Initiative: Frauen als Vorbilder für Frauen: Das Wollen wagen

von Tanja Podolski

23.05.2018

Juristische Karriere und Familie? Oder auch keine? Egal, wie der Berufsweg für Frauen aussehen soll: Die Initiative breaking through will weibliche Vorbilder vorstellen, Juristinnen vernetzen und nicht zuletzt gedankliche Schranken durchbrechen.

Kanzleien haben Karriere-Tage ausschließlich für Frauen, Mentoren, Veranstaltungen für uns mit Frauen – und alles reicht nicht, um die Riege der Partnerschaft weiblicher zu machen. Um Perspektiven für Frauen, um Möglichkeiten, geht es darum – und um noch mehr: Breaking through ist eine Online-Plattform, bei der weibliche Vorbilder in der Juristerei dargestellt werden, und zwar egal ob internationale Großkanzlei, kleine Sozieäten, Gerichte, Politik oder Lehre. Denkbar sind sogar auch weitere Berufsbilder.

Die Initiative will die Frauen zusammenbringen, Vorbilder bekannt machen und miteinander vernetzen. Die Zielgruppe sind Frauen, die Ideen und Möglichkeiten für ihren eigenen Berufsweg erkennen möchten – unabhängig davon, in welchem Stadium ihrer Ausbildung oder ihrer Berufstätigkeit sie sind.

Unterstützung von der Justizministerin

Nadja Harraschain ist Initiatorin von breaking through. Die Idee kam ihr vor gut drei Jahren. Damals arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Büro einer Großkanzlei, in dem es eine einzige Partnerin gab. Viele weitere Anwältinnen arbeiteten in dem Büro, in ihrem Arbeitsumfeld hatte lediglich eine Frau ein Kind. Das kann auf einer persönlichen Lebensentscheidung beruhen oder sonstige persönliche Gründe haben. Für die junge Juristin Harraschain, die gerade an ihrer Promotion schreibt, war die Lage auffällig genug, um sie im Freundes- und Bekanntenkreis zu diskutieren.

"In den Gesprächen wurde klar, dass viele Frauen für sich viele Berufsbilder von vornherein ausgeschlossen haben", sagt die Frankfurterin. Bei Nachfragen habe sich herausgestellt: "Das `will ich nicht` war vielmehr ein `das geht nicht`. Viele Frauen haben sich nicht getraut, einen konkreten Beruf zu wollen."

Dafür spielten sicherlich viele Faktoren eine Rolle, doch einer sei auch, dass so wenige weibliche Vorbilder existierten und die wenigen nicht bekannt genug seien. "Ich hatte also die Idee, nach weiblichen Vorbildern zu suchen, die nach ihren eigenen Maßstäben eine juristische Karriere gemacht haben, und diese Frauen vorzustellen", sagt Harraschain. Herausgekommen ist eine Domain mit vielen Fotos bekannter Frauen aus der juristischen Szene auf der Startseite..

Noch sind nicht alle Texte geschrieben, doch alle Frauen, deren Fotos zu sehen sind, haben sich bereit erklärt, die Initiative zu unterstützen. Dazu gehört die Bundesjustizministerin Dr. Katarina Barley, Professor Dr. Nina Dethloff von der Universität Bonn und die Milbank-Partnerin Dr. Ulrike Friese-Dormann, selbst Mutter von drei Kindern.

Kick-off an der Uni Frankfurt

Sichtbar werden die Porträts über die erfolgreichen Frauen nach dem Kickoff-Meeting an der Goethe-Universität Frankfurt am 5. Juni. Breaking through organisiert die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsrat des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Goethe-Universität und dem Deutschen Juristinnenbund. Anwältinnen aus sechs verschiedenen Kanzleien berichten von ihren eigenen Erfahrungen und beantworten Fragen der Teilnehmerinnen – und Teilnehmer, eingeladen sind ausdrücklich auch Männer.

Auf dem Plenum sitzen allerdings nur Frauen: Armineh Gharibian (Senior Associate, Mayer Brown), Dr. Juliane Hilf (Partnerin, Freshfields Bruckhaus Deringer), Dr. Kerstin Kopp (Partnerin, Clifford Chance), Dr. Dorothee Ruckteschler (Partnerin, CMS), Dr. Viola Sailer-Coceani (Partnerin, Hengeler Mueller) und Dr. Anna Schwander (Partnerin, Kirkland & Ellis). Thema ist dieses Mal: "Vereinbarkeit von Familie und Karriere in der Großkanzlei".

