LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Berufsbetreuer: Immer mehr ein Metier für etablierte Anwälte

von Christian Grohganz

17.04.2013

Eine Krankheit, ein Unfall oder schlicht das Alter lassen immer mehr Menschen zum Betreuungsfall werden. Neben medizinischer und psychologischer Hilfe benötigen sie häufig auch Rechtsrat, was viele Angehörige überfordert. Die Gerichte bestellen dann Berufsbetreuer, die oft Volljuristen sind. Anwälte sollten für den Job aber nicht nur ihr Jurastudium, sondern auch ein gewisses Herzblut mitbringen.

Berufsbetreuer vertreten ihre Klienten gerichtlich und außergerichtlich. Den genauen Aufgabenbereich legt das Betreuungsgericht fest. In der Regel versuchen die Richter, Ehegatten oder Verwandte zu finden, die die Vertretung ehrenamtlich übernehmen. Nur wenn das nicht möglich ist, wird ein Berufsbetreuer bestellt. Ein Studium oder eine Ausbildung im klassischen Sinne braucht es dafür nicht; die Tätigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten eher aus der beruflichen Praxis heraus entwickelt.

"Nach Einführung des Betreuungs-Gesetzes im Jahre 1992 waren vor allem Berufsbetreuer mit sozialpädagogischem Hintergrund erwünscht", erzählt Christian Pfitzner, der nach einer abwechslungsreichen Karriere als Krankenpfleger, Rettungsassistent und Pharmareferent nun Berufsbetreuer ist. "Erst im Laufe der Jahre hat sich herauskristallisiert, dass primär juristische Kenntnisse erforderlich sind, um diesen Beruf auszuüben."

Mit späteren Gesetzesänderungen wurde festgelegt, dass die Betreuung vor allem auch eine rechtliche Vertretung sein soll. "Man wird auch besser vergütet, wenn man einen Hochschulabschluss mit entsprechenden Kenntnissen hat, weshalb heute zu 80 Prozent Akademiker den Beruf ausüben", sagt Berufsbetreuer Heinz Merscher*. Dabei sei zwar Soziale Arbeit das klassische Studium, aber Jura dominiere immer mehr. "Es handelt sich schließlich um eine rechtliche Betreuung und keine persönliche im Sinne eines Pflegedienstes oder einer Hilfe im Haushalt."

Pfitzner, der 1994 zufällig bei einem Altenheim-Besuch auf die Berufsbetreuung aufmerksam wurde, ist sogar der Meinung, dass der Background eines Sozialpädagogen nicht unbedingt für eine erfolgreiche Betreuertätigkeit erforderlich ist. Nicht-Jurist zu sein, sei aber auch kein Nachteil: "Man kann dann ja immer noch anwaltliche Hilfe einholen."

Die Kosten müssen häufig die Landeskassen übernehmen

Berufsbetreuer sind in Deutschland überwiegend selbstständig tätig, in Vereinen organisiert oder bei der Betreuungsbehörde angestellt. Eine stundenweise Vergütung gibt es erst, wenn man mehr als zehn Betreuungen übernimmt.

Trotz dieser hohen Anforderung sind viele Betreuer nebenberuflich oder ehrenamtlich tätig. "Das ist ein zweischneidiges Schwert", sagt Merscher, der in Düsseldorf arbeitet. "Als ehrenamtlicher Betreuer bekommt man nur eine Jahrespauschale von 365 Euro pro Betreuung. Das ist nicht besonders viel.“

Pfitzner arbeitet mittlerweile hauptberuflich als Berufsbetreuer, war aber bis 2001 zusätzlich als Rundfunkjournalist beschäftigt. "Anfang der 2000er Jahre stiegen die Betreuungsfälle so stark an, dass ich mich entschied, nicht mehr halbtags beim Radio zu arbeiten." Ein Trend der sich bis heute fortsetzt, weshalb sich die Kollegen immer wieder gegenseitig aushelfen müssen und einander auch vermitteln. Über seine berufliche Zukunft macht sich Pfitzner daher keine Sorgen.

Anders Merscher: Er kritisiert, dass die Voraussetzungen für die Anordnung einer Betreuungen aus Kostengründen immer mehr verschärft würden. Die meisten Betreuten seien vermögenslos, so dass die Kosten die Landeskassen tragen müssten. "Das wiederum hat zur Folge, dass Berufsbetreuer darauf bedacht sind, eine Betreuungen zu behalten, auch wenn eigentlich kein Bedarf mehr besteht."

