Auslandsaufenthalte: Not Lost in Trans­la­tion

Dr. Thurid Koch

11.06.2010

Verhandlungssichere Englischkenntnisse erwarten mittlerweile die meisten Arbeitgeber von Juristen. Der beste Weg, sie zu erwerben und zu vertiefen, ist ein Aufenthalt zum Beispiel in den USA oder in England. Zu spät dafür ist es nie. Angebote gibt es viele und mit ein bisschen Glück gibt es eine Förderung vom Chef.

 

Wer nicht bereits sein Studium für ein Auslandssemester genutzt hat, sollte spätestens im Referendariat darüber nachdenken, die Wahlstation im Ausland zu verbringen. Stellen vermitteln zum Beispiel deutsch-ausländische Juristenvereinigungen. Auch in den internationalen Vertretungen der Auslandshandelskammern gibt es Plätze für die Wahlstation. Da diese sehr begehrt sind, empfiehlt sich eine Bewerbung bereits 12 bis 18 Monate vor dem geplanten Antrittstermin.

Fehlende Auslandserfahrung ist für die meisten Kanzleien kein Ausschlusskriterium. Sie wird aber nicht nur unter dem Aspekt der verbesserten Sprachkenntnisse, sondern auch zur Persönlichkeitsbildung gerne gesehen. Deshalb ist es auch nach dem Referendariat nicht zu spät: Fast alle der international aufgestellten Kanzleien unterstützen Auslandsaufenthalte ihrer Rechtsanwälte.

"Da nicht alle unsere Associates zu Beginn ihrer Karriere über eine derartige Erfahrung verfügen, bieten wir ihnen im Laufe ihrer Karriere bei uns nach etwa vier Jahren die Gelegenheit zu einem rund neunmonatigen Aufenthalt in einem unserer Auslandsbüros oder bei befreundeten Kanzleien oder Mandanten", beschreibt die Partnerin Dr. Daniela Favoccia die Möglichkeiten bei der Sozietät Hengeler Mueller. Auch die Sozietät Freshfield Bruckhaus Deringer ermöglicht ihren besten Bewerbern mittels eines Stipendienprogramms ergänzende LL.M.-Studienaufenthalte im englischsprachigen Ausland.

Gut für die Karriere, gut für das Selbstbewusstsein

"Mal ganz auf eigenen Beinen zu stehen und sich im Ausland ein neues Leben zu organisieren fördert nicht nur die Sprachkenntnisse, sondern auch das eigene Selbstbewusstsein", sagt auch Almut Tresbach. Die Juristin, die schon während ihres Referendariates einige Monate in den USA verbrachte, entschied sich nach einigen Jahren Berufserfahrung nochmals dafür, ins Ausland zu gehen. Dank ihrer langjährigen Berufserfahrung in einer verwandten Branche konnte sie sich im internationalen Wettbewerb um eine Stelle als contract officer bei der European Space Agency (ESA) in den Niederlanden durchsetzen.

Da sich bei der ESA die Mitarbeiter aus vielen europäischen Ländern rekrutieren, ist es für alle ganz selbstverständlich, sich ausschließlich auf Englisch zu unterhalten. "Auch ein Sprachkurs in der Landessprache hilft, sich in die neue Umgebung besser zu integrieren", empfiehlt Almut Tresbach, denn man lerne dort neben der Sprache auch viel über Land, Leute und typische Gewohnheiten. Auch Freizeitaktivitäten wie Sportkurse seien daneben gut geeignet, schnell Kontakte zu knüpfen.

Neben verbesserten Sprachkenntnissen verändert ein Aufenthalt im Ausland die eigene Perspektive und stärkt die Fähigkeit, sich auch unter neuen Herausforderungen und einem veränderten Umfeld behaupten zu können. Das ist nicht nur nützlich für die weitere Karriere, sondern für das ganze Leben.

Zitiervorschlag

Thurid Koch, Auslandsaufenthalte: Not Lost in Translation. In: Legal Tribune Online, 11.06.2010, https://www.lto.de/persistent/a_id/701/ (abgerufen am: 26.09.2017)

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