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Völkerrecht in Computerspielen: Wenn schon Krieg, dann richtig

von Benjamin Dürr

20.11.2013

Computerspiele sollen so realistisch wie möglich sein, bisher fehlt jedoch ein Detail: das humanitäre Völkerrecht. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes will das ändern und berät Spieleproduzenten zu den Feinheiten des Völkerrechts. Künftig sollen auch Ego-Shooter ihre Spieler für Kriegsverbrechen zur Verantwortung ziehen. Virtuelle Strafen sollen das Recht in echten Konflikten stärken.

Ob die Folter eines feindlichen Agenten mit Starkstrom oder die gezielte Exekution eines Gefangenen per Kopfschuss: Viele Szenen aus Computerspielen würden in der Realität als Kriegsverbrechen gelten. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) in Genf, das die Einhaltung des humanitären Völkerrechts überwacht, fordert deshalb, auch Computerspieler für ihre Taten zu bestrafen.

Je nach Schwere der Vergehen könnten Punkte abgezogen werden oder ein "Game over" als Sanktion verhängt werden, schreibt die Organisation auf ihrer Website. Dadurch, so die Hoffnung, könnte auch in echten Konflikt-Situationen die Einhaltung des Völkerrechts gestärkt werden.

Computerspiele als Überträger

"Es gibt kaum Zweifel daran, dass Menschen durch ihre Spiel-Erfahrungen lernen", sagt Francois Senechaud, der beim ICRC die Arbeitsgruppe für die Förderung und Einhaltung des Rechts leitet. "Jemand, der im Spiel jedes Mal bestraft wird, wenn er andere foltert, wird eine andere Haltung entwickeln, wenn er in der Realität damit konfrontiert wird."

Unter den Spielern seien sowohl Zivilisten als auch Militärangehörige, künftige Soldaten und Entscheidungsträger, erklärt Senechaud. "Computerspiele sind deshalb einzigartige Überträger um Menschen überall auf der Welt darauf aufmerksam zu machen, dass auch in bewaffneten Konflikten Gesetze gelten." In einem Artikel für das ICRC argumentiert Senechaud, dass virtuelle Strafen das Recht in echten Konflikten stärken können.

Unter anderem die Haager Konventionen von 1907, die Genfer Konventionen von 1949, ihre Protokolle und eine Reihe von anderen internationalen Verträgen, die beispielsweise den Einsatz bestimmter Waffen verbieten.

Kriegsrecht kann komplex werden

Sowohl in der Realität als auch in Computerspielen geht es um offensichtliche Verbrechen: Standrechtliche Hinrichtungen von Personen, die sich ergeben haben oder verwundet sind, verbietet das internationale Recht genauso wie jegliche Form von Folter und Angriffe auf die Zivilbevölkerung.

Aber auch komplexe Situationen im Kriegsrecht könnten in Ego-Shooter aufgenommen werden: So haben Programmierer beispielsweise wie in der Wirklichkeit medizinisches Personal eingeführt. Man müsse dabei zwei Kategorien unterscheiden, erklärt Senechaud: Rot-Kreuz-Helfer, die leichte Waffen tragen um sich selbst verteidigen zu können. Sie kämpfen nicht mit und dürfen deshalb nicht angegriffen werden.

Eine zweite Kategorie sind Soldaten mit spezieller Ausbildung, die Aufgaben des Roten Kreuzes übernehmen, sogenannte "Combat Medics". Außerhalb ihrer medizinischen Tätigkeit gelten sie als Kämpfer und nehmen auch an Gefechten teil. "Die Situation wird unübersichtlich, wenn sie in Spielen mit weißen Uniformen oder Rot-Kreuz-Emblem dargestellt werden", sagt Senechaud. "Spieler bekommen dann den Eindruck, dass medizinisches Personal auf sie schießt und feuern zurück."

Besser nicht zu viele Zivilisten töten

Man sei sich bewusst, dass die Genfer Konventionen und andere Verträge auch in echten Kampf-Situationen verletzt werden, erklärt der ICRC-Mitarbeiter. Es gehe deshalb nicht darum, Spieler für ihre Taten zu bestrafen, die sie als Figur in einem Computerspiel begehen. "Unsere Sorge ist eher, dass der Eindruck entsteht, illegales Verhalten sei in bewaffneten Konflikten akzeptabel oder sogar Normalität."

Das ICRC berät deshalb Programmierer und Computerspiele-Hersteller. In manchen Spielen wurden bereits Details des Kriegsrechts umgesetzt. So wird beispielsweise in "Rainbow Six: Vegas" Spielern die Kommandoführung entzogen, wenn sie zu viele Zivilisten töten. Für denselben Tatbestand werden Spieler auch in "Call of Duty: Modern Warfare 2" bestraft.

Die Mitarbeiter der tschechischen Entwicklerfirma "Bohemia Interactive" wurden in Workshops vom ICRC fortgebildet. Ivan Buchta, der Kreativdirektor des Unternehmens, erklärt: Wenn Elemente wie internationales Recht mitaufgenommen würden, entstehe ein noch authentischeres Spiele-Erlebnis.

