Testphase fürs Anwaltspostfach vor Start: Anderer Ansicht: zwei Anwälte, zwei Urteile - und die Hot­line der BRAK?

von Pia Lorenz

16.09.2016

Das beA ist fertig, heißt es. Damit Anwälte es pünktlich testen können, müsste aber: der Gesetzgeber fix sein, ein Gericht zwei Anordnungen aufheben, zwei Anwälte ihre Überzeugung aufgeben und die BRAK ihre Hotline richtig briefen.

Am 29. September kann das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) starten. Das System sei fertig gestellt, teilte die verantwortliche Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) am Dienstag mit. Sie könne das beA-System zur Verfügung stellen, mit dem rund 165.000 Rechtsanwälte in Deutschland und deren Kanzleipersonal am elektronischen Rechtsverkehr teilnehmen sollen. Rund neun Monate nach dem aus technischen Gründen verschobenen Starttermin zum 1. Januar dieses Jahres soll es nun also so weit sein.

Aber auch dieses Mal könnte noch etwas dazwischen kommen. Die BRAK werde das beA-System am 29. September 2016 nur dann in Betrieb nehmen, wenn bis dahin alle rechtlichen Hindernisse beseitigt sind, hieß es am Dienstag. "Wir können, aber wir dürfen nicht", formulierte der Präsident Ekkehart Schäfer anlässlich der Präsidiumssitzung der BRAK beim 71. Deutschen Juristentag in Essen.

Wir erinnern uns: Derzeit verhindern einstweilige Anordnungen, die zwei Rechtsanwälte aus Berlin und Köln beim Anwaltsgerichtshof (AGH) Berlin erwirkt haben, dass die BRAK ohne deren ausdrückliche Zustimmung das für sie eingerichtete Postfach zum Empfang freischaltet. Für die von der BRAK angenommene passive Nutzungspflicht der automatisch mit ihrem Start empfangsbereiten Postfächer gebe es keine gesetzliche Grundlage, hatte der angerufene AGH Berlin im Eilverfahren entschieden. Weil die Sicherheitsarchitektur des Systems es aber nach Angaben der BRAK nicht ermöglicht, nur einzelne Postfächer nicht empfangsbereit zu schalten, müsse die Inbetriebnahme komplett unterbleiben, so Schäfer.

BRAK will gerichtliche Anordnungen aufheben lassen

Und zwar so lange, bis diese einstweiligen Anordnungen aus der Welt sind. Schäfer hofft nun auf den Gesetzgeber. Am 23. September soll der Bundesrat über die Verordnung über die Rechtsanwaltsverzeichnisse und die besonderen elektronischen Anwaltspostfächer (RAVPV) entscheiden. Am 26. soll sie voraussichtlich in Kraft treten, drei Tage später soll beA live gehen. Die Verordnung aus dem Bundesjustizministerium soll einerseits eine Nutzungspflicht für die Postfächer regeln, allerdings erst ab dem 1. Januar 2018. Andererseits stellt sie klar, dass die BRAK nur empfangsbereite Postfächer zur Verfügung stellen, also nicht mehr nachträglich kostenintensiv eine Möglichkeit installieren muss, diese auf nicht empfangsbereit zu schalten.

Schäfer zeigte sich optimistisch: "Sobald die Verordnung in Kraft ist, wird die BRAK umgehend beim AGH Berlin die Aufhebung der einstweiligen Anordnungen beantragen", kündigte er an. Wenn die aufgehoben sind, würde die BRAK sofort scharf schalten, bestätigte ihr Vizepräsident Dr. Thomas Remmers auf LTO-Anfrage. Geschehen soll das über einen Antrag auf Aufhebung nach § 80 Abs. 7 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO). Danach kann das Gericht der Hauptsache einstweilige Anordnungen ändern oder aufheben, wenn sich Umstände geändert haben, die im ursprünglichen Verfahren unverschuldet nicht geltend gemacht wurden.

Laut Remmers geht die BRAK von einem dringenden Fall i.S.v. Abs. 8 der Vorschrift aus. Dann kann der Vorsitzende entscheiden, ohne mündliche Verhandlung, aber nicht ohne rechtliches Gehör der Gegenseite. Dennoch hofft der Vizepräsident der BRAK darauf, dass es klappen kann, beA am 29. live zu schalten. "Schließlich könnte man, wie auch bei Demonstrationen, eine Sechs-Stunden-Frist setzen", argumentiert der Anwalt aus Hannover. Nicht nur die Zeitknappheit spricht aber dagegen, dass dieser Plan aufgeht.

