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Dr. jur. gründet Akademie für Glück: Auf der Suche nach dem Flow

von Marcel Schneider

30.10.2015

2/2: Mandalas malen mit der Prüfungskommission

Der Doktorand besorgt sich fachliche Unterstützung aus der Wissenschaft. Er knüpft Kontakt zu Professor Ingo Richter, ebenfalls Jurist und damals Abteilungsleiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Huhn diskutiert mit ihm intensiv über seinen damals recht ungewöhnlichen Ansatz, bis das Konzept steht.

Dann kommt der Prüfungstag. "Die Prüfer waren sehr voreingenommen und haben mich ziemlich in die Zange genommen", erinnert sich Huhn. "So ein weiches Thema in der eher nüchternen Juristerei – das war Neuland." Letztendlich verteidigt er seine Dissertation erfolgreich und erhält die Doktorwürde. Im Anschluss an die offizielle Prüfung haben die Prüfer noch einige informelle Fragen, unter anderem möchten sie gern mehr über die Unterscheidung zwischen rechter und linker Gehirnhälfte erfahren.

Der frisch gebackene Doktor ist gut vorbereitet und offenbar überzeugend: Am Ende betrachten die skeptischen Prüfer im Selbstversuch bei ruhiger Musik ein Mandala und stellen dabei fest, dass, was fest auf Papier gedruckt erscheint, im Kopf überraschende Bewegungsmuster entwickelt - eindeutig eine Leistung der rechten, bildverarbeitenden Gehirnhälfte. Mit dem Titel in der Tasche verabschiedet sich Huhn aus der Rechtswissenschaft.

Der erste Kontakt mit der Lehre vom Flow

Anfang der neunziger Jahre ist Huhn in seinem Element: Als Coach und Trainer hat er genügend Aufträge, er kann gut von seinem Seminarangebot leben und wird 1992 als Lehrbeauftragter an die Berliner Universität der Künste geholt. Auf einer Veranstaltung zu Hirnforschung, Psychologie und Pädagogik lernt er den eingangs erwähnten Professor Csikszentmihalyi kennen.

Einmal mehr ist es aber eher der Zufall, der Meilensteine für Huhns Zukunft legt: "Für den Abend nach der Veranstaltung war nichts geplant. Professor Csikszentmihalyi wollte gerne Berlin kennenlernen und so habe ich kurzerhand eine Art privater Stadtrundfahrt mit ihm gestartet." Dabei tauschen sich die beiden aus und Huhn hat die Gelegenheit, mit dem Begründer des Flows über das Phänomen zu sprechen.

Der coachende Jurist macht den Flow zum Gegenstand seiner Seminare und fragt sich, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Flow im Leben, aber insbesondere bei der Arbeit von Nutzen sein können. "Alles, was im Alltag auf uns einprasselt, erzeugt eine Resonanz", fasst Huhn zusammen, "die im Prinzip eine interne Rückkoppelung zu allem ist, was uns an einem Tag widerfährt."

Schicksalsschläge machen traurig, eine Beförderung im Beruf (jedenfalls meistens) glücklich – das ist nicht neu. Huhn trimmt seine Seminarteilnehmer vielmehr darauf, auf die feinen Nuancen dazwischen zu achten, darauf, ob das Resonanzgefühl eine Stimmigkeit anzeigt oder nicht: "Durch einschneidende Erlebnisse und intensive Gefühle lernt der Mensch am schnellsten. Die sind im Alltag allerdings selten. Neben großen Emotionen ist es vor allem wichtig, einen Sinn im eigenen Tun und Schaffen zu sehen. Wer diesen erkennt, lebt und arbeitet leichter, zufriedener und damit glücklicher."

Gründung der Berliner Flow-Akademie

Nach einer Veranstaltung tritt die Psychologin Laura Ritthaler an Huhn heran. Ihr gefällt die Idee, Menschen anhand der Erkenntnisse aus der Flow-Forschung zu coachen. Zusammen erarbeiten die beiden ein Konzept, das im Jahr 2010 in die Gründung der Berliner Flow-Akademie mündet. In mehreren Schritten sollen die Besucher der Einrichtung lernen, wie sie den Flow-Zustand öfter in ihr Leben holen können. Dazu werden sich die Teilnehmer unter anderem darüber klar, was für sie im Leben wichtig ist und welche Stärken und Talente sie ausmachen.

Hätte Huhn eine juristische Ausbildung nebst Doktortitel gebraucht, um letztendlich das tun zu können, wovon er heute so überzeugt ist? Wohl kaum.

Aber er bereut nichts. „Ein juristisches Studium lehrt, bei einem konkreten Problem mit der Lösung auf den Punkt zu kommen. Man lernt, sich vielseitig auf alle möglichen Situationen einzustellen", resümiert er. Außerdem sei man als Rechtswissenschaftler sehr breit aufgestellt und habe nach der Ausbildung viele Optionen. Welche davon den eigenen Stärken und Interessen am besten entspricht, wissen die meisten nicht sofort. So rät Huhn jungen Menschen, nach Möglichkeit viel auszuprobieren. Wichtig sei letztendlich nur eines: dass es für jeden Einzelnen einen persönlichen Sinn ergibt. 

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Marcel Schneider, Dr. jur. gründet Akademie für Glück: Auf der Suche nach dem Flow . In: Legal Tribune Online, 30.10.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17372/ (abgerufen am: 02.04.2020 )

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