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Jahresende in der Kanzlei: Stress, lass nach!

von Sabine Olschner

20.12.2016

Dass der Anwaltsberuf oft mit viel Arbeit verbunden ist, ist kein Geheimnis. Doch das muss nicht immer in Stress ausarten, auch nicht zum Jahresende. Dazu muss man nur einige Kniffe beachten.

Während andere sich auf die besinnliche Adventszeit freuen, sitzt so mancher Anwalt bis spät in die Nacht an seinem Schreibtisch, um noch im laufenden Jahr dringende Akten vom Schreibtisch zu bekommen. Muss das eigentlich sein? Nicht unbedingt, meint Christiane Huismans, selbst Rechtsanwältin und Coach für selbige. "Bei grundsätzlich organisierbaren Themen, wie etwa die Verjährung am Jahresende, kann man Mandanten bereits im Jahresverlauf darum bitten, die Informationen frühzeitig zu übermitteln." Leider klappt das manchmal nicht so wie erhofft, und der Anwalt sitzt doch wieder lange Stunden im Büro.

Häufig steigt zum Jahresende auch der Druck auf laufende Projekte. "Mancher bis dahin zäh verhandelte oder komplizierte Deal gelingt plötzlich aufgrund einer erhöhten Motivation der Beteiligten, das Projekt noch im alten Jahr abzuschließen", so die Erfahrung von Christiane Huismans.

Anti-Stress-Lösung: ein gutes Projektmanagement

Dr. Heiko Haller, Partner der Kanzlei Baker McKenzie, weiß, dass viele Mandanten vor Jahresschluss noch ihren Schreibtisch aufräumen und Unterlagen mit offenen Fragen an ihre Anwälte schicken. "Meist sind das aber keine dringenden Angelegenheiten, sodass wir uns auch im neuen Jahr darum kümmern können", sagt der Anwalt, der im Prozessrecht keinen Jahresendstress kennt. "Das liegt auch an unserem Aufgabengebiet: Bei Gerichts- oder Schiedsgerichtsverfahren laufen die Fälle meist über einen längeren Zeitraum. Fristen laufen nicht alle kurz vor Weihnachten aus und größere Rechtsstreitigkeiten zeichnen sich meist über einen längeren Zeitraum ab, so dass wir nicht überraschend in letzter Minute vor Jahresende noch einen Schriftsatz vorbereiten müssen."

Hallers wichtigster Tipp gegen unnötigen Stress: ein gutes Projektmanagement. "Man sollte alle Unterlagen immer rechtzeitig von den Beteiligten einfordern. Wenn ein Sachverständiger oder ein Mandant die Informationen trotzdem nicht bis zum erforderlichen Termin liefert, kann es natürlich schon mal eng werden."

Nicht jeder fühlt sich dann gleich gestresst. Manch einer genießt auch die Anspannung und die Herausforderungen, die mit den anwaltlichen Aufgaben einhergehen. Wie man Stress empfindet, ist nämlich Typsache. "Grundsätzlich sind wir in der Lage, Stress auszuhalten und dadurch besondere Anforderungen zu bewältigen sowie mentale und körperliche Höchstleistungen zu erbringen", erklärt Christiane Huismans. "Problematisch wird es erst, wenn Anspannung und Entspannung auf Dauer nicht mehr in einem individuell angemessenen Verhältnis zueinander stehen."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Jahresende in der Kanzlei: Stress, lass nach! . In: Legal Tribune Online, 20.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21521/ (abgerufen am: 24.09.2020 )

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