Dolmetscher und Übersetzer bei Gericht: Das Recht auf Ver­stehen

von Sabine Olschner

02.05.2018

Wenn Angeklagte, Kläger oder Zeugen kein Deutsch sprechen, haben sie trotzdem das Recht, die Inhalte der Verhandlung zu verstehen. Beeidigte Dolmetscher helfen bei der Kommunikation vor Gericht.

Manchmal kann es kniffelig werden: "Herr Vorsitzender, ich habe das Gefühl, der Angeklagte versteht nicht, was ich ihm sage." Vor der Dolmetscherin saß ein Mann aus Afrika. Da sein Land früher eine französische Kolonie war, ging das Gericht davon aus, dass er Französisch sprach – also wurde eine französische Dolmetscherin beauftragt. Es stellte sich allerdings heraus, dass der Angeklagte die Kolonialsprache nur rudimentär verstand. Also musste ein Dolmetscher gefunden werden, der den afrikanischen Dialekt des Angeklagten beherrschte. Die Verhandlung konnte erst mit einiger Verspätung fortgesetzt werden.

"Solche schwierigen Fälle kommen selten vor", berichtet Dr. Wolfgang Schorn, Pressesprecher und Strafrichter am Amtsgericht Köln, der häufig mit Dolmetschern zusammenarbeitet. In der Regel ist anhand der Anklageschrift zu erkennen, welche Nationalität der Angeklagte hat, oder der Blick ins Vernehmungsprotokoll zeigt, in welcher Sprache er von der Polizei vernommen wurde.

Entsprechend werden die Dolmetscher ausgewählt. In der Regel funktioniert das auch sehr gut. Für die Suche nach passenden Dolmetschern und Übersetzern steht den Landesjustizverwaltungen eine Datenbank mit den beeidigten, öffentlich bestellten beziehungsweise allgemein ermächtigten Dolmetschern und Übersetzern in allen erdenklichen Sprachen zur Verfügung. "Nur für Gebärden oder bei seltenen Sprachen, wie Mongolisch oder bestimmten arabischen Dialekte, sind qualifizierte Dolmetscher rar", so Schorn.

Vor Gericht sollten nur Dolmetscher und Übersetzer auftreten, die sich entsprechend qualifiziert haben. "Eine gute Voraussetzung für die Tätigkeit bei Gericht beziehungsweise im Rechtsbereich ist eine allgemeine Ausbildung zum Dolmetscher oder Übersetzer durch ein mehrjähriges Studium, vorzugsweise mit dem Sachfach Jura", erklärt Dr. Thurid Chapman, die beim Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) für das Ressort "Dolmetschen und Übersetzen für Justiz- und Polizeibehörden" verantwortlich ist. "Es gibt aber auch Quereinsteiger, die ein Jura- oder ein anderes Studium absolviert und gegebenenfalls bereits in einem juristischen Beruf gearbeitet haben. Diese können sich zum Dolmetscher oder Übersetzer weiterbilden und eine staatliche Dolmetscher-/Übersetzerprüfung ablegen. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Jurastudium nicht."

Besondere fachliche Befähigung und persönliche Eignung

Die Voraussetzungen für eine Beeidigung beziehungsweise Ermächtigung sind je nach Bundesland unterschiedlich. Allen Ländern gemeinsam ist jedoch, dass beeidigte Dolmetscher und Übersetzer in der Regel ihre besondere fachliche Befähigung und persönliche Eignung für die Sprachmittlung bei Gerichten, Behörden und Notaren nachgewiesen haben. Sie werden zur Verschwiegenheit verpflichtet und müssen beeiden, dass sie gesprochene oder geschriebene Texte treu und gewissenhaft in die jeweils andere Sprache übertragen. Ihren Eid können sie bei einem Landgericht, einem Oberlandesgericht oder einer Innenbehörde ablegen. Er ist gemäß § 189 Abs. 2 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) vor allen Gerichten des Bundes und der Länder gültig.

"Die meisten Justiz-Dolmetscher und -Übersetzer arbeiten freiberuflich. Deutsche Gerichte haben nämlich – im Gegensatz zu einigen Behörden und Ministerien und auch zum Europäischen Gerichtshof – keine eigenen Sprachendienste", weiß Thurid Chapman.

