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Tag 34 im Block-Prozess: "Ich will nicht, dass diese Frau im Knast sitzt, weil ich etwas gesagt habe"

von Johannes Frese

30.01.2026

Eugen Block im Januar 2026

Am Freitag ließen sich sowohl Christina Block als auch der mitangeklagte Israeli Tal S. mit Details ein, die weitere spannende Fragen aufwerfen.  Foto: picture alliance/dpa/Pool dpa | Marcus Brandt

Treffen mit Christina Block, die er zuvor nicht erwähnt hat: Der mitangeklagte Israeli Tal S. macht eine interessante Einlassung. Zusätzlich geht es am Freitag um die Rolle von Blocks Vater: Welche Rolle spielte "der Patriarch"?

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Am 34. Verhandlungstag werden zwei Zeugen befragt, deren Aussagen neues Licht auf die Rolle der Block-Großeltern bei der Entführung ihrer Enkel werfen könnten. Auch der israelische Beschuldigte Tal S. sagt erneut aus und erwähnt Treffen mit Christina Block, die er bisher verschwiegen hat.

Als Erstes betritt am Freitag eine enge Mitarbeiterin von Eugen Block den Zeugenstand. Der Gründer der Steakhaus-Kette "Block House" ist der Vater von Christina Block, die laut Anklage die Entführung ihrer beiden Kinder vom dänischen Wohnort ihres Ex-Mannes Stephan Hensel in Auftrag gegeben haben soll. Eugen Block selbst ist im Verfahren bislang nicht vernommen worden. Seine Rolle erschließt sich allein aus den Aussagen anderer Beteiligter, die ihn als prägenden Hintergrundakteur der Familie beschreiben – nicht jedoch als Tatbeteiligten. 

David Barkay etwa, der ehemalige Mossad-Agent und Drahtzieher hinter der Entführung der Block-Kinder, hat in seinen Aussagen mehrfach von großem Druck gesprochen, den "der Patriarch", wie er den Unternehmer nennt, ausgeübt haben soll.

Ausgedruckte E-Mails und 120.000 Euro in bar

Die Zeugin, eine junge Frau in beigefarbenem Blazer, stellt sich als Eugens Block persönliche Referentin vor. Sie sei zuständig für verschiedene Projekte der Block-Gruppe, aber auch für Eugen Blocks E-Mail-Korrespondenz. Relevante E-Mails drucke sie für ihn aus. Zu den Inhalten dieser E-Mails könne sie jedoch nichts sagen, betont sie mehrfach.

Doch die Zeugin erinnert sich an die Korrespondenz zwischen Eugen Block und dem Sicherheitsunternehmer Andreas P., der als Mitangeklagter im Gerichtssaal sitzt. P. hatte nach der Entführung der Block-Kinder mit seinem Team die Bewachung der Häuser von Christina und Block koordiniert. Sie habe die Rechnungen für die Bewachung als sehr hoch empfunden, sagt die Zeugin. Nach Zeiträumen und Daten gefragt, antwortet die junge Frau sehr zurückhaltend, blickt einige Male fast verzweifelt zu Christina Block, die wenige Meter von ihr entfernt sitzt.

Im Zuge der Befragung rückt auch ein weiteres Familienmitglied in den Mittelpunkt der Verhandlung: Christina Blocks Mutter. Die Ehefrau von Eugen Block ist 2023 verstorben, also vor der Entführung der Kinder in der Silvesternacht 2023. Kontoauszüge belegen, dass Christina Blocks Mutter kurz vor ihrem Tod 120.000 Euro in bar von ihrem Konto abgehoben hat. Eugen Blocks Mitarbeiterin gibt an, von dieser Entnahme keine Kenntnis gehabt zu haben.

Auch ein Mitarbeiter der Bank, der die Summe an Christina Block ausgezahlt hat, wird an diesem Verhandlungstag befragt. Er sagt, dass Frau Block in Begleitung ihres Wirtschaftsprüfers gekommen sei, um das Geld abzuholen, und sich wie immer verhalten habe.

