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Bewerbung bei Großkanzleien: Die Note entscheidet (nicht immer)

von Timo Conraths

23.04.2013

Bei einer Großkanzlei zu arbeiten ist der Traum zahlreicher Nachwuchsjuristen. Entsprechend viele Mythen ranken sich um die Bewerbung: Allein die Noten beider Staatsexamina zählten. Prädikate müssten es selbstverständlich sein. Dazu noch ein LL.M. und ein Doktortitel. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Interessenten sollten sich vorher informieren.

An Nina Schweneke kommt niemand vorbei. Zumindest nicht, wer sich bei Hogan Lovells um eine Stelle bewirbt. Die Personalerin ist bei der Großkanzlei das, was bei einer Diskothek der Türsteher ist. Egal ob Associate, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Praktikant, ob Düsseldorf, München oder Hamburg. Wer bei einem der fünf deutschen Standorte von Hogan Lovells arbeiten will, muss seine Bewerbung zunächst an die zentrale Personalabteilung in Düsseldorf schicken. An Nina Schweneke und ihr Team. Sie treffen  dann die Entscheidung, wer in die engere Auswahl kommt und sich am jeweiligen Standort vorstellen darf.

Und wie ein Türsteher hat auch Nina Schweneke bestimmte Vorgaben, die sie bei der Auswahl beachten muss. Zum Glück, wie sie findet. Denn bei 2.500 Bewerbungen im Jahr ist es nicht immer einfach, den passenden Kandidaten zu finden.

Ihre wichtigste Vorgabe: die Note. Im ersten Staatsexamen sollten Kandidaten mindestens ein "vollbefriedigend" erzielt haben. Nur wer zusätzlich noch einen LL.M. oder einen Doktortitel aufweisen kann, bekommt auch mit acht Punkten die Chance auf ein Bewerbungsgespräch. Für das zweite Examen gilt das Gleiche. Insgesamt – also nach erstem und zweitem Examen – sollte man aber mindestens 18 Punkte vorweisen können. Diese Messlatte muss die Personalerin bei allen Bewerbern anlegen, ganz gleich ob sie schon einmal bei Hogan Lovells gearbeitet haben oder nicht.

Formale Einheitlichkeit – Persönliche Individualität

So kann es sogar vorkommen, dass sie Kandidaten abweisen muss, die sich zwar zuvor im Rahmen einer Mitarbeit bei Hogan Lovells sehr gut angestellt, jedoch die nötige Punktzahl im Examen nicht erreicht haben. "Wir empfehlen diesen Bewerbern dann immer, den Verbesserungsversuch wahrzunehmen, denn wenn dieser mit entsprechender Punktzahl erfolgt, dann kann eine Einstellung unter Umständen ja klappen." Für ungerecht hält sie das nicht. "Ganz im Gegenteil", sagt Schweneke. "Unsere Einstellungspolitik macht den Prozess erst gerecht."

Die Logik dahinter ist simpel: Gerechtigkeit durch Transparenz. Denn nur wenn für alle der gleiche Maßstab gilt, könnten sich Associates und Partner sicher sein, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die die gleichen Kriterien erfüllt haben wie sie selbst und ein ähnliches Leistungsethos mitbringen. Für Nina Schweneke macht das Sinn: "So können wir eine gewisse Homogenität durch die formalen Anforderungskriterien beibehalten, während wir explizit nach Individuen mit 'Ecken und Kanten' auf der persönlichen Ebene suchen."

Zudem hätten Bewerber mit guten Noten im Examen gezeigt, dass sie belastungsfähig sind und unter Zeitdruck gute Ergebnisse liefern  können. "Aber: Die Noten sind nur 'Türöffner' zum persönlichen Gespräch", betont Schweneke. "Persönlichkeit, Integration in die Teamstruktur, Begeisterungsfähigkeit für den Beruf und nicht zuletzt die Chemie, die zwischen Bewerber und Partnern stimmen muss, entscheiden über ein Angebot."

Bewerbern rät Nina Schweneke daher, kurz anzurufen und bereits vorab zu klären, ob eine Bewerbung überhaupt Sinn macht. "Ein kurzes Gespräch vorab klärt offene Fragen auf persönlichem Weg und vermeidet Missverständnisse."

"Die Mischung muss stimmen"

Dass es aber auch anders geht, zeigt das Beispiel der britischen Großkanzlei SJ Berwin. Maren Peters und Christian Cornett kümmern sich am Standort Frankfurt am Main um alle Bewerbungen im Raum Deutschland. "Etwa 500 sind das pro Jahr", meint Peters. "Davon werden gut 25 Prozent der Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen." Auf die Frage hin, worauf die Kanzlei bei den Bewerbung achte, muss Christian Cornett nicht lange nachdenken: "Wenn eine Bewerbung bei uns reinkommt, interessieren uns vier Punkte."

Zwar meint der Jurist damit nicht die Examensnote. Dennoch lässt sein Satz durchblicken, dass die Ergebnisse der Staatsexamina bei SJ Berwin nur ein Kriterium unter vielen – genauer: unter vieren – sind. "Für mich zeigt die Examensnote lediglich, dass die Bewerber ein Mindestmaß an fachlicher Kompetenz mitbringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger" Daher möchte er bei Bewerbern grundsätzlich 18, mindestens aber 15 Punkte aus beiden Examina sehen. Auch bei den Einzelnoten sei er flexibel.

Dafür achtet er bei Bewerbern auf drei weitere Punkte: Zunächst sei die Persönlichkeit der Kandidaten wichtig. Christian Cornett und Maren Peters wollen bei SJ Berwin von Anfang an eine gewisse Persönlichkeitsstruktur aufbauen. Kandidaten müssen sich daher gut in das Team integrieren. „Die Mischung muss stimmen“, meint Cornett. "Was helfen die besten Examensnoten, wenn die Person einfach nicht ins Team passt?"

Ferner sollten Bewerber kaufmännische Kompetenz aufweisen können, und zwar noch mehr als Inhouse-Juristen. Denn Anwaltskanzleien seien heutzutage mehr und mehr auch Wirtschaftsunternehmen, deren Kurs die Partner und die Associates durch ihre Entscheidungen entscheidend beeinflussen. Schließlich müsse die Chemie zwischen Bewerbern und der Kanzlei einfach passen. Der optimale Kandidat sei zwar selbstbewusst, aber kein Ellbogenmann.

Alle drei Punkte seien geeignet, den vierten Faktor Note ein wenig abzuschwächen. Zu empfehlen sei daher, sich frühzeitig bei SJ Berwin bekannt zu machen, ganz gleich, ob durch Praktikum, Referendariat oder wissenschaftliche Mitarbeit. "Von den etwa 15 Neueinstellungen pro Jahr haben zehn bereits auf irgendeiner Weise bei uns gearbeitet", so Cornett.

Die Note lügt nicht

Die Maßstäbe, die Großkanzleien bei Bewerbungen anlegen, können also unterschiedlich sein. Dass die Note dennoch nie unwichtig bleiben wird, ist für Nina Schweneke eine Eigenart der Juristenbranche. Vor ihrer Zeit bei Hogan Lovells war sie in der Personalabteilung einer Bank für das Recruitment von IT-Spezialisten zuständig. "Dort war das völlig anders. Es wurde lediglich geschaut, ob überhaupt ein Hochschulabschluss vorhanden war, die Note interessierte aber nicht. Viel wichtiger war Berufserfahrung."

