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Wulff-Trennung: Was vom Glamour übrig bleibt

2/2: Von der Trennung zur Scheidung, vom Familienheim in die Mietwohnung

Mit dem Auszug aus dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel, dessen Finanzierung Anlass für seinen späteren Sturz war, hat der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Paar sich scheiden lassen kann. Vor einer Scheidung müssen Ehegatten im Regelfall mindestens ein Jahr getrennt leben.

Das Getrenntleben definiert das Gesetz als Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft, wobei mindestens ein Ehegatte diese auch erkennbar nicht wiederherstellen will und die eheliche Gemeinschaft ablehnt. Zwar kann eine solche Trennung auch unter einem Dach stattfinden, früher plastisch ausgedrückt mit der Trennung von "Tisch und Bett". Nicht nur für den Familienrichter ist eine auch räumliche Trennung aber stets der klarere Schnitt. Der 53-Jährige hat ihn mit seinem Auszug, der nach Informationen der Bildzeitung eine gemeinsame Entscheidung des Paares gewesen sein soll, und der Anmietung einer Wohnung in Hannover nun getan.

Erfolglose Versöhnungsversuche übrigens unterbrechen selbst in einem den Kindern zuliebe gemeinsam verbrachten Urlaub das Getrenntleben ebenso wenig wie der berüchtigte "Sex mit dem Ex", wenn es bei diesem bleibt.

Trennungsvereinbarung: Vielleicht wird es nie eine Scheidung geben

Eine öffentlich geführte Schlammschlacht muss man wohl trotz der medialen Präsenz des ehemaligen Glamour-Paares in den vergangenen Jahren nicht befürchten. Die Bildzeitung wusste aber zu berichten, dass die Eheleute Wulff bei einem Hannoveraner Anwalt eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet haben.

Solche Getrenntlebensvereinbarungen gehen häufig der Scheidung voraus, mitunter sind sie mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung verknüpft. Sie regeln die Phase des Getrenntlebens der Ehegatten – welche diese nicht notwendig durch eine schnelle Scheidung beenden müssen. Häufig werden solche Vereinbarungen auch geschlossen, wenn die Eheleute gar nicht beabsichtigen, sich scheiden zu lassen, sondern beispielsweise nur dauerhaft getrennt leben wollen.

Meistens verständigen die Eheleute sich in dem Vertrag über diejenigen Punkte, welche auch bei der Einleitung eines Scheidungsverfahrens erklärt werden müssen: Die elterliche Sorge, der Umgang und die Unterhaltspflicht gegenüber den gemeinschaftlichen minderjährigen Kindern können geregelt werden; ebenso wer an wen wie viel Unterhalt zahlt, die Rechtsverhältnisse an der Ehewohnung und an den Haushaltsgegenständen.

Wenn die Eheleute das wünschen, können sie auch schon mit dem Zeitpunkt ihrer Trennung die zwischen ihnen bestehende Vermögensgemeinschaft beenden. Viele Paare einigen sich im Rahmen von Trennungsvereinbarungen auf eine Gütertrennung mit Ausgleich des bisher entstandenen Zugewinns. Vor allem, wenn sie langfristig nicht planen, sich scheiden zu lassen, können sie auch den Versorgungsausgleich hinsichtlich der Anrechte, die in der Getrenntlebenszeit erzielt werden, faktisch zeitlich begrenzt ausschließen.

Bettina Wulff und der Ehrensold

Das eheliche Zusammenleben begründet wechselseitige Pflichten. Diese enden nicht bereits bei einer Trennung und bestehen, wenngleich in geminderter Form, fort. Die Fürsorgepflichten betreffen auch das Vermögensrecht. So wird zwar nach Angaben der Bildzeitung spekuliert, ob das Paar das gemeinsame Haus, das ihnen so wenig Glück brachte, mittelfristig veräußern will; keiner der Ehegatten kann aber im Alleingang die Teilungsversteigerung des im gemeinsamen Eigentum stehenden Familienheims verlangen. Nach Ansicht mancher Gerichte bleibt selbst die Pflicht zur ehelichen Treue auch bei einer gescheiterten Ehe bis zur Scheidung fort.

Wichtiger als die Treue aber ist der Anspruch auf Trennungsunterhalt. Er ist im Gegensatz zum nachehelichen Unterhalt unverzichtbar. Bettina Wulff, die als Präsidentengattin ihre Halbtagsstelle als Pressereferentin für die Drogeriemarktkette Rossmann** aufgegeben hatte, hat nach dem Rücktritt ihres Noch-Ehemannes nicht nur ihr Buch veröffentlicht, sondern betreibt seitdem auch ihre eigene PR-Agentur Bettina Wulff-Kommunikation. Selbst wenn sie aber nach der Scheidung auf Unterhaltszahlungen verzichten würde, kann sie dies für die Zeit des Getrenntlebens von ihrem Mann nicht tun.

