Druckversion
Samstag, 12.09.2026, 06:32 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/panama-papers-leak-informationen-oeffentlich-persoenlichkeitsrecht-betroffene
Fenster schließen
Artikel drucken
19086

Panama Papers – Rechte der Betroffenen: Immer dieses Per­sön­lich­keits­recht

von Arno Lampmann

18.04.2016

Panama Papers

© fotodo - Fotolia.com

Die Veröffentlichung von Informationen aus den Panama Papieren beschränkt sich bisher auf die Nennung einzelner öffentlicher Personen. Aus gutem Grund, erkärt Arno Lampmann. Sonst würden Persönlichkeitsrechte verletzt.

Anzeige

Die Berichterstattung nicht nur der Süddeutschen Zeitung (SZ) wird zur Zeit von den so genannten "Panama Papers" beherrscht. Dort hat man sogar eine eigene Internetseite "Panama Papers - Die Geheimnisse des schmutzigen Geldes" zu dem Thema ins Leben gerufen, auf der fast täglich Neuigkeiten dazu veröffentlicht werden.

Bei den Panama Papers handelt es sich um einen 2,6 Terabyte großen Datensatz bestehend aus über 11,5 Millionen Dokumenten zu 214.000 Briefkastenfirmen, der aus einer Datenbank der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca - soweit ersichtlich auf illegale Weise - entwendet, oder wie es in der Presse heisst, "geleakt" wurde. Die SZ ist nach eigenen Angaben durch einen unbekannten Informanten an diese Daten gelangt, der dort angefragt hatte, ob man Interesse an Informationen habe.

Die Kanzlei Mossack Fonseca beschäftigt sich vornehmlich mit der Gründung von so genannten Offshore-Gesellschaftern oder "Briefkastenfirmen", mit deren Hilfe Finanztransaktionen steueroptimiert und/oder mit Hilfe von Treuhandkonstruktionen die Herkunft und die Inhaberschaft von Vermögen verschleiert werden können. Eine Briefkastenfirma ist für sich genommen nicht illegal, wird es aber dann, wenn damit Vermögen und Geschäfte vor dem heimischen Fiskus verborgen und Steuern zu hinterzogen werden sollen.

Umfassende Veröffentlichung aller Namen nicht zu erwarten

Ein Konsortium aus rund 400 Journalisten von mehr als 100 Medienorganisationen in rund 80 Ländern recherchierte in den vergangenen zwölf Monaten in den Dokumenten. Veröffentlicht wurden bisher nur einzelne Rechercheergebnisse und Namen prominenter Betroffener, die Dokumente selbst bisher nicht. Die Berichterstattung beschränkt sich auf die Mitteilung von Einzelheiten aus bestimmten Vorgängen, die bekannte, im öffentlichen Leben stehende Personen betreffen.

Die SZ erläutert auf einer eigens eingerichteten FAQ-Seite, dass sie weder gedenke, die Daten der Allgemeinheit oder den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung stellen, noch die Namen aller betroffenen Personen zu veröffentlichen, da dies auch rechtlich bedenklich sei. Mit dieser Einschätzung liegt sie trotz des auf den ersten Blick scheinbar überwiegenden Aufklärungs- bzw. Strafverfolgungsinteresses richtig.

Kein Recht auf Löschung der Daten

Die Dokumente enthalten, soweit sie natürliche Personen betreffen, personenbezogene Daten gem. § 3 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Der Begriff der personenbezogenen Daten – und das wird häufig übersehen – beschreibt nicht nur klassische Daten wie etwa den Namen oder den Geburtsort, sondern umfasst alle Informationen, die über eine Bezugsperson etwas aussagen oder mit ihr in Verbindung zu bringen sind. Eine Verarbeitung, also in diesem Fall die Übermittlung, wäre gem. § 4 Abs. 1 BSDG nur zulässig, soweit dieses Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift dies erlaubt oder anordnet oder der Betroffene eingewilligt hat. Nichts davon trifft im vorliegenden Fall zu.

Ein Löschungs- bzw. Unterlassungsanspruch gem. § 35 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 BDSG scheitert allerdings am Medienprivileg gem. § 41 Abs. 1 BDSG. Das Medienprivileg stellt die Presse bei der Erfüllung ihrer in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG zuerkannten und garantierten Aufgaben, somit der "pressemäßigen Veröffentlichung für journalistisch-redaktionelle oder literarische Zwecke" von der Einhaltung der Datenschutzvorschriften weitgehend frei. Denn ohne die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten auch ohne eine Einwilligung der jeweils Betroffenen wäre journalistische Arbeit nicht möglich.

Anzeige
Seite 1/2
  • Seite 1:

    Eine umfassende Veröffentlichung der Dokumente ist nicht zu erwarten

  • Seite 2:

    Vor der Veröffentlichung dürfte das allgemeine Persönlichkeitsrecht stehen.