Der Einstig ist schwierig

Juristisch sollte man sich nicht nur im Betreuungsrecht, sondern auch im Zivil- und Sozialrecht auskennen und gewisse medizinisch-psychologische Kenntnisse haben. Darüber hinaus sind Buchführungsfähigkeiten sowie Erfahrung im Umgang mit Behörden gefragt.

Für Anfänger gestaltet sich der Einstieg in den Beruf oft schwierig. "Die Wahrscheinlichkeit als Berufsbetreuer neu starten zu können, ist sehr gering, da die Anzahl der Bewerbungen extrem hoch ist", sagt Pfitzner und führt dies auch darauf zurück, dass die Bewerber immer qualifizierter werden.

Nicht zuletzt deshalb liebäugeln häufig etablierte Rechtsanwälte mit einem Wechsel in das Metier. "Um von der Tätigkeit leben zu können, ist ein Vorlauf von mindestens ein bis zwei Jahren erforderlich. Während dieser Zeit ist es nicht möglich, sich aus Betreuungseinnahmen zu finanzieren", sagt Pfitzner. Merscher pflichtet dem bei: "Der Job ist hartes Brot. Oft sehen sich Berufsbetreuer Regressforderungen oder persönlichen Angriffen ausgesetzt, denn nicht selten kommt es zu Problemen – und die sind nicht nur rechtlicher Natur."

Schuld daran sei auch das Missverhältnis zwischen Anspruch und Leistung, so Merscher. "Wenn im Schnitt nur vier Stunden im Monat pro Person vergütet werden, dann wird in der Regel auch nicht mehr Zeit mit dem Betreuten verbracht." Die vier Stunden gingen in der Regel für Berichte und Korrespondenz mit dem Gericht drauf. Dennoch gebe es weiterhin viele Berufsbetreuer, die ihre Arbeit mit viel Engagement und Herzblut leisten. "Ich liebe meinen Beruf, auch wenn ich oftmals eher Undank als Anerkennung erfahre. Aber irgendjemand muss sich ja schließlich um die Menschen kümmern."

*Name von der Redaktion geändert.

Zitiervorschlag

Christian Grohganz, Berufsbetreuer: Immer mehr ein Metier für etablierte Anwälte . In: Legal Tribune Online, 17.04.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8544/ (abgerufen am: 11.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 20.04.2013 17:49, abc

    Wer der Auffassung ist die gesetzlichen Aufgaben (BGB) mit der gesetzlich vorgesehenen Vergütung (VBVG) befriedigend umsetzen zu können, muss entweder ein Multitasking-Supermann/frau sein oder oder eine sehr eigene Vostellung von "befriedigend" haben.

  • 31.01.2014 16:59, Gast

    Dieser Artikel ist unverschämt!
    Sozialarbeiter haben diesen verantwortungsvollen Job zu machen!
    Die ganzen Betreuungsskandale kamen erst auf als geldgierige Rechtsanwälte angefangen haben als Betreuer tätig zu werden.
    Ein Studium der Sozialen Arbeit ist mehr als ausreichend für diese Tätigkeit.
    Das Studium ist sehr juralastig und von BGB, Asylrecht,Sozialrecht bis hin zum Strafrecht ist alles dabei. Und nein es wird nicht nur am Rande angeschnitten.
    Recht insbesondere Sozialrecht ist ein Schwerpunkt des Studiums!
    Das es bei den Juristen Branchentechnisch schlecht aussieht müsste mittlerweile ja jedem bekannt sein.
    Dieser Artikel ist reine Lobbyarbeit für Juristen.
    Es ist schlichtweg unverschämt, dass Juristen in das Betreuungswesen reindrängen, Sozialarbeiter um ihrer Jobs berauben und dann auch noch die Betreuten abzocken!
    JURISTEN SIND NICHT PRÄDESTINIERT FÜR DIESES ARBEITSFELD!!!

    • 14.09.2017 21:41, Juri-isst

      Möchten Sie den Anfang eines schlechten Witzes hören?
      ....Schreibt ein Sozialwissenschaftler unter einen Juristen-Artikel.
      Hat es nicht gereicht, dass die SoWis an meiner Almer Mater die schöne Wiese (liebevoll auch "Sozi-Wiese/KuWi-Strich" genannt) auf dem Weg von der Jur.-Fak. zur Cafete verunstaltet haben?! Müssen sie jetzt auch noch ihr unqualifiziertes Halbwissen unter juristischen Fachartikeln verbreiten? Warum Gott? Warum????
      Gibt es keine Bib. Toiletten die von Ihnen beschmiert werden müssen?
      Oder dürfen Sie seit Neustem kein Unigelände mehr betreten weil Sozialwissenschaften jetzt auch offiziell nicht mehr als richtiges Studium zählen?

      MfG.

      P. S. : Ich weiß Sie haben in Ihrem "Studium" nicht gelernt mit Fakten zu argumentieren aber, erst Fakten lesen, dann nachdenken und dann (vielleicht, aber wirklich nur vielleicht) was sagen... denn ursprünglich waren die Betreuer immer Juristen ;)

  • 02.06.2014 22:30, berufsbetreuer???

    Der Verfahrenspfleger soll dem Betroffenen erläutern, wie das gerichtliche Verfahren abläuft, ihm Inhalte und Mitteilungen des Gerichtes erläutern. Auch soll er Wünsche des Betroffenen an das Gericht übermitteln. Auch kann er darauf achten, ob alle möglichen freiwilligen Hilfen für den Betroffenen ausgeschöpft sind. Rechtsgrundlagen: in Betreuungsverfahren § 276 FamFG, in Unterbringungsverfahren § 317 FamFG.

    Der Rechtsanwalt der als Berufsbetreuer 44,-- € pro Stunde berechnen darf!?
    Perfide ist bereits der Euphemismus des Namens Betreuung. Das klingt so fürsorglich, harmlos, nach Hilfe,Unterstützung und Service.
    Stattdessen verliert man seinen Lebensmut , seine Grundrechte und den Glauben an die Mensch(lichkeit)heit.
    In Bayern liegt die „Entmündigungsrate“ nicht deshalb doppelt so hoch, im Vergleich zu den anderen Bundesländern, weil die Bevölkerung doppelt so „Deppert“ ist. Nein: In Bayern ist von den wehrlosen „Betreuten“ am meisten zu holen.
    Da wird unter den Herren Juristen Berufsbetreuern,RA Verfahrenspflegern, Rechtspflegern (nebenberuflich Dozenten, Schulungsverkäufer und Rechtsberater, im schlimmsten Fall noch Nachlassverwalter und Inhaber der Plattformen von "Betreuungsforen für Betreute und Angehörige" und Pflegedienstleitungen (nebenberuflich Pflegeberater, hahaha) gegenseitig Testiert, Rechnungen gestellt über Leistungen die nachweislich niemals erbracht wurden.

    Sobald der "Betreute" endlich versorben ist verschwinden die Akten. Der Staatsanwalt sagt: Huch, kein Opfer-wo kein Kläger - da kein Richter!

    Schlimmer als im dritten Reich! Jetzt triffts jeden, sogar den Armen Hartz 4ler, wenn der Kohlefreigeber vom Amt auch dem Laster des Betruges und der Kurruption zum Opfer viel und kräftig seinen Obulus kassiert. Betreuungsamt will ja auch Leben....

    Kein Wunder das Jauch, Maischberger und Team Wallraff kein Wort mehr Verlieren (dürfen)!

    Wie hies der mit den Tausenden Bildern, Wert mehrere Milliarden Euro. Die Angebliche Stiftung die er Beerbte: Ob sich die Grooooße Last mit so vielen Bildern überhaupt die Arbeit lohne....hahaha.... Wie Fit war der Kerle Gurlitt noch und hat mit seinen Gehstock herumgewuchtelt. Nachdem bekannt wurde das der unter Gerichtliche Betreuung gestellt wird war doch klar das der die Bilder nie mehr sehen darf, aber ein zwei Jahre hättens den schon noch Leben lassen können, oder?!

  • 31.03.2015 14:05, Bachelor in Betreuungswesen

    Bitte den Bachelor in Betreuungswesen einfuehren und NUR diese Schulausgebildeten in diesem Feld arbeiten lassen.
    Verschaerfte gerichtliche Kontrolle bei Grundbuchaenderungen!!
    Ich geh ja auch nicht zum Baecker wenn ich Wurst will!!!!

  • 30.09.2015 21:39, Herzblutbetreuer

    Betreuer werde immer noch zu gering bezahlt, wenn man sich überlegt, dass alle Kosten steigen. Mittlerweile muss man Quantität meistern, damit man finanziell um die Runden kommen und dadurch leidet die Qualität, was sehr schade ist!