Zwei unspektakuläre Befragungen, die wenig Neues ans Licht bringen, aber zu einer bemerkenswerten Erklärung führen, die Christina Block an diesem Prozesstag abgibt.

Brief der Mutter: "Irgendwann hast du sie, in Bälde hoffentlich"

Darin versucht die Hauptangeklagte vor allem zu zeigen, dass sie von vielen Dingen nichts gewusst haben will. Denn nach einem gescheiterten Rückholversuch schon im November 2022 habe ihr Vater Eugen Block jegliches Zutrauen in sie verloren, eine Lösung zu finden, und die Dinge selbst in die Hand genommen.

Block präzisiert diese Aussage nicht, nennt aber Beispiele, wie die von Eugen Block beauftragte Übergabe von Weihnachtsgeschenken an seine Enkel durch Mitarbeiterinnen des Sicherheitsunternehmers P. Christina Block sagt, sie habe das als eine unnötige Gefährdung ihrer Chancen empfunden, ihre Kinder auf rechtlichem Wege zurückzubekommen. Sie habe jeglichen Eindruck von "Entführungsszenarien" vermeiden wollen.

Dann zitiert sie aus einem Brief, den ihre Mutter ihr kurz vor ihrem Tod geschickt habe: "Irgendwann hast du sie, in Bälde hoffentlich." Als sie von der Abhebung des Geldes erfuhr, habe es so auf sie gewirkt, als könne ihre Mutter etwas mit der Entführung zu tun gehabt haben. Mit ihren Erklärungen scheint Christina Block sich selbst entlasten und gleichzeitig niemanden aus ihrem persönlichen Umfeld direkt belasten zu wollen. Doch auch wenn sie im Konjunktiv spricht und keine Kausalzusammenhänge herstellt: Die Möglichkeit, dass ihr Vater oder ihre verstorbene Mutter mit der Entführung ihrer Kinder zu tun haben könnten, ist damit wieder im Raum.

Mitangeklagter erinnert sich an Treffen mit Block

Am selben Nachmittag macht ein anderer Angeklagter eine Einlassung, die Christina Block potenziell belasten könnte: Tal S., einer der israelischen Entführer, der als einziger in U-Haft sitzt, berichtet auf die Fragen der Staatsanwaltschaft von Treffen mit Christina Block, die er bei seinen bisherigen Einlassungen nicht erwähnt hatte – im Grand Elysée Hotel, das der Block-Gruppe gehört, und auf dem Bauernhof, wo Block ihre entführten Kinder wiedersah. Alle israelischen Entführer seien dort mit Block zusammengekommen, es habe "Erfolgsstimmung" geherrscht. Er habe bisher nichts von diesen Treffen erzählt, weil Christina Block jeden Kontakt bislang abgestritten habe. Mit seinem Schweigen habe er sie vor einer Gefängnisstrafe bewahren wollen. "Ich will nicht, dass diese Frau, die ihre Kinder zurückwill, im Knast sitzt, weil ich etwas gesagt habe."

Christina Blocks Verteidiger Ingo Bott schaltet schnell. Er versucht anschließend, S. in einer intensiven Befragung genauere Angaben zu Zeit und Ort der Treffen zu entlocken. S. wiederholt mehrfach, dass er sich nicht an genaue Daten erinnern könne. Bott fragt S. auch, warum die Entführer bei einem Treffen mit Christina Block wenige Tage vor Silvester Masken getragen hätten – und sich ansonsten unmaskiert vor den Sicherheitskameras des Hotels bewegt hätten. Diesen vermeintlichen Widerspruch wertet Bott als positives Indiz für seine Mandantin.  

Er kann seine Schlussfolgerungen am Freitag aber nicht ausführen, die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt beendet den Tag. Die Befragung soll an einem der kommenden Termine fortgesetzt werden.

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Tag 34 im Block-Prozess: . In: Legal Tribune Online, 30.01.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59196 (abgerufen am: 11.04.2026 )

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