Weitere Events sind bereits geplant, nicht immer wird es dabei nur um die Großkanzlei gehen – und auch nicht ausschließlich um Beruf und Familie. "Auch Frauen ohne Kinderwunsch suchen schnell vergeblich nach einem geeigneten Pool an erfolgreichen Juristinnen, die ihnen Orientierungshilfe sein können. Unangemessene Fragen zur persönlichen Lebensplanung müssen sich zudem alle immer wieder stellen lassen", sagt Harraschain. "Dazu zählt auch die Frage, warum man denn keine Kinder habe."

Anzahl der Partnerinnen stagniert

Die Idee der Initiative wird sich aber nicht alleine um das Thema "Nachwuchs" drehen. "Für alle Frauen in Führungspositionen stellen sich unterschiedliche Schwierigkeiten und Herausforderungen, die wir aufgreifen möchten", sagt die Juristin. Den teilnehmenden Frauen sei es nach ihrer eigenen Auskunft ein "Bedürfnis" – dabei mitzumachen. "Viele haben erzählt, dass sie selbst kein Vorbild hatten und das für andere Frauen nun selbst gerne sein möchten."

Die Qualifikationen und Wege sind vielschichtig. "Wir möchten alle Karriere-Wege abbilden, also nicht nur Partnerin oder Professorin, sondern auch Counsel und Senior Assoicate, damit jede Frau eine andere findet, mit der sie sich identifizieren kann", so Harraschain.

Das Projekt könnte allerdings schnell an eine Grenze gelangen: Zumindest die Anzahl der Partnerinnen in Großkanzleien stagniert seit Jahren. Doch 50 beruflich erfolgreiche Frauen haben bereits ihre Teilnahme zugesagt oder klares Interesse bekundet, und sie selbst habe noch viele weitere Frauen auf einer Liste, so Harraschain, die sie kontaktieren möchte. Zudem kommen auch immer wieder Vorschläge von den Teilnehmerinnen für andere beruflich erfolgreiche Frauen. "Und wir gucken ja auch nicht nur auf die Großkanzleien, sondern eben auch auf die Richterschaft, die Lehre und andere Berufsfelder wie etwa die Politik." Das eigene Kind von Harraschain wird jedenfalls nie zu den Vorbildern dazugehören, die breaking through aktuell porträtiert. Es ist ein Junge.

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Initiative: Frauen als Vorbilder für Frauen: Das Wollen wagen . In: Legal Tribune Online, 23.05.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28743/ (abgerufen am: 25.03.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 23.05.2018 11:26, Haus123

    Ein wichtiger Punkt wird bei diesen Diskussionen immer vernachlässigt: Ohne gesellschaftliche Anerkennung des Hausmanns wird eine deutliche Steigerung der Frauenquote in Berufen die auch einmal wochenlange "24/7" Einsätze erfordern nicht zu erreichen sein. Fragen Sie mal GK Partner mit jungen Kindern, ob deren Frau arbeitet.

    Leider wird ein Hausmann von Männern verspottet, von Frauen im Regelfall als unmännlich angesehen und kaum als Partner gewählt.

    • 23.05.2018 12:10, M.D.

      Ich gehe gerne als Vorbild voran und stelle mich als Hausmann zur Verfügung. Die potentielle Partnerin sollte mindestens 120.000 € pro Jahr verdienen. Von meinem "Anteil" in Höhe von 60.000 € vor Steuern stelle ich als erstes einen Putzmann ein.

    • 23.05.2018 12:49, Spötter

      Hallo @M.D.,

      an den Zahlen sieht man das Du dich als Hausmann nicht eignest.

      Oder war das "pro Jahr" ein Schreibfehler und heißt "pro Monat"?

      Grüße an das ehemals starke Geschlecht.
      Pfui bin ich heute wieder sexistisch!
      Ich werde heute Nacht wieder nicht vor lachen schlafen können!

  • 23.05.2018 12:45, Spötter

    Ja, Ja die Muttis,

    "Mögen hätt sie schon wollen, aber dürfen habe sie sich nicht getraut."
    frei nach Karl Valentin.

    Aber nicht mangels Mut - Es ist so anstrengend.

  • 23.05.2018 13:43, Philosoph

    Frauen kann man nicht zu Männern machen. Männer kann man nicht zu Frauen machen. Wenn das jede Emanze kapieren würde, bevor sie zu alt wird um Kinder zu kriegen, dann hätten wir auch keine Probleme mit der Geburtenrate in Deutschland. Die Emanzen schaffen Deutschland ab.

    Aber zugleich massenhaft traditionell orientierte Familen aus dem Orient reinlassen, weil ja angeblich zu wenig Arbeitskräfte da seien.

