Druckversion
Dienstag, 13.01.2026, 05:53 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/compilance-datenbank-deutsche-bank-betriebsrat-datenschutz
Fenster schließen
Artikel drucken
9235

Compliance-Überwachung bei der Deutschen Bank: Keine Beförderung bei roter Karte

von Dr. Jan Tibor Lelley, LL.M.

29.07.2013

Gebäude der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

© Tiberius Gracchus - Fotolia.com

Deutschlands größtes Kreditinstitut hat sich einen Kulturwandel verordnet. Das gilt auch für sein Compliance-System: Verstöße sollen künftig für alle Mitarbeiter Einfluss auf Gehalt und Beförderung haben. Die Datenbank, die es dafür braucht, missfällt aber dem Betriebsrat. Jan Tibor Lelley plädiert für ein Weniger an Mitbestimmung und ein Mehr an Compliance.

Anzeige

An sich ist es ein alter Hut. Wie fast alle, versteht auch die Deutsche Bank unter dem Begriff "Compliance" die Einhaltung von Regeln, Bestimmungen und Standards. In einem im Internet veröffentlichten circa neunseitigen Memorandum erklärt die Bank ihr Compliance-Managementsystem. Man findet unmissverständlich die üblichen harten Worte: "Wir erwarten von allen Mitarbeitern der Deutschen Bank, dass sie unsere Compliance-Standards einhalten…".

Und weiter: "So wollen wir Regelkonformität mit allen geltenden Gesetzen, Bestimmungen und Standards gewährleisten." Dann kommt das Red-Flag-Überwachungssystem. Dabei werden alle Verstöße gegen Compliance-Anforderungen in spezifischen Bereichen gemeldet. Unorthodox ist der Ansatz, Verstöße nicht nur disziplinarisch mit Ermahnung, Abmahnung und Kündigung zu ahnden, sondern auch bei Leistungsbeurteilungen, Beförderungen und Gehaltserhöhungen zu berücksichtigen.

Der Erfolg scheint dem System Recht zu geben. Nach einer eigenen Bewertung der Bank ist die Zahl der Red-Flag-Vorfälle in den drei wichtigen Abteilungen Corporate Banking, Securities und Global Transaktion Banking im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent gesunken (Stand Ende 2012). Dass ein solches System nur dann erfolgreich arbeiten kann, wenn die festgestellten Verstöße in einer Datenbank gespeichert werden, versteht sich von selbst.

Das alte Lied: Compliance gegen Datenschutz

Das hat nun aber die Arbeitnehmervertreter der Deutschen Bank hellhörig gemacht. Nach einem Bericht von süddeutsche.de machen sich die Betriebsräte datenschutzrechtliche Sorgen wegen der geplanten Ausweitung des Red-Flag-Systems auf die gesamte Belegschaft – ihnen geht der Kulturwandel des Instituts da wohl ein bisschen zu weit.

Die Belegschaftsvertreter reklamieren ein Mitbestimmungsrecht, wenn "derartige Daten" (gemeint sind offensichtlich personenbezogene Daten aus dem Red-Flag-Überwachungssystem) gesammelt und in einer Datenbank gespeichert werden. Nach dem Willen der Bank-Betriebsräte soll das System ohne Gedächtnis arbeiten.

Es ist das alte Spannungsfeld zwischen Compliance und Datenschutz. Ein Spannungsfeld, an dem im Frühjahr 2013 auch die letzte Initiative der Bundesregierung zur Reform des Arbeitnehmerdatenschutzrechts gescheitert war.

Warum aber sollte die Arbeitnehmervertretung bei einem rein datenschutzrechtlichen Vorgang – dem Speichern und Verarbeiten der personenbezogenen Daten des Red-Flag-Systems – überhaupt mitbestimmen? Datenschutzrechtlich kann sich die Deutsche Bank auf § 32 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) berufen, der es erlaubt personenbezogene Daten von Mitarbeitern für die Durchführung des Arbeitsverhältnisses zu erheben, verarbeiten und nutzen. Das umfasst auch die Kontrolle der Leistung und des Verhaltens der Beschäftigten, also inwieweit sie Compliance-Anforderungen einhalten. Vielleicht wäre hier ein Weniger an Mitbestimmung ein Mehr an Compliance?

Lehre aus dem Siemens-Korruptionsskandal

Grundsätzlich ist die Deutsche Bank mit ihrem Red-Flag-Überwachungssystem nicht allein. Auch ThyssenKrupp identifiziert Compliance Risiken im Rahmen der operativen Planung der Konzernunternehmen und zwar vom Vorstand bis hinunter auf die Ebene einzelner Mitarbeiter. Letztendlich sind diese Red-Flag-Systeme Alternativen zu traditionellen Präventions- und Repressionsmechanismen. Es soll Compliance-Risiken bei einzelnen Mitarbeitern präventiv erkennen und entsprechende Personalentscheidungen vorbereiten.

Die Unternehmen ziehen damit die Lehren aus dem bekanntesten deutschen Compliance-Fall, dem Siemens-Korruptionsskandal, dessen arbeitsrechtliche Aufarbeitung mitunter enttäuschend verlaufen ist. Die Arbeitsgerichte taten sich schwer, verhaltensbedingte Kündigungen wegen Korruptionsvergehen zu bestätigen. Zu schwer wog aus Sicht der Arbeitsrichter die Mitverantwortung des Unternehmens (exemplarisch Arbeitsgericht München, Urt. v. 02.10.2008, Az. 13 Ca 17197/07).

Da man den Tätern also nicht ohne weiteres kündigen kann, liegt aus Sicht des Managements wohl nichts näher, als mögliche Compliance-Verletzter erst gar nicht Karriere machen zu lassen.

