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Anwälte in Teilzeit: Kein Karrierekiller mehr

von Timo Conraths

21.04.2014

Entweder Arbeit in der Großkanzlei oder Zeit für Hobbys und Familie, aber nicht beides. So lautete lange die unattraktive Wahl, vor die Juristen gestellt waren. Das sieht inzwischen anders aus: Teilzeit ist zur realen Option geworden, nicht nur für junge Mütter und Promovenden. Eine gewisse Flexibilität und Geduld bei der Karriereplanung muss man allerdings mitbringen.

Dass sie ihre Familie und Karriere gut unter einen Hut bringen könnten, hört man von Großkanzlei-Partnern häufig. Was das für ein Hut sein soll, und für wen darin wie viel Platz vorgesehen ist, bleibt aber vielfach dunkel. Irgendwie beschleicht den Gesprächspartner eine gewisse Skepsis: Wenn jemand häufig zwölf Stunden pro Tag und nicht selten auch am Wochenende arbeitet, wie viel Zeit kann er für sein Privatleben dann überhaupt noch haben?

Im Falle von Katrin Süßbrich fällt die Antwort leichter. Die Rechtsanwältin ist seit 2011 Partnerin im Kölner Büro der Kanzlei Luther - und seit letztem Jahr in Teilzeit tätig, um Familie und Beruf besser vereinen zu können. Seitdem arbeitet sie im Regelfall nur noch vier Tage in der Woche mit verkürzten Arbeitszeiten. Dadurch hat sie mehr Zeit für ihren kleinen Sohn, ohne dafür Abstriche bei der Karriere machen zu müssen.

Beispiele wie jenes von Süßbrich sind keine Seltenheit mehr. Teilzeit wird bei Rechtsanwälten immer beliebter, wie Thomas Schmidt, Head of Human Resources bei der Kanzlei Linklaters, bestätigt. Von den insgesamt 315 Anwälten in den deutschen Linklaters-Büros arbeiten immerhin 13 Frauen und neun Männer in Teilzeit. Und die Nachfrage steigt stetig, unabhängig von Alter oder Geschlecht. "Anfragen kommen sowohl von jungen als auch von älteren Kollegen, von Frauen und Männern, aus verschiedenen Gründen", so Schmidt.

Um der Nachfrage gerecht zu werden, haben sowohl Groß- als auch mittelständige Kanzleien reagiert und bieten ihren Beschäftigten mittlerweile Teilzeitmodelle sowie die Möglichkeit an, trotz verringerter Arbeitszeit weiterhin an der Karriere feilen zu können. Aus gutem Grund, wie Vivian Hermann, Head of HR Germany bei der Kanzlei White & Case, verrät: "Wenn man sich den Wettbewerb um die besten Köpfe anschaut, ist jeder Arbeitgeber schlecht beraten, der fähigen Mitarbeitern den Karriereweg verstellt."

Flexibilität als Kernvoraussetzung

In der Theorie bieten sich zwei Teilzeitmodelle an: Verkürzte Arbeitszeiten oder weniger Tage in der Woche im Büro. In der Kanzleipraxis verschwimmen jedoch häufig die Grenzen, da die Anwälte wegen der Mandatsarbeit trotz Teilzeit eine gewisse Flexibilität mitbringen müssen. "So kann es sein, dass ein Anwalt am Nachmittag kurz das Büro verlässt, um die Kinder aus der Kita abzuholen und dann anschließend wieder für ein paar Stunden von zu Hause aus arbeitet", erzählt Thomas Schmidt von Linklaters.

Individuelle Absprachen sind daher die Regel. Dabei spiele vor allem der Tätigkeitsbereich und die Position eine große Rolle, erzählt Dr. Günter Seulen,  Personalpartner bei der Kanzlei Oppenhoff & Partner. Seine Sozietät beschäftigt eine Reihe von Anwälten in Teilzeit, auch auf Partnerebene. "Grundsätzlich ist Teilzeitarbeit einfacher in Bereichen umzusetzen, in denen die Arbeit kontinuierlich planbar ist", sagt er.