Zitiervorschlag

Pia Lorenz, Testphase fürs Anwaltspostfach vor Start: Anderer Ansicht: zwei Anwälte, zwei Urteile - und die Hotline der BRAK? . In: Legal Tribune Online, 16.09.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20613/ (abgerufen am: 18.03.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 16.09.2016 17:50, Berufsskeptiker

    Ein Dankeschön an die Kollegen aus Köln und Berlin, die dem vorauseilenden Gehorsam des Vorsitzenden unserer Berufskammer mehr als nur angebrachte Zweifel entgegengesetzt haben.
    Was machen Kollegen auf dem Land ohne ausgebaute Internet-Infrastruktur? Welche berufsrechtlichen Pflichten ergeben sich hinsichtlich des Vorhaltens einer funktionierenden IT-Infrastruktur in den Kanzleien? Werden dann redundante Server etc. pp. verlangt? Und und und?
    Bis zur Klärung all der aufkommenden Fragen, die sich nicht nur ein IT-versierter Einzelanwalt stellen wird, halte ich die Einführung des beA für entbehrlich. Dies gilt auch dann, wenn andere Kollegen bereits mit den Füßen scharren und die Einführung nicht abwarten können.
    Mir stellt sich dabei auch die Frage, ob der Praäsident der BRAK wirklich noch die Interessen aller zwangsangeschlossenen Rechtsanwälte vertritt. Ich befürchte, das Gegenteil ist der Fall.
    In diesem Sinne an den Kollegen Werner: toi toi toi. Bitte stellen Sie alle wichtigen technischen und rechtlichen Fragen und verhindern Sie die Einführung bis zur endgültigen und restlichen Klärung

    • 16.09.2016 19:06, WissMit

      Was spricht denn gegen eine Einführung ohne Benutzungszwang?

    • 16.09.2016 19:13, WissMit

      Vergessens Sie es. Man sollte auch die zweite Seite des Artikels lesen ^^

      Schuld ist die BRAK, die einfach nicht in der Lage ist, technisch die gesetzlichen Anforderungen umzusetzen. Ich finde es auch eine Frechheit, dass trotz offen gestalteter Gesetzeslage alle zum BeA gezwungen werden sollen.

    • 24.09.2016 23:54, ULLRICH DOBKE

      Sie sprechen mir aus dem Herzen und zudem, dieser ganze "beA-
      Aktionismus ist doch ohne Sinn und Verstand. Ich fände es gut, wenn die klagenden Kollegen oder sonst wer, der sich auskennt mal eine Plattform im Internet zur Verfügung stellte! Es ist ja mittlerweile, wie mit der Bundesregierung, sowohl die BRAK als aber auch die regionalen Kammern und nicht zuletzt unser DAV heben sich von der Anwaltschaft ab und vertreten nicht mehr die Interessen der Masse der Anwälte (m/w). Eine solche Plattform wäre nicht nur ein Stimmungsbarometer sondern auch eine greifbare Basis für demonstrativen Protest! An dem müßte sich die Funktionärselite schon ein wenig orientieren, da käme sie nicht so leicht vorbei! Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß dortens nicht nur zusammengewurschtelt, sondern hochgradig unseriös (mindestens) "gearbeitet" wird:
      Die Vergabe der Programmentwicklung und weiteren Betreuung, die mangelhafte, eher schon ungenügende begleitende Überwachung des Auftragnehmers einschließlich völlig unkontrollierter Ausgabe von Abermillionen, die dann letztlich frech im Umlageverfahren von den Anwälten als Zwangsmitglieder eingezogen werden. Ich möchte zum Schluß auch nochmals aufzeigen, dass die konkreten Ergebnisse in den Sternen stehen! Armes Deutschland, arme Anwaltschaft! Was stellen wir noch dar? Lobbyisten veranlassen die Regierenden zu einem Zwangsunsinn - alte Frage: cui bono? Weder der Anwaltschaft, geschweige denn den Rechtsuchenden in unserem Lande!

