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Bewertungsportale: Fünf Sterne für den Anwalt

von Henning Zander

13.11.2014

Mandanten orientieren sich häufig an den Bewertungsportalen im Internet, bevor sie sich für einen Rechtsanwalt entscheiden. Welche Portale es gibt und wie Anwälte sie als Marketinginstrument nutzen und Einfluss auf das Bild nehmen können, das sie zeichnen, erklärt Henning Zander.

Das erste Profil hatte er, bevor er überhaupt davon wusste. Ein Mandant sagte dem Rechtsanwalt Dr. Christian Wolf von der Kanzlei Löffler & Partner Rechtsanwälte Steuerberater, er habe ihn über das Bewertungsportal Qype (heute yelp.de)* gefunden. Ein ehemaliger Mandant des Rechtsanwaltes hatte dort eine erste Bewertung hinterlassen. "Mir war das völlig neu, ich dachte, Bewertungsplattformen gebe es für Frisöre oder für Ärzte, aber nicht für Rechtsanwälte." Wolf entschied sich, diese Plattformen offensiv zu nutzen. Er legte ein Profil an, lud ein Bild von sich hoch und ergänzte Angaben zu seiner Person und seinem beruflichen Schwerpunkt.

Für viele Menschen ist es inzwischen ganz selbstverständlich, ihren Anwalt über das Internet zu suchen. Sie orientieren sich dabei auch an Bewertungsportalen. Hier können ehemalige Mandanten über ihre Erfahrungen berichten und Noten vergeben. Etwa für guten Service, Erreichbarkeit, Beratung in der Sache. Anwälte können sich diese Portale für das eigene Marketing zunutze machen.

Mandanten um Bewertungen bitten

Christian Wolf ist nun auch bei anderen Portalen wie Anwaltsvergleich24.de oder KennstDuEinen.de aktiv. "Die Mandatszahlen sind dadurch deutlich gestiegen", sagt er. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht spricht seine Mandanten aktiv darauf an, eine Bewertung abzugeben, wenn sie mit seiner Arbeit zufrieden waren. Für ihn ist es eine gute Werbung, ist doch das Feedback der allermeisten positiv.

Eine der größten Plattformen ist Anwalt.de, ein kostenpflichtiges Anwaltsverzeichnis. Monatlich gehen etwa 1.500 Bewertungen bei dem Portal ein. Die Nutzer können dem Anwalt für seine Leistung zwischen einem und fünf Sternen geben. Auch ein schriftlicher Kommentar zur Leistung ist möglich. Für die Bewertung müssen sich die User bei der Plattform registrieren, damit ihr Kommentar freigeschaltet wird. Daraufhin wird der Anwalt informiert. Dabei kann er den vollen Vor- und Zunamen des Nutzers einsehen. Dies geschieht, um zu vermeiden, dass Kommentare von Menschen abgegeben werden, die nicht in einem Mandatsverhältnis zum Rechtsanwalt standen.

Auch 123recht.net ist eine Plattform, über die Anwälte gefunden und bewertet werden können. Die Besonderheit liegt darin, dass es möglich ist, den Anwalt gleich über die Webseite mit einem Mandat zu beauftragen. Möglich macht dies ein Rechtsshop, in dem anwaltliche Tätigkeiten zum Festpreis angeboten werden können. Zudem kann auch eine schriftliche Beratung in Einzelfragen erfolgen. Wie in einem herkömmlichen Onlineshop haben die Mandanten daraufhin die Gelegenheit, die Arbeit des Anwalts zu bewerten. Unter anderem können Sterne dafür vergeben werden, wie verständlich der Anwalt war, wie ausführlich die Arbeit und ob man den Anwalt weiterempfehlen würde.

Bei Anwaltsvergleich24.de kann es passieren, dass Profile auch ohne das Wissen des Anwalts eingestellt werden. Mandanten können ihren Anwalt und eingeschränkt Informationen über diesen eintragen und ihn daraufhin mit Noten bewerten, etwa für Freundlichkeit, Schnelligkeit oder Zuverlässigkeit. Wenn Rechtsanwälte die Daten selbst verwalten und vielleicht ein Foto oder besondere Qualifikationen hinzufügen möchten, müssen sie hingegen eine kostenpflichtige Mitgliedschaft eingehen.

Zitiervorschlag

Henning Zander, Bewertungsportale: Fünf Sterne für den Anwalt . In: Legal Tribune Online, 13.11.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/13783/ (abgerufen am: 19.08.2019 )

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