Druckversion
Mittwoch, 18.02.2026, 07:25 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/verkehrsgerichtstag-alkoholgrenze-mpu-idiotentest-grenzwert-sinkt
Fenster schließen
Artikel drucken
18332

Vorschlag vom Verkehrsgerichtstag in Goslar: "Idio­ten­test" schon ab 1,1 statt 1,6 Pro­mille

von Marcel Schneider

03.02.2016

Verkehrskontrolle

Bild: © Gerhard Seybert - fotolia.com

Der Verkehrsgerichtstag empfiehlt, eine MPU schon ab 1,1 Promille anzuordnen. Referentin Ulrike Dronkovic erklärt im LTO-Interview, dass es dabei weniger um Abschreckung geht und wieso ein Alkohol-Interlock die MPU nicht ersetzen kann.

Anzeige

LTO: Frau Dronkovic, anhand einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU, im Volksmund "Idiotentest") entscheidet die Fahrerlaubnisbehörde über Entzug und Neuerteilung der Fahrerlaubnis. Wer alkoholisiert am Steuer erwischt wird, muss eine MPU unter Umständen sogar zwingend absolvieren. Wie ist die aktuelle Gesetzeslage?

Dronkovic: Derzeit muss unter anderem bei einer Trunkenheitsfahrt gemäß § 13 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) ab einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,6 Promille oder mehr eine MPU stattfinden. Dahinter steckt die Annahme des Gesetzgebers, dass in solchen Fällen häufig von Alkoholmissbrauch auszugehen ist und damit auch eine erhöhte Rückfallwahrscheinlichkeit für die Zeit nach dem Führerscheinentzug besteht.

LTO: Der Arbeitskreis beim Verkehrsgerichtstag, bei dem auch Sie zu diesem Thema referiert haben, spricht aber eine Empfehlung aus, eine MPU bereits ab 1,1 Promille zwingend anzuordnen. Wieso?

Dronkovic: Das hat mit dem Sinn und Zweck einer MPU zu tun: Sie soll die Zweifel der Behörde an der Fahreignung des Antragstellers gegebenenfalls beseitigen oder eben bestätigen. Die Verkehrspsychologen gehen davon aus, dass von Eignungszweifeln im Sinne von erhöhter Rückfallwahrscheinlichkeit in der Regel aber auch schon ab dem Grenzwert von 1,1 Promille gesprochen werden muss. Hier böte das Ergebnis einer zwingenden MPU eine wichtige Entscheidungsgrundlage.

Außerdem zeigen Erhebungen, dass die Rückfallwahrscheinlichkeit bei denjenigen Fahren, die mit 1,1 Promille erwischt worden sind und solchen, welche die 1,6-Promille-Grenze geknackt haben, ganz ähnlich ist.

"Wer so betrunken Auto fährt, hat kein Problembewusstsein"

LTO: Es geht also nicht um die Abschreckungswirkung in der Bevölkerung, wenn der gefürchtete "Idiotentest" schon bei einem niedrigeren Grenzwert abgelegt werden muss?

Dronkovic: Die Einführung einer zwingenden MPU ab einer geringeren Blutalkoholkonzentration mag zunächst einen solchen Effekt haben. Man muss sich aber die Zahlen vor Augen halten: 1,1 Promille erreicht man nicht einfach so. Wer mit einem solchen Pegel Auto fährt, dem mangelt es meist an Problembewusstsein. Außerdem ist die Empfehlung des Arbeitskreises für eine zwingende MPU ab 1,1 Promille auf Kraftfahrer begrenzt, gilt also nicht für Radfahrer.

LTO: Sie rechnen also nicht damit, dass die Anzahl der MPU ansteigen wird, wenn der Gesetzgeber diese Empfehlung aufgreift? Schon im Jahr 2015 wurden in Deutschland immerhin 45.000 MPU im Zusammenhang mit Alkoholauffälligkeiten durchgeführt.

Dronkovic: Es kann durchaus sein, dass die Zahlen ansteigen. Ich rechne aber eher damit, dass sich die Zahlen verschieben, insoweit als dass bei MPU-Anordnung bereits ab 1,1 Promille mehr Erstauffällige die Anordnung erhalten und parallel dazu die Anordnungen wegen wiederholter Alkoholauffälligkeiten sinken.