    • 26.09.2016 12:35, GrafLukas

      Ist das nicht möglicherweise eher ein Generationenproblem? Ich kenne keinen Anwalt unter 40, der gegen das beA ist. Das fängt nach meiner Beobachtung irgendwo zwischen 40 und 50 an, das Gros der Skeptiker ist wohl älter als 50. Ansonsten findet man höchstens Detailkritik an der Umsetzung.

      Was ich nicht verstehe: Warum kann keine Abwesenheitsnotiz wie bei Urlaub eingestellt werden? So könnte man doch eine automatische Antwort einstellen "Bislang wird dieses Postfach nicht genutzt, eine Email an diese Adresse bewirkt keine Zustellung"? Das wäre doch bis zur allgemeinen Nutzungspflicht 2018 eine Lösung.

    • 27.09.2016 15:16, RA Gunther Marko

      Es werden mitnichten die "Interessen aller Zwangsmitglieder" vertreten, werter "Berufsskeptiker" oder wer immer Sie auch sein mögen.
      Fazit: "beA" - Nein danke !

  • 16.09.2016 20:15, Berufsskeptiker

    Der obige Artikel spricht klar aus, dass es nur ein Entweder oder Oder gibt. Eine von Ihnen vorgeschlagene Zwischenlösung ist nicht vorgesehen. Es steht also der Benutzungszwang vor der Tür, ohne dass die Schritte vorher alle geklärt wurden. Und das ist m. E. Eben das Unsägliche an dieser Situation

  • 17.09.2016 11:27, bergischer Löwe

    Man muss sich das schon auf der Zunge zergehen lassen:

    Der BRAK-Präsident Schäfer, hat sich auf den Standpunkt gestellt, jeder Anwalt müsse mit dem Start von beA zugegangene Mitteilungen gegen sich gelten lassen, auch wenn es dafür keine gesetzliche Verpflichtung gibt.

    Im wurde bescheinigt, dass das in einem Rechtsstaat unzutreffend ist. Er handelte rechtswidrig gegen diejenigen, dessen Interessen er eigentlich vertreten sollte. Muss man die Damen und Herren wirklich mittels Gerichte an ihre gesetzlichen Pflichen erinnern. Das ist ein Armutszeugnis und in der heutigen Zeit eine unmögliche Art und Weise zu handeln.

    • 21.09.2016 01:20, Lawfirm

      Na und ... es interessant doch niemanden, ob Gesetze eingehalten werden oder Recht gebrochen wird. Dies verlangt man nur vom kleinen Mann, aber sonst?

  • 24.09.2016 21:16, Horst

    Es ist unfaßbar, daß der Gesetzgeber aus den Veröffentlichungen im Rahmen der Edward-Snowden-Affäre nichts gelernt hat oder nichts lernen wollte.
    Ich habe zwölf Mandanten, die es nicht akzeptieren, daß Ihre Daten über das Internet verbreitet werden, da sie wissen, daß mandatsbezogene Daten, auch wenn diese vom Gegner verwendet werden, durch kriminelle Vereinigungen gelesen, gespeichert und ausgewertet werden (können).

    Wenn mich diese Mandanten anweisen, keine mandatsbezogene Korrespondenz per E-Mail zu führen und keine Korrespondenz von Kollegen, die die Gegenseite vertreten, entgegenzunehmen als auch darauf bestehen, daß mit Gericht zukünftig nicht per E-Mail korrespondiert werden soll, dann kann ich dies vestehen. Diese Mandanten wissen wie ich, daß alles von unerwünschter Seite mitgelesen wird.
    Man muß schon sehr infantil veranlagt sein, zu glauben, wenn die Nachrichten verschlüsselt wurden, dann sei alles sicher. Diesen Mitmenschen muß bescheinigt werden, daß sie es nicht zur Kenntnis genommen haben, daß Software-Hersteller unter Druck gesetzt wurden, mit den Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Einer dieser Unternehmer in den USA, der Verschlüsselungssoftware hergestellt hat, hat sein Unternehmen geschlossen, weil er es gegenüber seinen Kunden nicht verantworten kann, mit den Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Respekt!
    Man kann und muß davon ausgehen, daß diese kriminellen Regierungsorganisationen an der oben geschilderten Vorgehensweise gegen Softwarehersteller festhalten.

    Nicht nur in Anbetracht dessen sollte der Gesetzgeber jedem möglichen Nutzer des beA einräumen, selbst zu entscheiden, ob er an diesem Experiment mitwirken möchte und über das beA zu korrespondieren wünscht. Auch aufgrund der Tatsache, daß dieses Medium ein derart unzuverlässiges Medium ist, da sowohl die Technik, die den Betrieb dieser Art von Korrespondenz ermöglicht als auch die Software und die Telefonnetzbetreiber keine solide Basis darstellen. Ich mußte in den letzten zwei Monaten zweimal feststellen, daß das Internet nicht funktionierte. Mein Telefonanbieter ist nicht einmal in der Lage, zu gewährleisten, daß meine Telefon- und Faxverbindung sicher funktionieren. Es gehört mittlerweile zu meinem Alltag, daß die Telefonverbindung im laufenden Gespräch einfach abgeschaltet werden oder daß ich niemanden erreichen kann. Der Telefonanbieter schiebt es auf meine Telefonanlage. Mein Telefontechniker schiebt es auf den Telefonanbieter.
    Um herauszufinden, wer nun recht hat, müßte ich noch mal Informatik studieren. Dazu habe ich leider keine Zeit mehr.

    Und wenn das die Software nicht zuläßt, daß nur Kollegen an diesem Experiment teilnehmen, die sich dazu ausdrücklich bereit erklärten, dann sollte der Programmierer einfach noch einmal ran. So einfach ist das.

    Die Kollegen, die sich gegen diese Zwangsjacke des beA wehren, den wünsche ich Durchhaltevermögen und alles Gute!

    • 26.09.2016 10:20, ULLRICH DOBKE

      Sie haben völlig Recht! Wo Recht zu Unrecht wird ....
      Warum stellt denn der DAV nicht eine Plattform zur Verfügung?
      Zu verbandelt mit einer Regierung, die auf Lobbyisten hört und ansonsten darauf einen "Sch..." setzt, was die Bürgerinnen und Bürger wollen? Armes Deutschland, wenn wir Anwälte der Bürgerinnen und Bürger nicht über unsere Dachorganisation DAV uns artikuliert zur Wehr setzen können. Auch der Vorstand der BRAK und die anderen Kammervorstände sollten sich dessen schämen!

  • 26.09.2016 10:06, beA - Es bleibt spannend...

    Hat der Bundesrat am vergangenen Freitag die Verordnung verabschiedet?

    • 26.09.2016 14:09, MB

      Ja,
      http://www.bundesrat.de/drs.html?id=417-16(B)
      Jetzt steht noch die Verkündung und damit das Inkrafttreten aus - für den 29.09.16 (Inbetriebnahme beA) wird es knapp und dann noch die Entscheidung des AnwGH

    • 27.09.2016 10:40, ULLRICH DOBKE

      Hab mal den Link der Folgenachricht angeklickt: TOLL, was für eine Erkenntnis und sinnvolle Veränderung kann man es nicht noch mehr aus dem Sinnzusammenhang reißen und entstellen?
      Kopfkrank - mehr kann man zu dem, was "da oben" passiert, nicht mehr sagen!

    • 27.09.2016 11:12, RA Roman Pusep

      Die Verkündung erfolgte heute (27.09.2016) im Gesetzblatt. Link: http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl#__bgbl__%2F%2F*[%40attr_id%3D%27bgbl116045.pdf%27]__1474966007131

      Die RAVPV wird also morgen in Kraft treten.

      Gruß, RA Roman Pusep
      WERNER RI - www.werner-ri.de

    • 27.09.2016 15:21, RA Gunther Marko

      Das darf vermutet werden. Alles natürlich "getürkt".

  • 27.09.2016 10:05, überzeugter EGVP-Nutzer

    Ein (beinahe) polemischer Beitrag:


    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich bin ganz entspannt, wenn beA nicht diese Woche online geht. Die Welt wird nicht untergehen, wenn das beA nicht am 29. September, sondern erst am 30.9. oder 4.10. online geht. Und solange beA nicht online ist, benutze ich eben EGVP.

    Neben EGVP ist beA doch nur "Testbetrieb": Hand hoch: wer nutzt EGVP für die Einreichung von Schriftsätzen? Wer hat überhaupt schonmal davon gehört? Und warum nicht? Aha. Bisher kein Interesse gehabt oder die Gerichte haben keinen EGVP-Zugang eröffnet? Dann ändert sich ja auch mit beA ja signifikant nichts für Sie.

    EGVP mal kurz erklärt für alle Interessierten: Ich kann bei Gerichten digitale Schriftsätze einreichen, die vorher von mir signiert wurden. Dazu benötige ich: Eine Signaturkarte (z.B. S-Trust oder andere Anbieter, Notarkammer ist überteuert und nicht besser oder schlechter als andere Anbieter. Liste mit Anbietern können Sie auf der beA-Website einsehen), einen Kartenleser (hat wohl jeder mittlerweile für sein online-banking zu Hause... photo/i/sonstewas-TANs sind unsicher, Ihre Bank will sich Kosten sparen) und die kostenlose EGVP-Software (noch nutzbar bis 31.12.2017). Einsatzbereit in 5 Minuten.

    Unbestreitbarer Vorteil: Alle Schriftsätze an Gerichte mit ERV-Zugang (Hessen: alle, Bayern: wohl die wenigsten... siehe www.egvp.de) gehen nur noch elektronisch raus. Max. einmal bei mir für die Akte ausdrucken. Gerichte schicken sogar über EGVP was zurück (VG Oldenburg zum Beispiel). Ich bekomme bei Einreichung eines Schriftsatzes eine automatisierte verbindliche EINGANGSbestätigung (nicht nur einen Fax-Sendebericht) mit Datum und Uhrzeit vom EGVP-System. Keine Kopien mehr für zig Beteiligte oder ehrenamtliche Richter anfertigen, das geht auf Kosten des Gerichts (§ 133 Abs. 1 ZPO). Falls es mal anders kommen sollte und das Gericht Kopierkosten in Rechnung stellt: das sind ausscheidbare Kosten, die Sie direkt dem Mandanten weiterbelasten können. Kennen wir aus dem 7000-Gebührenblock des RVG. Also bitte nicht erschrecken, wenn man ganz erhebliche Gemeinkosten spart und dazu noch Umschlag, Marke und den Gang zum Briefkasten oder das abendliche Bibbern vor dem Faxgerät.

    Kommt Ihnen das alles aus aktuellem Anlaß bekannt vor? Richtig: "beA" nennt man das ab Ende September, und man kann damit zusätzlich noch Post von Anwalt zu Anwalt schicken, es ist benutzerfreundlicher (EGVP bedient sich eher wie Windows 3.11 :-)) und man kann von überall darauf zugreifen als Weblösung.

    Wieviel simpler geht es bitteschön noch? Ob jetzt beA draufsteht oder EGVP, interessiert doch am Ende wenig. Ob die Kammer jetzt unnötig Kosten produziert hat, weil sie noch ein eigenes System hat entwickeln lassen, sei mal dahingestellt. Ärgert mich auch, die EUR 63,00 machen uns aber nicht arm. Und wen es doch über alle Maßen ärgert: es gibt ja auch Wahlen. Einfach aufstellen lassen und besser machen, gilt für alle Lebensbereiche (Potential wäre bestimmt an der einen oder anderen Stelle vorhanden).

    Für alle Verschwörungstheoretiker unter den Kollegen:
    - Post, die man an das Gericht schickt, ist an den STAAT gerichtet. Die brauchen das nicht vorher auszuspionieren :-)
    - Korrespondenz mit Mandanten muß man nicht über beA führen.
    - Benutzen Sie MS Outlook oder Thunderbird o.Ä.? Nichts leichter zu knacken für die Agencies als diese Software. Am besten, Sie legen Ihr Handy auch gleich in den Schrank, wenn ein Besprechungstermin ansteht, ist nämlich eine prima Mithörgelegenheit.
    - Die beA-Website installiert vielleicht Spyware auf Ihrem PC? Testfrage: Benutzen Sie am Ende sogar Microsoft- oder Apple-Produkte oder Google-Systeme, Social Media etc.? Schonmal gesehen, wie das Handy per Funkzellen-Login und GPS-Ortung Ihr Bewegungsprofil anlegt (einfach mal googeln...)?