Ob dies tatsächlich einen Einfluss auf das Verhalten von zukünftigen Soldaten haben wird und bewaffnete Konflikte so humaner werden? Zweifellos erreichen Computerspiele deutlich mehr Menschen als normale Aufklärungs- und Trainingsprogramme zum humanitären Völkerrecht, so das ICRC.

Zitiervorschlag

Benjamin Dürr, Völkerrecht in Computerspielen: Wenn schon Krieg, dann richtig . In: Legal Tribune Online, 20.11.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10097/ (abgerufen am: 21.10.2019 )

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Kommentare
  • 20.11.2013 12:04, aix germanicus

    Ich möchte bitte beim Spielen nicht dazu verdonnert werden, ein Faksimile eine sog. Völkerrechts auch nur ansatzweise Beachtung schenken zu müssen. Dafür gibt es genug reale Kriege auf der Welt an denen man, wenn man möchte, teilnehmen kann. In Spielen entfliehe ich ja gerade der so stumpfen in höchsten Fällen verlogenen Realität, um die klaren und einfachen Regeln des Spiels zu genießen. Schließlich sterbe ich hier auch nicht wirklich.

  • 20.11.2013 12:13, Realist

    Gegenvorschlag:
    Erstmal die Einhaltung der Konventionen in der Realität umsetzen.
    *eyeroll*

  • 20.11.2013 12:19, Volljurist

    M.E. total überflüssig: Zum einen müssen Spiele in Deutschland erst einmal durch die sehr aufwendige USK-Prüfung, bevor eine Freiabe erteilt wird. Zum anderen erhalten Ego-Shooter idR. auch erst eien Altersfreigabe ab 18 Jahren, also ein Alter, in dem man die Konsequenzen seiner Handlungen einschätzen kann und ncht wie ein kleines Kind "bestraft" werden muss.

    Als passinonierter und langjähriger "Zocker" ist mir übrigens noch nie ein PC-oder Vieospiel untergekommen, in welchem man aktiv einen wehrlosen Gefangenen foltern und anschließend per Kopfschuss töten musste. Auf der anderen Seite: In wie vielen Filmen sind bereits menschneverachtende Szenen vorgekommen? Genau: In ganz schön vielen.

    • 25.11.2013 11:26, Sir.TalkALot

      ich nehme mal ein sehr bekanntes beispiel: GTA V, da Foltert man wehrlose gefangene, und Gefangene exekutiert wird in genügend spielen.
      vlt. solltest du dir die quellenangaben durchlesen...

  • 20.11.2013 15:05, Roland Schimmel

    was ich schon immer einmal fragen wollte, seit eben aber erst recht: was sind denn bitte "standesrechtliche hinrichtungen"? gibt es die etwa auch im anwaltlichen standesrecht?

    • 20.11.2013 15:23, LTO-Team

      Herr Schimmel, vielen Dank für den Hinweis. Über die "standesrechtlichen Hinrichtungen" liest man aber auch einfach schnell drüber.

    • 20.11.2013 16:35, Ordensbruder

      Da steht standrechtlich, nicht standesrechtlich und standrechtlich heißt, dass die zivile Gerichtsbarkeit in Kriegs- oder Krisenzeiten auf die Militärgerichtsbarkeit übergegangen ist, die nach einer sehr kurzen, manchmal auch gar keiner Verhandlung sofort ein Urteil vollstreckt und dieses oft sehr drakonisch, da einer der vergleichsweise geringen Aufklärungsquote von Verbrechen in Krisengebieten oder Verbrechen wehrzersetzenden Charakters ein besonders hohes Maß an Abschreckung entgegengesetzt werden soll und rechtsstaatlich legitimierte PRozesse oft nicht möglich sind...

    • 20.11.2013 16:38, LTO-Team

      Wir haben das nachträglich geändert. Herr Schimmel hatte da schon recht mit seiner Kritik.

  • 20.11.2013 19:17, ak

    Warum erweitern wir dann nicht gleich auch die Spielregeln zu den klassichen Brettspielen um einige Buchbände, um das Völkerrecht auch dort einfließen zu lassen.

  • 21.11.2013 09:00, Yossarian

    Was soll dieses dumme rumgejammer hier? Geht's noch? Lasst sie doch machen, als ob es euer Schaden wäre! Meine Fresse, Gamer .... (ist selbst Gamer, lol)

    Und her Volljurist , es gibt ne Menge Spiele mit ner Menge an sehr fragwürdigen und geschmacklosen Szenen, also nicht auf unwissend hier machen.

  • 21.11.2013 16:04, Muc

    Ich finde die Idee bzw den Ansatz nicht schlecht. Was ist so schlimm daran, ein wenig Moral in zB Ego-Shooter zu bringen? An der USK kann man sich sowieso nicht ausrichten. Da ich selber zocke, weiß ich wovon ich rede. Wieviele 12jährige etc, bei Spielen ab 18, man da so ins Headset quieken hört...

  • 26.11.2013 15:48, Spielender Jurist

    In Counterstrike hat man immerhin Geld verloren, wenn man die Geiseln getötet hat.^^

    Aber das war auch von Fans gemacht, nicht von gewissenlosen Spieleentwicklungsfirmen.