Im Block-Prozess bestreiten ihr Lebenspartner Gerhard Delling, Cousine Uta B. und Sicherheitsunternehmer P. jede Beteiligung an der Entführung der Block-Kinder. Vater Hensel spricht derweil von Gewalt und "Todesangst" in der Silvesternacht.
Am neunten Verhandlungstag im Prozess um die mutmaßliche Entführung der beiden jüngsten Kinder von Christina Block wurden die noch ausstehenden Angeklagten befragt. Zugleich begann die Vernehmung des Nebenklägers, Blocks Ex-Ehemann und Vater der Kinder, Stephan Hensel.
Verteidiger David Rieks bezeichnete die Aussage des israelischen Ex-Agenten Tal S. in der vergangenen Woche als entlastend für seinen Mandanten Gerhard Delling: "S. hat ausführlich die Personen benannt, die an Planung und Umsetzung der Tat beteiligt gewesen seien. Herr Delling war kein Teil davon."
Der 66-jährige frühere Sportmoderator und Lebensgefährte Blocks eröffnete seine eigene Einlassung mit einem Scherz: "Normalerweise spreche ich zweimal 45 Minuten."
Delling ist wegen Beihilfe zur Kindesentziehung angeklagt. Er soll das Zusammentreffen Blocks mit ihren Kindern am 1. Januar 2024 in der Nähe von Karlsruhe organisiert und ihre Rückkehr nach Hamburg koordiniert haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, gegenüber Ermittlern falsche Angaben gemacht zu haben.
Er betonte seinen Anspruch auf Rechtstreue und Verantwortung: "Ich hätte niemals gedacht, dass ich als absolut rechtstreuer Bürger jemals vor Gericht stehen würde." Es habe nie Rede gestanden, etwas Unrechtes zu tun oder gar Gewalt anzuwenden.
Delling schilderte, wie er Christina Block unterstützt, beruhigt und aufgebaut habe. Er berichtete von acht "intensiven Monaten" während der Pandemie mit den Kindern und beschrieb sie als "lebhaft, aufgeschlossen und fröhlich". Zudem unterstrich er, dass Block ein gutes Verhältnis zu den Kindern gehabt habe: "Sie hat sie schon gar nicht geschlagen oder auch nur aggressiv behandelt." Eine Tochter Blocks habe ihn sogar "Gernhard" genannt, weil sie ihn so "gern gehabt habe".
Auf die konkreten Vorwürfe der Anklage ging Delling nicht ein und verweigerte Nachfragen.
Andreas P.: "Dieser Prozess ist ruinös für mich"
Der mitangeklagte Sicherheitsunternehmer Andreas P. ließ seine Stellungnahme durch Anwältin Gül Pinar verlesen. Er schilderte Treffen mit Eugen Block, bei denen es um die Belastung des Großvaters und um Geschenke für die Enkel ging. Christina Block habe er nie getroffen, von einer Entführung habe er nie erfahren.
An Silvester habe er eine deeskalierende Übergabe angestrebt und die dänische Polizei hinzugezogen: "Ich denke, die Verweigerung der Familie Hensel muss man dann auch akzeptieren." Am 2. Januar sei er kurzfristig beauftragt worden, die Grundstücke von Eugen und Christina Block gegen Pressevertreter zu sichern, wobei er erfahren haben will, dass sich die Kinder in Süddeutschland aufhielten. Eugen Block habe "erleichtert und froh" gewirkt: "Ein bewaffneter Einsatz war zu keinem Zeitpunkt Thema."
P. ging nach eigenen Angaben davon aus, dass Christina Block das Aufenthaltsbestimmungsrecht innehatte. Dieses wurde erst am 5. Januar dem Vater zugesprochen. Die Rückkehr der Kinder habe sich in einer "hoch angespannten Situation" abgespielt. Abschließend erklärte P.: "Dieser Prozess ist ruinös für mich."
Uta B.: "Ich fühlte mich wie eine Geheimagentin, die ich nicht sein wollte"
Uta B., die Cousine Blocks, ebenfalls wegen Beihilfe angeklagt, schilderte unter Tränen ihre Sicht der Ereignisse. Sie sei überrascht gewesen, als sie am 1. Januar erfahren habe, dass die Kinder in Deutschland seien. Am Folgetag habe sie Block telefonisch erreicht, die selbst nicht gewusst habe, "wer dahintersteckte".
Am Abend des 1. Januar habe Delling sie angerufen und gebeten, die Kinder vom Treffpunkt bei Hamburg abzuholen. Delling selbst habe sich zurückgehalten, da er befürchtete, dass der Vater ihn bei den Kindern schlecht gemacht haben könnte. B. stimmte zu und betonte. "Die Kinder sollten in dieser Situation jemanden sehen, dem sie vertrauen. Ich fühlte mich wie eine Geheimagentin, die ich nicht sein wollte."
Sie erklärte, dass sie weder an der Planung noch an der Durchführung der Entführung beteiligt gewesen sei. Ihr Verhältnis zu den Kindern beschrieb sie als eng; sie ist Patentante der jüngsten Tochter. Einen Besuch bei Hensel schilderte sie als bedrohlich: "Klara stand vor mir wie ein Roboter. Sie wirkte wie eine andere Person."
Fragen beantwortete die Angeklagte nicht. Ihr Ehemann, der ihr per WhatsApp den Weg zum Treffpunkt erklärte und ebenfalls angeklagt ist, machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Dies tue ihr schrecklich Leid, so B.
Prozessuale Auseinandersetzungen
Der Verhandlungstag war nach Focus-Berichten erneut von juristischen Diskussionen geprägt. Verteidiger hinterfragten, warum P., B. und ihr Ehemann überhaupt auf der Anklagebank säßen, während Eugen Block als mutmaßlicher Auftraggeber nicht angeklagt ist.
Zudem gab es Streit über die Zulässigkeit von Fragen der Nebenklage an Block. Die Verteidigung bemängelte unter anderem Wiederholungen, Suggestivfragen, fehlenden Bezug zum Gegenstand der Verhandlung sowie den Umgang mit IT-Asservaten. Die Vorsitzende Richterin Hildebrandt hielt die meisten Fragen dennoch für zulässig. Mehrere Verteidiger kritisierten, dass die Beweisaufnahme nicht beginnen könne, solange die Einlassungen der Angeklagten noch nicht abgeschlossen seien. Sie warnten vor einem "prozessualen Durcheinander" und beantragten, dass offene Fragen der Nebenklage die Einlassungen nicht als abgeschlossen erscheinen ließen. Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt wies diese Einwände zurück, da die Angeklagten ausreichend Gelegenheit gehabt hätten, sich zu äußern, und es keinen Anspruch gebe, Antworten erst nach vorbereitender Zeit zu geben. Die Kammer betonte: "Es gibt sowas wie eine abgeschlossene Einlassung nicht."
Hensel: "Ich hatte Todesangst."
Schließlich trat Stephan Hensel in den Zeugenstand. Der Vater der Kinder erläutert, er habe sich in der Silvesternacht nicht sicher gefühlt. Aufgrund lauter Böllergeräusche seien sie zur Betrachtung des Feuerwerks an eine ruhige Stelle gegangen. Unter Eid berichtete er von dem Angriff in der Silvesternacht: "Ich hatte Todesangst."
Fünf maskierte Männer seien auf die Familie zugestürmt, drei hätten ihn überwältigt und mit Tritten und Schlägen attackiert, während er die Kinder schreien hörte. Er selbst habe unter der Wirkung des Angriffs ausgedrückt, er könne nicht mehr.
Hensel bezeichnete den Übergriff rückblickend als einer "Militäroperation" ähnlich. Auch die Geschenkübergabe am 21. Dezember 2023 empfand er als bedrohlich und mögliche Vorbereitung: "Es habe den Anschein geweckt, dass die Frauen messen wollten, wie schnell die Polizei kommt."
Die Vernehmung Hensels wird am Mittwoch weitergeführt.
Mit Material der dpa
Christina Blocks Partner im Kindesentführungsprozess: . In: Legal Tribune Online, 02.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58061 (abgerufen am: 08.02.2026 )
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