Druckversion
Freitag, 14.08.2026, 18:47 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/korruptionsvorwuerfe-in-kokain-maulwurf-prozess-gestaendnis-korruption-bestechlichkeit
Fenster schließen
Artikel drucken
59045

Geständnis im Maulwurf-Prozess von Hannover: Staats­an­walt bekam 2.500 Euro pro Tipp an Koka­in­bande

von Dr. Markus Sehl und Jakob Becker

13.01.2026

Im Gerichtssaal stehen Personen, während das Logo Niedersachsen im Hintergrund sichtbar ist. Thema: Maulwurf-Prozess und Bestechung.

Überraschende Wende im spektakulärem Strafprozess: Staatsanwalt G. gesteht neun Taten. picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Staatsanwalt Yashar G. hat am Dienstag vor dem Landgericht Hannover neun von insgesamt 14 Tatvorwürfen eingeräumt. Er soll Interna an die Drogenmafia verraten haben. Pro durchgestochener Ermittlungsinformation habe er 2.500 Euro erhalten.

Anzeige

Den Gerichtssaal betritt der angeklagte Staatsanwalt Yashar G. über eine Seitentür. Er wird in den Saal geführt, er trägt ein Sakko, darunter Handschellen. Er sieht erschöpft aus, wirkt ruhig. G. wird an diesem Verhandlungstag beim Landgericht Hannover kein Wort sagen. Nur Nicken, ab und an den Kopf schütteln. Sein erwartetes Geständnis liest einer seiner Verteidiger vor, es ist technisch gehalten, "räumt die Taten ein in objektiver und subjektiver Hinsicht". Kein Wort zu viel zu den Umständen, zu dem Motiv, zu den spektakulären Vorwürfen, die das Zeug für einen Justizskandal haben.

Was G. vorgeworfen wird, dürfte in der deutschen Justizgeschichte beispiellos sein. G. arbeitete als erfolgreicher und unter Kollegen geschätzter Staatsanwalt in einer Abteilung für die Verfolgung von Organisierter Kriminalität bei der Staatsanwaltschaft Hannover. Dabei soll er Informationen aus laufenden Ermittlungsverfahren an eine Kokainbande verkauft haben. Insgesamt wurden ihm 14 Fälle von Bestechlichkeit, Verletzung von Dienstgeheimnissen und Strafvereitelung im Amt zur Last gelegt. Alles in einem Zeitraum von einem guten halben Jahr, von Sommer 2020 bis Frühjahr 2021. Unter anderem soll er im Frühjahr 2021 führende Köpfe vor einer bevorstehenden Razzia gewarnt haben. Einigen gelang die Flucht ins Ausland, nach Dubai und die Türkei. Die Bande hatte eine Lieferung von 16 Tonnen Kokain organisiert, die der Zoll im Februar 2021 im Hamburger Hafen sicherstellte. Es war der bislang größte Kokain-Fund durch Behörden in Europa. G. war für diesen Fall zuständig.

Bisher hatten sich die Prozessbeteiligten auf eine lange Verfahrensdauer eingestellt: Verhandlungstage sind bis Ende Mai 2026 terminiert. Zu Beginn und im weiteren Verlauf hatte G. die Taten vollumfänglich bestritten. Nun gestand er neun Taten, im Gegenzug wurden die fünf weiteren Anklagepunkte – unter anderem die Strafvereitelung im Amt – auf Antrag der Staatsanwaltschaft fallen gelassen. Das ist das Ergebnis von Erörterungsgesprächen auf Initiative der Verteidigung mit Staatsanwaltschaft und Gericht, die die letzten zwei Monate stattfanden. Am Ende steht ein Deal.

Mindestens acht Jahre Haft

Laut Verteidigung erhofft sich der Angeklagte von der Verständigung neben einem deutlich rascheren Ende des Verfahrens auch bessere Haftbedingungen. Die Kammer stellte in Aussicht, dass die Straferwartung zwischen acht Jahre zwei Monate und 8 Jahre neun Monate liegen wird. Ganz genau festgelegt hat man sich da noch nicht. Ein Urteil gibt es noch nicht. Das Gericht wird das Geständnis überprüfen. Am Donnerstag wird der nächste Verhandlungstermin stattfinden. Angedeutet hat sich, dass auch ein Mitangeklagter möglicherweise ein Geständnis ablegen könnte.

Ein neues Detail: In dem Geständnis lässt G. präzisieren, dass er für die verratenen Informationen 2.500 Euro bekommen habe. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück war zunächst davon ausgegangen, dass er von der Bande eine Grundvergütung von monatlich 5.000 Euro in bar erhalten hat. Zusätzlich für einzelne Tipps zu Haftbefehlen, Observationen oder Telekommunikationsüberwachung jeweils nochmal 5.000 Euro.

So sollen insgesamt 65.000 Euro in den knapp 9 Monaten ab Mitte 2020 an G. geflossen sein. 65.000 Euro sind als Zuverdienst zum Staatsanwaltsgehalt, das ist eine Menge Geld. Aber so viel, dass ein Staatsanwalt, der so exponiert Drogen-Prozesse führt, seine Karriere und seine sichere Beamtenexistenz samt Ruhestandsgeldern riskiert?  

Als er von der Richterbank noch einmal nach dem "Warum" gefragt wird, kommt keine Antwort.

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Geständnis im Maulwurf-Prozess von Hannover: . In: Legal Tribune Online, 13.01.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59045 (abgerufen am: 17.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
  • Gerichte
    • Landgericht Hannover
lto karriere logo

LTO Karriere - Deutschlands reichweitenstärkstes Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Wir haben die Top-Jobs für Jurist:innen

Jetzt registrieren
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d)

Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP, Frank­furt am Main

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Rechts­an­walt (m/w/d) Ge­sell­schafts­recht

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 6 wei­te­re

Logo von Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen
Voll­ju­rist (m/w/d) Bau- und Im­mo­bi­li­en­recht

Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, Wies­ba­den

Logo von Mayer Brown LLP
RECHTS­AN­WALT (W/M/D) IM BE­REICH BAN­KING & FI­NAN­CE IN FRANK­FURT AM...

Mayer Brown LLP, Frank­furt am Main

Logo von Erzdiöse Freiburg
Rechts­re­fe­rent/-in (w/m/d)

Erzdiöse Freiburg, Frei­burg im Breis­gau

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (w/m/d) Kar­tell­recht

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Düs­sel­dorf

Logo von CMS
Er­fah­re­ne/r Rechts­an­walt (m/w/d) Ar­beits­recht

CMS, Ham­burg

Logo von HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB
Part­ne­rin (w|d|m) ge­sucht – Ar­beits­recht

HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Aktuelles: Übergang vom Erwerbsleben in die Rente

24.08.2026

Logo von RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG
Praktiker-Webinar Vom Listenplatz zur Zulassung – Das neue Berufsrecht der Insolvenzverwalter [§ 15

25.08.2026

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Green Claims 2026: Finden. Prüfen. Rechtssicher steuern

26.08.2026

Kündigung und Passivlegitimation in der Arbeitgeberinsolvenz

25.08.2026

Must haves Erbschaft-/Schenkungsteuer

25.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH