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Kindesentführungsprozess um Christina Block: "Sie wirkte wie im Traum"

von Dr. Peyman Khaljani, LL. M. (Amsterdam)

30.08.2025

Christina Block, im Vordergrund (verwischt) ihr Verteidiger Ingo Bott

Wusste Christian Block von der Entführung? Die Erklärungen des Mitangeklagten Ex-Agenten Tal S. waren in dieser Hinsicht spannend. Foto: picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Der Angeklagte Tal S. schildert am achten Verhandlungstag, wie er den Kindern Klebeband über Mund und Hände legte – bei dem Mädchen "härter", als es nicht kooperierte. Später gerieten Blocks Verteidiger und die Vorsitzende noch aneinander.

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Im Prozess um die Entführung der beiden jüngsten Kinder von Unternehmerin Christina Block ist die Vernehmung des mutmaßlichen Entführers, dem israelisch-portugiesischen Ex-Agenten Tal S., vor dem Landgericht Hamburg fortgesetzt worden. Der Angeklagte hatte bereits am Dienstag und Donnerstag ausgesagt. 

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt thematisierte insbesondere die Frage, warum die Kinder nach der Entführung aus Dänemark zunächst auf einen Hof nach Süddeutschland gebracht wurden und nicht unmittelbar nach Hamburg. S. entgegnet: "Ich hatte keine Kenntnis über die Pläne, ich wollte keine Fragen stellen".

Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, stellte der Angeklagte die Schilderung von Christina Block, wonach sie auf dem Hof maskierten Männern begegnet sei, in Abrede. S. selbst will keine Vermummungen wahrgenommen und auch keine Maske getragen haben. Zu seinem Eindruck von Block bei Ankunft auf dem Hof äußert S.: "Sie wirkte wie im Traum". Es habe geschienen, "als trüge sie viele Gefühle in sich". Sie habe sich aber nicht ängstlich verhalten. Dennoch habe ihre Körpersprache "wenig Selbstbewusstsein" ausgestrahlt. 

In einem Gespräch habe der Angeklagte Block geraten, um die Herzen ihrer Kinder zu kämpfen. S. habe ihr mitgeteilt, wie schwer es gewesen sei, die Kinder zu holen, und dass die Kinder vermutlich nicht mit ihr zusammen sein wollen. Auf Nachfrage Hildebrandts, wie Block auf das Gespräch reagiert habe, teilte S. mit, Block habe "nicht nach Einzelheiten gefragt und nur zugehört". Der Angeklagte schildert, es seien bei der Tat, ihn hinzugerechnet, unmittelbar acht Personen beteiligt gewesen. Während zwei Personen bei den Autos gewartet hätten, habe S. mit drei weiteren eine Gruppe gebildet und sich bei den Kindern aufgehalten. "Olga" und der Chef der Sicherheitsfirma, David Barkay, seien dort herumgelaufen und hätten als ihre "Augen und Ohren Zeichen geben sollen".

S. wollte Hensel nur "sanft neutralisieren"

Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, ob S. nicht bewusst gewesen sei, dass die Kindesentziehung und der körperliche Angriff auf den Vater der Kinder, Stephan Hensel, strafbar seien, entgegnete S., er sei in dem Glauben gewesen, die Kinder vor dem Vater zu retten. Er hebt hervor, dass er Hensel nur habe "sanft neutralisieren" wollen. Aufgrund seiner Kampfsportfähigkeiten hätte er ihn auch dergestalt zu Boden bringen können, dass dieser nicht mehr aufsteht.

Brisant war die detaillierte Schilderung der Fesselungssituation: So berichtete S., er habe das Klebeband bei einem der Kinder zunächst nur über den Mund gelegt, es dann jedoch "härter gemacht" und um den Kopf gewickelt, als das Mädchen "nicht kooperierte". Auch die Hände der Kinder seien gefesselt worden. Die Staatsanwaltschaft stellte hierzu die Strafbarkeit klar heraus und verwies auf die Offensichtlichkeit der Rechtswidrigkeit.

Über die Hauptakteure "Olga" und Barkay äußerte sich S. laut Hamburger Morgenpost lediglich allgemein. Er habe von seinem engen Freund namens Schlomi, "Olgas" Ehemann, nicht gehört, dass Olga beim Mossad gewesen sei. Er beschrieb "Olga" als "nett, intelligent und sehr fleißig" und verwies auf ihre enge Zusammenarbeit mit Barkay. Ob Barkay oder dessen Umfeld Verbindungen zu Geheimdiensten wie dem Mossad hatten, konnte er nicht bestätigen. Als S. bei einem späteren Treffen der an der "Mission" Beteiligten gehört habe, dass die Kinder wieder bei ihrem Vater seien, habe er gefühlt, "als hätten wir das für nichts gemacht."

