Blocks Ex-Ehemann beschreibt im Hamburger Entführungsprozess Schläge, Tritte und die Schreie der gemeinsamen Kinder in der Silvesternacht. Zudem wirft er Christina Block häusliche Gewalt vor, dem die Hauptangeklagte widersprach.
Am zehnten Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block und sechs weitere Angeklagte steht die Aussage des Vaters Stephan Hensel, der als Nebenkläger auftritt, im Mittelpunkt. Bereits zu Beginn kommt es laut Focus zu Auseinandersetzungen über die Reihenfolge der Wortmeldungen. Blocks Verteidiger Ingo Bott erklärt: "Frau Block wäre bereit, weiter auszusagen."
Doch Richterin Isabel Hildebrandt will die Zeugenvernehmung von Hensel nicht unterbrechen. Auch Andreas P.s Anwältin Gül Pinar meldet sich und kritisiert, Hensel sei am Vortag zu Ereignissen vom 21. Dezember 2023 befragt worden, obwohl es um die Silvesternacht gehen solle. Die gescheiterte Geschenkübergabe betreffe ihren Mandanten. Hildebrandt stellt klar, dass sie den Schwerpunkt der Vernehmung nicht verändern werde.
Die Tatnacht
Gemeinsam mit dem Gericht blickt Hensel auf Fotos, die seine Verletzungen nach dem Überfall zeigen. Diese waren von dänischen Behörden dokumentiert worden. Auf den Bildern ist er bis auf eine Unterhose entkleidet, großflächige Blutergüsse und Schürfwunden sind zu erkennen. "Zum Glück hatte ich meine Hände schützend vor dem Gesicht", sagte er am Mittwoch dazu.
Er berichtet, wie mehrere Angreifer einheitlich gekleidet vorgegangen seien. Er habe versucht, sich zu wehren, sei aber immer wieder geschlagen und getreten worden. "Ich bin nicht hart aufgeschlagen", erinnert er sich, doch die Wucht der Angriffe habe ihn handlungsunfähig gemacht. Gleichzeitig habe er die Schreie seiner Kinder gehört, die in zwei Fahrzeugen weggefahren worden seien. Um sich zu wehren, habe er ein schweres Schloss aus seiner Jackentasche nach einem der Wagen geworfen. Danach sei ein Knall zu hören gewesen, maskierte Personen hätten ihn erschrocken angestarrt. Kurz darauf sei die Polizei mit Maschinengewehren am Tatort erschienen und habe das Umfeld abgesperrt.
Besonderes Augenmerk legt Hensel auf die Sicherheitsmaßnahmen, die seine Familie aufgrund vorangegangener Vorfälle getroffen hatte. Sein damals zehnjähriger Sohn habe in jener Nacht einen Alarmknopf getragen, über den sofort die dänische Polizei alarmiert wurde. "Sie rückt sofort mit mehreren Einsatzwagen bewaffnet aus", erklärt er. Das System funktioniere wie eine Halskette und sei in der Lage, Standortdaten und sogar Kommunikation zu übermitteln. Hensel betont, dass die Familie auf Empfehlung der Behörden gehandelt habe und dass nicht alle Kinder den Alarmknopf immer angenommen hätten.
Vorwürfe häuslicher Gewalt
Ein weiterer Schwerpunkt der Aussage betrifft die Vergangenheit. "Die Kinder haben bei Frau Block häusliche Gewalt erlebt und sind traumatisiert", sagt Hensel nach Angaben des Focus im Gerichtssaal. Er verweist auf Untersuchungen dänischer Psychologen und Sachverständiger, die diese Einschätzung bestätigt hätten.
Hensel schildert, dass seine älteste Tochter im Sommer 2021 von seiner Lebensgefährtin von Sylt abgeholt worden sei, nachdem sie ihre Mutter nicht mehr habe ertragen können. "Sie hat geschildert, dass sie gewalttätig wäre, insbesondere gegenüber den jüngsten Kindern." Die älteste Tochter selbst sei zwar nicht geschlagen worden, habe aber unter starkem Druck gestanden. Auch die jüngeren Kinder hätten wenig später erklärt, nicht mehr zurück zu wollen. Hensel betont: "Ich stand da mit Kindern, die nicht zurückwollten. Ich kann die Kinder nicht mit Gewalt in ein Auto stecken."
Block hörte die teils schweren Anschuldigungen ohne sichtbare Gefühlsregung an. Sie weist die Vorwürfe zurück und entgegnete, der Vater manipuliere die Kinder, um sie von ihr zu entfremden.
Beobachtungen und Pädophilie-Vorwürfe
Hensel schilderte am Mittwoch zudem, dass sein Haus bereits lange vor der Entführung beobachtet worden sei. Fremde Personen hätten vor dem Grundstück gestanden, Nachbarn hätten Drohnen bemerkt. "Irgendwelche Leute stehen da und wollen irgendwas", sagt er. Auch eine Demonstration im Dezember 2022 vor seinem Haus, bei der mit Schildern die Namen seiner Kinder öffentlich gezeigt wurden, führt er auf das Umfeld Blocks zurück. Die Polizei habe die Aktion nach rund 30 Minuten beendet.
Im Jahr 2023 seien anonym Pädophilie-Vorwürfe gegen ihn und seinen Anwalt erhoben worden. Hensel berichtet, dass er im Oktober desselben Jahres einen auffälligen Tauchsack auf seiner Garage entdeckt habe. Darin sei eine Festplatte mit kinderpornografischem Material gefunden worden. "Die Polizei hat alle Dateien gesichtet, aber mich nicht darauf entdeckt", betont er auf Nachfrage der Richterin. Er vermute, der Sack sei mithilfe einer Drohne abgelegt worden.
Christina Block hatte die Vorwürfe ebenfalls vor Gericht erwähnt. Sie erklärte, davon von der israelischen Sicherheitsfirma erfahren zu haben, die ursprünglich für die IT-Sicherheit ihres Unternehmens zuständig gewesen sei und letztlich die Entführung ihrer Kinder unternommen habe. Auf Anraten ihres Anwalts habe sie die Polizei eingeschaltet. "Ob etwas an der Sache dran" sei, wisse sie bis heute nicht, sagt sie, betonte jedoch, sie habe sich große Sorgen um ihre Kinder gemacht.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft stellte klar, dass zu keinem Zeitpunkt gegen Hensel oder dessen Anwalt ermittelt worden sei. Stattdessen sei gegen Christina Block ein Verfahren wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung und Verleumdung eingeleitet worden. Sie soll gefälschte Unterlagen eingereicht haben, um Hensel und seinen Anwalt zu diskreditieren. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, es gilt die Unschuldsvermutung.
Das Verfahren wird nach einer zweiwöchigen Pause am Montag, den 22. September fortgesetzt.
Mit Material der dpa
Stephan Hensel äußert sich im Block-Prozess: . In: Legal Tribune Online, 03.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58076 (abgerufen am: 06.12.2025 )
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