Im Jurabereich bewahrheite sich jedoch regelmäßig, dass diejenigen mit guten Noten auch die geeigneteren Juristen für eine Großkanzlei sind. Zumindest habe das die Erfahrung der Partner gezeigt.

Ähnlich sieht das auch Christian Cornett. Seiner Meinung nach sei das deutsche Staatsexamen so aufgebaut, dass es nicht nur Wissen sondern gleichzeitig eine ganz bestimmte Arbeitsweise abprüfe. "Im Staatsexamen müssen sich die Kandidaten schnell in Sachverhalte einarbeiten und mit angeeignetem Wissen in kurzer Zeit brauchbare Lösungen entwickeln. Und die Ergebnisse projezieren die juristischen Fähigkeiten des Kandidaten relativ gut."

Zitiervorschlag

Timo Conraths, Bewerbung bei Großkanzleien: Die Note entscheidet (nicht immer) . In: Legal Tribune Online, 23.04.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8584/ (abgerufen am: 25.08.2019 )

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Kommentare
  • 23.04.2013 16:31, RA Splendor

    Ich erinnere mich noch daran, wie im 2. Staatsexamen meine Kollegen bei den Klausuren mit Spickern und auf dem Klo versteckten Kommentaren betrogen haben und bei der Hausarbeit Teams mit mehreren promovierten Volljuristen aufgefahren haben. Deren Prädikatsexamina sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Für die Karriere hat es trotzdem gereicht. Der Ehrliche ist wie so oft der Dumme.

    • 25.04.2013 19:24, Besucher

      L wie... Loser!

  • 23.04.2013 18:44, ADL

    "Im Jurabereich bewahrheite sich jedoch regelmäßig, dass diejenigen mit guten Noten auch die geeigneteren Juristen für eine Großkanzlei sind. Zumindest habe das die Erfahrung der Partner gezeigt."

    Man fragt sich, woher diese Erfahrung stammt, wenn das Gegenteil doch nie gewagt wird. Die Einstellungspolitik der allermeisten GKs ist, wie ihre Firmenkultur allgemein, von Borniertheit und Statusdenken geprägt, da helfen alle Ausflüchte nicht. Eine Personalerin, die ausdrücklich erklärt, dass sie Leute, mit denen man bereits gute Erfahrungen gemacht hat, dennoch nicht einmal zum Gespräch einlädt, wenn ihre weitgehend vom Zufall abhängenden Examensnoten einen beliebig gewählten Schwellenwert auch nur knapp verfehlen? Ich würde für kein Unternehmen arbeiten wollen, in dem so jemand über meine Einstellung entscheidet.

  • 24.04.2013 09:45, Keinkandidat

    Gerade wer als Studierender oder Referendar die Kompetenz seiner Kollegen einzuschätzen vermag, ist mehr und mehr verwundert, von welchen Zufällen das Abschneiden bei beiden Examina abhängig ist. Da ist mehr Zufall und Glück im Spiel, als man einer staatlichen Leistungsprüfung zutrauen möchte. Umso schlimmer, dass diese zufallsgeprägten Leistungsbewertungen ein striktes Ausschlusskriterium darstellen.

    Personaler sollten mehr Mut und Aufwand bei der Beurteilung der Kandidaten zur Einstellung wagen. Punktzahlen sind blind, wer nur an ihnen hängt, entscheidet auch blind.

    Nebenbei bemerkt sollte sie sich die Frage stellen, ob die Examensnoten überhaupt miteinander verglichen werden können. Spielen universitäre Schwerpunktnoten in die Beurteilung mit ein, die aus bekanntermaßen punktereichen Fächern stammen? Wann und bei welchem Prüfungsamt wurden die Staatsprüfungen abgelegt? Glaubt eigentlich irgendwer, dass bei 10 Prüfungsdurchgängen jährlich in NRW stets gleiche Voraussetzungen und Schwierigkeitsgrade herrschen? Ich empfehle allen Interessierten, bei den Prüfungsämtern die nach Monaten erstellten Statistiken der Prüfungen anzufragen.

    Das Notendogma ist ein schlechtes Zeugnis für den Arbeitgeber.

    • 25.04.2013 23:29, RAin I. Schuback

      Die Vermutung bzw. den Einwand, juristische Prüfungsergebnisse und Noten seien im Wesentlichen von Zufall und Glück abhangig, âußern im Regelfall diejenigen Juristen,die eben keines der wenigen Prädikatsexamen ab 9 Punkten aufwärts erarbeitet haben. Tatsächlich ergibt sich dies aus der Summe von Fleiss und Disziplin in der langjährigen Vorbereitung, fundiertem juristischen Wissen und Arbeitstechniken, hoher Belastbarkeit und nicht zuletzt dem erforderlichen Quentchen juristischer Leidenschaft und Talent. Unsere Prâdikatsexamensergebnisse waren sämtlich nicht mit Zufall zu erklären, sondern erarbeitet und davon profotiert man auch später durch eine hohe Prozesserfolgsquote.

      RAin I. Schuback, Hamburg

    • 27.04.2013 06:28, RABayern

      @RAin I. Schuback, Hamburg: Prädikatsexamen in HH?! Hahaha, das kriegt man schon, wenn man seinen Namen richtig geschrieben hat -> Bayern FTW. In Bayern ist übrigens auch das Kilo Mehl schwerer ;).

    • 30.04.2013 11:45, Keinkandidat

      Ihren Regelfall kann ich nicht bestätigen, der Verfasser hat auch oberhalb der von Ihnen genannten Punktegrenze abgeschnitten.

      Schreiben Sie doch mal über ein Jahr hinweg wöchentliche Übungsklausuren. Schneiden Sie grundsätzlich oberhalb von 9 Punkten ab? Keine Ausreißer dabei? Es gibt Prädikatsexamenskandidaten, die im Examen durch einzelne Klausuren durchgefallen sind. Es sind die Auswahl und Mischung der Aufgabenstellung, die über Glück, Zufall und Pech für die Kandidaten entscheiden - und bei weitem nicht von Monat zu Monat von einem gleichen Niveau getragen sind.

    • 11.06.2015 19:16, Charlaine

      @ Schuback
      Da muss ich Ihnen leider widersprechen. Die Jurabibliotheken sind nicht deshalb maßlos bis abends überfüllt, weil die Studenten keine Disziplin oder Ehrgeiz haben. Wenn man sich das Prädikat verdient hat, kann man sich leicht nach hinten zurück lehnen und behaupten, dass all Diejenigen, die es nciht geschafft haben- nicht fleisßig genug gewesen wären. Ärgerlich ist es für Diejenigen, die tagtäglich geackert haben und vor einem Ergebnis stehen, von dem sie nicht einmal wissen, ob der korrektor gerade einen schlechten Tag hatte oder nicht.

  • 24.04.2013 11:39, Gast

    "Ähnlich sieht das auch Christian Cornett. Seiner Meinung nach sei das deutsche Staatsexamen so aufgebaut, dass es nicht nur Wissen sondern gleichzeitig eine ganz bestimmte Arbeitsweise abprüfe. "Im Staatsexamen müssen sich die Kandidaten schnell in Sachverhalte einarbeiten und mit angeeignetem Wissen in kurzer Zeit brauchbare Lösungen entwickeln. Und die Ergebnisse projezieren die juristischen Fähigkeiten des Kandidaten relativ gut."