Seite 1/2
  • Seite 1:

    "Auch wer mit 1,1 Promille fährt, hat kein Problembewusstsein"

  • Seite 2:

    "Die Gerichte entscheiden sehr unterschiedlich"

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Vorschlag vom Verkehrsgerichtstag in Goslar: . In: Legal Tribune Online, 03.02.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18332 (abgerufen am: 18.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Verkehrsrecht
    • Alkohol im Straßenverkehr
    • Führerschein
    • Straßenverkehr
    • Verkehrsgerichtstag
Eine stark befahrene Straße in München im Jahr 1970. 15.02.2026
Rechtsgeschichte

Von Kautschuk über das Dritte Reich bis zum Verkehrsgerichtstag:

Rad der Zeit, gut ver­drängt

Der 15. Februar 1936 war ein besonderes Datum in der Geschichte der Kfz-Bereifung: Synthetisches Gummi wurde praxistauglich. Zum vermeintlich harmlosen Reifen lassen sich gleich mehrere juristische "Krimis" erzählen – eine Auswahl.

Artikel lesen
Eine Person mit Fahrrad auf einem mit Schnee bedecktem Radweg und eine Tram, aufgenommen während starken Schneefalls in Berlin 04.02.2026
Naturschutz

Auf Eilantrag des Nabu:

VG Berlin stoppt pri­vaten Ein­satz von Streu­salz

Nach Wetterchaos und politischen Kapriolen sollte Salz dabei helfen, eisglatte Gehwege in Berlin sicherer zu machen. Doch Naturschützer ziehen vor Gericht. Mit Erfolg.

Artikel lesen
Eine Flagge mit dem VGT Logo weht bei der Eröffnung des 64. Deutschen Verkehrsgerichtstags. 30.01.2026
Nachrichten

Empfehlungen des 64. Verkehrsgerichtstags:

Neue Pro­mil­le­g­renze für Rad­fahrer

Beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag in Goslar ging es unter anderem um Drohnen, Unfallschäden und Trunkenheitsfahrten mit dem Fahrrad. Am Freitag wurden die Empfehlungen der Arbeitskreisen vorgestellt. Die Ergebnisse im Überblick.

Artikel lesen
Fahrradfahrer in der Dunkelheit 23.01.2026
Verkehrsgerichtstag

Themen des 64. Verkehrsgerichtstags:

Handy-Blitzer und eine neue Pro­mil­le­g­renze für Rad­fahrer

Am Mittwoch beginnt in Goslar der 64. Verkehrsgerichtstag. Themen sind unter anderem die Handynutzung am Steuer, Trunkenheitsfahrten mit Pedelec und Fahrrad sowie die erweiterte Vollstreckung von EU-Bußgeldern.

Artikel lesen
Mother secures her son in car seat using child safety belt 20.01.2026
Straßenverkehr

Mitfahrer, Mitverantwortung, Mitverschulden:

Wann das Eltern­taxi zur Haf­tungs­falle wird

Ob Fahrgemeinschaft, Elterntaxi oder spontane Mitfahrt: Wer fremde Personen im eigenen Fahrzeug mitnimmt, begibt sich haftungsrechtlich auf heikles Terrain. Kommt es zu einem Unfall, stellt sich die Frage, wer in welchem Umfang haftet.

Artikel lesen
Frau die ein Niqab trägt. 19.01.2026
Religion

VGH Baden-Württemberg zum Niqab am Steuer:

Ver­hül­lungs­verbot am Steuer ist ver­fas­sungs­gemäß

Eine Muslimin wollte mit Niqab Auto fahren. Der VGH Baden-Württemberg hält dagegen: Das Verhüllungsverbot gilt. Eine Ausnahmegenehmigung gibt's auch nicht – entschieden wurde aber trotzdem nicht sauber genug.

Artikel lesen
lto karriere logo

LTO Karriere - Deutschlands reichweitenstärkstes Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Wir haben die Top-Jobs für Jurist:innen

Jetzt registrieren
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , 100% Re­mo­te

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Leip­zig

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Prak­ti­kan­ten

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Köln

Logo von Görg
Prak­ti­kan­ten­pro­gramm GÖRG law ta­l­ents

Görg , Köln

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Ham­burg

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Pro­zess­an­walt (w/m/d)

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Köln

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Vortrag: Die Wiederherstellung der Erbengemeinschaft durch Gesetzgebung oder Rechtsgeschäft

26.02.2026, Bonn

Update zur E-Rechnungspflicht im Anwaltsberuf 2026

25.02.2026

§ 15 FAO - Überblick Vergaberecht

25.02.2026, Hamburg

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: eCommerce

25.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Unternehmens­strafrecht

25.02.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH