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Business-Clubs 2.0: So netzwerkt man heute

von Gil Eilin Jung

23.07.2010

Business-Clubs mögen heutzutage als leicht antiquiertes Gegenstück zu virtuellen Netzwerken wie Xing und LinkedIn erscheinen. Tatsächlich funktioniert effizientes Networking jedoch nirgends besser, als im persönlichen Austausch. LTO hat drei Clubs der neuen Generation unter die Lupe genommen.

Es ist nicht so, dass die Abteilung "holzgetäfelt und gediegen" ausgedient hätte. Aber durch Deutschlands Networking-Knotenpunkte weht ein frischer Wind - und der hat Vielfalt in die Businessclass geweht. Berufliche Vernetzung, soziales Engagement und ein hochrangiges Veranstaltungsangebot haben alle Top-Organisationen gemeinsam. Zeichnete sich der Charakter vieler Clubs über Jahrzehnte hinweg jedoch durch demonstratives Traditionsgebaren, einen gewissen Dünkel und beinharte Bewerbungsverfahren aus, stehen die Clubtüren 2.0 weiter offen denn je.

Eine der jüngeren Gesellschaften in der Club-Szene ist der Rotonda Business-Club im Zentrum Kölns. Der zylinderförmige Rundbau, der weniger Clubhaus als Clubgebäude ist, dient internationalen Führungskräften im Rheinland seit zehn Jahren als Business-Treffpunkt und "geistiges Zuhause", wie Rotonda-Sprecher Hubertus von Barby erläutert. Ein Ort, so von Barby, wo Ideen ins Rollen gebracht werden und kreative Anstöße stattfinden. Ein eleganter Bau mit hochwertigen Konferenz-Räumlichkeiten, privaten Lounges und der entsprechenden Gastronomie.

"Wir grenzen uns bewusst von eher traditionellen Business-Clubs ab", erläutert der 35-jährige Diplom-Medienberater, der beim Rotonda Business-Club für Programm und Kommunikation zuständig ist. "Unsere Idee ist es, eine Plattform für Businessaustausch zu schaffen und weniger, ein abgeschlossener, exklusiver Zirkel zu sein. Uns geht es um ein frisches, exklusives Programm und darum, bei einer hohen Wertigkeit einen hohen Gegenwert zu bieten – tagsüber Business, abends Heimat".

Köln: Design-Klassiker statt Holzvertäfelung

Zum Programm gehören auch gezielte Vortragsreihen für Frauen, die derzeit rund 20 Prozent der 800 Mitglieder ausmachen. "Women's on!" heißt etwa eine Beitragsreihe für Frauen in Führungspositionen. Babysitter organisiert der Club bei Bedarf dazu. Neben Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Köln International School of Design, dem Museum Ludwig und dem Kölnischen Kunstverein, unterstützt Rotonda gezielt junge Unternehmer.

"Unsere Mitglieder sind überwiegend Führungskräfte von Immobilienunternehmen, Juristen, Architekten, Banker und Kreative. Das Alter liegt zu 40 Prozent zwischen 40 und 55 Jahren. Aber wir wollen in Zukunft noch Formate bieten, um die Jüngeren stärker einzubinden", sagt von Barby. Etwa über die neue Rotonda Lounge mit Vorträgen, die "anfassbarer" sind, aus den Bereichen Kultur, Design, Musik, Architektur, in Form von Konzerten, Lesungen oder auch künstlerischen Performances.

Ähnlich wie die Clubklassiker, zu denen etwa der Hamburger Überseeclub, der Club zu Bremen, die Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wirtschaft oder deutschlandweite Netzwerke wie Lions oder Rotary zählen, hat sich Rotonda einer Mischung aus beruflichen Interessen und gesellschaftlichem Engagement verschrieben.

Allerdings ist die Außendarstellung legerer, als die der Oldies. Optisch bestimmen weder fette Fauteuils, noch antike Stiche das Bild, sondern helle, moderne Räume, abstrakte Kunst und Design-Klassiker von Vitra, Eames und Knoll. In manchen Konferenz-Einheiten, die den Clubmitgliedern bei einem Jahresbeitrag von 1.200 Euro kostenfrei zur Verfügung stehen befinden sich lediglich zwei Loungechairs und sonst nichts. Andere haben eine Bestuhlung für bis zu 80 Personen oder private Bars wie in einem hippen Partykeller.

 

Hamburg: Geschäftstermine in Lounge-Atmosphäre

"Wir sind offen für inhaltliche Impulse und Anregungen, stoßen gerne Initiativen an. Das heißt, wir wollen keine reine Vertriebsplattform sein", sagt Hubertus von Barby. Eine Ansicht, die von Barbys weiblicher Gegenpart von der Hamburger Hanse Lounge, Tatiana von Keller, teilt. "Wir haben die Hanse Lounge als privaten Business-Club aufgestellt, weil wir Kontakte auf privater, distanzierter Ebene ermöglichen, auf der sich Geschäfte anbahnen können, aber wir veranstalten keine Visitenkarten-Austausch-Dinner. Das würde den Wünschen unserer Klientel völlig widersprechen."

Zu denen gehören "Unternehmerpersönlichkeiten aus den für Hamburg typischen Branchen", wie Tatiana von Keller sagt. Juristen, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Reeder, Schiffsmakler, Versicherer, um nur einige zu nennen. 900 Mitglieder zählt der Club derzeit, davon stehen 80 Prozent im Beruf, 20 Prozent sind Privatiers.

Wie deren Wünsche aussehen, umschreibt Tatiana von Keller so: "Wir haben Anwälte mit eigenen Kanzleien, die bei uns Meetings abhalten, weil sie gerne einen Tapetenwechsel haben und es bei uns schöner finden. Andere verbinden ein Mittagessen auf unserer Terrasse mit Blick auf den Rathausmarkt und die Binnenalster mit einem Geschäftstermin. Dann gibt es Familien, die abends ganz entspannt mit ihren Kindern zur kleinen intimen Abi- oder Geburtstagsfeier kommen. Und manche lassen sich wirklich nur zweimal im Jahr blicken, zu einer ganz bestimmten Weindegustation oder einer kulinarischen Veranstaltung. Das geht quer durch die Bank".

Neben der exponierten Lage ist hohe Qualität und Vielfalt der Gastronomie eins der Aushängeschilder der Hanse Lounge. "Wir verfügen über eine eigene Küche und ein hoch motiviertes, professionelles Team", sagt Tatiana von Keller. Neben der klassischen Mittagskarte gibt es Menüs mit thematischen Schwerpunkten, Weinproben, Back- und Kochevents für die Kinder der Mitglieder (genial: etwa eine Weihnachtsbäckerei inklusive Babysitting, damit die Eltern in der Zeit schön shoppen gehen können), Teatime, Happy Hour, Afterwork und eine vielfältige Abendkarte. Zweimal im Monat bittet die Hanse Lounge ihre Mitglieder zu Clubveranstaltungen.

 

Club

 

"Wir sind ein Club, der sich alt und jung gegenüber tagesaktuell aufstellt", sagt Frau von Keller, "wir sehen uns deshalb auch nicht in Konkurrenz mit den alteingesessenen Clubs, sondern eher als eine Ergänzung." Mitglied werden kann unabhängig von der beruflichen Zugehörigkeit jeder, der zwei Clubmitglieder als Bürgen aufweisen kann. Eine schriftliche Empfehlung und das Gutachten des Club-Komitees entscheiden über eine positive Bewertung. Der Jahresbeitrag beträgt 750 Euro.

 

Berlin: "Home away from home"

Zu den privaten Business-Clubs zählt auch der Berlin Capital Club, der 2001 gegründet wurde und längst zur besten Adresse der Hauptstadt avanciert ist. Spektakulär ist die Lage mit Blick auf die Dächer des Gendarmenmarktes, luxuriös und opulent das Interieur auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern, exklusiv die Ausrichtung. Das Clubleben wird von Mitgliedern laut einer aktuellen Studie der Deutschland Group als "rege" beschrieben, die Küche als "erstklassig", die Möglichkeiten des Kontaktaufbaus als "exzellent".

Exzellent sind auch die Möglichkeiten der rund 1.300 Members, die durch die Vernetzung des Berlin Capital Clubs mit anderen Organisationen Zugang zu rund 250 weiteren Clubs haben - unter anderem in New York, London, Paris, Tokio, Dubai oder Moskau. Darunter befinden sich neben reinen City Clubs auch Golfclubs, zur "Förderung internationaler Geschäftskontakte" wie es in den Clubstatuten heißt und zur Etablierung des "Home away from home"-Prinzips, das sich die Geschäftsführung auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Homebase am Gendarmenmarkt lockt Mitglieder und deren Ehe- oder Lebenspartner (die in der Mitgliedschaft inkludiert sind) mit special rates in Berliner Top-Hotels und zahlreichen, hochrangigen Veranstaltungen. Von der exklusiven Weindegustation mit dem Gläser-Traditionshaus Riedel, über Champagner-Verkostungen, Manager Lounges, herrlichen Schnupperkursen wie etwa "English for Professionals – The finest Small Talk" bis hin zu Frühstücks-Meetings mit Highflyern aus Politik und Wirtschaft wie Peter Raumsauer, Günther Oettinger oder dem deutschen BP-Chef Michael Schmidt.

5-Sterne-Standard zu 3-Sterne-Preisen. Alles was man braucht, um beizutreten, ist eine "gewisse Reputation" wie Club-Gründer Dieter Klostermann in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" sagte – und ein paar gute Bürgen.

Zitiervorschlag

Gil Eilin Jung, Business-Clubs 2.0: So netzwerkt man heute . In: Legal Tribune Online, 23.07.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/1053/ (abgerufen am: 20.09.2020 )

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