    Kleiner Anekdote zur Brauchbarkeit solcher Aussagen: Auf einem Prüferseminar (die Dinger sind leider nicht verpflichtend) wurde die gleiche Bearbeitung einer Musterklausur von den verschiedenen Prüfern mit bis zu 8 (!) Punkten Differenz bewertet. D.h. die Spanne ging von Mangelhaft bis VB.

    Aus dem Bereich des Strafrechts (wo die Klausuren traditionell besonders durch Stoffmenge glänzen) kenne ich von verschiedenen LOStA zur Frage, an welcher Stelle Kandidaten unter Zeitdruck - möglichst ohne Punkteverlust - kürzen dürfen, jeweils Unterschiedliche Aussagen. Der Zufall entscheidet dann im Ernstfall, mit welcher Ansicht eine Klausur korrigiert wird.

    Hinzu kommt, dass viele Prüfer nach jahrelanger Tätigkeit in einem Bereich und aufgrund persönlicher Erfahrung Spezialwissen als gegeben voraussetzen bzw. als trivial erachten, während Examenskandidaten schlicht die Kenntnis des entscheidenden praktischen Kniffs fehlt. Wobei dieses Problem in der mündlichen Prüfungssituation ausgeprägter ist.


    Fazit: Solange es keinen einheitlichen Leitfaden zur Bewertung von Examensklausuren gibt und die LJPÄ die Situation zusätzlich durch immer umfangreichere Klausuren verschärfen, werden Examensnoten zunehmend zu einem Zufall bzw. weniger aussagekräftig.

    Zumindest im Bereich zwischen zwei Notenstufen (insb. bei den arbeitsmarktrelevanten Schwellen zwischen ausreichend, befriedigend und vb) sagt die Note heutzutage nichts mehr über die Vergleichbarkeit der Leistungen aus.

    Der Witz ist: Die LJPÄ sind sich des Problems bewusst, gehen jedoch stur den eingeschlagenen Weg weiter.

    • 01.05.2017 00:15, A. Strauss (PatentR)

      Das Examen ist ein kleines Lebenswerk, von Beginn an wird darauf hingesteuert. Gleich Begriffe wie Glück und Zufall hinsichtlich gelungener Examen zu wählen erscheinen demnach deutlich überzogen.

  • 24.04.2013 11:54, RA Splendor

    Klausurbewertung Zivilrecht in meinem 1. Staatsexamen:
    1. Korrektor (Staatsanwalt): 2 Punkte, "Eine fast völlig unbrauchbare Leistung".
    2. Korrektor (Professor): 15 Punkte, "Eine in jeder Hinsicht überdurchschnittliche Leistung."

    • 27.04.2013 20:51, digitzba

      Wie kann es sein, dass ein Staatsanwalt eine Zivilrechtsklausur korrigiert hat?

  • 24.04.2013 15:30, I.R. Bonn

    Dass Frau Schweneke freimütig eingesteht, man weise junge Juristen mit denen man "sehr gute" Erfahrungen gemacht hat wegen einer nicht erreichten Note ab, lässt einen fassungslos bleiben. Dass sie dies als "fair" bezeichnet zeigt zudem dass die Diskussion völlig an der Sache vorbei geht. Ein Bewerbungsverfahren dient in erster Linie den Interessen des Arbeitgebers. Dieser möchte den am ehesten passenden Interessenten einstellen. Durch die angeführte Praxis verwehrt sich die Kanzlei selbst diese Möglichkeit. Nicht nur das, sie verzichtet gar auf offensichtlich bekannte & passende Bewerber, weil diese es in 5-stündigen Klausuren nicht geschafft haben ein Ergebnis zu Formulieren dass einer ihnen nicht bekannten Lösungsskizze entspricht. Die Beiträge hier haben die Absurditäten des Staatsexaminas ja hinreichend aufgezeigt.

    Wie kommt es dass gerade international tätige Kanzleien nur wenig Gewicht auf die Englischkentnisse von Kandidaten legen? Auf die Art, wie der Bewerber mit Menschen interagiert, oder welche Durchsetzungsfähigkeit oder Kompetenz er in der Kompromissfindung hat? Ein Bewerber mit 7 P. kann hier (und ist dies im Querschnitt sicherlich auch) ebenso oder noch besser bestückt sein als ein 9er oder 12er.
    Wir Juristen sind nicht allein darin, komplexe Probleme zu lösen. ITler und Ingenieure tun dies in gleichem Maße. Seltsamerweise wird dort das Potential nicht an Zeugnissen festgemacht, wenngleich die oben aufgeführten Fähigkeiten für diese beiden Berufsgruppen weit weniger wichtig sind, als das in unserer Profession der Fall ist.

  • 25.04.2013 16:57, Natalie

    Nicht alle angehenden Juristen erlangen ihre Examen auch unter den gleichen Voraussetzungen. Neben denjenigen, die unbeschwert von Geld- und Familiensorgen sowie möglicher Krankheiten lernen können, gibt es auch solche, die sich ihr Examen unter harten Bedingungen erkämpfen. Ich für meinen Teil hätte lieber solch eine Kämpfernatur als zukünftigen Kollegen als andere, denen vor lauter Selbstverliebtheit in ihre Examensnoten der Blick für das echte Leben fehlt.

    Dieser Artikel wird an der Einstellungsmentalität der Großen nichts ändern. Die Aristokraten bleiben lieber unter sich, als mal einem Arbeiterkind oder Menschen mit Behinderungen und Schicksalen eine Chance zu geben.

    • 20.06.2013 23:27, oliveras

      "Das Leben ist IMMER ungerecht und für die meisten von uns ist das auch gut so" (Oscar Wilde)

    • 20.06.2013 23:59, oliver

      Sei froh, wenn du die vermeintliche "Chance" nicht bekommst. Ich bin jetzt 10 Jahre "an der Front" und weiss definitiv, dass Großkanzleien 10 Leute einstellen, die 60 Stunden und mehr pro Woche arbeiten lassen und immer al wieder mit der Aussicht auf eine vermeintliche Partnerschaft bei der Stange halten. Partner werden dann meistens die mäßig begabten Kinder der Seniorpartner. In den Jahren dort achten die meisten Kanzleien peinlich darauf, dass du nie einen Mandanten kennenlernst, meistens auch weder den Anfang noch das Ende des Falles.Ich bin kein John Grisham Fan, aber das Leben in einer Großkanzlei ist in "The associate (Der Anwalt)" 100 % authentisch dargestellt. Kopf hoch, alles wird gut!

  • 25.04.2013 20:03, Holger S.

    Man ist immer wieder entsetzt über die Ansichten, die nach wie vor bei Juristen herrschen. Wer in seiner Berufstätigkeit erst einmal erlebt hat, wie zwei von drei VB-Anwälte gehen mussten oder wenn die Referendarin Frau Dr. X vor Ihnen steht und nicht weiß, wie sie selbstständig einen Fall lösen soll, wird die Wertigkeit dieser Examensnoten weitaus relativer beurteilen.
    Es ist viel Glück, hat tatsächlich viel mit Studienbedingungen zu tun ist vor allem sehr wenig aussagekräftig, denn auswendig lernen können viele.

    Große Kanzleien wollen in der Regel nur schnell unter Druck arbeitende junge Leute (die wohl einzig wirkliche Aussagekraft des jur. Examens), die wenig widersprechen und abarbeiten, möglichst zwölf Stunden am Tag. Was dann noch an qualitativ hochwertiger Arbeit geleistet wird, kann sich jeder selbst beantworten. Die bessere juristische Qualität leisten solche Arbeiter noch lange nicht.