  • 23.05.2018 15:02, JuristinUndMutter

    Haben Sie denn schon mal Kindererziehung und Berufstätigkeit vereinbart? Wissen Sie aus eigener Erfahrung, wieviel Kraft die Doppelbelastung kostet? Dass Vereinbarkeit oft schlichtweg eine Lüge Ist, die nur leben kann, wer die Oma nebenan wohnen hat? Falls nicht, lassen Sie hier nicht so einen Unsinn ab.

    • 24.05.2018 16:09, Sylvia Kaufhold

      Machen Sie sich nichts daraus, es sind hier immer dieselben anonymen Typen, die sich über derlei Themen lustig machen.

    • 27.05.2018 22:03, annette matthias

      Wenn Deutschland vernünftige Kinderbetreuungsmöglichkeiten hätte und nicht ein so antiquiertes Frauenbild, wäre das alles machbar. In Frankreich und Belgien geht es doch auch.

  • 23.05.2018 21:16, Mentos

    Ich führe lieber eine Firma mir vielen Angestellten und lasse mich zeitweise von meinem Co-Head vertreten - einer Frau.

  • 24.05.2018 16:58, ULLRICH DOBKE

    Schön, wie wir dieses wichtige Thema am Leben erhalten ...

  • 26.05.2018 09:48, Susanne

    Für mich wären die genannten bekannten Frauen keine Vorbilder. Sie motivieren mich nicht, weil ich sie nicht für glaubwürdig halte. Ich bin selbst Mutter und selbstständige RAin. Es geht. Aber es kommt auch darauf an, was man möchte. Ein sehr guter Verdienst geht in meinem Fachbereich nur mit viel Arbeit, da ich auch Familienzeit möchte, mache ich eben beim Verdienst Abstriche ( und arbeite dennoch locker 40 Stunden, aber Wochenende bleibt frei!). Selbst solche eher “normalen“ Lebensläufe werden Juristinnen in der Ausbildung ausgeredet, was ich für problematisch halte. Da müsste man ansetzen und nicht bei den wenigen prominenten Beispielen.

    • 05.06.2018 00:07, annette matthias

      Sehr richtig. Es geht auch mit Kindern. Ich habe selbst 27 Jahre gearbeitet und drei Kinder grossgezogen ohne eine Grossmutter nebenan.

  • 27.05.2018 19:19, Rechtsversteher

    Was beschweren sich hier alle über Doppelbelastung, zwingt doch niemand jemanden, ein Kind zu kriegen und sich dann alleine zu kümmern. Und wer das mit seinem Mann nicht hinkriegt, Gleichberechtigung in der Erziehung zu vereinbaren, da ist die Gesellschaft doch nicht schuld.
    Das feministische Getue ist immer dasselbe: Die Gesellschaft ist schuld + Opferrolle. Selbstverantwortung sieht anders aus.

    • 12.06.2018 15:39, Martha R.

      Diese Einstellung ist regelrecht wissenschaftsfeindlich. Es gibt hierzu ausreichend Forschung, niemand muss so informiert bleiben, dass er gesellschaftliche und politische Strukturen für feministisches „Getue“ halten müsste.

      Ihr Kommentar enthält kein Argument für Ihren Angriff auf Frauen, die gleichzeitig Erwerbsarbeit, Pflegearbeit und Hausarbeit stemmen und dagegen, sich an die Männer zu wenden, die selten ihren eigenen Kram regeln (Vorschlag: Wer es als Mann nicht hinkriegt, sich neben der Arbeit die Kinder und den Haushalt zu kümmern,...)

      Niemand muss Kinder kriegen: Jemand muss ja schon, sonst gibt es halt keine. Nichts spricht dafür, als Gesellschaft diejenigen abzustrafen, die die Kinder großziehen. Wer in Deutschland Eltern ist, lebt von weniger als einem vollen Gehalt pro Kopf, finanziert damit Großziehen und Bildung der Kinder, hat schlechtere Erwerbschancen (weniger Zeit, Flexibilität, Aufstiegschancen,...) und hat dadurch in der Regel eine schlechtere Altersvorsorge, als wer allein lebt oder als Doppelverdienerpaar. Die nächste Generation erwirtschaftet dann die Rente, von der die Kinderlosen wegen ihrer Berufswege deutlich mehr bekommen. Frauen tragen dabei die größten finanziellen Nachteile.

  • 04.06.2018 21:17, Lucy Iman

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    Lucy Iman.

  • 13.06.2018 19:36, annette matthias

    Geht es eigentlich immer nur ums Geld??? Furchtbar. Hat sich schon mal jemand überlegt, dass es auch eine schöne Aufgabe sein kann, Kinder zu haben und sie gross zu ziehen.

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