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Arno Lampmann, Panama Papers – Rechte der Betroffenen: . In: Legal Tribune Online, 18.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19086 (abgerufen am: 12.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Datenschutz
    • Datenschutz
    • Medien
    • Panama Papers
    • Persönlichkeiten
    • Persönlichkeitsrecht
    • Steuerhinterziehung
    • Wirtschaft
Ein Mann mit blauem Anzug im Hintergrund tippt auf eine virtuelles Bewerberprofil im Vordergrund. 07.09.2026
Bewerbung

Kandidatenauswahl durch automatisierte Systeme:

Darf die KI über Bewer­bungen ent­scheiden?

Längst nutzen Personalabteilungen KI-Systeme für ihre Entscheidungen bei der Bewerberauswahl. Doch allein der KI überlassen dürfen die HR-ler der Maschine die Auswahl nicht. Die rechtlichen Aspekte erklärt Karin Kristina Reiber.

Artikel lesen
Ein Feuerwehrmann steht vor einem brennenden Gebäude mit Löschschlauch. 04.09.2026
Brandstiftung

LG Dessau-Roßlau: Sechs Jahre Haft:

Blau­licht­re­porter wegen Brand­s­tif­tung ver­ur­teilt

Um Fotos und Videos von Feuerwehreinsätzen zu vermarkten, haben zwei freie Fotografen mehrfach Brände gelegt. Das LG Dessau-Roßlau verurteilte sie nun wegen Brandstiftung, der Haupttäter bekam sechs Jahre Freiheitsstrafe. 

Artikel lesen
Logo der Nachrichtenseite Nius und im Hintergrund Nius-Artikel 04.09.2026
Medien

KG rügt identifizierende Berichterstattung:

Nius durfte Asy­l­an­wältin nicht an den Pranger stellen

Nach dem Solingen-Attentat berichtete Nius über eine Asylanwältin. Das LG Berlin hatte das für zulässig gehalten, das Kammergericht sah das nun anders. Kritik am Asylverfahren sei zulässig, eine identifizierende Berichterstattung jedoch nicht. 

Artikel lesen
Michael Kubiciel 04.09.2026
Most Wanted

Köpfe:

LTO Most Wanted mit Michael Kubi­ciel

"Die zwingende lebenslange Freiheitsstrafe in § 211 StGB gehört ersetzt", meint Michael Kubiciel. Der Universitätsprofessor verrät, was er gerade liest, wer ihn geprägt hat und was aus seiner Sicht “gute Lehre” auszeichnet.

Artikel lesen
Moses Pelham lacht bei einem Auftritt in der Stadtwerke-Arena auf dem Hessentag in Bad Vilbel 2025. 03.09.2026
Kunstfreiheit

BGH entscheidet zum sechsten Mal:

Der (wohl) letzte Bei­trag von "Metall auf Metall" zum Urhe­ber­recht

Seit fast 30 Jahren zieht sich der Prozess "Metall auf Metall". Nun entscheidet der BGH: Sampling kann ein Pastiche und damit zulässig sein. Der Rechtsstreit ist damit immer noch nicht beendet, die Urheberrechtsfragen aber geklärt.

Artikel lesen
Oldtimer 02.09.2026
Strafverfahren

Teste Dein Jura-Wissen:

Müssen Eltern Straf­taten ihrer Kinder ver­hin­dern?

Haften Eltern strafrechtlich, wenn sie wissen, dass ihr Kind eine schwere Straftat plant – und nichts unternehmen? 

Artikel lesen
lto karriere logo

LTO Karriere - Deutschlands reichweitenstärkstes Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Wir haben die Top-Jobs für Jurist:innen

Jetzt registrieren
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen
Rich­ter/Rich­te­rin (m/w/d) in der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit des Lan­des...

Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Müns­ter

Logo von Klinikum Region Hannover GmbH
Spe­zia­list*in Com­p­li­an­ce (m/w/d)

Klinikum Region Hannover GmbH, Han­no­ver

Logo von Hengeler Mueller
Le­gal Tech Spe­cia­list (m/w/d) mit Fo­kus auf Le­gal En­ginee­ring im Le­gal Tech...

Hengeler Mueller, Frank­furt am Main

Logo von Gleiss Lutz
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d) Ar­beits­recht

Gleiss Lutz, Ber­lin

Logo von Bitkom e.V.
Ma­na­ger Di­gi­tal Con­tent & Recht (m/w/d)

Bitkom e.V., Ber­lin

Logo von Dentons
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (m/w/d) im Be­reich IP, Da­ta &...

Dentons, Düs­sel­dorf

Logo von Dentons
Rechts­an­walt M&A / Ven­tu­re Tech­no­lo­gy

Dentons, Ber­lin

Logo von Hengeler Mueller
Som­mer­prak­ti­kum 2027

Hengeler Mueller, Ber­lin und 2 wei­te­re

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von GvW Graf von Westphalen
Automotive Week: Fahrzeugdaten im Spannungsfeld von Data Act, Kartellrecht und Digital Markets Act

25.09.2026

Compliance Innovation Days 2026

14.10.2026, Graz

Logo von Fachseminare von Fürstenberg
KI in kleinen Kanzleien

13.10.2026

Update Datenschutzrecht 2026

24.11.2026

Update IT-Recht 2026

01.12.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH