Interview mit Buchautor Frank Behrendt: "Juristen sind auch nur Men­schen"

Interview von Sabine Olschner

15.09.2016

60-Stunden-Woche und tiefenentspannt: Frank Behrendt erklärt in seinem Buch "Liebe dein Leben und nicht deinen Job", wie Gelassenheit in den Berufsalltag zu bekommen ist. Klappt das auch für Juristen? Sabine Olschner fragte nach. 

 

LTO: Gerade Großkanzleien verlangen höchsten Einsatz von ihren Anwälten, lange Arbeitszeiten sind an der Tagesordnung. Und nun sagen Sie: "Liebe deinen Job nicht!" Wie passt das zu jungen Anwälten von heute?

Behrendt: Natürlich ist meine These eine provokante Zuspitzung. Aber wenn man sich überlegt, was eigentlich Liebe ist, stellt man schnell fest: Liebe kann zwischen Menschen bestehen, aber nicht zu so etwas Abstraktem wie einem Job. Man muss seine Arbeit also nicht lieben, um sie gut zu machen – aber man sollte für sie Leidenschaft empfinden. Mein Rat ist es, im Leben Prioritäten zu setzen. Was ist mir wichtiger: mein Beruf oder mein Privatleben? Ich weiß, dass die Arbeit von Juristen anstrengend und herausfordernd ist. Deswegen empfehle ich auch niemandem, weniger zu arbeiten. Meine Botschaft ist vielmehr: Wenn ich schon, wie ein Jurist, einen stressigen Job habe, dann muss ich Methoden entwickeln, um die Arbeit dauerhaft gesund und motiviert ausführen zu können. Das können kleine Pausen sein, ein Highlight am Wochenende, eben ein ganz persönliches Belohnungssystem.

In der Pause abschalten

LTO: Pausen und Auszeiten – gut und schön. Aber was macht ein Jurist, wenn der Mandant Druck macht und die Arbeit nicht aufgeschoben werden kann?

Behrendt: Natürlich macht ein Mandant Druck – aber nicht jeden Tag und nicht 24 Stunden lang. Ich kenne keinen Job, an dem man rund um die Uhr verfügbar sein muss. Einen drängelnden Mandanten kann man zwar nicht wegdiskutieren, aber wenn er bekommen hat, was er braucht, kehrt auch wieder Ruhe ein. In dieser Zeit muss der Jurist runterfahren können. Diese Flexibilität zwischen Anspannung und Entspannung ist wichtig, um dauerhaft leistungsfähig zu sein. Wenn ein anstrengendes Projekt erledigt ist, sollte man sich mit dem Partner oder der Familie etwas Schönes gönnen. Darüber hinaus muss selbst im größten Stress auch mal die Zeit sein, eine Viertelstunde vor die Tür zu gehen, um die Ruhe zu genießen oder etwa eine Kurzgeschichte zu lesen. Dann ist man in einer anderen Welt, und man kehrt erfrischt und mit neuen Impulsen in die Kanzlei zurück, und die Arbeit geht danach viel schneller von der Hand.

LTO: Und was ist, wenn gar nicht der Mandant, sondern der Vorgesetzte dauerhaft Druck macht?

Behrendt: Zum Druck machen und sich unter Druck setzen lassen, gehören immer zwei. Juristen, die sich gestresst fühlen, sollten sich also die Frage stellen: Bis zu welchem Grad bin ich bereit, das zuzulassen? Ein gewisser Druck ist natürlich immer da, denn das Wirtschaftsleben ist keine karitative Veranstaltung, es geht hier immer um Leistung. Wenn Anwälte die Warnzeichen von zu viel Druck erkennen, sollten sie das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen, um nach Lösungen zu suchen. Denn ein dauerhafter Druck, der negativ empfunden wird, führt zwangsläufig zu Depressionen, Burnout oder anderen Krankheiten – und das kann nicht das Ziel sein. Wenn es gar nicht mehr geht und der Vorgesetzte nicht mit sich reden lässt, muss man sich einen anderen Arbeitgeber suchen.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Interview mit Buchautor Frank Behrendt: "Juristen sind auch nur Menschen". In: Legal Tribune Online, 15.09.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/20587/ (abgerufen am: 21.11.2017)

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