsalltag wohl langweilig.

    • 17.12.2016 15:49, Juraking

      Ich möchte doch stark anzweifeln, dass es im Interesse der Bevölkerung ist, den Arbeitnehmern frei zu stellen welche Schuhe sie tragen. Dann kann ja der Schlittschuhläufer-Fan auf einmal das schöne Parkett zerkratzen...Das zeigt mal wieder wie unbedacht die Gerichte urteilen...
      Die Verfassungsbeschwerde wird nicht mehr lange auf sich warten lassen...

  • 17.12.2016 15:27, Alexandra

    Also bei uns sind 12cm Pflicht und das finde ich auch gut so! Wo kommen wir denn dahin wenn jeder auf einmal mit flachen Latschen zur Arbeit kommt?

    • 26.04.2018 11:34, Anja

      Ich schätze, wir kommen in ein Land, in welchem es einem nicht gesetzlich vorgeschrieben wird, sich den Rücken kaputt zu machen.

      Entschuldigung, ich wollte nicht zynisch sein. Ich finde nur, dass es falsch ist, jemanden zum Tragen unbequemer und ungesunder(!) Kleidung zu zwingen. Da beziehe ich mich nicht nur auf Stöckelschuhe.

      Vermutlich einer der Gründe, warum ich niemals einen derart etiquettendurchwirkten Beruf ergreifen werde.

      Übrigens sehr interessant, wie (vermutlich) studierte Erwachsene, sich wegen so trivialer Themen plötzlich wie die größten Kinder benehmen. Aber was sag ich, jetzt gehöre ich ja auch dazu.

    • 03.07.2018 16:09, Ulrike

      Also das kann ich mir nicht denken. Was soll das für ein Beruf sein, in dem 12cm Pflicht ist ? Ich denke, dieser Eintrag ist ein Fake.

  • 17.12.2016 16:51, Stephanie Dreigert

    Meiner Meinung nach sollten Frauen tragen was sie wollen. Ich persönlich bevorzuge hohe Absätze auch am Arbeitsplatz. Da man hauptsächlich sitzt ist es auch nicht unbequem. Es fördert zudem auch die allgemeine Stimmung wenn die Männer mal was zu gucken haben...Aber es ist völlig ok wenn sich jemand nicht an die Kleidungsvorschriftrn hält und mit flachen Tretern zur Arbeit kommt.

    • 19.12.2016 18:23, Echt jetzt?

      Sie fördern die Stimmung weil sie den Männern was zum Gucken geben?

      A) Da drehen sich gerade 10 Generationen Frauenrechtler(innen) im Grab um. Was für ein Selbstbild...

      B) Welcher Mann interessiert sich im Büro für Schuhe der Kolleginnen?!

    • 20.01.2019 18:30, Heels Fan

      Ich

  • 18.12.2016 23:29, RA Mombosio

    Völlig zu Recht bleibt es den Angestellten weiterhin freigestellt welche Kleidung sie tragen. Ich begrüße das Urteil. Wen wir einstellen können wir aber natürlich noch selbst bestimmen...

  • 21.12.2016 02:01, Denise S.

    Ich kann Stephanie nur zustimmen...

  • 21.12.2016 12:48, RA Wegenloft

    Sehr geehrter Kollege Mombosio. Höre ich da etwa heraus, dass sie dann nur weibliche Angestellte einstellen, die High Heels tragen? Das wäre ein Skandal!

  • 21.12.2016 15:33, Student der HU

    Also ich finde wenn man schon seine Angestellten zu aktuellen Mindestlöhnen bezahlen muss kann man auch erwarten dass sie in angemessener - und dass heisst nach den Vorstellungen des Arbeitgebers - Kleidung zur Arbeit erscheinen. In meiner Kanzlei wird es dann zumindest ein Bewerbungskriterium.

    • 31.07.2018 12:47, Johanna

      Sie wollen dass man in Ihrer Kanzlei High Heels trägt? Ich habe auch selbst eine eigene Kanzlei und mehrere Angestellte, die ich auch bezahlen muss. Ich erwarte auch von meinen Angestellten, dass sie angemessener Kleidung zur Arbeit erscheinen und nicht in Turnschuhen. Das ist ja auch völlig okay. Aber zum Thema High Heels: Da ich selbst eine Frau bin und weiß wie schmerzhaft High Heels sein können, zwinge ich meinen weiblichen Angestellten auf keinen Fall zum Tragen von High Heels, sondern lasse die freie Wahl ob sie Flache Schuhe oder Heels tragen. Turnschuhe sind nicht erlaubt, aber es gibt auch hübsche flache Schuhe, die man als Angestellte in einer Anwaltskanzlei tragen kann und man sieht trotzdem seriös und ordentlich gekleidet aus. Frauen zum Tragen von High Heels zu verdonnern, dass können auch meistens nur männliche Chefs. Man muss sich als Mann mal vorstellen, wie dass ist, 8 Stunden lang in Absatzschuhen durch die Gegend zu latschen. High Heels mögen schön aussehen, aber können auch sehr unangenehm und Schmerzhaft sein. Manchmal helfen auch Einlagen nicht. Und wer möchte schon mit schmerzenden Füßen und Rücken arbeiten? Und ich finde, besonders als Mann sollte man nicht über das Tragen von solchen Schuhen entscheiden. Es gibt Frauen die ziehen gerne High Heels an, es gibt auch Frauen die nicht für High Heels geeignet sind. Weil sie weh tun, weil sie nicht drauf laufen können usw. Und besonders als Männlicher Chef sollte man solche Aspekte berücksichtigen oder am besten selber mal Acht Stunden lang in High Heels arbeiten, bevor man seinen Mitarbeiterinnen solche Vorschriften auferlegt. Wie gesagt, es gibt auch flache Schuhe die seriös und angemessen an Frauen aussehen.

    • 31.07.2018 14:42, Johanna

      High Heels trainieren die Beinmuskulatur? Wo haben Sie den Unsinn denn her? Meine Schwester ist Orthopädin, mein Mann ist Orthopäde, eine Freundin ist Orthopädin und meine Cousine ist Fußpflegerin und die haben alle unabhängig von einander gesagt, dass High Heels der größte Mist sind, die man an den Füßen tragen kann. High Heels machen die Füße, die Zehen und den Rücken kaputt. Zu angemessener Arbeitskleidung braucht man keine High Heels anziehen. Es gibt auch flache Schuhe die an Frauen seriös und angemessen aussehen. Ich habe eine Kanzlei und genug Angestellte die ich auch teuer bezahlen muss. Natürlich erwarte ich da unteranderem auch ein ordentliches Erscheinungsbild mit angemessener Kleidung. Turnschuhe, Flip Flops u.a sind natürlich verboten. Aber ich lasse meinen weiblichen Angestellten die freie Wahl ob sie High Heels oder flache Schuhe tragen. Es gibt Frauen die ziehen High Heels liebend gerne an, aber es gibt auch Frauen die das nicht gerne tun. Nicht jeder kann in Heels laufen und nicht jeder möchte sich seine Füße und den Rücken ruinieren. Ich als Frau weiß selbst, wie schmerzhaft High Heels sein können und aufgrund der Tatsache, dass es auch flache Schuhe gibt, in denen man ordentlich und seriös gekleidet aussieht und ich selbst eine Frau bin und weiß wie es ist in solchen Dingern rumzulaufen (was ich, seit ich meine eigene Kanzlei habe, gar nicht mehr tue), würde ich meine Mitarbeiterinnen niemals zum Tragen von High Heels verdonnern, sondern lasse ihnen die Freie Wahl.

    • 31.07.2018 14:53, Johanna

      Entschuldigung, der zweite Kommentar war nicht an Sie.

  • 27.12.2016 13:41, Magi

    Zur Arbeit hat man angemessen zu erscheinen finde ich. Und wenn der Arbeitgeber nunmal wünscht, dass man in hohen Hacken herumläuft dann gehört das eben zum Job dazu. Dafür wird man ja auch bezahlt. Und es ist endlich mal eine Gelegenheit meine neuen Louboutins einzuweihen. ;)

  • 14.01.2017 09:54, Chauvi :)

    Frauen gehören in High Heels
    Punkt

    • 31.07.2018 12:20, Johanna

      Dann latsch du mal 8 Stunden lang auf High Heels rum. Ich werde mir garantiert nicht für den Arbeitgeber den Rücken und meine Füße kaputt machen. Ich finde High Heels unangenehm und nach einer Zeit auch sehr schmerzhaft und trage immer, auch zu offiziellen Anlässen, flache Schuhe und ich wurde noch nie dafür kritisiert, sondern immer gelobt. Frauen sollten selbst entscheiden, ob sie High Heels tragen oder nicht. Aber ich arbeite und verdiene mein Geld nicht, um mir meine Füße und meinen Rücken zu versauen.

