LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Buchführung in der Kanzlei: Der Schlüssel zum Erfolg

von Constanze Elter

30.08.2016

2/2: Buchhaltung: delegieren und verstehen

Am Delegieren ist grundsätzlich nichts Verwerfliches – im Gegenteil: Wenn Sie sich nicht kompetent genug fühlen, sollten Sie die Buchführung sogar einem externen Fachmann überlassen. Denn Buchhaltung lässt sich nicht so nebenbei erlernen, sondern erfordert komplexes Wissen, das man sich in einem längeren Prozess aneignen muss. Ansonsten stellen sich Fehler ein, die Sie spätestens bei der Steuererklärung bares Geld kosten können. Selbst eine ausgefeilte Buchhaltungssoftware nimmt dem Bediener nicht die gedankliche Arbeit ab, und es ist ein Trugschluss zu glauben, dass das Programm den Anwender wie von selbst leitet. Fundiertes Buchführungsfachwissen ist nach wie vor vonnöten.

Wenn Sie sich aber entschließen, selbst zu buchen, sollten Sie dies mit Ihrem Steuerberater abstimmen. Wenn Sie gerade auf der Suche nach einem neuen Berater sind, fragen Sie ihn (oder sie), wie er dieses Thema bewertet. Ein guter Steuerberater wird Ihnen bei der Bewältigung dieser Aufgabe mit Rat und Tat zur Seite stehen und mit Ihnen gemeinsam einschätzen, ob überhaupt und wenn ja, welchen Teil der Buchhaltung Sie übernehmen können.

Die richtige Software finden – und bedienen

Wichtig ist außerdem, dass Sie über die Software sprechen, die Sie einsetzen möchten. Denn der Transfer Ihrer Daten sollte problemlos über die Bühne gehen können – damit nicht sämtliche Daten von der Steuerkanzlei nochmals erfasst werden müssen.

Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater, welches Programm er selbst nutzt – und ob Sie dafür eine Unterlizenz für Ihren Arbeitsplatz bekommen können. In aller Regel ist dies wesentlich günstiger als ein eigenes Buchhaltungsprogramm. Außerdem hat es den Vorteil, dass Sie mit dem gleichen System arbeiten wie der Steuerberater und der Datentransfer dadurch enorm erleichtert wird.

Die elektronisch geführte Buchhaltung hilft Ihnen nicht nur bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung und der Gewinnermittlung. Sie zeigt Ihnen auch, wo Sie mit Ihrem Unternehmen stehen. Dafür müssen Sie diesen Teil der Buchhaltung noch nicht einmal selbst erledigen: Wichtig ist, dass Sie sich mit den Zahlen regelmäßig befassen.

Ihr Unternehmen verstehen: die BWA

Ausgangspunkt einer solchen Analyse ist die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA). Die BWA beruht auf den Zahlen der Buchhaltung und gibt dem Unternehmer während des laufenden Wirtschaftsjahres aus verschiedenen Blickwickeln Auskunft über seine finanzielle Situation. Die BWA

• informiert über alle wichtigen Unternehmenszahlen, zusammengefasst auf wenigen Seiten;

• kontrolliert Ihre Einnahmen (Umsätze) und Ausgaben. Mit den Daten sind Sie in der Lage, kurz- und mittelfristige Entscheidungen zu treffen;

• präsentiert Ihre finanzielle Situation – beispielsweise bei einer Bank. Kreditzusagen können dadurch erleichtert werden.

Die BWA ist notwendig, um bestimmte betriebliche Zusammenhänge besser zu verstehen und beurteilen zu können. Sie bietet viele Möglichkeiten, um die wirtschaftliche Lage der Kanzlei richtig einschätzen zu können. Dazu müssen aber die einzelnen Kennziffern genau beobachtet und interpretiert werden, gegebenenfalls mit Unterstützung des Steuerberaters.

Daher sollten Sie mindestens einmal im Monat Zeit für die Lektüre der Daten reservieren. Betrachten Sie Ihr Unternehmen aus verschiedenen Perspektiven, schenken Sie finanziellen Baustellen besondere Aufmerksamkeit – und lassen Sie sich gegebenenfalls die einzelnen Auswertungen vom Fachmann erläutern. Scheuen Sie sich nicht, intensiv nachzufragen – schließlich geht es darum, dass Sie Ihr Unternehmen finanziell lesen und verstehen können. Die Ausgaben für den Steuerberater sind gut investiertes Geld, sagt der DAV-Experte Olbing: "Sie vermeiden spätere unnötige Kosten und Ärger. Zudem ist der Steuerberater auch ein guter Mandatsbringer. Seine Kunden brauchen immer wieder einen guten Anwalt."

Constanze Elter ist Journalistin, Autorin und Moderatorin mit Schwerpunkt Steuern.

Zitiervorschlag

Constanze Elter, Buchführung in der Kanzlei: Der Schlüssel zum Erfolg . In: Legal Tribune Online, 30.08.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20419/ (abgerufen am: 21.10.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 01.09.2016 12:04, Gunther Marko

    Ich führe meine Buchhaltung schon seit 1995 selbst. Einen Steuerberater habe ich dafür nur zu Beginn meiner anwaltlichen Tätigkeit einmal in Anspruch genommen. Es stimmt, dass man aus den ermittelten Zahlen so einiges "ablesen" kann. Diese Selbstkontrolle ist tatsächlich "unbezahlbar". Sie bringt einen beiläufig sogar oft auf "zündende" Ideen, die sehr nützlich für die Kanzleitätigkeit im Übrigen sind.

  • 23.04.2017 10:27, Correll/m

    Buchhaltung mit/und Kanzlei gehören zusammen

    • 23.04.2017 11:02, gm

      Stimmt, werte/-r "Correll/m" oder wer oder was auch immer Sie sein mögen.