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Frauenquote: Ein klares Ja zum Mitspielen

von Judith Hammer

25.04.2011

Der Quotengipfel gilt als gescheitert; nun will Bundesfamilienministerin Schröder ihre "Flexiquote" in ein Gesetz gießen.  Die Aufstiegschancen von Frauen verbessern zu wollen, das wagt niemand öffentlich zu bestreiten. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Zum Beispiel in der Rechtsabteilung, die als Karrieresprungbrett gilt, in manchen Branchen aber von Männern dominiert ist.

Das erste Ergebnis der Recherche: Juristinnen sprechen nicht gerne über dieses Thema. Ist die Rechtsabteilung etwa eine Oase der produktiven Gender Balance?

Eine, die es bis ganz nach oben geschafft hat, ist Géraldine Philippe: "Ich war eine Quotenfrau", sagt sie, "Am Ende blieben ein Mann und eine Frau über: Da haben sie mich eingestellt."  Die Juristin ist heute im Vorstand der TOGEWA Holding in Bern, denkt aber gerne an ihre erste Begegnung mit ihrem Chef bei einem Telekommunikationsunternehmen zurück. Da bekam sie zu hören: "Das kann eine Frau nicht. Ich brauche einen Juristen mit Haaren auf den Zähnen! Das ist ein Knochenbusiness, total männlich beherrscht. Sie werden das nicht lange aushalten!" Ihre Antwort: "Wir werden uns wunderbar verstehen, solange SIE machen, was ich Ihnen sage!" So beschreibt Géraldine Philippe den Beginn ihrer erfolgreichen Karriere.

Die allererste Herausforderung für jeden Juristen sei es immer, sich mit der Materie auszukennen – bei technischen Betrieben sei das besonders für Juristinnen wichtig. Sie selbst habe die Ingenieure ausgefragt und dicke Wälzer über die GSM-Technologie gelesen. So verschafft man sich bei den Fachabteilungen Gehör und Respekt.

"Juristinnen müssen eine harte Thematik, den Rechtsbereich, mit weiblicher Stärke vertreten", erklärt Buchautorin und Juristin Carmen Schön ("Karriere-DNA - Warum Glück im Job kein Zufall ist"). Gleichzeitig bewegten sich Juristinnen stets in einem Umfeld von zentraler strategischer und politischer Bedeutung.

"Da ist man plötzlich kein Kollege mehr, sondern gehört zur Unternehmensleitung – mit dieser Außenseiterposition muss man leben können", meint auch Barbara Witte, die früher als Juristin in Unternehmen tätig war und nun als Coach Juristen berät.

Das Spiel mit der Macht

Über ihre eigene Rolle sollten sich Juristinnen klar sein, um nicht in eine der klassischen Fallen zu laufen, die für Frauen allgemein, für sie aber ganz besonders gelten. Dazu gehört in einer Rechtsabteilung der Umgang mit Macht. "Viele Frauen haben sich noch keine Gedanken darüber gemacht, wie sie zu dem Thema stehen", meint Carmen Schön. Das sei aber gerade für Juristinnen wichtig, denn in diesem Beruf habe man eine Menge Macht. Frauen bewerten Macht manchmal als unmoralisch. Die Arbeit verlange aber gerade: Klare Ansagen machen, Mitarbeiter führen und unpopuläre Entscheidungen durchsetzen. Dazu brauche es ein klares "Ja!"

Außerdem darf frau Konflikte nicht persönlich nehmen. "Frauen sehen den Beruf nicht als Spiel, mit bestimmten Spielregeln, sondern suchen nach Höherem, nach Werten, nach moralischer Integrität. Darum geht es aber in Unternehmen oft nicht."

4 Tipps zur erfolgreichen Gehaltsverhandlung

Viele Frauen kümmern sich zu wenig um Networking und Selbstmarketing – auch Juristinnen. "Sie definieren sich über die Qualität der Arbeit. Dabei übersehen sie, dass ihre Selbstdarstellung und ihr Networking - also die sogenannten Alphatiere zu kennen - die wesentlichen Karrierebausteine sind", meint Carmen Schön. So kann es passieren, dass andere auf dem Karrierepfad an ihnen vorbeiziehen.

Sein Licht bloß nicht unter den Scheffel stellen, das meint auch Géraldine Philippe: "Nicht duckmäusern, aber auch nicht zicken. Sondern ganz Frau bleiben, sachlich, kompetent, humorvoll. Ich sage, was ich will und begründe meine Entscheidung", beschreibt sie ihren Stil. Außerdem: "Ich kritisiere nie in Anwesenheit Dritter, und ich lobe immer in Anwesenheit Dritter!". Dazu gehöre auch, zu eigenen Fehlern zu stehen.

Die Karriere richtig planen

Zur Karriereplanung ist ihr Rezept einfach: "Ich habe mein Leben lang nur das gemacht, was mir Spaß macht. Man (frau) macht nur das gut, was man gerne macht. Geplant habe ich nichts."

Um an den Traumjob zu kommen, der ihnen Spaß macht, können Juristinnen ihr Können - strategisches Denken -  nicht nur bei fachlichen Fragen, sondern für die eigene Karriere gezielt einsetzen. Wenn also die Hausaufgaben – der Umgang mit Macht, Selbstdarstellung und Networking gemacht sind – geht es daran, konkret zu werden: "Wo positioniere ich mich in einem Meetingraum? Wie kann ich strategisch gut auftreten? Wie verschaffe ich mir Raum und Wort? Wie verkaufe ich meine Ergebnisse? Wie kriege ich Alpha auf meine Seite?", das sind einige der Fragen die eine Juristin sich stellen sollte, rät Carmen Schön.https://www.lto.de/de/html/inhalt/287/tipps-weibliche-fuehrungskraefte/

10 Tipps für weibliche Führungskräfte

Zentral sei es, überhaupt einmal ein Karriereziel zu definieren – die meisten Frauen haben keines, berichtet sie aus ihrer Coaching-Erfahrung. Denn nur wenn man dies hat, kann man sich darauf vorbereiten, etwa sich weiterbilden in Betriebswirtschaft und Vertrieb, die Abteilung wechseln, mehr Auslandserfahrung sammeln oder die Branche wechseln.

Schließlich kann, wer die eigenen Stärken kennt und strategisch einsetzt, anders kommunizieren. Das zahlt sich aus, auch beim Gehalt. "Frauen könnten erheblich mehr verdienen, wenn sie mehr fordern würden", ist Carmen Schön sich sicher, "Sie müssen regelmäßig anklopfen, und nach einer Gehaltserhöhung fragen, aber das tun sie nicht". Sie vergessen es oder warten darauf, dass der Chef von selbst auf sie zu kommt.

Die eigenen Werte beachten – auch in Führungspositionen

Juristinnen sind bei der Karriereplanung gut beraten, sich die Unternehmenskultur in ihrer Firma genau anzuschauen: Ist die Rechtsabteilung männlich geprägt oder fifty-fifty besetzt? Wie hoch ist der Frauenanteil insgesamt im Unternehmen? Das sollte man beim Einstieg in den Beruf, aber auch beim Wechsel unter die Lupe nehmen. Das ist besser, als irgendwann festzustellen, dass die Kultur nicht mit den eigenen Zielen korrespondiert.

Zu wissen, was man will, und welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist, ist entscheidend. Vielleicht entschließt Frau sich auch zum Downsizing. "Frauen definieren sich häufig über die inhaltliche Arbeit, die Zufriedenheit schafft, Männer dagegen über Status. Als Frau muss man sich daher überlegen, ob man diese Werte integrieren kann", so Carmen Schön.

Für Juristinnen in Führungspositionen kann ein besonderes Hindernis die – oft von Männern belächelte – "Stutenbissigkeit" sein: "Frauen in Führungspositionen erleben häufiger Neid von anderen Frauen als von Kollegen", meint auch Coach Barbara Witte. Das Wichtigste hierbei: es nicht persönlich nehmen, sich nicht erklären und sich vom weiblichen Schmusekurs verabschieden. Einerseits lieb und nett und andererseits Führungskraft sein, das geht nicht. 

Aber dennoch: "Es gibt in der Führung drei Zauberworte: Bitte, Danke und Entschuldigung!" so Géraldine Philippe.

"Frauenquote? Ohne wird es nicht weiter gehen"

Und wie stehen Juristinnen zu einer Frauenquote? "Grundsätzlich denke ich, man sollte durch Leistung überzeugen, aber die Männerzirkel sind ab einer gewissen Ebene einfach geschlossen. Daher wird es ohne Quote nicht weiter gehen. Mit dem Ziel, dass Frauen dann auch andere Frauen nachziehen", meint Carmen Schön. Manche Juristinnen wollen aber keine Quotenfrauen sein, sondern nur nach ihrer Eignung beurteilt werden.

Auch "Quotenfrau" Géraldine Philippe meint: "Quoten haben einen hässlichen Beigeschmack. Aber ich befürworte sie dort, wo bei zwei gleichwertigen Bewerbungen die Frau angestellt wird."

In welchem Maß man sich als Juristin anpasst und dabei den eigenen Werten treu bleiben kann, das muss jede für sich selbst entscheiden. Mut, Strategie und Selbstvertrauen gehören aber zum Erfolg dazu. Was Coach Barbara Witte für die Gehaltsverhandlung rät, kann dabei generell zur inneren Haltung werden: "Das eigene Licht hervorholen und auf den Schreibtisch stellen. Richtig leuchten!"

Judith Hammer ist Rechtsanwältin und freie Journalistin.

 

Mehr im Internet:

Netzwerke für Juristinnen:

Europaweit: European Women Lawyer’s Association (EWLA): Offen für alle Juristinnen, nicht nur für Anwältinnen.
http://www.ewla.org

In Deutschland: Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb): Mitglied können alle Juristinnen, Volks- und Betriebswirtinnen werden.
http://www.djb.de

Arbeitsgemeinschaft Anwältinnen beim DAV.
http://www.dav-anwaeltinnen.de

Business-Netzwerke für Frauen:

Business and  Professional Women (BPW): International in 80 Ländern aktiv, 30 000 Mitglieder weltweit, Clubs in 42 Städten in Deutschland.
http://www.bpw-germany.de

Bundesverband der Frauen in Business und Management e.V. (B.F.B.M.): Regionalgruppen und Branchenclubs.
http://www.bfbm.de

European Women’s Development Network: 800 Mitglieder in 40 europäischen Städten.
http://www.victress.de

VICTRESS e.V.: Steht Frauen und Männern offen; Ziel: Gender Balance.
http://www.victress.de

Zonta International: Internationales Frauen-Netzwerk; 33 000 Mitglieder in  69 Ländern. 120 Clubs in Deutschland:
http://www.zonta.org

Zitiervorschlag

Judith Hammer, Frauenquote: Ein klares Ja zum Mitspielen . In: Legal Tribune Online, 25.04.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/3111/ (abgerufen am: 20.04.2019 )

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