Der Trennungsunterhalt orientiert sich am ehelichen Lebensstandard. Deshalb nimmt der weniger verdienende Partner an dem gehobenen Einkommen des anderen weiterhin teil. Auch wenn eine Rückkehr des Niedersachsen in die Politik derzeit unwahrscheinlich ist, dürfte die 39-Jährige, die auch das gemeinsame Kind betreut, jedenfalls bis zur Scheidung*** versorgt sein. Schließlich erhält Christian Wulff trotz aller Proteste nach seiner kurzen Amtszeit als Bundespräsident jedenfalls bis zu seinem Lebensende einen Ehrensold von jährlich knapp 200.000 Euro. Bettina hat ein Recht darauf, von diesem Einkommen zu profitieren: Als Ehefrau gilt das jedenfalls für eine Übergangszeit - unabhängig davon, ob der mehr verdienende Partner ein Arbeitsentgelt, Bonizahlungen oder einen Ehrensold bezieht.

Der Autor Prof. Dr. Dr. Herbert Grziwotz ist Notar in Regen und Zwiesel und Verfasser eines Rechtsratgebers zur Trennung und Scheidung. Rechtsanwältin Pia Lorenz, LL.M. oec. ist Chefredakteurin der Legal Tribune ONLINE.

* Anm. d. Red.: Christian Wulff ist Jahrgang 1959, derzeit 53 Jahre alt. Einen Tippfehler bei seiner Altersangabe haben wir am 09.01. berichtigt.

**Anm. d. Red.: Zunächst stand an dieser Stelle fehlerhaft, Bettina Wulff habe bei der Drogeriemarktkette dm gearbeitet. Tatsächlich war sie als Pressereferentin für Rossmann tätig. Wir haben dies am 11.01.2013 korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

*** Anm. d. Red.: Zunächst stand an dieser Stelle fehlerhaft, Bettina Wulff dürfte bis zur Trennung versorgt sein. Tatsächlich geht es natürlich beim hier behandelten Trennungsunterhalt um den Zeitraum bis zur Scheidung. Auch die unklare Formulierung, dass sie sich um die Kinder kümmert, haben wir nachträglich verändert dahingehend, dass sie das gemeinsame Kind betreut. Wir bitten, diese Fehler, die wir noch am Tag der Veröffentlichung beseitigt haben, zu entschuldigen.

Zitiervorschlag

Pia Lorenz und Herbert Grziwotz, Wulff-Trennung: Was vom Glamour übrig bleibt . In: Legal Tribune Online, 08.01.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7924/ (abgerufen am: 03.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.01.2013 19:09, Benno Weiser

    Und so endet alles ganz banal.
    Kaum fällt das Wort Trennung wird das Leben einer Familie nach Anwaltsschema in die Kategorien Sorgerecht, Unterhalt und Umgang eingezirkelt. Die Familie wird in Betreuungselternteil und Zahlelternteil gespalten. Es wird suggeriert, dass die Rollen nach Geschlecht bereits feststehen - hilfsweise dient die BILD als Bürge. Geschäftstüchtige Anwälte spekulieren lustig über anderer Leute Unterhaltsverpflichtungen ... aber was ist mit dem eheprägenden geldwerten Vorteilen, wie Limousine, Fahrer, Büro und Personal? Fiktive Nebeneinnahmen? Muss er noch draufzahlen? Oder hat sie ihn mit ihren Bucheinnahmen beim laufenden Einkommen bereits überflügelt?

    Und damit es auch Lieschen Müller versteht, was sie archaisch eh schon weiß: Die Kinder zur Mutter - der Vater zieht aus und zahlt. Mit Begriffen wie dem "Besuchsrecht" wird es plakativ zementiert.

    Dabei könnte in einer Familie, die von den Medien als vorbildliches Patchwork hochgejubelt wurde, auch alles anders sein: Er betreut alle Kinder und sie macht jungdynamisch in irgendwelchen DAX-Vorständen quotenflankiert so richtig Karriere.

    Nein, was Lieschen Müller nicht versteht, das sparen journalisierende Juristen lieber aus. Wo kämen wir da hin.

  • 09.01.2013 08:57, WackerDurchsaufen

    Immerhin scheint der Ex-Präsi es geschafft zu haben, sich im Verlaufe des Artikels um sagenhafte 6 Jahre verjüngt zu haben. Und so schliesst sich der Kreis: Welche Frau will schon mit einem Mann verheiratet sein, der immer jünger wird, während sie immer älter ... ? :)

    • 09.01.2013 11:56, Pia Lorenz

      Ups, in der Tat, da war ein Fehler drin. Christian Wulff ist natürlich 53 Jahre alt, Jahrgang 1959. Vielen Dank für den Hinweis, haben wir geändert.

    • 10.01.2013 16:56, K.A. Barett

      Das ist wirklich die Kernfrage! Das Banale ist auch im Leben der sogenannten Prominenten wie eine eine Katze, die sich dauernd in den eigenen Schwanz beisst.

