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Facebook & Co: Hilfe, der Chef will mein Freund sein!

Nina Anika Klotz

27.08.2010

Fragen, die einen oftmals völlig ratlos zurücklassen, sind seit geraumer Zeit diese Freundschaftsanfragen. Freundschaftsanfragen zum Beispiel auf Facebook. Der neue Kollege möchte mit Ihnen "befreundet" sein. Oder Ihr Chef. Oder der Praktikant. Was tun? Muss ich annehmen? Soll ich ablehnen? Was gebieten Hierarchie, Anstand und, naja, Etikette?

Antworten oder zumindest Entscheidungshilfen sind fortan auf www.eEtiquette.de nachzulesen. Ein Forscherteam um Gesche Joost, Professorin für "Interactive Design" an der TU Berlin, hat auf Initiative des "Creation Centers" der Deutschen Telekom einen Online-Knigge mit 101 hilfreichen Benimmregeln für die Generation 3.0 erstellt.

In Sachen Kollegen-Anfrage im privaten, sozialen Netzwerk steht dort zu lesen: "Du könntest es bereuen, dich mit nahen Verwandten, Ex-Partnern oder deinem Chef in sozialen Netzwerken anzufreunden. Überlege es dir gut."

Dr. Raimund Schmolze, Leiter des "Creation Centers" der Telekom Laboratories, erklärt in einem Gespräch mit LTO: "Wer Geschäftskollegen Zugang zu seinen Netzwerken gewährt, muss sich im Klaren darüber sein, was er dort dann vor wem kundtut." Und zwar in Wort und Bild: "Stelle nur Bilder ins Netz, die deine Mutter freigeben würde" warnt "eEtiquette" des Weiteren. Wer Nicht-Mama-Konformes postet, hat bei Facebook die Möglichkeit "Freunde" bestimmten Listen zuzuordnen. Leute auf der "Business-Partner"-Liste, bekommen weit weniger Fotos, Posts und Kommentare zu sehen als ein Mitglied der "auch im echte Leben Freunde"-Liste.

Besser direkt ablehnen als später streichen

Es ist aber laut der Online-Benimmregeln auch völlig in Ordnung, einen Geschäftskontakt gar nicht erst als Freund im sozialen Netzwerk zu adden. Besser, als ihn später aus der Freundesliste zu streichen, ist das nämlich allemal, wenngleich laut "eEtiquette" selbst ein Rauswurf noch als akzeptabel gilt, wenn er diskret und vernünftig vonstatten geht. "Man könnte das höflichkeitshalber in einer kurzen Mail erklären", so Schmolze. "Genauso gilt aber natürlich auch: Wenn Sie selbst von einem Geschäftskollegen nicht als 'Freund' angenommen werden, akzeptieren Sie das einfach."

Unakzeptabel hingegen findet Dr. Raimund Schmolze den Sittenverfall beim E-Mail-Schreiben. Ganze Briefe ohne jedes Satzzeichen und Großbuchstaben am Wortanfang? Geht gar nicht, findet der Web-Benimm-Berater: "Die durchgängig in Kleinbuchstaben verfassten Mails sagen aus: 'Ich mache mir für dich nicht die Mühe, über Groß- und Kleinschreibung nachzudenken.' Dieses Verbrechen an der Rechtschreibung bringt also nicht nur die eigene Faulheit zum Ausdruck, sondern zeugt zudem von mangelndem Respekt dem Empfänger gegenüber." Auch reine Großbuchstabenmails sind ein No-Go: "Großbuchstaben sind das Äquivalent zum Brüllen. Das ist sehr laut und kommt unfreundlich rüber."

Während man also selbst sorgsam auf seine Rechtschreibung achten sollte – besonders was Namen der Angesprochenen angeht (die "eEtiquette" rät gar, diese stets mittels copy-paste einzusetzen), ist bei den Vertippern der Gegenseite Toleranz gefragt: "Ignoriere die Rechtschreibfehler anderer, es sei denn, dein Name wurde falsch geschrieben."