    Und worüber jetzt der ganze Bohei gegen beA? Einschränkung der Berufsfreiheit? Mal ehrlich... ;-)

    Dem beA-Treiben kann man daher nur belustigt zuschauen. Wollen die beA-"Gegner" Kollegen denn erreichen, daß es GAR NICHT eingeführt wird? Tip: Soldan Zukunftsstudien für Rechtsberatung anschauen, auch der Sparkassen-Branchenreport ist recht informativ. Analoge Kanzleien gehören der Vergangenheit an.

    In diesem Sinne liebe Kolleginnen und Kollegen, grämt Euch nicht ob der Einführung oder Verspätung von beA. Es ist doch schon alles da. Frohes und erfolgreiches Schaffen alle Miteinander!

    • 27.09.2016 11:10, ULLRICH DOBKE

      und zum xten mal:
      cui bono? Wer es machen will, soll es machen - freiwillig!
      Wer es nicht machen möchte, der (m/w) sollte auch nicht gezwungen werden! Demnächst fällt den Lobbyisten ein Citypost zu fördern, dann müssen wir alle über Citypost die Post befördern?
      Vom Datenschutz mal abgesehen ;o) , schon aufgefallen, wie störanfällig das System für unsere Notare (m/w) funktioniert?!
      Wird doch ebenso totgeschwiegen, wie die Millionen die die Bankenwirtschaft im Zahlungsverkehr ersetzen und damit verpulvern muß. Das ist alles m.E. eine Groteske, vielleicht sogar ein Trauerspiel!

    • 27.09.2016 11:47, ULLRICH DOBKE

      Sorry - das ist ein langer "Klugsch... -Artikel" nicht mehr. Hier wäre weniger in der Tat MEHR gewesen. Ich bin nicht gläubig, aber für jenen erhebe ich meine Stimme: Herr vergib ihm, denn er weiß nicht, worüber er schreibt!

  • 27.09.2016 10:48, Berufsskeptiker

    @ EGVP-Nutzer:

    Ja, viele von uns nutzen das EGVP. Keine schlechte Sache, aber man kann und sollte es besser machen. Von daher bestehen keine Bedenken, ein sog. beA zu nutzen.
    Aber die Erfahrungen mit dem EGVP geben leider auch hinreichend Anlass zum Zweifeln am "Folgeprodukt", ob denn wirklich all die Probleme ausgeräumt und behoben sind.
    Es ist halt nicht nur schweißtreibend, wenn am 30.12.2014 die OPOS-Listen der auf den letzten Drücker kommenden Handwerker mit Mahnverfahren abgearbeitet werden müssen und dann infolge eines Updates von Java (nach dem Wechsel zu Oracle) nichts mehr geht. Dann sieht es einfach nur Sch... aus.
    Da lobe ich mir dann doch ein ausgereiftes herkömmliches Produkt (Fax ...).

    Diese technischen Fragen sind noch nicht beantwortet. Auch stellen sich Fragen hinsichtlich der berufsrechtlichen Haftungen. Welche Technik muss eine Kanzlei nunmehr vorhalten, um derartige Abstürze oder Datenverluste zu verhindern? ...

    Man kann das Ganze noch weiter diskutieren, abwer ich muss arbeiten, auch mit dem EGVP ;-))

    Mit freundlichen elektronisch übermittelten kollegialen Grüßen

  • 27.09.2016 16:06, RA Gunther Marko

    Das verwerfliche Verhalten von BRAK & Co. dürfte mitnichten dadurch geheilt werden, dass im Hau-Ruck-Verfahren nachträglich eine "Verordnung des Gesetzgebers" in die Welt gesetzt wurde, um eine vollkommen vernünftige Entscheidung des AGH Berlin zu Fall zu bringen. Das nenne ich Vetterleswirtschaft vom Feinsten. Werte Kollegen in Köln und Berlin, haltet bloß durch ! Es gibt übrigens auch noch eine weit höhere gute Macht, die solche Frechheiten sicherlich nicht gewähren lässt.

    Beste Grüsse
    Gunther Marko
    www.ramarko.de

  • 15.12.2016 13:36, ULLRICH DOBKE

    Na - Freunde (m/w) der Rechtskunst, tut sich denn noch was oder war es ein Sturm im Wasserglas?

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