Rolle der Familie Block 

Ein weiterer Schwerpunkt war die mögliche Beteiligung oder Mitwisserschaft der Familie Block an der Entführung. S. erklärte laut Hamburger Morgenpost, er wisse nichts von einer direkten Beauftragung durch die Familie. Barkay habe ihm aber mitgeteilt, dass es sich bei der Beziehung um eine reine "Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung" handeln würde. Auch die Namen des Familienanwalts und Gerhard Dellings habe er zuvor nicht gehört.

Barkay habe gesagt, es sei ein "dringender Wunsch" der Familie gewesen, die Kinder zurück nach Deutschland zu bringen. Dieser habe "so etwas" vorher noch nie gemacht. Die Familie habe ihn zuvor um Ideen gebeten, wie man an die Kinder kommen könne. Dieser habe gesehen, in welchem "desolaten Zustand" sich die Familie befände, und daher bereit, Hilfe zu leisten. Von finanziellen Versprechungen, etwa den zugesagten 10.000 Euro für jeden Teilnehmer an der Aktion, habe er letztlich nicht profitiert. Vielmehr sei er nun der einzige der Beteiligten, der vor Gericht stehe und seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft sitze.

Zum Ende des Verhandlungstages sind die Vorsitzende Richterin und Blocks Anwalt Ingo Bott derartig aneinandergeraten, dass diese ihm mit dem Entzug des Wortes drohte. In seiner Erklärung zur Aussage des S. führte Bott aus, es bestätige seine Überzeugung, dass Block nichts von der Entführung gewusst habe. Bei seinen weiteren Ausführungen griff Hildebrandt ein und entgegnete, es gehe hier nicht um eine vorweggenommene Beweiswürdigung.

Mit Material der dpa

Tag 1 – Prozessauftakt: Hat sie die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben? In Hamburg hat der Prozess gegen Steak-House-Erbin Christina und weitere Angeklagte begonnen. Die Verteidigung macht der Staatsanwaltschaft viele Vorwürfe.  

Tag 2 - Strafprozess gegen Christina Block vorerst unterbrochen: Eigentlich war eine Einlassung der Block-House-Erbin angekündigt, doch der Prozess gegen Christina Block wurde unterbrochen. Grund ist ein Streit um die Nebenklage ihrer 14-jährigen Tochter. Die Verhandlung wird am 25. Juli fortgesetzt.  

Tag 3 - "Du hast mich fertig gemacht": "Ich habe die Entführung meiner Kinder weder beauftragt noch gewollt": Über mehrere Stunden ließ sich Christina Block vor der Strafkammer des LG Hamburg ausführlich im Entführungsprozess gegen sie ein und schilderte ihre Sicht der Dinge.  

Tag 4 - "Sie haben meiner Tochter einen Alarmknopf um den Hals gehängt": Im "Block-Prozess" schildert Christina Block ihre verzweifelten Pläne, ihre Kinder zurückzuholen – von Bootsfahrten bis Maskenbildner. Im Fokus: Freundin "Olga", 120.000 Euro Bargeld und der Vorwurf eines Alarmknopfs um den Hals der Tochter.  

Tag 5 - "Ich habe die schlechteste Position, meine Kinder jemals wiederzusehen": Routine im Saal, aber offene Fragen im Verfahren: Christina Block antwortet ausweichend, schildert Erinnerungslücken und wirft ihrem Ex-Mann Manipulation vor. Die Rolle der Cyberfirma bleibt ungeklärt. 

Tag 6 - "Ich werde von nun an insgesamt schweigen": Am sechsten Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess verweigerte Christina Block alle Antworten auf Fragen der Nebenklage. Prozessuale Fragen, Framing- und Manipulationsanschuldigungen dominierten im aufgeladenen Gerichtssaal. 

Tag 7 - "Bestrafen Sie mich": Der Mitangeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Tal S. gibt an, die Block-Kinder nur gerettet haben zu wollen. Er übernahm für die Entführung volle Verantwortung und appellierte an den Vater, "Frieden zu stiften".

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Kindesentführungsprozess um Christina Block: . In: Legal Tribune Online, 30.08.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58033 (abgerufen am: 12.10.2026 )

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