Keine Smileys in beruflichen E-Mails

"Grundregel beim E-Mail Schreiben ist: Immer an den Empfänger denken!" so Schmolze. "Wie kann ich es ihm am einfachsten machen?" Am besten indem man es kurz und klar macht. Schwer verständliche Abkürzungen und komplizierte Schachtelsätze stehen auf der Streichliste ebenso wie ;(, ;-), :-) und andere Strichmännchen: "Smileys und Emoticons haben im beruflichen Setting überhaupt nichts verloren."

Wichtig ist gemäß der "eEtiquette" auch, erstens, alle Mails in einem angemessenen Zeitraum zu beantworten, zweitens, zumindest den Empfang zu bestätigen, wenn die Antwort eine etwas längere Bedenk- oder Bearbeitungszeit in Anspruch nehmen wird, und drittens, verspätete Antworten stets zu entschuldigen.

Doch egal, wie korrekt, höflich, schön und angemessen ihre E-Mails auch sind, Regel Nummer Eins geschäftliche Korrespondenz betreffend ist: Im Zweifelsfall zum Telefonhörer greifen und schnell mal anrufen. "Das vereinfacht vieles. Bevor Sie eine lange E-Mail-Kette lostreten, rufen Sie kurz an und sprechen Sie miteinander. Sie können unmittelbar auf das Gesagte reagieren. Wenn nötig, können Sie sagen: 'Nein, nein, jetzt hast du mich falsch verstanden.'", so Raimund Schmolze. "Alles was danach an schriftlicher Kommunikation folgt, ist im Regelfall leichter zu verstehen und zu sortieren, wenn man vorher einmal kurz darüber gesprochen hat."

Wer zuerst angerufen hat, ruft nach Funkloch wieder an

Die schriftliche Kommunikation bietet mehr Raum für Missverständnisse und kaum Platz für non-verbal vermittelte Informationen, erklärt Dr. Raimund Schmolze. "Der Vorteil des Telefonats ist, dass Sie viel mehr Facetten transportieren können. Wenn zwei Menschen sich unterhalten, hören sie nicht nur die Worte, sondern auch den Ton, in dem etwas gesagt wird. Bei der E-Mail muss ich den gesprochen Ton versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen. Das ist eine Interpretationssache und die Interpretation ist immer von meiner eigenen Stimmungslage abhängig."

Doch auch Gespräche mittels Telefon oder Video-Chat verlaufen nicht immer problem- und störungsfrei. Deshalb auch hierfür noch zwei Tipps: Wer etwa im Auto oder bei einer Zugfahrt ahnt, dass das Netz abreißen könnte, sollte das dem Gesprächspartner sagen und wenn möglich einen anderen Termin für das Telefonat vereinbaren. "Wenn das Netz überraschend abreißt, gilt die Regel: Der, der zuerst angerufen hat, ruft auch jetzt wieder an", erklärt Schmolze. Das leidige Aneinander-vorbei-Getelefoniere ließe sich so vermeiden.

Die unkomplizierteste und wohl auch manierlichste Form der Kommunikation ist, und das gibt auch der Knigge-Macher von der Deutschen Telekom zu, das persönliche, direkte und nicht medial vermittelte Gespräch. Das sei in jedem Fall der elektronischen Kommunikation vorzuziehen, so Dr. Schmolze. Und wer weiß: Vielleicht ist es auch netter, den neuen Kollegen zu sich nachhause zum Abendessen einzuladen um ihn kennenzulernen. Bei Facebook können Sie ihn danach ja immer noch adden.

Zitiervorschlag

Nina Anika Klotz, Facebook & Co: Hilfe, der Chef will mein Freund sein! . In: Legal Tribune Online, 27.08.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/1310/ (abgerufen am: 17.08.2019 )

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