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Jobprofil Anwalt für die Games-Branche: Spielmacher für die Spielemacher

von Constantin Körner

20.12.2012

Computerspiele sind nicht nur ein beliebtes Medium, um in digitale Welten abzutauchen und dem Alltag zu entfliehen. Die Games-Branche ist auch ein spannendes Betätigungsfeld für Rechtsanwälte, wie unser Autor Constantin Körner in Erfahrung gebracht hat.

Oktober 2012: Zahllose Flüge an die Ostküste der USA sind annulliert. Die New Yorker hamstern Lebensmittel und Kerzen. Das Unwetter "Sandy" steht unmittelbar bevor. Trotzdem macht sich Rechtsanwalt Konstantin Ewald von Köln aus auf den Weg nach Kalifornien. "Wir haben seit vielen Jahren ein Büro in Palo Alto im Silicon Valley. Dies war ein logischer Schritt, da wir viele US-Technologie- und Internetunternehmen beraten. Ich besuche dort also Mandanten, spreche auf Konferenzen und bin immer wieder begeistert von den vielen Innovationen, die aus dem Valley zu uns kommen", erklärt er den Grund seiner Reise.

Konstantin EwaldEwald (39) ist Partner der Rechtsanwaltskanzlei Osborne Clarke und leitet dort den Bereich Digital Business. Zu seinen Mandanten gehören viele IT- und Internetunternehmen, auch aus der Games-Branche.

"Ich bin tatsächlich ein begeisterter USA-Reisender. Trotz Wirbelstürmen", witzelt er. Einen typischen Arbeitstag beschreibt er aber anders: "Ich beginne mit einem Cappuccino und dem Check von E-Mails, die über Nacht eingetroffen sind. Es ist mir darüber hinaus wichtig, relevante Nachrichten aus den Bereichen Digital Business zu lesen. Ich stimme mich sodann jeden Morgen eng mit meinem Team ab und verbringe den Tag mit Mandantenbesprechungen, dem Entwerfen und Verhandeln von Verträgen und manchmal auch dem ein oder anderen Gerichtstermin". Insgesamt bedeute sein Job viel Teamwork, so dass er generell viel Zeit gemeinsam mit seinen Kollegen verbringe.

Dieses Teamwork ist nicht nur gefragt, wenn es um den Entwurf und die Verhandlung von Verträgen über die Entwicklung und Vermarktung von Computerspielen geht, wie Ewald berichtet: "Ab und zu streiten sich auch Unternehmen über diese Verträge oder andere Aspekte und schließlich ist die Arbeit von vielen zivil- und urheberrechtlichen Fragestellungen geprägt, die man auch mal gutachterlich näher untersuchen muss. Eine Besonderheit in Deutschland besteht sicherlich im restriktiven Jugendschutz. Auch hierzu beraten wir regelmäßig".

Das Studium absolvierte er in Köln und verbrachte auch große Teile seines Referendariats dort: "Ich war Referendar bei Graf von Westphalen und in den Büros von Osborne Clarke in Köln und London. 2003 bin ich dann Anwalt geworden und irgendwann Partner."

Station im Referendariat legte Grundstein für spätere Spezialisierung

Jene Station bei Osborne Clarke in London sollte den Grundstein für seine heutige Spezialisierung legen, erinnert er sich zurück: "Dort arbeitet mit Paul Gardner jemand, der Mitte der 90er Jahre bereits den Publishingvertrag für das Spiel Tetris verhandelt hat und seitdem intensiv die Games-Branche betreut. Er hat mich für diesen Bereich begeistert. Was lag da näher, dasselbe in Deutschland zu machen?"

Die Begeisterung von damals ist Ewald noch immer deutlich anzumerken. "Ich möchte nicht tauschen", sagt er unumwunden. Schließlich betrete er ganz häufig rechtliches Neuland und sei gefordert, pragmatische rechtlich-kreative Lösungen zu entwickeln. Außerdem handele es sich bei seinen Mandanten um herausragend kreative, inspirierende Menschen.

Wer als Jura-Student jetzt davon träumt, Ewald eines Tages nachzueifern, dem gibt er mit auf den Weg: "Der Studierende sollte sich klar darüber sein, dass auch die Beratung der bunten Games-Branche zunächst einmal eine ganz gewöhnliche, seriöse Anwaltstätigkeit bedeutet. Der Spaß kommt am Abend mit den vielen Branchenpartys".

"Die Chancen aus der Online-Welt überwiegen die Nachteile!"

Zwar sei Softwarepiraterie auch für die Games-Branche ein wichtiges Thema. Aber anders als so mancher Branchenvertreter der von illegalen Downloads gebeutelten Musikindustrie übt sich Ewald dahingehend nicht in Schwarzmalerei: "Die Chancen aus der Online-Welt überwiegen die Nachteile! Denken Sie nur an den Boom der Free-to-play-Games, Social Games und an die aufstrebenden Online-Distributionsplattformen wie Steam oder Origin."

Bei so viel Begeisterung für die Games-Branche stellt sich abschließend noch eine Frage: Zocken Sie denn selbst auch mal, um den Stress in der Kanzlei hinter sich zu lassen? "Neben FIFA 13 spielen wir auch den ein oder anderen Shooter unserer Mandanten. Dies alles natürlich allein zu Fortbildungszwecken", gesteht Ewald schmunzelnd.

Zitiervorschlag

Constantin Körner, Jobprofil Anwalt für die Games-Branche: Spielmacher für die Spielemacher . In: Legal Tribune Online, 20.12.2012 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7837/ (abgerufen am: 25.11.2020 )

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