Ohne eine gewisse Flexibilität ginge es trotzdem nicht, meint Sylvia Ebersberger, Local Partner bei White & Case, insbesondere wenn wichtige Mandate anstehen. "Da müssen E-Mails auch mal von zu Hause aus bearbeitet werden, auch wenn es außerhalb der offiziellen Arbeitszeit ist. Diese Mehrarbeit in Hochzeiten kann dann in Zeiten wieder ausgeglichen werden, in denen weniger zu tun ist."

Bleibt bei solchen Ansprüchen an Flexibilität von der Teilzeitstelle dann überhaupt noch etwas übrig, oder leistet man am Ende doch dieselbe Arbeit wie die Vollzeit-Kollegen, nur für weniger Gehalt? "Ganz und gar nicht", meint Katrin Süßbrich von Luther. "Mit einem guten beruflichen Team und einer guten Organisation im privaten Bereich lässt sich die vereinbarte Teilzeit im Regelfall auch tatsächlich gut leben."

Zitiervorschlag

Timo Conraths, Anwälte in Teilzeit: Kein Karrierekiller mehr . In: Legal Tribune Online, 21.04.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/11725/ (abgerufen am: 21.10.2020 )

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Kommentare
  • 21.04.2014 13:44, John Doe

    Dennoch frage ich mich, warum bei einer geschätzten Durchschnittsarbeitszeit von 60 Wochenstunden in einer Großkanzlei nicht einfach pro Team ein Anwalt mehr eingestellt wird, um so die Arbeitsbelastung insgesamt zu verringern (freilich verbunden mit Gehaltsabschlägen).
    Mir wäre es jedenfalls lieber, jeden Tag eine Stunde früher nach Hause gehen zu können, anstatt einen Tag weniger pro Woche - und dafür als Teilzeitarbeiter abgestempelt - arbeiten zu müssen.

  • 21.04.2014 14:05, H.Springorum

    Es wird der Generation Y, wie man sie zu nennen pflegt, noch dämmern, daß Erfolg einen Preis hat und der ist Leistung, nicht Wohlbefinden oder wie Heinrich Böll es einmal gesagt hat: Wir sind nicht auf der Welt um glücklich zu sein!

    Zum Erfolg zählt Verantwortung und die gebietet, entsprechend ihrer Tragweite seine Leistungskraft in den Dienst der Sache zu stellen, der man sich verschrieben hat. Früher nannte man dies schlicht ,seine Pflicht tun', eine Formulierung, der ich auch heute noch zuneige.

    Demgemäß kann es für Aufgaben mit entsprechendem Anspruch an ihre Erfüllung keine Teilzeit oder anderweitige ,Marscherleichterungen' geben. Wer anderes behauptet, irrt und wird bei entsprechendem Versuch scheitern und letztlich den Preis für seinen Irrtum zahlen. Man muß sich schon entscheiden: Die Herausforderung annehmen oder sich im Kleinklein bescheiden. Beides geht nicht,

    • 21.04.2014 16:01, John Doe

      Ein wenig neidisch, dass in Ihrer Generation die Möglichkeiten von heute noch nicht existiert haben? Dass bspw. ein Teilzeitmodell und beruflicher Erfolg (GK-Partner[in]) sich nicht ausschließen, belegt der Artikel doch eindrücklich...

      Auch wenn es nicht als "Teilzeit" o.ä. gekennzeichnet ist, sind mir mehrere Kanzleipartner bekannt, die nicht nur beruflich angesehen sind und es "zu etwas" gebracht haben, und tatsächlich das Büro so gar nicht GK-typisch gegen 17.00-18.00 Uhr verlassen (und ich nicht schon um 08.00 Uhr da sind).

  • 21.04.2014 16:24, H.Springorum

    Neid war nie ein Beweggrund für mich und ich hoffe es bleibt auch so. Darüber hinaus sind die Möglichkeiten heute letzlich keine anderen als früher. Die Grenzen der Möglichkeiten werden auch nicht durch formale Konstruktionen wie Arbeits- oder Gesellschaftsveträge gesetzt - da kann man letzlich viel hineinschreiben, was sich dann später als unpraktikabel erweist - sondern durch die äußeren Anforderungen des Lebens. Auch früher haben viele Menschen hohe Anforderungen im Beruf mit ihrer Familie in Einklang gebracht. So hat etwa Magareth Thatcher fünf Kinder groß gezogen und ohne hiervon viel Aufhebens zu machen. Heute beschleicht einen allerdings gelegentlich der Verdacht - wenn einem etwa ein Mittzwanziger um 18.00 Uhr kundtut, daß er nun müde sei, wie ich es schon erlebt habe -, daß hier sogenannte ,flexible Modelle' nichts anderes sind als die kaum verbrämte Rechtfertigung für etwas sehr Menschliches, auf das es freilich kein Anrecht gibt, nämlich den Müßiggang. Aber sei dies dahingestellt. Eins steht fest und das werden auch Sie - John Doe, nomen est omen? - noch erleben: Spitzenleistung gibt es nicht in Teilzeit, das bleibt eine Illusion des Mittelmaßes. Aber wem das Durchschnittliche, eben das mittelmäßige reicht - warum nicht auch in eine sogenannten Großkanzlei (niemand sagt ja das dort immer die Spitzenleistung zu Hause ist) - dem mag ja damit geholfen sein: Suum cuique!

  • 21.04.2014 18:05, PSG

    Das ist eine merkwürdige Wortwahl. Im Ergebnis gebe ich Ihnen aber durchaus recht. Wer meint mit 70% Spitzenleistungen bringen zu können ist auf dem Holzweg.

    Teilzeit kombiniert mit anspruchsvollen Tätigkeiten ist aber dennoch möglich. Nicht unbedingt von Anfang an. Erst muss man im Beruf angekommen sein und Routine entwickelt haben. Dann mag das mit Abstrichen gelingen.

    Die Generation Y will aber nicht Teilzeit oder Work and Life-Balance etc. sondern in erster Linie gleich von Anfang an alles auf einmal. Die Freizeitaktivitäten wollen schließlich auch bezahlt werden...

  • 21.04.2014 18:25, Dr. Ammann

    Quote: "Heute beschleicht einen allerdings gelegentlich der Verdacht - wenn einem etwa ein Mittzwanziger um 18.00 Uhr kundtut, daß er nun müde sei, wie ich es schon erlebt habe [...]".

    Herr/Frau Springorum, ich hoffe inständig, dass Sie ein Troll sind und lediglich provozieren wollen. Falls dem nicht so ist, erkläre ich Sie für jemanden, der gravierende Verständnisprobleme mit dem von Ihnen selbst bemühten Wort "Verantwortung" sowie Arbeitsprozessen und Arbeitspsychologie hat. Vielleicht nur so viel (man soll ja auf Trolle nicht eingehen): Spitzenleistungen erfordern eine Spitzenverfassung. Ist ein Mensch mal ausnahmsweise nach acht Stunden Arbeit müde, so wird die Qualität seiner Arbeitsergebnisse zwangsläufig darunter leiden, wenn er weiter arbeitet. Sie werden von jedem (!) Neurowissenschaftler bestätigt bekommen, dass kognitive Leistungen auf Höchstniveau für mehr als sechs Stunden am Tag zu vollbringen unmöglich sind. Das sind die biologischen Rahmenbedingungen, unter der Homo sapiens sein Leben verrichten muss. Und das gilt selbstverständlich auch für Juristen. Um den Tag voll zu bekommen, kann man in der restlichen Zeit sicherlich noch die ein oder andere E-Mail schreiben, "Ablage machen" und sich um Kleinkram kümmern. Dieser Präsentismus in Kanzleien ist jedoch mehr als peinlich. Wenn es sich nur um voreingestellte E-Mailversendezeiten handeln würde, so wäre dies nicht weiter schlimm; zu leiden hat jedoch der Mandant oder Auftraggeber, wenn dieser für kreative Spitzenleistungen zahlt und die Arbeit von übermüdeten und anxiolytikazerfressenen Angestellten erledigt bekommt. Im Übrigen wünsche ich Ihnen viel Glück beim nächsten Aufenthalt im Krankenhaus. Als Medizinrechtler kenne ich die Resultate der Ärzte, die Spitzenleistungen in Quantität messen. Ich hoffe für Sie, dass Sie an jemanden geraten, der glücklich und vor allem AUSGESCHLAFEN ist.

