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Datev-Studie: Anwälte blicken skeptisch in die Zukunft

von Martin W. Huff

22.05.2013

Zwei Wochen vor dem Deutschen Anwaltstag in Düsseldorf zum Thema "Anwaltsmarkt 2030" stellt die Datev ihre aktuelle Studie zur Situation der Anwaltschaft, ihren Erwartungen und Einschätzungen für das Jahr 2013 vor. Martin W. Huff berichtet: über den Kampf um Mandate, die Notwendigkeit von Homepages und die Bedeutung von Fachanwaltschaften, die scheinbar abnimmt.

Die Skepsis der Rechtsanwälte ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation für das Jahr 2013 ist deutlich. Nur noch 39 Prozent haben hier eine positive Erwartung, 56 Prozent meinen, dass die Lage sich zufriedenstellend entwickeln wird.

In den vergangenen drei Jahren lagen diese Werte um 10 Prozentpunkte höher (bei 48 bzw. 49 Prozent), selbst zu Beginn der Finanzmarktkrise 2008 erreichte der Wert noch 40 Prozent. Die Ursachen dafür sind sehr unterschiedlich.
Geprägt ist diese Selbsteinschätzung insbesondere durch die Erwartung, dass sich die wirtschaftliche Lage der Mandanten verschlechtern wird und dies mehr als früher direkt auf die Anwaltschaft durchschlägt.

Gleichauf mit dieser Bewertung liegt die Ursache darin, dass die Kollegen den  Konkurrenzdruck weiter als hoch empfinden und der "Kampf um Mandate" härter wird. Dies empfingen im übrigen kleine und mittlere Kanzleien deutlich stärker als größere Einheiten, meint auch Dieter Franke, Chef des Düsseldorfer Marktforschungsunternehmens Ires, das die Umfrage im Auftrag der Datev durchgeführt hat.

Erfolgschance Spezialisierung – aber ohne Fachanwalt?

Auch für die nächsten drei bis fünf Jahre überwiegt eher die Skepsis. Rund 60 Prozent der befragen Anwältinnen und Anwälte sind der Auffassung, dass aus den Marktentwicklungen mehr Nachteile als Vorteile für ihre Kanzlei resultieren. Dabei sind die jüngeren Advokaten unter 39 Jahren deutlich optimistischer als die älteren Kollegen.

Auffallend bei der Umfrage, die seit einigen Jahren jährlich durchgeführt wird, sind die Aussagen zur Fachanwaltschaft: Während in den vergangenen Jahren die steigende Zahl von Fachanwälten sowohl als zunehmende Konkurrenz als auch als eigene Chance begriffen wurde, geben nun zwar sechs Prozent der Kollegen mehr als im Vorjahr an, Bedenken wegen des Konkurrenzdrucks durch mehr Fachanwälte zu haben. Gleichzeitig aber  hat sich die Bedeutung der Fachanwaltschaft für die eigene Planung offenbar erheblich verringert: Bei der freien Frage nach Möglichkeiten, den eigenen Erfolg zu sichern, steht zwar Spezialisierung weiterhin auf Platz eins der Antworten, die Fokussierung auf die Fachanwaltschaft auf Platz zwei aber hat gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des Instituts um immerhin 9 Prozent abgenommen.

Ursache dafür kann sein, dass viele Rechtsgebiete von den Fachanwaltschaften nicht mehr abgedeckt werden. Auch weitere neue Fachanwaltschaften würden das nicht ändern, vor allem Ideen Ideen wie die für einen Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht oder Energierecht dürften keine Abhilfe schaffen. Lediglich in Bezug auf bestimmte Rechtsgebiete wie das Arbeits –, Familien oder Verkehrsrecht sehen die Kollegen sich ohne Fachanwaltstitel gegenüber der Konkurrenz im Nachteil. Deutlich mehr Chancen sehen die Anwälte daher in einer weiteren Spezialisierung (38 Prozent) verbunden mit einer ständigen Weiterbildung (24 Prozent). Für zunehmend bedeutender halten die Kollegen insgesamt den Außenauftritt der Kanzleien. Eine Homepage halten sie für notwendig, auch wenn lange noch nicht alle Kanzleien über einen Internetauftritt verfügen, der den Anforderungen gerecht wird, also die Tätigkeiten und handelnden Personen vernünftig beschreibt etc. Nicht zuletzt stellen die Kanzleien fest, dass eine gute Erreichbarkeit für die Mandanten wohl bedeutender wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Keine Trendwende in Sachen Anwälte als Unternehmer

Eine Veränderung ergibt die Umfrage, zur Überraschung vieler Experten, in Bezug auf die grundsätzliche Ausrichtung der Anwälte. Nachdem in den Jahren 2008 bis 2010 immer mehr Anwälte bei sich ein unternehmerisches Denken konstatierten oder sich diese Denke für ihre Kanzlei künftig immerhin vorstellen konnten, stagnieren die Werte für 2011 und 2012 auf demselben Niveau.  
34 Prozent der befragten Kollegen sieht bei sich eine eher unternehmerische Haltung, 66 Prozent wollen sich auf die juristischen Kenntnisse konzentrieren, so die Werte für 2012. Für die Zukunft wollen allerdings 46 Prozent wirtschaftlicher denken, also neben der eigentlichen juristischen Tätigkeit auch Wert auf ökonomische Gesichtspunkte legen.