    Juristerei ist jedenfalls nicht nur auswendig pauken für Examina sondern auch gesunder Menschenverstand und Können. Darüber sagen Examensnoten allerdings nicht viel aus.

  • 26.04.2013 01:13, Querjurist

    Meines Erachtens sind jedenfalls die schriftlich erzielten Examensnoten grundsätzlich zweifelhaft in Ihrer Aussagekraft. Sicher ist nur, dass Stressresistenz abgeprüft wird. Die Anforderungen verlangen ansonsten ein einseitig formalistisches Kästchendenken, das bisweilen gerade den Verstand der intelligenteren Menschen beleidigt, aber sich oft nur zweifelhaft als einzig wahre Rechtsfindung zu legitimieren vermag. Nun sei zwar zugestanden, dass ein gewisses Maß an primitivem Kästchendenken für narrensichere juristische Kommunikation erforderlich ist, um praxistauglich zu sein.

    Dass es aber in Wahrheit nicht immer der Weisheit letzter Schluß ist, und lösungsorientierte Juristen methodisch oft anderes tun, als sie selbst glauben oder behaupten, kann man z.B. bei Fritjof Haft oder Bernd Rüthers oder Christian Fischer nachlesen. Da also schon der besagte praktische Kästchenmaßstab, das Fundamt der Klausurkorrekturen, äußerst schwankender Grund ist, wie kann man dann die berufliche Selektion der Studierenden aufgrund damit zwangsläufig mit riesigen Fehlerbalken versehener Noten rechtfertigen? OK, man kann argumentieren, jeder wird gleichviel "verarscht". Dieses starke Zufallselement verhindert aber am Ende, dass wirklich die besten Problemlöser für unsere gesellschaftlichen Konflikte gefunden werden - manche schaffen es dennoch, zum Glück, aber das ist dann wohl eher Zufall.

  • 26.04.2013 08:04, Promotionsstudent

    Meist berufen sich diejenigen auf ein Prädikatsexamen, die sich auch massiv darauf etwas einbilden. Dies liegt nicht selten daran, dass außer der Note nicht viel vorhanden ist.
    Die Notengebung hängt zu einem nicht zu leugnenden Maße ab von Lernaufwand und Verständnis für juristische Strukturen. Die Laune der Korrektoren und deren höchst individuelle Beurteilungsmaßstäbe lassen sich aber auch durch Lösungsskizzen nur zum Teil reglementieren, sodass die endgültige Bewertung in einem ebenfalls nicht zu leugnenden Umfang vom Zufall abhängt. Dies belegen zum einen die teils großen Differenzen zwischen Erst- und Zweitgutachten, zum anderen die enormen Unterschiede zwischen Erst- und Wiederholungsversuch, die sich nicht allein mit dem winzigen Mehr an Vorbereitungszeit erklären lassen.
    Es ist schön, wenn man ein Prädikatsexamen hat (das kann ich durchaus behaupten), aber wer dieses so vehement verteidigt, tut dies meist, weil er sonst nicht viel zu bieten hat.

    • 28.04.2013 09:41, le D

      Die Note hängt in der mündlichen Prüfung auch davon ab, dass der Prüfer a) den Fall verstanden hat und b) selber die korrekte Lösung erarbeitet (oder vorgesetzt bekommen) hat.

      Das war zB bei meinem Prüfer im Verwaltungsrecht damals nicht der Fall, ich bin auf eine FFK gekommen, die mE aber unzulässig war, weil kein Fortsetzungsfeststellungsinteresse ersichtlich war. Bei der Notenvergabe sagte er "Sie bekommen für den interessanten prozessualen Ansatz vier Punkte. Sie haben die Frage zu prozessual abgearbeitet und sind zu den materiellen Fragen nicht gekommen. Das VG hat das FFI in der Entscheidung mit keinem Wort thematisiert." (WTF? Wieso sollte interessieren, was ein VG entschieden hat, er ist der Prüfer, nicht das VG).

      Vierzehn Tage später hat das OVG in der Berufung das FFI verneint, das Urteil aufgehoben und abgeändert und die Klage (ohne sich mit materiellen Fragen zu beschäftigen) als unzulässig abgewiesen. Die vier Punkte standen dann aber. Ein Kollege, der praktisch nur Prüfungsrecht macht, riet von einer Anfechtung ab: die Auffassung ist jedenfalls vertretbar, weil es eine Gerichtsentscheidung gibt, die das vertritt.

      Na danke! Die Richter am VG verbocken es, der Prüfer rafft es nicht und die Richter am OVG waren zu spät, um mir drei Punkte mehr zu verschaffen (dann wäre das Examen nämlich ein VB gewesen). Wiederholungsversuch bei mehr als 80 Punkten und einer Jobzusage?

      Und zu einer Aussage in dem Artikel: "könnten sich Associates und Partner sicher sein, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die die gleichen Kriterien erfüllt haben wie sie selbst" <- werden namensgebende Gründungspartner von Großkanzleien (50+ Anwälte in DE) denn rausgeschmissen, wenn sie selber nur zwei ausreichende Examina haben? (Ja, das gibt es und nein, werden sie nicht).

  • 27.04.2013 19:55, Michael Hummert

    Großkanzleien und ihre Parallelwelten. Examensnote als allumfänglicher Gradmesser für die juristische Leistungsfähigkeit im Spezialgebiet. Die Lüge von Work-Life-Balance bei einer 60 Stunden-Woche. Es ist wirklich lächerlich. KEINER meiner Kollegen sieht eine Großkanzlei als Zielposition. Wenn, dann nur um 2-3 Jahre Geld zu verdienen (und dann nur zähneknirschend). Großkanzleien lernen seit Jahrzehnten nichts, aber tun alles um ihre Fehler zu rechtfertigen. Ich gehe ins Unternehmen. Ich bin klug genug, um Großkanzleien zu meiden.

    • 27.04.2013 22:07, RAin I.+Schuback

      Sehe ich ähnlich - eine Partnerschaft in einer Grosssozietät war bisher und ist für mich auch nie vorstellbar. Eine 60 Std Woche hat man aber auch zumeist als selbständiger Anwalt. Gleichwohl klar vorzuziehen. Eigene Entscheidungen statt Sozietätszwang, und in die eigene Tasche arbeiten. Angestelltenposition für mich generell undenkbar und keine Verhandlungsgrundlage.

  • 27.04.2013 21:50, RAin I.+Schuback

    Sehr lustig, lieber anonymer Kollege Bayern. Nein, ganz sicher natürlich nicht in Hamburg gemacht. Wenn sich ein RA in einem Bundesland niederlässt, heisst es nicht, dass er dort gelernt und sich hat prüfen lassen. Niedersachsen, was ausbildungs- und prüfungsmässig mit Ihrem Bayernstolz gleichzieht.

    • 21.06.2013 01:08, oliver

      In Niedersachsen ist das Examen irgendwann mal besonders anspruchsvoll gewesen? Aus NRW gehen Examenskandidaten gerne nach Niedersachsen, um es leichter zu haben.

  • 28.04.2013 20:02, Thomas

    Selber ein Ergebnis (Bayern, 7 Punkte) was im Mittelfeld liegt. Jetzt als Unternhemensjurist tätig. Habe sowohl mit vielen großen Kanzleien auf der anderen Seite zu tun als auch mit vielen Einzelanwälten. Man geht ja davon aus, dass Großkanzlei = toller Jurist, super Examen und Einzelkämpfer - schlechtes Examen, schlechter Jurist. Aus der puren Praxis kann ich sagen, dass es auf beiden Seiten Kollegen gibt die hervorragend arbeiten, aber auch auf beiden Seiten Kollegen die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Das Examensergebnis ist Teil eines Puzzels, viele Teile ergeben ein Gesamtergebnis = Qualität des Juristen. Ich selber habe mich nach Einsicht meiner Klausuren geärgert, dass in 6 meiner 11 Klausuren Notenabweichungen von vier und mehr Punkten vorlagen. Ich hatte Kollegen die sich im mündlichen Teil um 2 volle Punkte verbessert haben, andere um 1 Punkt verschlechtert. Es ist einfach ein grosser Fehler die Note als einziges Kriterium zu sehen, das ist nicht mal bei den Medizinern so (erklärt das die Fluktuaktion in en Großkanzleien ??). Übrigens gibt es auch Großkanzleianwälte mit 2x ausreichend und Doktorten mit 4 Punkte Examina. Alles ist also sehr relativ......

    • 28.04.2013 20:09, RAin I. Schuback

      Eine derartig heftige Spanne bei den Notenkorrekturen von 4 Punkten hatte ich in meinem Examen in keiner der Klausuren. Es war stets gleich bewertet max. 1 Punkt Differenz, die größte Spanne war in der Anwaltsklausur mit 3 Punkten (Erstkorrektor 15 Punkte, Zweitkorrektor 12 Punkte nur). Hat sich nicht ausgewirkt am Gesamtergebnis

    • 16.05.2013 14:17, Gast

      kann ich leider aus eigener Erfahrung bestätigen. Bei Akteneinsicht der Klausuren (2. Staatsexamen) entdeckte ich eine Notenabweichung von 4 Punkten (Anwaltsklausur). Während der Erstkorrektur auf die Arbeit 10 Punkte gaben, war es für den Zweitkorrektur diese Arbeit nur 6 Punkte wert. Auch nach dem Votum hielt sich der Erstprüfer an seiner Note fest. Und dann kommt die Stichentscheidung mit (7) Punkten??? Hallo??? Was ist denn das? Die goldene Mitte wäre für mich immer noch (8) und nicht (7) Punkten. Na gut, darauf kam es auch wirklich nicht an. Das Einzige was mich richtig ärgert: die Prüfer sind Anwälte aus dem gleichen Ort und vermutlich kennen sie sich. Nun benutzten sie meine Klausur als Spielwiese, um sich gegenseitig fertigzumachen, nur weil der eine (aus irgendwelchen Gründen auch immer) miteinander nicht können. Das ist einfach nur schade, und total ärgerlich für die Examenskandidaten.

  • 30.04.2013 12:54, RA Wehle

    Ich habe den Artikel und die Kommentare mit Interesse gelesen. Sicher könnte auch ich hier meine Meinung zum Thema kundtun. ABER mit welchem Ziel? Die Welt zu verbessern, sicher nicht, dazu bin ich nicht auf dieser Welt.

    Ein treffender Ausspruch aus der Antike von Demokrit von Abdera beschreibt den wahren Inhalt dessen. Es gibt A-tome und leeren Raum, alles andere ist Meinung.

    Wenn es denn der Meinung der Großkanzleien, welche mit Rat und Tat der Politik und Industrie zur Seite steht, auf Examensnoten zu beharren und daran den Wert ihrer Mitarbeiter zu messen und der Rest der Welt diesem Weg folgt/akzeptiert, dann hat sie nichts besseres verdient.

    Mit freundlichen Grüßen

    • 01.05.2013 09:10, Merlin

      Stimmt, die Welt ist wie sie ist :-). Viele 4er Juristen aus meinem Referendarkurs verdienen jetzt viel Geld in kleineren kanzleien oder sind in versicherungen aufgestiegen. Andere sind partner in der grosskanzlei, einer hat burn-out als er kurz vor der (angeblichen) partnerschaft in einer ami-bude vor die tür gesetzt wurde. in meinem kurs (bayern 2001) sind kollegen ab 7.4 in das richteramt/staatsanwaltschaft übernommen worde, weil das examensergebnis so miserable war. denke man muss damit gelassen umgehen, denke auch das es nicht mehr ganz so schlimm ist mit den noten (mit einem guten befriedigend in süddeutschland kommt man auch in der grosskanzlei unter wenn man mag). knackpunkt ist eher die hohe anzahl der absolventen unter die sinkenden durchfallquoten.

  • 30.04.2013 14:22, Gast

    Vieles wurde schon gesagt. Die Ergebnisse sind auch in meinen Augen sehr relativ und z.T. vom Zufall abhängig. Ich verfüge über ein Prädikatsexamen im ersten Examen, im zweiten dafür über ein schlechteres Ergebnis. Im Durchschnitt dennoch kein schlechtes Ergebnis, allerdings wird auch mit mehreren Jahren Berufserfahrung im Bewerbungsverfahren noch penibelst auf das zweite Examen geachtet. Die hierdurch ausgelöste Stigmatisierung kann (auch in Vorstellungsgesprächen) zuweilen sehr unangenehm sein. Sowohl mein sonstiges Profil (umfangreiche Auslandserfahrung, gute Sprachkenntnisse) als auch meine Interessen würden für eine Großkanzlei sprechen, leider scheitert es dann oft an dieser einzigen Note. Ich kenne kein Fach, in dem so dogmatisch auf die Ergebnisse und nicht auf die tatsächliche Qualfikation geachtet wird.

    Es muss auch aus Sicht der Arbeitgeber schmerzlich sein, an sich motivierte und qualifizierte Mitarbeiter aufgrund formaler Kriterien nicht einstellen zu dürfen.

    Mit besten Grüßen,

    Clemens

  • 08.05.2013 17:17, Jan

    Die Einstellungspolitik hat doch nichts mit der Kompetenz zu tun.

    Es geht nur darum die hohen Stundensätze vor den Kunden zu rechtfertigen ("Bei uns arbeiten nur die Durchgangsbesten").

    Das die Leute teilweise nix drauf haben ist teilweise sicher war, aber interessiert nicht. es muss sich ja nicht gerechtfertigt werden, denn Vertreter von Großfirmen kaufen sich mit Großkanzleien auch nur von ihrer Verantwortung frei.

  • 22.05.2013 14:35, Jurist

    Es gibt erwiesenermaßen Korrektoren die ihre festen Noten vergeben.
    Korrektor A (2 -8), Korrektor B bei der gleichen Klausur (4 -14).
    In meinem Umfeld haben viele das VB erreicht und jeder ist sich einig dass es hauptsächlich Glück ist.
    Die Streitigkeiten, Detailwissen wird von den Korrektoren kaum selbst gekannt und nicht bewertet.
    Es wird erwartet dass man 6 Seiten über eine mangelhafte Küche "subsumieren" soll die laut SV "nicht intakt ist".
    Das ist "sauberes juristisches Arbeiten"? Nein das ist kinderkram.

    Wer seinen Namen 2 mal schreibt, bei dem muss außerdem was faul sein: RAin Schuback...