    • 21.04.2014 19:01, H.Springorum

      Ich bin beileibe kein gnomenhaftes Wesen des Waldes (also kein Troll), sondern stehe unter meinem bürgerlichen Namen zu dem was ich hier sage.

      Demgemäß halte ich Ihre Ausführungen für ein - wohl dem von mir beanstandeten Zeitgeist - geschuldetes, gleichwohl aber offensichtlich unzutreffendes Zugeständnis, wovon viele - auch außerhalb der von Ihnen ohne jeden wissenschaftlichen Beleg postulierten vermeintlichen 6 h Frist menschlicher Kreativität im Verlaufe eines Tages - unter großer Anstrengung erbrachte menschliche Leistungen der Vergangenheidt beredt zeugen. Ich denke es ist jedermann offenbar, daß die menschliche Gesellschaft heute nicht dort wäre, wo sie ist, wenn sie sich Ihren - hoffentlich nicht allzu ernst gemeinten Ratschlag - nicht mehr als 6 h am Tage ernsthaft zu arbeiten, allzu sehr zu Herzen genommen hätte.

      Ich möchte schließen mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach, daß mir - entgegen allem Zeitgeist - hier wohl zu passen scheint: "Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun."

  • 21.04.2014 19:53, P. Müller

    Herr Springorum, Ihre Ausführungen ermüden mich. Die gewollt, aber leider nur schlecht gelungene, hochtrabende Schreibweise ist überflüssig.
    P. Müller

    • 21.04.2014 19:59, H.Springorum

      Das wird wohl an der vielen liegen gebliebenen Arbeit liegen (s.o.)! Gehen Sie's an! Das muntert auf, regt den Geist an und erleichtert so letztlich auch das Textverständnis.

  • 22.04.2014 09:45, Kommentator

    Bezeichnend jedenfalls, dass die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, bereits als "Teilzeit" anzusehen.

  • 22.04.2014 10:37, Willy-Brandt-Fan

    Bis Mitte der 1970'er Jahre konnte jahrhundertelang fast jeder Rechtsanwalt der es wollte ohne weiteres auch Teilzeit arbeiten.
    Erst die danach rasant zunehmende Zahl an jungen Volljuristen und die übergroße Zahl an Bewerbern sowie die zunehmende Amerikanisierung und die steigende Arbeitslosigkeit haben Arbeitgeber und Kanzleiinhaber dazu verleitet, von ihren Arbeitnehmern oder jungen Partnern 60 bis 70 Stunden Arbeit die Woche zu verlangen (neuerdings auch noch mit Handy-Bereitschaftsdienst in der knappen Freizeit), bei einem Stundenlohn der oft deutlich unter dem von Handwerkern und nicht selten sogar unter dem von vielen Industrie-Facharbeitern liegt.

  • 22.04.2014 11:51, Dr. Ammann

    @Springorum: Vielleicht liegt da ein Missverständnis vor. Ich rate niemandem dazu, nicht mehr als sechs Stunden am Tag zu arbeiten. Es ist lediglich ein Faktum, dass ein Mehr an kreativer Höchstleistung nicht möglich ist. Ersparen Sie mir aber die Aufforderung, wissenschaftliche Nachweise zu bringen. Ihre eigene Erfahrung sollte genügen. Auch werden Sie sicherlich bei sich selbst bemerkt haben, dass gute Ideen dort entspringen, wo der Geist Freilauf hat. Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Freilich können Sie einen Fleißbandarbeiter oder eine Näherin dazu zwingen, 14-Stunden-Tage zu schieben. Ich rede aber hier nicht von monotoner Arbeit, sondern von verantwortungsvoller Arbeit auf höchstem Niveau. Auch macht es einen Unterschied in den Konsequenzen, ob einer Näherin bei Übermüdung vielleicht eine Naht verrutscht oder ob Sie aus lauter falschem Ehrgeiz die Forderungen Ihres Mandanten riskieren, weil Sie einem Arbeitsethos fröhnen, für den der Mensch nicht gemacht ist. Man könnte sicherlich kurzfristig an neuronales Enhancement denken, aber das ist wieder eine andere Diskussion. Letztlich glaube ich bei Ihnen aber etwas ganz anderes entdeckt zu haben: Sie kritisieren zwei Mal den "Zeitgeist". Was verstehen Sie darunter? Kann es sein, dass die Welt für Sie aus den Fugen geraten ist? Sind Sie frustriert, weil Sie glauben, dass es keine "bürgerlichen" Parteien mehr gibt und Merkel zu weit links ist? Könnte es vielleicht sein, dass Sie Freiheit im wirtschaftspolitischen Sinn einfordern, aber an den Verfall des Abendlandes denken, wenn Freiheit auch in gesellschaftspolitischen Belangen Einzug hält? Ein Tipp, damit Sie nicht verbittern: Lassen Sie sich durch den Zeitgeist nicht irritieren. Gehen Sie Ihren Weg. Lassen Sie andere Menschen ihren Weg gehen. Genießen Sie die Freiheit des Zeitgeists, der es ermöglicht, jedem Menschen nach seiner Facon zu leben. Und nehmen Sie Abstand von der Arbeit, wenn Ihre Freunde und Familie Ihre Hilfe benötigen. Da haben alle etwas davon...

    • 22.04.2014 17:48, H.Springorum

      Sie hören das ,Gras wachsen'!

  • 22.04.2014 12:55, Volljurist

    Das kostbarste im Leben ist doch die Zeit - H.Springorum, ich finde ihre Ansicht ganz schön erschreckend. Man lebt nur einmal und es gibt viel schönere Beschäftigungen als zu arbeiten. Was bringt es einem persönlich, sich in seine Arbeit so hineinzusteigern und nur für seine Aufgabe zu leben? Ein ganz schön trauriges Leben wäre das. New York, Rio oder Neuseeland - nichts davon gesehen weil immer der Schreibtisch gerufen hat und Reisen ja ohnehin nur Zeitverschwendung sind....Jedenfalls die Erben würden sich freuen, wenn man Mitte 50 und einem dicken Bankkonto abdankt...

    Ein gesundes Mittelmaß zwischen Beschäftigung und Arbeit ist hier eindeutig vorzuziehen. Ich bin einer von den "Faulenzern" der "Generation Y", habe aber trotz meiner dekadenten und freizeitlastigen Lebenseinstellung ein Examen > 10 P. geschafft. Ich arbeite 50 % in einer Wirtschaftskanzlei und promoviere nebenher. Ich bin ab halb 10 im Büro und gehe in der Regel zwischen 16 und 17 Uhr. Wenn mich einer blöd anmachen würde, dass ich um 18 Uhr müde bin obwohl ich da noch überhaupt im Büro bin, würde ich ihm die Kündigung auf den Tisch donnern.

    • 22.04.2014 17:47, H.Springorum

      Genau, deshalb deshalb sollte man sich dann auch trennen!

  • 24.04.2014 16:22, Lex Nevel

    Herr Springorum, wenn ich raten müsste, würde ich tippen: Sie sind gar kein Rechtsanwalt, sondern vielleicht "Master of Law"?
    Ich hoffe, Sie schreiben in diesem Stil nicht Ihren "Mandanten". Allenfalls das EPA erträgt so etwas geduldig.
    Ein Glück wurden Ihre Ansichten bereits kommentiert. Sie zählen zu den ewig Gestrigen.

    • 24.04.2014 23:06, H.Springorum

      ...vertippen Sie sich lieber nicht bei ,zum Bleistift' albernen Anagrammen. Das kann beim Erreichen der nächsten Ebene hinderlich sein ...

  • 24.04.2014 16:59, Urlauber

    Wer heute wirklich arbeiten muss, hat eigentlich keine Zeit für solche Kommentare...

    (Ich habe Urlaub ;)

    • 24.04.2014 23:10, H.Springorum

      ... sondern liest und versteht lieber den Text und antwortet auf den Inhalt!

  • 29.04.2014 10:34, Worthuelsenentlarver

    OMG! WTF!

  • 30.04.2014 01:50, new deal

    Schöne Diskussion. Ich habe mehrere Jahre in Großkanzleien verbracht und dort viele Kollegen getroffen, die sich im Büro vor ihren Familien versteckt oder die viele Arbeit als Flucht vor sonstigen Verantwortungen oder Selbstreflektionen genutzt haben. Das einseitige Ausschlagen des Work-Life Pendels wird auch teilweise durch Süchte kompensiert. Wer sich dem Thema literarisch nähern möchte, hat vielleicht Spass an "Anonymous Lawyer" oder "Subpoena Colada", beide Bücher schon 10 Jahre alt aber sehr passend zum Thema. Die nächste Generation möchte einfach einen neuen Deal! Übrigens: Zeitliches Commitment wird oft als relativ empfunden je nach "higher sense of purpose". Wenn ich selbstbestimmt ein Projekt wähle ist mir egal ob ich es in Vollzeit oder Teilzeit erledige. Arbeite ich für die Tasche eines Senior Partners, der mir vorgibt was zu tun ist, können die billable hours ganz schön lang sein.