  • 10.01.2013 16:51, Bitte Mein Brechnapf

    LTO, bleiben Sie doch bitte sachlich.
    "schöne PR-Frau" läßt die Frage zu: Gehört LTO zu Bild?
    Wenn nein, dann sollte LTO diese Art der Objektivität unterlassen!

    • 10.01.2013 17:04, K.A. Barett

      Hässlich ist sie bestimmt nicht, die Bettina. Man könnte sie als Vertreterin jener Gattung jüngerer Frauen bezeichnen, die sich selbst als sehr cool, sexy, angesagt, selbständig bis zum Abwinken und vor allem unwiderstehlich finden. Bettina Wulff ist nicht direkt mit Valérie Trierweiler, Weib gewordenes Schicksal von François Hollande, zu vergleichen. In beiden Fällen handelt es sich aber um gnadenlose Egoistinnen.

    • 11.01.2013 14:16, WackerDurchsaufen

      da der artikel durchaus hervorhebt, dass zwei zweckmässigkeitserwägungen zufällig zueinander fanden, ist es m.E. durchaus gerechtfertigt, auch auf B.´s aussehen hinzuweisen - hässlich ist sie bestimmt nicht, und dass sich W. mit ihr schmücken wollte, ist doch gerade gegenstand des artikels.

      immer geschmeidig bleiben ...

  • 11.01.2013 10:13, Tatjana Kutschera

    "Schließlich erhält Christian Wulff trotz aller Proteste nach seiner kurzen Amtszeit als Bundespräsident jedenfalls bis zu seinem Lebensende einen Ehrensold von jährlich knapp 200.000 Euro."

    Das Wort "jedenfalls" an dieser Stelle gefällt mir. Jedenfalls bis zu seinem Lebensende - vielleicht darüber hinaus? Und dann bis wann? Mit neugierigen Grüßen

    Tatjana Kutschera

  • 11.01.2013 13:57, claus meffert

    ich kann mir nicht vorstellen, dass frau wulff eine anstellung bei dm erhalten hätte. sie war -soweit mir das bekannt ist- bei der drogeriekette rossmann tätig. darauf lege ich als dm-kunde äußersten wert !

    • 11.01.2013 17:29, Benjamin Lück - LTO-Redaktion

      Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben es soeben korrigiert.

  • 15.01.2013 10:04, warlord

    Was? Betty hat noch ein Anrecht auf einen Teil des "Ehren"-Solds? Verkauft sich ihr Buch tatsächlich so schlecht? Das sollte doch "der Knaller" werden! Wer hat das Buch denn überhaupt gelesen?

    Ansonsten hat sie sich über Christian schon in einer Art und Weise ausgelassen, dass ich gern so einiges schreiben würde. Aber um noch einen letzten Rest an Schlichkeit zu bewahren, nur das: Pfui, Betty, schäm´Dich!

    Frau Guttenberg hat wenigstens noch zu KTG gestanden, als es eng wurde. Sie sind auch jetzt noch zusammen.

    Zu Christian schgreibe ich nichts Schlechtes. wenn einer am Boden liegt, terte ich nicht noch nach. Der ist mit seiner Ex-First-Lady wahrlich gestraft genug. Am meisten werden die Kinder leiden. Das ist das eigentlich Tragische an der Geschichte.

    • 15.01.2013 10:40, K.A. Barett

      Völlig richtig, was Sie schreiben, Warlord! im kontext mit dem Ehepaar Guttenberg muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Ehefrau eine von Bismarck ist, also von ihrer Herkunft und wahrscheinlich auch (wirklich höheren)Bildung eine gewisse Garantie für einen der Situation angemessenen Stil bot und dass KTG von seiner Familie her reich ist.Diese Faktoren sind eminent wichtig. Christian Wulff ist aber ein Parvenu, wie er im Buche steht.Das ist aber nicht abwertend gemeint. Aus einfachem Hause stammend, von seiner Familie her alles andere als vermögend, hat er Jura studiert. Dies ermöglichte ihm eine politische Karriere, die ihn am Ende bis ins höchste Staatsamt nach Berlin führte. Auf seinem Weg zum Olymp des deutschen Staates wurde er für andere Emporkömmmlinge immer interessanter. Auch für eine Frau wie Bettina Körner. Christian Wulff wurde zumn Vehikel auf ihrem eigenen Weg nach oben. Jetzt hat der Mohr seine Schuldigkeit getan. Der mohr kann gehen. Bettina Körner repräsentiert die dunkle Seite der jüngeren Frau von heute, die, angeblich emanzipiert, nicht davon zurückschreckt, im Interesse ihres eigenen sozialen und gesellschaftlichen Aufstieges über Leichen zu gehen. Notfalls auch über diejenige ihres eigenen Ehemannes. Die Geschichte ist eigentlich zu traurig, um darüber lachen zu können.