Rechtsanwälte, die für sich keine unternehmerische Grundhaltung reklamieren, sehen sich dabei in deutlich höherem Maße von Entwicklungen tangiert, die den Kanzleierfolg gefährden können, so etwa von dem Konkurrenzdruck und der Entwicklung hin zu größeren Einheiten und Netzwerken. Aber auch das Verhalten der Rechtsschutzversicherer, die auf der einen Seite versuchen, selber „Schäden“ ohne die Einschaltung von Anwälten abzuwickeln und auf der anderen die Gebühren nach unten verhandeln wollen, werden hier als negativer Faktor angesehen.

Insgesamt zeigt die Studie eine Entwicklung hin zu mehr Skepsis, was die eigenen Umsätze und die Erwartungen angeht, etwas gegen den Trend der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Der Autor Martin W. Huff ist Rechtsanwalt und Journalist in Leverkusen. Er ist Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln und hat u.a. einen Lehrauftrag für Berufsrecht an der German Gradute School für Management and Law (GGS) in Heilbronn.

Zitiervorschlag

Martin W. Huff, Datev-Studie: Anwälte blicken skeptisch in die Zukunft . In: Legal Tribune Online, 22.05.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8779/ (abgerufen am: 03.08.2020 )

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Kommentare
  • 26.05.2013 13:35, <a target="_blank" href="http://www.freundeskreis-jura.de" >www.freundeskreis-jura.de</a>

    www.freundeskreis-jura.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext: <br /><a target="_blank" href="http://www.freundeskreis-jura.de/allgemein/neueste-energierecht-nachrichten/">Authorized Tribune On the web</a>

  • 29.05.2013 08:58, warlord

    Der Anwalt muss unternehmerisch denken. Er hat Umsatzsteuer und Angestellte zu bezahlen, Büromiete, Krankenversicherung und Versorgungswerk, Telefonbucheintrag und, und und. Dann will er auch noch von irgendwas leben.gerade "Einzelkämpfern" fällt das schwer.Wer mit dem Gedanken, Rechtssuchenden helfen zu können, diesen Beruf ergreift solte sich lieber als Jurist bei einer Verbraucherschutzzentrale bewerben. Der Einzelanwalt kann nur ohnmächtig zusehen, wie gering seine Leistung geschätzt wird.

    Gerade im Sozialrecht, in Hartz-IV-Fällen, erklärt zum Beispiel das SG Dresden (unter Zitierung des Sächsischen LSG), diese Sachen seinen des Anwalts täglich´ Brot, sowas kann jeder. Deshalb gibt es regelmäßig nur die doppelte Mindestrahmengebühr erstattet, also 80,00 €. Dass gerade diese Sachen für den Mandanten von hoher Wichtigkeit sind, weil die Existenz gefährdet sein könnte und ein "Gürteltier" von Akte mit 8000 bis 1.000 zu durchforsten war, wofür bei sorgfältiger Arbeitsweise viel Zeit gebraucht wird, interessiert nicht. Damit kann kein Anwalt sein Auskommen sichern. Also wird er, sofern er Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen anstellt, Hartz-IV-Mandate nicht mehr annehmen. Der Ratsuchende kann aklso sehen, wo erbleibt.

  • 01.06.2013 14:15, Juristenmensch

    Nett, dass Sie ausgerechnet die Hartz-IV-Mandate als Beispiel anführen. Diese Leute sind ohne Rechtsberatung sowieso hoffnungslos einer rechtsstaatlich unvertretbaren Verwaltungspraxis ausgeliefert. Ich bestreite aber, dass Hartz-IV-Mandate allzu aufwendig sind, gerade weil die Behördenfehler auch nach 10 Jahren "Agenda" zum Teil gravierend sind. Wo sie kompliziert sind, sollte auch das Honorar entsprechend sein, alles andere diskriminiert Sozialleistungsbezieher zusätzlich.
    Die Ablehnung von Mandaten, die sich nicht rechnen, ist aber heute schon allzu verbreitet (gerade weil sie verklausuliert erfolgt); sie ist aber standeswidrig, auch das muss man einmal klar sagen.