Das Honorar ist über das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) geregelt. Die Stundensätze für Dolmetscher liegen bei 75 Euro für simultanes Dolmetschen und 70 Euro für zeitversetztes Dolmetschen. Übersetzungen werden nach Zeilenumfang abgerechnet. Ein Problem sieht Thurid Chapman bei den Übersetzungsagenturen, über die Gerichte immer häufiger Dolmetscher und Übersetzer laden. "Die Agenturen geben nur einen Teil der Honorare an die eingesetzten freien Mitarbeiter weiter. Sie erhalten also weniger, als ihnen laut JVEG zusteht", erklärt die BDÜ-Expertin. "Außerdem ist bei einer Unterbeauftragung durch Agenturen nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar, ob die Dolmetscher und Übersetzer überhaupt qualifiziert sind."

Bei Bedarf Begriffe umschreiben

Auch Olga Dziuba ärgert sich über Gerichte, die Agenturen beauftragen. Die 53-jährige Ukrainerin hat in ihrer Heimat Germanistik studiert und anschließend in Reise- und Dolmetscherbüros gearbeitet. 1994 kam sie nach Deutschland und ließ sich durch den Präsidenten des Oberlandesgerichtes Hamm als Übersetzerin für die deutsche, ukrainische und russische Sprache ermächtigen. "Das Thema Recht hat mich sehr gereizt", sagt Olga Dziuba. "Um die rechtlichen Begriffe und Zusammenhänge noch besser zu verstehen und tiefer in die Rechtsmaterie einzutauchen, habe ich an einer Fernuni in der Ukraine ein Jurastudium absolviert."

In der Praxis hat sie gelernt, dass es für manche deutschen Rechtsbegriffe kein passendes Pendant in der ukrainischen oder der russischen Sprache und umgekehrt gibt. "Dann muss ich in der Lage sein, den Begriff zu umschreiben." Olga Dziuba dolmetscht nicht nur vor Gericht, sondern begleitet zum Beispiel auch Rechtsanwälte zu Mandantengesprächen ins Gefängnis. Auch die Übersetzung von Anklageschriften, Straf- oder Haftbefehlen, Verträgen oder Vollmachten fällt in ihren Aufgabenbereich, zum Beispiel dann, wenn Behörden oder Institutionen eine beglaubigte Übersetzung verlangen.

Olga Dziuba ist als zuverlässige Dolmetscherin bei Gericht gern gesehen. Wolfgang Schorn vom Amtsgericht Köln hat jedoch auch schon mit Dolmetschern zusammengearbeitet, bei denen es weniger gut funktioniert hat. "Wenn jemand beim Dolmetschen zu laut spricht, stört das den Richter und die anderen im Saal, weil man immer zwei Stimmen parallel hört", nennt er ein Beispiel. In einem anderen Fall kam es vor, dass ein Dolmetscher die Aussagen, die er übersetzen sollte, selber bewertet hat. "Es ist unabdingbar, dass ein Dolmetscher möglichst wörtlich übersetzt. Sollte es notwendig sein, weitere Erklärungen hinzuzufügen, ist es hilfreich, wenn der Dolmetscher den Richter darauf hinweist."

Denn das Problem beim Einsatz von Dolmetschern vor Gericht ist: In der Regel verstehen die Richter und Staatsanwälte die fremden Sprachen nicht, sodass sie dem Dolmetscher voll vertrauen müssen. "Genau deshalb ist für diese Berufsgruppe eine Beeidigung so wichtig", betont Schorn. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass ein Dolmetscher nicht beeidigt war, kann dies ein Revisionsgrund sein. "Ohne Dolmetscher ist für Menschen, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, kein fairer Prozess möglich", betont auch Thurid Chapman vom BDÜ. Daher empfiehlt sie, "grundsätzlich in allen Bereichen und Branchen – also etwa auch in Wirtschaft, Politik oder, Gesundheitswesen – darauf zu achten, dass nur Dolmetscher und Übersetzer mit nachgewiesener Qualifizierung beauftragt werden".

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Dolmetscher und Übersetzer bei Gericht: Das Recht auf Verstehen . In: Legal Tribune Online, 02.05.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28407/ (abgerufen am: 15.08.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 02.05.2018 17:37, bigbrother

    Und wer darf den Spass mal wieder finanzieren?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.05.2018 18:07, Norbert Fredericksen

      Deine Mutter!

    • 04.05.2018 21:26, Verhandlungsdolmetscherin

      Derjenige/diejenigen, der/die die Gerichtskosten trägt, z.B. die Rechtschutzversicherung, die Partei, die verliert und manchmal im Rahmen der Prozesskostenhilfe die Staatskasse, wenn nachgewiesene Bedürftigkeit vorliegt.

  • 03.05.2018 10:33, RA Kelle

    1. Es gibt Übersetzer mit mangelnden Fähigkeiten. Wer die deutschen Rechtsbegriffe nicht annähernd versteht, sollte nicht übersetzen.
    2. In vier von fünf Fällen selbst erlebt: Manche Übersetzer schwingen sich zu einer Art Ersatz-Rechtsanwalt auf. Statt Wort für Wort zu übersetzen, fügen sie umfangreiche Erläuterungen bei, von denen niemand weiß, ob sie rechtlich zutreffend sind. Das kann - im günstigsten Fall - für den Beratenen nützlich sein. Oft dürften aber die Rechtskenntnisse des Übersetzers nicht ausreichen für eine solche Beratung. Sobald man als Prozessbeteiligter den Eindruck hat, dass die vermeintliche Übersetzung ein Mehrfaches an Umfang hat wie der zu übersetzende Text, sollte man einschreiten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 03.05.2018 11:08, Gisela Wöllgens

      Übersetzer oder Dolmetscher? Manchmal wird die Verdolmetschung halt etwas länger, da man, wie auch im Artikel beschrieben wird, beschreibend dolmetschen muss, da es keine Entsprechung in der Zielsprache gibt. Eine wörtliche Übersetzung von beispielsweise "Versorgungsausgleich" wird für die meisten völlig unverständlich sein. Für viele Deutsche mag das Wort Versorgungsausgleich vielleicht ebenso nichtssagend sein, aber ich denke, da müssen es dann einfach ein paar mehr Worte sein.

    • 03.05.2018 11:31, E. Kalderon

      Guten Tag, Herr RA Kelle,
      Ihre Missgunst kann ich nachvollziehen, in meinem Arbeitsalltag begegnen mir gute, nicht so gute und auch sehr schlechte oder gar Möchte-Gern-Dolmetscher. Da ich schon nun fast zehn Jahren als Dolmetscherin arbeite, kann ich Ihnen versichern, dass eine "Eins-zu-eins-Übersetzung" nicht nur nicht möglich, sondern auch unverständlich ist. Die Rechtsanwälte, mit denen ich gearbeitet habe, fanden es immer angenehmen, zuerst ein wenig über die kulturellen Hintergründe ihrer Mandanten zu erfahren. Im Gespräch selbst - mit ihrem Einverständnis - erkläre ich immer die "typisch deutschen" Begriffe, jedoch in beiden Sprachen, sodass alle Gesprächspartner unverhindert dem Gespräch folgen können.

    • 03.05.2018 11:34, E. Kalderon

      Nachtrag: Wie in jedem Beruf gibt es Menschen mit mangelnden Fähigkeiten und unzureichenden Fertigkeiten. Mir sind (im Privatbereich) auch solche Anwälte begegnet, aber man darf nicht von einem auf alle schließen. Vielleicht haben Sie das nächste Mal das Vergnügen mit einem Profi-Dolmetscher zu arbeiten.

    • 03.05.2018 14:57, G. Klein-Weiß

      Besonders lästig für einen Angeklagten kann auch ein sprachkundiger Rechtsanwalt sein, der seinem Mandanten, der mit einem Ohr dem Dolmetscher lauscht, seine erklärende Version in eben dieser Sprache zum anderen Ohr einflüstert. --- Das musste ich einst unterbinden indem ich kurz in dessen Richtung beteuerte:
      "Wenn Sie weiter dolmetschen, übernehme ich die Verteidigung ihres Mandanten!" Dann war Ruhe --- Dolmetschen und Übersetzen vor allem für Behörden, Justiz und Kräfte der Kriminalpolizei ist und bleibt ganz deutlich eine Vertrauenssache, die in keinem Fall davon abhängen darf, wie gut antichambriert wird oder zu Ostern und zur Weihnachtszeit kleine Aufmerksamkeiten in den Amtsstuben verteilt werden.

    • 03.05.2018 16:32, RA Kelle

      Zitat: E. Kalderon: "... Missgunst ..."
      Missgunst wollte ich keineswegs ausdrücken. Mir ist durchaus bewußt, dass die Aufgabe eines Dolmetschers anspruchsvoll ist und auch, dass gelegentlich Begriffe erläutert werden müssen.
      Schwierig wird es für die Prozessbeteiligten aber, wenn ein Dolmetscher, der z.B. bei einer Zeugenbefragung dolmetscht, in ein lebhaftes längeres Zwiegespräch mit dem Zeugen verfällt, ohne die übrigen Beteiligten über dessen Inhalt aufzuklären. Um beurteilen zu können, ob ein Zeuge eigenes Erleben schildert oder nur eine auswendig gelernte Legende, muss man ihm aber manchmal auch Fangfragen stellen können. Wenn der Dolmetscher das durch seinen "Filter" verhindert, hat er eine ordnungsgemäße Sachverhaltsfeststellung vereitelt.

    • 03.05.2018 20:56, Reinhard Pohl

      Ein Problem wird im Artikel ja angesprochen: Es gibt leider Gerichte, die nicht eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher laden, sondern eine Ladung "anonym" (ohne Namen und Adresse) an ein Vermittlungsbüro schicken. Dann bezahlt das Gericht zwar 70 Euro pro Stunde, aber nicht mehr für das Dolmetschen, sondern für das Vermitteln. Das Büro schickt dann jemanden, die oder der für 35 Euro arbeitet – und da wird die Qualität zur Glückssache, und der Rechtsanwalt ärgert sich.

      Der Verteidiger sollte dann als erstes klären, ob die Dolmetscherin oder der Dolmetscher wirklich geladen wurde und die JVEG-Entschädigung selbst erhält.

    • 13.05.2018 19:16, Olga Dziuba

      Wir übersetzen nicht nur Wörter, sondern die Bedeutung der jeweiligen Sinneinheiten. Und deren Bedeutung lässt sich nicht unbedingt aus der Bedeutung ihrer Einzelteile, ihrer einzelnen Wörter erschließen.
      Ein Beispiel: Wenn ich Ihnen eine bestimmte russische Wortverbindung wörtlich ins Deutsche übersetze, nämlich: „Wie Geschäfte?“, dann können Sie damit bestimmt nichts anfangen. Die korrekte Übersetzung lautet: „Wie geht´s?" Im Deutschen wäre dann noch jeweils die Anrede hinzuzufügen „dir“ bzw. „Ihnen“. Das nennt man Idiome.
      Nicht zufällig studiert man an den Fremdsprachenfakultäten solche Fächer wie Lexikologie, Landeskunde, Stilistik, theoretische Grammatik, Theorie und Praxis des Übersetzens usw.
      Dolmetschen und Übersetzen bedeutet auch, sich dabei an die bestimmen Regeln zu halten.
      Wer das beherrscht, erbringt eine gute Leistung. Auch die Weiterbildung des Sprachmittlers im Bereich Recht spielt dabei eine gewichtige Rolle. Nur wer den juristischen Hintergrund versteht, wird eine gute juristische Übersetzung anfertigen.

  • 03.05.2018 11:05, Lea M.

    "Also musste ein Dolmetscher gefunden werden, der den afrikanischen Dialekt des Angeklagten beherrschte."
    Sprache. Afrikanische Sprachen sind keine Dialekte, sondern eigene Sprachen. Die abwertende Betittelung als Dialekte findet man überraschend häufig.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 04.05.2018 13:41, Christine Grunewald

      Liebe Lea, ganz genau! ...und gerade diese Unkenntnis der Sprachen und sprachlichen Hintergründe und Feinheiten stellt ein großes Problem dar! Als Ermächtigte Übersetzerin für Afrikaans habe ich in den vergangenen zwanzig Jahren Schriftsätze und Urkunden aus allen Teilen Afrikas auf den Tisch bekommen, ebenso Ladungen zum dolmetschen, denn "Sie sprechen ja Afrikanisch, nicht wahr?".

      Und bzgl. der Länge verschiedener Verdolmetschungen möchte ich mich auch dahingehend den Aussagen der Kollegen anschließen, dass eine 1:1 Verdolmetschung GERADE in der Justiz fast unmöglich ist. Gerade die deutsche Rechtssprache bietet kaum Möglichkeit einer Verdolmetschung in der von dem Herrn RA gewünschten Kürze.