    • 30.04.2014 09:14, H.Springorum

      Flucht vor anderen Dingen kann natürlich ein Beweggrund sein sich ,in Arbeit zu vergraben', was ja auch immer wieder vorkommt. Da kann man in der Tat nur raten ,Abstand zu gewinnen'. Dies darf man aber nicht mit der Begeisterung für eine Sache verwechseln: Ersteres Verhalten zeitigt ja i.d.R. auch eher negative denn positive Arbeitsergebnisse und ist oft auch durch eine sehr ineffektive Arbeitsweise bei gleichzeiig hohem Zeitaufwand geprägt, wohingegen letzteres meist durch eine hohe persönliche Befriedigung durch die Ergebnisse der eigenen Arbeit gekennzeichnet ist; dies im übrigen ein Vorteil freiberuflich geprägter und eigenverantwortlicher Tätigkeit gegenüber allzu arbeitsteilig organisierter abhängiger Bechäftigung. Insoweit haben Sie auch recht mit Ihrer Bemerkung zu selbsbestimmt gewählter Arbeit! Freilich benötigt man in nahezu allen freien Berufen zu Anfang eine gewisse Zeit, um in eine Situation hineinzuwachsen, die ein solches eigenverantwortliches Arbeiten auch zuläßt. Hierzu - so fürchte ich - ist es aber wohl unumgänglich, jedenfalls ,eine gewisse Zeit' für einen erfahreneren Berufsträger zu arbeiten, anderenfalls die eigenen Fertigkeiten kaum hinreichend zu entwickeln sind. Nicht zustimmen mag ich der aus meiner Sicht etwas vermessenen These, daß es während dieser Zeit eines ,new deals' bedarf. Hier verweise ich auf die alte Weisheit: ,Lehrjahre sind keine Herrenjahre!'. Wie lange sie allerdings währen und wann man ,den Absprung wagen' sollte, das ist halt individuell verschieden. Hernach steht es einem dann ja frei, ob man es auf ,eigene Verantworung' versuchen will, wobei dann allerdings auch kein Seniopartner mehr für den von Ihnen angestrebten ,new deal' zur Verfügung steht. Diesen ,new deal' müssen Sie dann schon dem Mandanten selber verkaufen, was gewisse Illusionen über die freie Arbeitszitgestaltung i.d.R. schneller zurecht rückt, als manchem lieb ist. Will man die Selbständigkeit aber nicht wagen und scheut das Risiko eigenen Unternehmertums, so steht einem ebenfalls kein ,new deal' zu. Man muß sich dann schlicht und ergreifend - wie jeder andere Arbeitnehmer auch - im Rahmen des Arbeitsmarktangebots seine ,eigene Haut zu Markte tragen' und halt schauen, was in diesem Rahmen geht. Hierbei wird man dann feststellen, daß Sicherheit eben auch ihren Preis hat, nämlich vor allem den der eben nicht freien Wahl der eigenen Arbeit! Zudem richtet sich auch diese nicht selbstbestimmte Tätigkeit zumeist eben nicht nach den eigenen Bedürfnissen der sogenannten ,Work-Life-Balance', da die meisten freien Berufe stark durch zwingende äußere Umstände und nicht durch Arbeitszeitvereinbarungen bestimmt werden. Wer dies nicht will, sollte nicht in einem solchen Beruf, sei es als Anwalt, als Arzt, Architekt oder dergl. arbeiten. Es gibt ja schließlich auch Alternativen, die dann möglicherweise aber nicht dieselben Einkommensperspektiven bieten. Aber, man kann eben nicht alles haben, womit im Ergebnis Ihr ,new deal' in einem freien Beruf ein zwar aus Ihrer Sicht möglicherweise verlockender, gleichwohl aber nicht zu verwirklichender Traum bleibt!

  • 30.04.2014 09:59, new deal

    Ja, Herr/Frau Springorum. Diesem Ihrer Beiträge stimme ich voll und ganz zu. Bis auf die Schlussbemerkung. Ich bin Mitte 40 und sehe mich als Früh-Generation Yler. Einige Jahre Grosskanzlei sind m.E. eine schöne Ausbildung, um dann selbstbestimmt den Dingen nachzugehen die einem fachlich und persönlich liegen. Sie haben vollkommen recht mit den "Lehrjahren sind keine Herrenjahre". Sagt mein Vater auch immer. Schön ist auch sein Spruch "ein junges Pferd soll man neben ein altes Pferd spannen". War ja bei den Kanzleien auch mal so, bevor die Engländer mit ihrer Wahnsinns-Leverage kamen.

    So zwingend sind die äußeren Umstände meiner Erfahrung nach allerdings nicht, die meisten Mauern sind in unseren Köpfen, die meisten wahrgenommenen Grenzen selbst auferlegt. Deutsche Juristen zB sind strukturkonservativ (bin selbst konservativ), dabei aber auch sehr ängstlich, sicherheitsliebend und wenig unternehmerisch. Wird durch die Ausbilung als "Bedenkensucher" und "Risikovermeider" begünstigt. Aber auch durch unsere Kultur: in UK, Asien und US treffe ich ganz anderen Mindet. Ich würde Sie gerne als Sparringpartner (Advocatus D oder Challenger?) kennenlernen zu unserem aktuellen Vorhaben, vielen im traditionellen System unzufriedenen Kolleginnen und Kollegen zu einem erfüllenderen "neuen deal" zu verhelfen. Gerne auch außerhalb dieses Forums. Melden Sie sich gerne, wenn Sie mögen (info@xenionlaw.com). Ihnen selbst könnte vielleicht etwas Lektüre zur "Generation Y" gefallen - auch da sind nicht alle gleich und einige Kollegen sind ganz tolle Typen. Buchtips: "Digital Natives" und "Die 4-Stunde-Woche" von Tim Ferriss.