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Projekt zum Verfassungsblog: For­scher für die Redak­tion

von Claudia Kornmeier und Pia Lorenz

18.12.2013

2/3: Der Blog als Experimentierraum

Die Projektverantwortlichen halten diese Personenidentität nicht für problematisch. "Man muss eben wissen, welchen Hut man gerade trägt", sagt Kemmerer. "Darauf sollten doch gerade Juristen durch ihre Ausbildung perfekt vorbereitet sein." Außerdem erfordere eine "teilnehmende Beobachtung", wie sie die Ethnologen betreiben, keine strikte Trennung zwischen Beobachter und Beobachtetem.

Die Ethnologin ist tatsächlich reine Beobachterin. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt will sie den Blog nicht mitgestalten. Sollte die Seite in Zukunft stärker interdisziplinär ausgerichtet sein, könnte sie sich eine Mitarbeit dagegen vorstellen. "Inwieweit dies gewünscht und realisierbar ist, muss allerdings noch projektintern besprochen werden", so Staub.

Auch Projektleiter und Blogautor Möllers sieht in der fast hundertprozentigen personellen Identität von Beobachtern und Beobachteten kein Problem. "Ich denke, durch die beiden Mitarbeiterinnen haben wir das sauber und eindeutig getrennt", sagt Möllers. "Die Ethnologin hatte mit der Rechtswissenschaft noch nie etwas zu tun."

Aber selbst wenn die Personenidentität aus ethnologischer Sicht kein Problem für die Forschung ist, wird mit den Geldern am Ende nicht doch vor allem die Redaktion gestärkt? Die Redaktionsarbeit der juristischen Mitarbeiterin soll sich darauf konzentrieren, die Wissenschaftskommunikation, die auf dem Blog bereits stattfinde, systematischer zu gestalten und wissenschaftlich belastbarer zu machen, als das bisher der Fall war, so Steinbeis. "Die Mitarbeiterin soll eine Qualitätskontrolle einführen, für gewisse Standards sorgen, damit es für klassische juristische Publikationen einfacher wird, uns zu zitieren", sagt Möllers.

"Das Forschungsprojekt braucht den Blog wie die Naturwissenschaft Großgeräte", erklärt Kemmerer. "Der Blog soll Experimentierraum sein. Damit das klappt, müssen die Betriebskosten gedeckt werden."

Das Internet erforschen

Was genau mit dem Projekt erforscht werden soll, liest sich im Antrag so: "Das Forschungsvorhaben soll die Dynamiken und spezifischen Möglichkeiten virtueller Wissenschaftskommunikation in der Rechtswissenschaft erproben, reflektieren, analysieren und bewerten. Im Rahmen des Forschungsvorhabens sollen solche Lernprozesse angestoßen, erprobt, weiterentwickelt und reflektiert werden, um Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen virtueller Kommunikation für die Geisteswissenschaften im allgemeinen und das spezifische Feld des Rechts und der Rechtswissenschaft im Besonderen zu gewinnen."

Es klingt ein wenig, als sei das Internet den Rechtswissenschaftlern doch irgendwie noch fremdes Terrain, das interessant erscheint, aber erst einmal gründlich erforscht werden sollte, bevor man es betritt. Sind im Jahr 2013 die Möglichkeiten und Gefahren, die das Internet mit sich bringt – seine Geschwindigkeit, Unmittelbarkeit und Öffentlichkeit – tatsächlich noch so neu, dass sie erforscht werden müssen?

Möllers ist da ganz Wissenschaftler. Er sei einfach neugierig. Ihn reize die Gelegenheit, von einer Außenstehenden einen Blick auf die Rechtswissenschaft werfen zu lassen. Wozu man das brauche? "Was heißt schon brauchen?"

Kemmerer sieht in dem Projekt auch die Möglichkeit, eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Ethnologen und Juristen zu initiieren. Vor allem aber soll das Projekt Informationen über die Kommunikation unter Juristen liefern. Diese könnten später Blog- und Zeitschriftenredaktionen nutzen.

Aber auch Universitäten und Institutionen wie das Wissenschaftskolleg und die Max-Planck-Institute sollen davon profitieren. Ihren Wissenschaftlern sollen die Forschungsergebnisse helfen, eigenständig und reflektiert am Fachdiskurs teilzunehmen, sich einzubringen und zu positionieren. "Die Wissenschaft verändert sich ebenso wie die Medien. Wir müssen uns fragen, was klassische Medien am Schnittpunkt von Wissenschaft und Öffentlichkeit noch leisten können und welche Rolle da ein Blog einnehmen kann." Dieser Frage widmete sich auch die Auftaktveranstaltung zum Forschungsprojekt im Oktober dieses Jahres.

Wie die Arbeit an dem Projekt konkret vonstattengehen soll, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Die Ethnologin nimmt vorerst an Einführungsvorlesungen und Diskussionsveranstaltungen teil, um sich mit dem Feld der Rechtswissenschaft vertraut zu machen. Die Fragen, denen man nachgehen möchte, müssen erst noch konkretisiert, die Methoden besprochen und interdisziplinär ausgehandelt werden. "Wir sind froh, dass die Mittelgeber in der Hinsicht sehr offen waren und uns bewusst Raum zur Entwicklung eines eigenen, maßgeschneiderten Zugangs geben", sagt Kemmerer.

Zitiervorschlag

Claudia Kornmeier und Pia Lorenz, Projekt zum Verfassungsblog: Forscher für die Redaktion . In: Legal Tribune Online, 18.12.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10396/ (abgerufen am: 27.11.2020 )

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Kommentare
  • 18.12.2013 15:35, schlaumeier

    3 Seiten für diesen Knüller? Ihr habt echt langeweile.

  • 18.12.2013 17:33, Oliver Daum Daum

    Ich stimme dem zu, dass der Beitrag unverhältnismäßig lang ist.

    Auf der anderen Seite kann ich es auch verstehen, dass die Autorinnen auf die Personenidentität aufmerksam machen wollen.

    Liebe Frau Kornmeier, liebe Frau Lorenz,
    eine Frage sei dazu erlaubt: Würde sich Ihre Meinung ändern, wenn LTO auch Gegenstand des Forschungsprojektes wäre?

    Mit den besten Grüßen

  • 18.12.2013 23:32, J. Weinreich

    Die Frage nach der Validität des "Forschungs"ansatzes und das Interesse an Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Gelder rechtfertigen durchaus einen dreiseitigen Beitrag.

    Überhaupt: wenn 3 Seiten Lektüre schon zu viel sind, dürfte auch dem rechtswissenschaftlichen Bloggen kein Erfolg beschieden sein.