Der Autor Dr. Jan Tibor Lelley, LL.M. ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei Buse Heberer Fromm Rechtsanwälte Steuerberater PartG.

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Jan Tibor Lelley, Compliance-Überwachung bei der Deutschen Bank: . In: Legal Tribune Online, 29.07.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9235 (abgerufen am: 13.01.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Arbeitsrecht
    • Datenschutz
    • Compliance
    • Banken
    • Betriebsrat
    • Compliance
    • Datenschutz
    • Mitarbeiterüberwachung
Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofs, spricht im Badischen Staatstheater beim Festakt im Rahmen der Feierlichkeiten "75 Jahre Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft". 01.01.2026
Gerichte

Sollte man kennen:

Neun wich­tige BGH-Ent­schei­dungen aus 2025

Vom "Hausdrama-Fall" über Beschaffenheitsvereinbarungen beim Gebrauchtwagenkauf bis zur erzwungenen Smartphone-Entsperrung: Der BGH hat auch 2025 wichtige Entscheidungen gefällt, von denen man gehört haben sollte.

Artikel lesen
Präsident des EuGH Prof. Dr. Koen Lenaerts bei einer Rede am 15.09.2023 27.12.2025
EuGH

Sollte man kennen:

Sieben wich­tige EuGH-Ent­schei­dungen 2025

Upload-Filter-Diskussion reaktiviert, Mitgliedstaaten an die Menschenwürde von Asylbewerbern erinnert und Streit mit Polen eskaliert: Das Jahr 2025 war auch am EuGH spannend und thematisch breit gefächert. Ein Best-of.

Artikel lesen
Schild mit dem Schriftzug "Bundesgerichtshof" am Gerichtsgebäude. 18.12.2025
Schufa

Revision vorm BGH erfolgreich, Ausgang der Berufung noch offen:

Schufa muss erle­digte Zah­lungs­stör­ungen nicht sofort löschen

Die Schufa darf Einträge zu Zahlungsausfällen grundsätzlich auch dann noch speichern, wenn sich die betreffende Zahlungsstörung erledigt hat, weil die Forderung beglichen wurde. Das entschied der BGH. Der Rechtsstreit geht nun aber weiter.

Artikel lesen
Logo, Schriftzug Europäischer Gerichtshof 18.12.2025
Datenschutz

EuGH verneint Provider-Privileg für Verarbeitung personenbezogener Daten:

Online-Markt­plätze sollen Uploads fil­tern

Verantwortliche haften für Inhalte, die gegen das Datenschutzrecht verstoßen – auch ohne Kenntnis. Diese EuGH-Entscheidung erhöht den Druck zu präventiven Kontrollen und könnte das Internet spürbar verändern, schreibt Maximilian Wagner.

Artikel lesen
IT-Forensik der Polizei 10.12.2025
Strafverteidiger, StV

Datenspeicherungen nach Strafverfahren:

Was tun gegen die poli­zei­liche Sam­melwut?

Die meisten Beschuldigten gehen davon aus, dass ihnen mit dem Abschluss des Strafverfahrens auch alle Konsequenzen bekannt sind. Nur wenige wissen, dass ihre Daten auch in Polizeidatenbanken abgespeichert werden. Anna Luczak erläutert.

Artikel lesen
Elon Musk auf einer Veranstaltung (Archivbild) 05.12.2025
Elon Musk

EU vs. Elon Musk:

EU ver­hängt 120-Mil­lio­nen-Euro-Strafe gegen X

Die EU setzt ein Zeichen: Trotz deutlicher Warnungen der US-Regierung von Donald Trump verhängt sie eine hohe Strafe gegen X. Grund sind Transparenzmängel und Vorenthaltung von Daten gegenüber Forschenden. Das könnte erst der Anfang sein. 

Artikel lesen
lto karriere logo

LTO Karriere - Deutschlands reichweitenstärkstes Karriere-Portal für Jurist:innen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Wir haben die Top-Jobs für Jurist:innen

Jetzt registrieren
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH , 100% Re­mo­te

Logo von Gesellschaft für Dienste im Alter mbH (GDA)
Voll­ju­rist (w/m/d) als Re­fe­rent für kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht

Gesellschaft für Dienste im Alter mbH (GDA) , Han­no­ver

Logo von Siemens
Rechts­re­fe­ren­dar (m/w/di­vers) bei Le­gal and Com­p­li­an­ce

Siemens , Nürn­berg

Logo von BfDI - Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
Voll­ju­ris­tin­nen und Voll­ju­ris­ten (m/w/d)

BfDI - Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit , Bonn

Logo von Evangelischer Verbund Augusta Ruhr
Voll­ju­rist / Syn­di­kus­rechts­an­walt (m/w/d) als Lei­tung Recht und Com­p­li­an­ce...

Evangelischer Verbund Augusta Ruhr , Her­ne

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von All for One Group SE
Se­nior Ex­pert (IT) Com­p­li­an­ce & Risk (hu­man)

All for One Group SE , Stutt­gart

Logo von BfDI - Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
Voll­ju­ris­tin­nen und Voll­ju­ris­ten (m/w/d)

BfDI - Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit , Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Infoanlass (online) «Berufsbegleitendes Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften»

20.01.2026

Update Umwandlungen

22.01.2026

Online-Seminar! § 15 FAO - GmbH - Geschäftsführende im Arbeitsrecht

21.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
ESG-konforme Mietverträge

22.01.2026

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Deloitte "Legal Update" Webcast #1/2026 Geschäftsleiterhaftung beim Einsatz Künstlicher Intelligenz

21.01.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH