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Jobprofil Underwriter: Zwischen Rat und Risiko

Dr. Thurid Koch

22.07.2010

Das Risiko im Blick, die Versicherungslösung in der Hand - so lautet die Tätigkeitsbeschreibung des Underwriters in Kurzfassung. Sein Aufgabengebiet ist diffiziler und vielfältiger, aber die Abschätzung von Risiken und das Finden maßgeschneiderter Lösungen hierfür sind ein wesentlicher Aspekt seiner Arbeit.

Wie zuverlässig ist der Brandschutz großer Öltanks im Rotterdamer Hafen? Wird Flut in Holland versicherbar, obwohl ein Viertel der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegt? Solche und ähnliche Fragen stellt sich Julia Moser fast täglich im Rahmen ihrer Arbeit. Sie ist Property Underwriter bei der Munich RE, einer der größten Rückversicherungen weltweit.

Ein Underwriter ist bei Erst- oder Rückversicherungen verantwortlich für die Risikoprüfung und die Umsetzung in entsprechende Versicherungen und Vertragstexte. Dafür analysiert und bewertet er Schadensszenarien, verfolgt den technologischen Fortschritt oder Branchen- und Produktstrategien und antizipiert Risiken, um dafür passende Versicherungslösungen zu entwickeln.

Genaue Kenntnis des betreuten Marktes und der Kunden sowie der versicherten Risiken ist dafür unentbehrlich. "Um das Risiko einschätzen zu können, schaue ich mir die ablaufenden Prozesse an, die Bauart des zu versichernden Objekts, den Feuerschutz und etwaige Schäden der Vergangenheit", beschreibt Julia Moser ihre Tätigkeit. Eine betriebswirtschaftliche und juristische Expertise gehört genauso dazu wie technisches Know-how und sogar Kenntnisse der Versicherungsmathematik, um das Risiko in Tarife zu übersetzen.

Spiel mit Zahlen

Entsprechend den vielfältigen Anforderungen wird die Position eines Underwriters auch sehr unterschiedlich besetzt. So sind neben Mathematikern, Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern insbesondere auch Juristen gefragt. "Ein Jurist ist aufgrund seiner Ausbildung nicht nur in der Lage, im Schadensfall zu prüfen, ob dieser von der Versicherung gedeckt ist, sondern er hat auch gelernt, aus ex-ante-Sicht zu beurteilen, welche Problemstellungen in Zukunft entstehen können", so Lydia Martin, Beraterin bei Schollmeyer & Steidl, einer Personalberatung, die auf die Vermittlung von Volljuristen an Wirtschaftskanzleien, Unternehmen, Banken und Versicherungen spezialisiert ist.

Um sich für diese Aufgabe besonders zu qualifizieren, bietet die  Deutschen Versicherungsakademie (DVA)  ein berufsbegleitendes Studium zum Technischen Underwriter oder Versicherungsbetriebswirt an.

Neben Fachkenntnissen verlangt die Tätigkeit des Underwriters auch ein gewisses Persönlichkeitsprofil. "Jedes Unternehmen bedarf eines maßgeschneiderten Versicherungskonzeptes, daher ist insbesondere eine unternehmerische Denkweise hilfreich", betont Lydia Martin. Außerdem seien neben Berufserfahrung auch gute Rechenfähigkeiten und ein starkes Verhandlungsgeschick erforderlich.

Verhandlungsgeschick gefragt

Eine gewisse Kreativität zur Entwicklung von Versicherungslösungen und verhandlungssicheres Englisch sind ebenso unentbehrlich wie spezifische Marktkenntnisse der Branche, in der man eingesetzt wird. Mitbringen sollte man auch die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in komplexe juristische und wirtschaftliche Zusammenhänge einzuarbeiten. Analytische Fähigkeiten und Kommunikationsstärke sind daneben ebenfalls von Vorteil.

Ohne Bonus liegen nach Einschätzung von Lydia Martin das Gehalt eines Berufsanfängers (Junior Underwriter) etwa bei 45.000 bis 50.000 Euro, ein Senior Underwriter kann mit einem Gehalt zwischen 70.000 und 85.000 Euro rechnen.

Zitiervorschlag

Thurid Koch, Jobprofil Underwriter: Zwischen Rat und Risiko . In: Legal Tribune Online, 22.07.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/1036/ (abgerufen am: 11.08.2020 )

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