  • 16.01.2017 18:13, Dennis Da

    Das Problem ist, die meißten können garnicht richtig auf hohen hacken laufen...deshalb empfehle ich Übungsseminare ...

  • 02.02.2017 18:10, Fatamorgana

    Scheint ja ein Dauerbrenner zu sein dieses Urteil....Ich glaube auch dass es kippen wird. Dafür werden die Konservativen schon sorgen...

  • 17.02.2017 15:01, Fan

    Ich finde die verschiedenen Meinungen hier herrlich! Endlich wird mal ein Statement abgegeben...

  • 15.03.2017 16:04, Was ist denn hier los?

    Am weltfrauentag leider nicht gepostet. Dann wenigstens heute: Frauen sollten meiner Meinung nach hohe Schuhe tragen um mit Männern auf einer Ebene verhandeln zu können! So wird nunmal der größenunterschied ausgeglichen ;)

  • 16.03.2017 19:20, Ehm ja

    Scheint ja echt einige herren hier sehr zu beschäftigen das thema! Werd dann wohl mal meine pumps wieder rauskramen, wenn man dadurch bessere chancen beim bewerbungsgespräch hat. Da können die männer nicht mithalten ;)

  • 17.03.2017 11:55, Didem S

    Das ist ein Skandal! Wir tragen die Schuhe die wir tragen wollen! Flache Schuhe sind sowieso gesünder. Es scheint, bei dem Urteil gibt es zwei Lager an Meinungen. Unglaublich!

  • 08.04.2017 11:53, Laura Derr

    Es ist doch ganz normal dass man hohe Schuhe trägt. Wo ist das Problem? Wenn sie zur Arbeitskleidung gehören trägt man sie halt. Außerdem trainiert das auch gleich die Beinmuskulatur! Das Urteil wird kippen, da bin ich mir sicher.

    • 31.07.2018 13:16, Johanna

      High Heels trainieren die Beinmuskulatur? Wo hast du den Unsinn denn her? Meine Schwester ist Orthopädin, mein Mann ist Orthopäde, eine Freundin ist Orthopädin und meine Cousine ist Fußpflegerin und die haben alle unabhängig von einander gesagt, dass High Heels der größte Mist sind, die man an den Füßen tragen kann. High Heels machen die Füße, die Zehen und den Rücken kaputt. Zu angemessener Arbeitskleidung braucht man keine High Heels anziehen. Es gibt auch flache Schuhe die an Frauen seriös und angemessen aussehen. Ich habe eine Kanzlei und genug Angestellte die ich auch teuer bezahlen muss. Natürlich erwarte ich da unteranderem auch ein ordentliches Erscheinungsbild mit angemessener Kleidung. Turnschuhe, Flip Flops u.a sind natürlich verboten. Aber ich lasse meinen weiblichen Angestellten die freie Wahl ob sie High Heels oder flache Schuhe tragen. Es gibt Frauen die ziehen High Heels liebend gerne an, aber es gibt auch Frauen die das nicht gerne tun. Nicht jeder kann in Heels laufen und nicht jeder möchte sich seine Füße und den Rücken ruinieren. Ich als Frau weiß selbst, wie schmerzhaft High Heels sein können und aufgrund der Tatsache, dass es auch flache Schuhe gibt, in denen man ordentlich und seriös gekleidet aussieht und ich selbst eine Frau bin und weiß wie es ist in solchen Dingern rumzulaufen (was ich, seit ich meine eigene Kanzlei habe, gar nicht mehr tue), würde ich meine Mitarbeiterinnen niemals zum Tragen von High Heels verdonnern, sondern lasse ihnen die Freiheit selbst darüber zu entscheiden.