  • 03.05.2018 14:44, G. Klein-Weiß

    Leider werden unsere Juristen mit den üblichen deutschen Qualitätsansprüchen in Sachen üblicher Rechtsterminologie, nach jeder verdolmetschten Verhandlung immer noch ein Fragezeichen auf der Stirn mit in den Alltag nehmen müssen. Die erhöhten Sätze nach JVEG drängen darauf die Verhandlungen in vertretbaren, also zahlbaren Rahmen, zu belassen. Für Erklärungen zu rechtlichen Sachverhalten ist keine Zeit, die sich ergebenden Widersprüche im gesprochenen Hin- und Her der Übersetzungen von Fragen und Antworten, die zudem noch durch kulturelle und soziale Unterschiede erschwert werden, geschweige denn vom Gemüts- oder evtl. gestörten Geisteszustand eines Zeugen oder eines Angeklagten (Schutzbehauptungen, Unschlüssigkeit, pointierte Lügen oder Angst, Scham und ehrliche oder geheuchelte Reue) lassen m.E. einer gründlichen Urteilsfindung kaum eine Chance. Selbst als Muttersprachler gilt man schon als "schwierig”, weil es ja "teuer" werden kann, je mehr Fragen sich ergeben oder gestellt werden. Es wundert nicht, dass dann eher jene Kollegen beauftragt werden, die einfach nur solide und brauchbar dolmetschen damit möglichst keine Fragen des Angeklagten noch hinzukommen und alles nur verzögern, obschon dieser das Recht haben soll, einer fairen Verhandlung beizuwohnen, bei der es ja um seine Freiheit geht. Wenn Staatsanwälte und manche Beisitzer schon gegen 11:05 auf die Uhr schauen, weil es ab 11:45 Uhr Steaks in der Gerichtskantine gibt, dann kommt auch ein Angeklagter in Sachen BtmG, dessen Auftraggeber in der gleichen JVA sitzt und von dort sein "business" weiter managed, nicht zum Zuge. Vor 12 Uhr ist das Urteil gesprochen. Qualität braucht auch seine Zeit. Bon apetit.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 04.05.2018 06:50, Igor Plotkin, Fachdolmetscher für Russisch

    Oft laden die Richter, aber auch die Anwälte statt der beeidigten Dolmetscher (aus dem Verzeichnis www.justiz-dolmetscher.de) die (persönlich bekannten oder einfach günstigen bzw. billigen) Laien.

    Zwar kann ein Richter (auch) einen unbeeidigten Sprachmittler im Termin ad hoc belehren (wie im BVB-Prozess https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/bvb-prozess-dortmund-100.html), nur wird dieser dadurch noch lange nicht zum guten Dolmetscher! Genauso wenig wie man einen Sanitäter auf diese Weise zum Arzt vereidigen kann, um ihn eine Blutprobe entnehmen zu lassen, oder jemanden, der sein Wochenendhaus selbst gebaut hat, zum Bausachverständigen erklären. Durch die Ad-hoc-Beeidigung wird die Allgemeine Beeidigung ad absurdum geführt, denn es wird weder was überprüft noch was verlangt. Wer weiß, was die Unbeeidigten sich haben zuschulden kommen lassen? Kommen sie aus ordentlichen Verhältnissen, wie von uns gefordert?

    Beim Einsatz einer ungelernten und unqualifizierten Person kann kein faires den gesetzlichen Anforderungen entsprechendes Verfahren gewährleistet werden, wodurch es u. U. wieder angreifbar werden könnte (mit Revision bzw. Verfahrensrüge). Ferner können wichtige Ermittlungsergebnisse publik werden und die ganze Arbeit der Justiz war umsonst. Die ermächtigten Übersetzer bzw. beeidigten Dolmetscher weisen hingegen ihre Sprachen- und Rechtssprachenkenntnisse nach, müssen auch Führungszeugnis, Nachweise bzgl. möglicher Insolvenz und Steuerschulden beibringen, um überhaupt ermächtigt/allgemein beeidigt zu werden, haben Verschwiegenheitspflicht etc.