    Wer starr nach Noten bei Juristen einstellt, verkauft sich leider unter Wert.
    Denn was sagt die Sondernutzungserlaubnis eines Heizpilzes vor einer Gasttätte (ÖR I) oder das Überkeleben des Etikettes der Campari Flasche ( STR) über die Fähigkeiten aus sich im Wettbewerbsrecht auszukennen?
    Juristische Grundkenntnisse? Nein.. Falsche Aubildungsschwerpunkte.

    Leider keine Intelligenz u. o Weitsicht bei den GK. Deswegen will auch kaum jemand hin.

  • 23.05.2013 10:13, HaWu

    Ich denke, dass der Markt der Juristen einfach so üppig gefüllt ist, dass man sich diese Art der Auslese schlicht und ergreifend leisten kann.

    Sicher: Es gibt unter den VB+x-Juristen sehr viele gute Juristen. Wenn man aber mit genau diesen seinen Personalbedarf decken, warum dann die - möglicherweise(!!!!) unter den "< VB-Kandidaten" fähigen Juristen suchen?




    Zu der obigen Diskussion mit der Willkür der Examensergebnisse:

    - Ich habe im Übungsklausurenkurs zum 1. StEx bis zum Schluss 3-8 Punkte mit nach Hause genommen. Im Examen wurden es im staatlichen Teil nachher knapp 11.

    Die Ergebnisse meines 2. StEx stehen noch aus, aber ich kann mir vorstellen, dass es dort wieder ähnliche Überraschungen gibt. Der Klausurenkurs war zumindest erneut SEHR durchwachsen (von 4-15 alles dabei).







    Schade finde ich, dass durch solche Aussagen wie "dann gehen sie doch nochmal rein, um noch den letzten Punkt abzuholen" nicht gerade das unternehmerische Denken des Bewerbers gefordert wird.

    Wer sich einer solchen starren Punkte-Schablone unterwirft, kann auch gleich in den öffentlichen Dienst gehen mit - zugegeben - deutlich magerer Vergütung.




    ich bin mal gespannt, ob ich ein Jobangebot in der GK erhalte und ob ich es auch vor Erhalt meiner Examensergebnisse bekomme. Bisher bin ich sehr optimistisch, in einer "persönlicheren" GK untergekommen zu sein, bei der dann doch noch ein wenig die Persönlichkeit zählt

  • 21.06.2013 18:27, Leser

    Ich habe in Bayern mein 1. Examen vor kurzem erfolgreich absolviert. Ich konnte insgesamt mit 8,5 Punkten von der Bühne gehen. Ich war sehr traurig, dass keine 9 Punkte waren und hatte starke Zukunftsängste, dass ich keinen richtigen Job finden würde. In der Uni wird pausenlos Panik damit gemacht. Bei uns stapeln sich die Jura-Hochglanz-Magazin, die eine schöne Plastikwelt für vb-Juristen suggerieren. Letztlich waren meine Sorgen unbegründet. Viele Unternehmen und eine handvoll Großkanzleien zeigten starkes Interesse an mir. Der Bedarf an qualifizierten Juristen kann anscheinend nicht mehr von vb-Absolventen gedeckt werden. Der Markt reguliert sich von selbst. Nichtsdestotrotz mache ich einen Verbesserungsversuch. Nicht um irgendeiner Großkanzlei zu gefallen, sondern aus eigenem Ehrgeiz. In eine Großkanzlei würde ich wahrscheinlich nicht anfangen. Es ist m.E. keine sinnstiftende Arbeit. Was will man seinen Kindern und Enkel später erzählen, was man im Leben erreicht hat? " Ich habe geholfen das Unternehmen A mit dem Unternehmen B fusionieren kann." Ich habe geholfen, dass Unternehmen A das konkurrierende Unternehmen B übernehmen kann." Letztlich ist man nur ein besserer "wedding planer" oder "date doctor". Ich glaube kaum, dass Menschen später über einen sagen:" Oh, ja klar weiß ich wer das ist! Der hat die "due dilligence" neu erfunden." Am Ende erinnert man sich an ideelle Dinge, die von Menschen zu Mensch weitergegeben werden. Ich glaube das Gefühl einen Mandanten von einer Freiheitsstrafe bewahrt zu haben ist erhebender als jeder Boni von der GK! Mit dem Geld schafft man sich doch nur mehr unnötige materielle Dinge an stopft damit seine Bude, nur um 12-18 Monate später festzustellen, dass man wieder neue Dinge braucht.

    Wer als Jurist viel Geld verdienen möchte, hätte lieber BWL studieren sollen. Das Studium ist viel kürzer und man macht schneller Karriere.

    Interessant für mich ist, dass in der ganzen Diskussion ideelle Werte kaum eine Rolle gespielt haben. Die juristische Ausbildung ist mehr als die Möglichkeit viel Geld zu verdienen.

  • 22.06.2013 12:35, Jurist

    Wie sinnvoll die Einteilung nach Noten sein mag ist doch letztlich völlig egal, denn jeder vor dem Examen, dass es so ist und jeder der es wirklich von Beginn an will und ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit und Belastbarkeit mitbringt kann zumindest im ersten Examen das VB schaffen. Mit Glück wird es ein "Gut" mit Pech - durch sonstige Leistungen ausgleichbare - 8 Punkte. Trotz aller Kritik muss man sehen, dass sich die Note aus mehr als 10(!) Teilnoten ergibt.

  • 07.09.2013 12:04, VB Jurist

    Die Moral der Großkanzleien ist sehr doppelzüngig! Ich habe knapp 2 VBs geschafft und würde mich deshalb trotzdem nicht als Überflieger bezeichnen. Ich habe dann 2 Jahre in einem großen Laden gearbeitet, inzwischen bin ich bei einer Boutique. Mann wird in den großen Läden auch ständig nur verarscht, wenn man drin ist. Jetzt, wo ich gerade diesen Artikel lese, kann ich sagen, dass das ganz Jurasystem schon ziemlich krank ist. Irgendwann bei höherer Seniorität zählt nur noch die Kohle, maW, wenn Du Mandate ranholst und der Kanzlei Kohle einbringst, interessiert keinen mehr Deine Note! Wir haben mehrere Quereinsteiger bekommen, die älter waren und alle keine 2 VBs hatte, aber Mandate und damit Kohle mitgebracht haben! Es geht immer nur ums Geld!! Den jüngeren Kollegen werden diese dann vor die Nase gesetzt und so Ihr eigener Aufstieg verhindert! Verarschen kann ich mich auch alleine! Warum strengt man sich dann für die VBs so an? Die Partner denken immer nur an sich allein und letztlich zählt immer nur, was Du an Kohle ranbringst! Ich bin froh, dass ich da weg bin ...

    VG Dr. J.

  • 25.11.2013 21:53, RA GK

    Mir scheint die Sache so zu liegen:

    1. Die zu überschreitende Punktzahl sollte von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gewählt werden. Besser als 9 Punkte als bundesweite Grenze sollte das Punkteäquivalent der Top 15% anhand von Statistiken ermittelt werden. Dann bräuchte ein Kandidat aus HH eben z.B. grundsätzlich 20 Punkte einer aus NRW 18 und einer aus Sachsen 16 aus zwei Examina.

    2. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen gute Kandidaten schlecht abschneiden. Ich glaube aber andersherum kaum, dass es viele Fälle gibt, in denen ein schlechter Kandidat konstant über 8 Klausuren zufällig gut abschneidet. Das ist aber für wirklich hohe Punktzahlen erforderlich.
    --> Wer also nur Leute mit sagen wir z.B. 2x 12 Punkten einstellt (und das Glück hat, dass sie sich bei ihm bewerben) kann relativ sicher sein, dass die Leute auch gut sind.
    (Dass gute Kandidaten mit schlechten Noten durchs Raster Fallen ist wahr, aus Sicht des Arbeitgebers auch schade. Aber vermutlich ist es zu riskant (und teuer) auszuprobieren, ob der Kandidat nur Pech hatte. Denn schließlich könnte ja auch ein Kandidat mit tatsächlich mäßigen Fähigkeiten vor einem stehen.)

    3. Wer gute Erfahrungen mit einem Kandidaten gemacht hat ist dumm, wenn er ihn allein wegen schlechter Noten nicht einstellt. Das ist widersinnig.

    4. Bewerbern, die es nicht in eine Großkanzlei schaffen, sei gesagt: Davon geht die Welt nicht unter. Großkanzleien sind besser als ihr Ruf, aber es gibt auch schlechte Seiten.

    HG

    RA (in einer Großkanzlei)

  • 08.05.2014 19:16, Verf.

    Der basket an Kriterien, den Kanzleien und andere jur. Arbeitgeber zugrunde legen, der stark, wenngleich nicht ausschließlich, an Examensnoten orientiert ist, hat in jedem Fall zu einem gewissen Marktstandard geführt, dem zumindest zT weichere Faktoren wie Beziehungen und subjektive Vorlieben einzelnen Entscheidungsträger weichen müssen. Er müsste konsequenterweise von denen hochgehalten werden, die sich für objektivierBARe Kriterien und gegen die persönliche Herkunft als maßgebliches Kriterium o.ä. für den Berufseinstieg aussprechen.

    Zur Objektivierbarkeit der Noten: Zwar dürfte weitgehend unbestritten sein, dass in jedem Durchgang - wie auch sonst im Leben - Divergenzen aufgrund von konkreten Umständen ("Glück") auftreten. Dennoch spricht eine Reihe von Umständen dagegen, Noten als Auswurf einer Tombola zu begreifen:

    1. In den meisten Bundesländern kann man ohne weiteres jedes StEx doppelt ablegen. Statistisch gesehen spricht einiges dagegen, vier Mal 'Pech' zu haben. Darüber hinaus dürfte das "Delta" iSe Abweichung vom "wahren, objektiven Wert" eines Kandidaten im Prüfungszeitpunkt auch bei nicht mehr als 4 Punkten insgesamt liegen, sodass an an Objektivierbarkeit wenig Zweifel bestehen können.

    2. Neun Punkten in einem oder auch beiden Examina rücken den Kandidaten hinsichtlich eigenen Denkvermögens und juristischen Verständnisses noch nicht in die Nähe eines Bundesverfassungsrichters. Die beschriebene Notenschwelle kann aus Mandantensicht auch durchaus als Mindestvoraussetzung verstanden werden, um die eigenen tatsächlichen Argumente rechtlich überzeugend und insbesondere auch geordnet (der Struktur entsprechend) vortragen zu können. Sie bietet jedenfalls einen gewissen Schutz vor weniger guter Beratung.

    3. Die Notenskala erlaubt auch noch unter den besten 10% der Kandidaten eine Differenzierung, die im Gesamtergebnis über Zufälligkeiten hinausgeht. Man kann in einer egalitär denkenden Gesellschaft Kritik an diesem unüblichen System auch als zumindest teilweise ideologisch motiviertes Missfallen werten: So unterschiedlich können Menschen gar nicht sein.

    I.Ü. Ist die persönliche Betroffenheit in der Diskussion um das jur. Notensystem kaum zu leugnen: Wenn 80% der Kandidaten sich zumindest insgeheim wünschten, zu dem besten 20% zu gehören, dürften 60% der Kandidaten zumindest latent frustriert sein.

    (full disclosure: Verf hat ein 'gut' im 1. StEx, wartet auf Ergebnisse des 2. StEx)

    • 08.08.2014 12:11, Repetitor

      Hat es denn bei dem Verf. mit dem verdienten "sehr gut" im immer gerechten Prüfungsverfahren des 2. Stex geklappt?

  • 08.08.2014 00:00, Stußexamenvermeider

    Sehr geehrte Examensgläubige und diejenigen, die der Note auf dem juristischen Stußpapier mehr beimessen als einem Lottoschein mit 2 Richtigen.
    Was ich hier lese ist zum Teil unglaublicher Schwachsinn. Insbesondere Leute wie Nina Schweneke & Co habe ich mit Abstand gefressen. In keinen Fach herrscht mehr Ungerechtigkeit als im Fach der "Gerechtigekeit". Leute wie Fr. Schweneke glauben an ein Benotungssystem, welches mit Abstand nicht nur das schlechteste ist, sondern auch so nichtssagend ist, wie die Angabe 75 %. Die Note im juristischen Staatsexamen hängt nämlich primar nicht von der Individualleistung ab, sondern ausschließlich von einem Durchschnitt aller Kandidaten, der nicht persönlich nicht beeinflussbar ist. Der Blick in sämtliche Prüfungsordnung genügt hier völlig um dies zu erkennen: Es geht stets um durchschnittlich, überdurchschnittlich und durchschnittlich mit Mängeln etc. Nicht ein einziger hier im Forum hat auch nur mal ein Quäntchen darüber nachgedacht, was das für den einzelnen und die Einzelleistung bedeutet. Für alle Beteiligten mal ganz bedarfsgrecht: Angenommen: Wenn jemand 75 % einer Klausur richtig gelöst hat, kann er damit entweder verdammt gut oder verdammt schlecht oder auch nur mittelmäßig sein. Es kommt nämlich nicht auf ihn selbst, sondern auf den Durchschnitt aller Examenskandidaten an. Hat der Durchschnitt die 75 % nicht geschafft, ist man mit den 75 % richtig gut und oben dabei. Haben viele Examenskandidaten die 75 % aber leicht geschafft, ist man eben nur Durchschnitt 4 Pkt. Und jetzt kommt es noch dicker: Der Durchschnitt wird ja nicht gerade an allen Bewerber gemessen, sondern einzig und allein am Stapel des Korrektors (ca.30 Klausuren) Sind viele schwache Kandidaten dabei, hat man mit seinen 75 % Glück, sind da nur starke Kandidaten dabei, dann hat man Pech gehabt. Es geht also schlicht primär nicht mehr wirklich um die eigene Leistung, sondern nur darum, was die anderen haben. Nebenbei schlägt sich das auch ziemlich im Verhalten der Juristen wieder, die darauf bedacht sind, nicht ihre eigene Leistung primär zu stärken, sondern andere (Konkurrenz) auszuschalten. Und dem ganze kommt jetzt noch die Krone aufgesetzt: Es ist nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch unmöglich, dass ALLE Kandidaten ein sehr gutes Ergebnis im Examen erzielen. Durch den ermittelten "Durchschnitt" wird einem dies nämlich faktisch weggenommen. Der ist nämlich nur 4 Punkte wert. Und jetzt die große Preisfrage: Ist eine juristische Bearbeitung denn schon deshalb weniger brauchbar, wenn mehr als nur einer auf die richtige Lösung gekommen ist? Das ist nicht der Ernst oder?

    Wer jetzt immer noch nicht von juristischer Willkür überzeugt ist, der möge sich doch nur mal die Möglichkeiten der Überprüfung einer juristischen Klausur ansehen: Und da offensichtlich das gelobte Land Bayern besonder hochgehalten wird, so soll es doch auch den Vorzug der systematischen Zerlegung genießen: Bayern hat das Widerspruchsverfahren abgeschafft und damit auch die Möglichkeit einer Selbstkontrolle der Verwaltung in Prüfungsentscheidung. Wegen dem § 114 VwGO hat aber das BverfG im Hinblick auf Art 12 GG diese Abschaffung für verfassungswidrig gehalten. Jetzt könnte man meinen: ok führt man das Widerspruchsverfahren für die Prüfungsentscheidung wieder ein. Hat man auch, nur eben nicht für die Juristen. Da nennt man das "Nachprüfungsverfahren" Das tat man aus 2 Gründen: Der eine heißt Geld und der andere unerwünschte Eingaben. Geld: In Prüfungsentscheidungen ist das Widerspruchsverfahren Verwaltungsgebührenfrei. Das wollte man bei den Juristen aber nicht so handhaben. Warum eigentlich nicht??? (Ich vergaß: bei den Soziologen und Politologen sind 30 Seiten Aufsatz auch nicht gerade selten, aber die Profs /Wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten ja im Sonderangebot: 3 Klausuren korrigieren, 1 Gratis.) Wenn das nicht so ist, warum muss man bei den Juristen pro Nachkorrektur 40 € zahlen?? Um eine Flut von Verfahren zu verhindern. Das allein zeigt doch schon wie ungerecht behandelt sich die meisten fühlen. Unerwünschte Eingaben: Wem wird denn die erneute Durchsicht der Klausur übertregen: einem Dritten?? Nein Irrtum: Die Pfeiffe, die den misst gebaut hat, soll sich das selbst eingestehen: Jeder Trottel kann sich an 3 Fingern ausrechnen, wie oft sowas passiert. Und jetzt bleibt einem nur noch der Kreuzzug vor Gericht: Und zwei Krähen hacken sich bekanntlich nicht die Augen aus: wohlmöglich kennen sich die Verwaltungsrichter und die Korrektoren auch noch persönlich.

    Und diese Note: sooo wie sie zustande gekommen sei, soll maßgebliches Ausschlusskriterium für eine Stelle sein? Ich kann jedem von euch Juristen nur sagen: bewerbt euch nicht bei einem solchen Arbeitgeber. Glaubt mir für so einen Arbeitgeber WOLLT ihr nicht arbeiten!!! Füllt lieber glücklich die Anträge beim Arbeitsamt aus und freut euch grinsend darüber, dass Leute wie Frau Schweneke eure Miete mitbezahlen dürfen. Sie sind nämlich maßgeblich daran Schuld, dass das System so schlecht ist, wie es ist. (während ihr euch überlegt etwas besseres und vernünftiges zu studieren :) )

  • 19.09.2014 21:58, Dieter

    Noten kein Beweis für Intelligenz und Schlauheit hier zählt die Erfahrung und nicht die Noten

  • 31.03.2015 16:34, Hannah

    Meiner Meinung nach hat jeder, der ein Prädikatsexamen geschafft hat, viel gearbeitet und grundsätzlich ein gutes juristisches Verständnis und sich die Punktzahl auch verdient. Heutzutage gibt es ohne Fleiß und/oder viel Talent keine 9 Punkte mehr. (Wie das vor 20 oder 30 Jahren war, kann ich nicht beurteilen.)

    Das heißt aber im Umkehrschluss eben gerade nicht, dass jeder, der kein Prädikatsexamen geschafft hat, weniger fleißig war oder ein schlechteres juristisches Verständnis hat.

    So lange es für den Markt aber genügend gute Kandidaten gibt, besteht kein Grund an der Auswahltaktik etwas zu ändern.

  • 09.04.2015 01:43, Klein RAe

    Ich frage mich, ob Frau Nina Schweneke überhaupt selbst einen Hochschulabschluss besitzt!?
    Nach solch dummen Aussagen ist dies sehr zweifelhaft!

  • 25.04.2016 16:33, Trotz Doppel-Prädikat keine GK!

    Ein ewig altes Thema!
    Aufgrund eines Verbesserungsversuchs habe ich das Doppelprädikat, jedoch sind dabei von 8 Klausuren insgesamt 5 in dass Angleichungsverfahren gelaufen, weil sich - obwohl der Text identisch war ;-) die Prüfer teilweise eine Prädikatsnote auseinander lagen. Mit über 12 Punkten kann ich mich nicht beklagen, aber heftig war das für mich dennoch.

    Ergo: Die Prüfer sind oftmals selbst nicht in der Lage eine Prädikatsklausur zu erkennen. Ob Examensklausur oder nicht, es wird eine Checkliste abgehakt und nach Stichwörtern gesucht. Wenn man im Öffentlichen Recht von dem Prof. 17 Punkte bekomme und der Richter am Verwaltungsgericht die Klausur mit 5 Punkten bewertet, dann staunt man nicht schlecht!

    Unabhängig davon muss ich sagen, dass ich heute ein besserer Jurist bin, als zur Examenszeit, vielleicht verfüge ich nicht mehr über das breite Wissen, aber auf jeden Fall über mehr Überblick was geht und was nicht.

    Und wenn man nun im Hinterkopf hat, dass man ein Examen, das eine derartige Streubreite hat, nur einmal wiederholen kann, dann fragt man sich schon ob die Note im Schnitt überhaupt Sinn macht und man nicht einfach nur nach "bestanden" und "nicht bestanden" differenzieren sollte.

    Für mich schied eine GK schon immer aus, ich mag meine Familie einfach zu sehr und kämpfe erfolgreich gegen den demografischen Wandel ;-)

  • 11.11.2017 00:11, gast

    so einen branchenübergreifend (normalerweise) guten ruf wir juristen gerne genießen, so rückschrittlich sind wir bei der einstellung von juristen.

    wenn ein jurist 2 VB hat, zeigt das in aller erster linie erstmal eins: dieser kandidat kann gute klausuren schreiben!
    ob man daraus den schluss ziehen kann, dass er die fähigkeit, juristische probleme in klausuren lösen zu können, 1:1 in den beruf transferieren kann, sei vorweg dahin gestellt.

    es mag sein, dass es in GK wirklich ausreicht, zu 90% eben nur diese fleißigen klausurenschreiber einzustellen, denn mandantenkontakt haben diese sowieso nicht. sie hocken an ihrem schreibtisch und tun das, was sie für das erlangen ihres VB taten: probleme lösen.

    social softskills? eloquenz? redekompetenz? auftreten? durchsetzungsvermögen? erfahrung? die tatsache, dass das alles bei der einstellung in sämtlichen juristischen bereichen keine rolle spielt, zeigt, wie steinzeitlich und höchst eingebildet wir juristen eigentlich sind.
    man geht automatisch davon aus, dass ein 26 jähriger VB kandidat eher dazu geeignet ist, einen hohen juristischen beruf zu ergreifen, als ein jurist mit 30 jähriger berufserfahrung und einem hart erarbeiteten guten ruf ohne VB, obwohl man hier auf dem papier hat, wer schon gute arbeit geleistet hat und wer noch ein unbeschriebenes blatt ist.

    nicht nur bei GK, aber v.a. im staatsdienst sollte die examensnote höchstens ein indiz für eine eignung sein, aber niemals der hauptgrund, wie es derzeit leider ist.

    ich denke, dass die meisten juristen sich einig sind, dass eine reform geschehen muss. ob wir diese erleben werden? ich bezweifle es.