    Hatte seinerzeit darüber geschrieben: https://www.strafrechtsblogger.de/4026/2014/10/, jedoch ändern tut sich nicht überall was…

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 06.05.2018 19:51, Roberta Krus

    Ein Problem ist auch, dass es in einigen Sprachen keine richtige Übersetzung für deutsche Rechtswörter gibt und die Dolmetscher dann Umschreibungen wählen, die nicht unbedingt den Punkt treffen und den Sachverhalt bzw. die Fragestelllung des Richters ganz anders erscheinen lassen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 06.05.2018 20:31, Marisa Manzin

    G.-K. Klein-Weiß hat oben geschrieben:
    "Dolmetschen und Übersetzen vor allem für Behörden, Justiz und Kräfte der Kriminalpolizei ist und bleibt ganz deutlich eine Vertrauenssache, die in keinem Fall davon abhängen darf, wie gut antichambriert wird oder zu Ostern und zur Weihnachtszeit kleine Aufmerksamkeiten in den Amtsstuben verteilt werden."
    Aber das ist leider eine verbreitete Praxis: Obwohl z.B. in NRW das Justizministerium vorschreibt, das der/die Dolmetscher/in persönlich zu laden sei, laden viele Geschäftsstellen eine Vermittlungsagentur, die dann irgendwelchen Sprachkundigen schickt, der bereit ist, für die Hälfte des IVEG-Honorars oder noch weniger zu arbeiten. Die Richter decken diese unlautere Praxis, in dem sie z.B. am Verhandlungsbeginn nicht einmal den Dolmetscher fragen, ob er allgemein vereidigt ist. Ich spreche aus Erfahrung. Als ich einmal durch eine Agentur eine Ladung akzeptierte und die Richterin nach der Verhandlung die Zahlungsanweisung jedoch auf mich ausstellte, weigerten sich die zuständigen Justizbeamten, meine Rechnung zu bezahlen: "die Rechnung darf nur der Geladene vorlegen". Mit meiner Beschwerde bin ich bis zum OLG gegangen, wobei ich argumentierte, dass die Ladung unrechtmäßig erfolgt war. Nichts zu machen: Auch das OLG hat sich auf meinen fundierten Einwand nicht eingelassen. Was bringen die hohen Anforderungen an die Gerichtdolmetscher/innen, wenn dann sie einfach nicht geladen werden?

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 12.05.2018 22:40, Andreas L

    Man erkläre einmal einem Amerikaner auf englisch den Unterschied zwischen Berufung und Revision!

    Und genau das ist der Knackpunkt: Man kann meistens nicht einfach Wörter übersetzen. Das geht nur in einfachen Ausnahmefällen (Apfel, apple). Im Prinzip muß man *Bedeutungen* übersetzen, und häufig müßte man dann schon erst einmal erklären, worum es sich überhaupt handelt.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 13.05.2018 19:23, Igor Plotkin, Fachdolmetscher für Russisch

      Was ist denn genau das besonders Schwierige daran, einem Amerikaner auf Englisch den Unterschied zwischen Berufung und Revision zu erklären?

Neuer Kommentar
TopJOBS
Tran­sac­ti­on Sup­port La­wy­ers/ Wirt­schafts­ju­ris­ten (m/f/x)

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP, Ber­lin

Voll­ju­rist (m/w) mit Schwer­punkt Han­dels­recht / Ge­werb­li­cher Rechts­schutz

dennree Gruppe, Töp­en

Rechts­an­walt (m/w/d) für den Be­reich Cor­po­ra­te/M&A

Simmons & Simmons, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt im Be­reich Wirt­schafts­straf­recht (w/m)

VBB Rechtsanwälte, Es­sen

RECHTS­AN­WÄL­TE (M/W)

Menold Bezler Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, Stutt­gart

RECHTS­AN­WALTS­FACH­AN­GE­S­TELL­TE (M/W/D)

FPS Partnerschaftsgesellschaft von Rechtsanwälten, Frank­furt/M.

Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (w/m) im Be­reich Wett­be­werbs-, Mar­ken- und Ur­he­ber­recht

Görg, Köln

Voll­ju­rist (m/w/d) mit Schwer­punkt Han­dels- und Ge­sell­schafts­recht

dennree Gruppe, Töp­en

RECHTS­AN­WALT (M/W) IN EI­NEM UM­FANG­REI­CHEN PRO­ZESS­MAN­DAT

Menold Bezler Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, Stutt­gart

Straf­ver­tei­di­ger/in

von Máriássy | Dr. von Stetten Rechtsanwälte, Mün­chen

Tra­de­mark Para­le­gal / Mar­ken­sach­be­r­a­bei­tung (m/w)

Harmsen Utescher Rechtsanwalts– und Patentanwaltspartnerschaft mbB, Ham­burg

Le­gal Se­nior Con­sul­tant Da­ten­schutz (m/w)

Datenschutzexperte.de München, Mün­chen

Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­te Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge

Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz, Stutt­gart

Ju­ris­tin/Ju­rist für den Grund­satz­be­reich der Kran­ken­ver­si­che­rung

LVM Versicherung, Müns­ter

Rechts­an­walt, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter oder Re­fe­ren­dar (m/w)

Orrick, Herrington & Sutcliffe LLP, Düs­sel­dorf und 1 wei­te­re

Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich Ar­beits­recht

Allen & Overy LLP, Frank­furt/M. und 2 wei­te­re

RECHTS­AN­WALT (M/W) IM IT-RECHT

Menold Bezler Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, Stutt­gart

Com­p­li­an­ce Of­fi­cer (w/m/d)

Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA, Ham­burg

As­so­cia­te (m/w) für den Be­reich Real Es­ta­te

fieldfisher, Ham­burg

Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich Real Es­ta­te

Allen & Overy LLP, Frank­furt/M. und 1 wei­te­re

Le­gal Pro­ject Ma­na­ger (m/w/d)

Clifford Chance, Düs­sel­dorf und 1 wei­te­re

Tran­sac­ti­on Sup­port La­wy­ers (m/f/x)

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP, Ber­lin

QUA­LI­FIED EU­RO­PE­AN PA­TENT AT­TOR­NEYS WITH A DE­G­REE IN ELEC­TRO OR ME­CHA­NI­CAL EN­GINEE­RING

K&L Gates, Mün­chen

Voll­ju­rist / Syn­di­kus­an­walt (m/w) Schwer­punkt Zi­vil- und Wirt­schafts­recht

Deutsche Leasing Gruppe, Bad Hom­burg v.d. Höhe

VOLL­JU­RIS­TEN (M/W/D) MIT DEM SCHWER­PUNKT SO­ZIAL­RECHT

Bundespsychotherapeutenkammer, Ber­lin

Rechts­an­walt (m/w) mit dem Schwer­punkt Ka­pi­tal­markt­recht und De­ri­va­te

Mayer Brown LLP, Frank­furt/M.

Rechts­re­fe­ren­da­rin/Rechts­re­fe­ren­dar bei Le­gal and Com­p­li­an­ce / deut­sch­land­weit

Siemens, Mün­chen und 2 wei­te­re

ei­ne Rechts­an­wäl­tin oder ei­nen Rechts­an­walt

Pöhlmann Früchtl Oppermann PartmbB, Mün­chen

be­ruf­s­er­fah­re­nen Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Öf­f­ent­li­ches Wirt­schafts­recht

Bird & Bird LLP, Mün­chen

Rechts­an­wäl­te (m/w/d)

Hopfgarten Rechtsanwälte, Wup­per­tal

Syn­di­kus­rechts­an­walt Ar­beits­recht (m/w)

FUNKE MEDIENGRUPPE, Es­sen

Voll­ju­rist / Syn­di­kus­an­walt (m/w)

Festool Group, Wend­lin­gen am Ne­c­kar

As­so­cia­te (m/w/x) im Be­reich Ar­beits­recht

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP, München, Mün­chen

Rechts­an­wäl­te (m/w) und Fach­an­wäl­te (m/w)

Orth Kluth, Düs­sel­dorf und 1 wei­te­re

Rechts­an­wäl­te w/m im Be­reich M&A | Pri­va­te Equi­ty | Ven­tu­re Ca­pi­tal

Heuking Kühn Lüer Wojtek, Stutt­gart

Neueste Stellenangebote
RECHTS­AN­WÄL­TE (M/W)
RECHTS­AN­WALT (M/W) IN EI­NEM UM­FANG­REI­CHEN PRO­ZESS­MAN­DAT
Syn­di­kus­an­walt (m/w)
Fi­nanz­be­ra­te­rin / Bank­kauf­frau / Ver­si­che­rungs­kauf­frau (m/w)
Voll­ju­rist/in
Lohn und Fi­nanz­buch­hal­ter (m/w)
Eu­ro­päi­sche Pa­tent­an­wäl­te (m/w/di­vers) mit den Fach­rich­tun­gen Ma­schi­nen­bau, Phy­sik oder Elek­tro­tech­nik
Rechts­an­walts/Part­ne­ras­sis­tenz (m/w)