Tonaufnahmen der Block-Kinder aus der Entführungsnacht: "You're going to your Mama!"

Das Gericht gibt bekannt, warum die Befangenheitsanträge zurückgewiesen wurden. Danach erschüttern persönliche Audioaufnahmen aus der Silvesternacht 2023/24 den Saal. Der 22. Verhandlungstag im Block-Prozess hatte es in sich.

Am Mittwoch war die Atmosphäre im Saal angespannter als sonst. Die Verfahrensbeteiligten schienen ihre Worte bewusster zu wählen, nachdem das Gericht Christina Block am Ende des vorherigen Verhandlungstages mit einem Haftbefehl gedroht hatte. Dieser 22. Verhandlungstag im Block-Prozess sollte intensiv werden.

Den Auftakt machte die Vorsitzende Isabel Hildebrandt mit der Verlesung des Beschlusses vom 11. November 2025, den die Vertretungskammer des Landgerichts Hamburg gefasst hat. Mit diesem wies sie die Ablehnungsanträge der Angeklagten wegen Besorgnis der Befangenheit gem. § 27 Abs. 1 Strafprozessordnung (StPO) gegen Hildebrandt und die anderen zwei Richter zurück. Weil das Gericht im Streit um ein mögliches Beweisverwertungsverbot der IT-Asservate davon sprach, dass den Beweismitteln "große Bedeutung" zukomme, ging die Verteidigung von einer Vorverurteilung aus.

Der Beschluss stellte nun klar: Ein Befangenheitsantrag gem. § 24 Abs. 2 StPO sei nur begründet, wenn ein verständiger Angeklagter den Eindruck gewinne, der Richter habe sich innerlich festgelegt. Zwischenentscheidungen (wie der Beschluss zum Beweisverwertungsverbot) oder Rechtsmeinungen seien hierfür in der Regel nicht ausreichend. Nur unsachliche, willkürliche oder grob fehlerhafte Äußerungen könnten die Besorgnis der Befangenheit rechtfertigen.

Nach Würdigung der Vorwürfe kam die Vertretungskammer zu dem Schluss, dass keine derartigen besonderen Umstände vorlägen. Die Richter betonten ausdrücklich, dass aus Sicht eines "objektiven und vernünftigen Angeklagten" keine Anhaltspunkte für eine Vorverurteilung bestünden. In der Entscheidung heißt es weiter: "Durch die hypothetische Erwägung der Beweisbedeutung erwächst den Angeklagten kein Nachteil." Die Kammer habe lediglich eine "Beschreibung des Standes der Sachaufklärung" vorgenommen, ohne eine Vorwegnahme der Beweiswürdigung.

Der Passage, in der die Kammer in Anbetracht fehlender Geständnisse der Angeklagten den IT-Asservaten "große Bedeutung" beigemessen hatte, maß die Vertretungskammer keine voreingenommene Wertung bei. Diese Formulierung könne nicht so verstanden werden, dass bisheriges Aussageverhalten negativ bewertet werde. Vielmehr handele es sich um eine "sachliche und nachvollziehbare Beschreibung", die lediglich die Bedeutung einzelner Beweismittel in Relation zueinander bewerte. Die Vertretungskammer sehe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die erkennende Kammer von der Schuld der Angeklagten überzeugt sei oder die Beweismittel nicht ergebnisoffen würdige.

Audiodateien abgespielt: Stimmen aus der Silvesternacht

Im Mittelpunkt des Tages stand die Inaugenscheinnahme mehrerer Audioaufzeichnungen nach § 86 StPO, die die Entführung der Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 betreffen. Die Dateien dokumentieren in Tonaufnahmen dramatische Minuten einer Entführung. Das Gericht spielte mehrere Sequenzen von insgesamt etwa 30 Minuten ab, die vermutlich aufgezeichnet worden waren, nachdem die Block-Kinder die ihr von der dänischen Polizei ausgehändigten Alarmknöpfe gedrückt hatten.

Die erste Aufnahme beginnt mit einem gleichmäßigen Rauschen, durchbrochen von schwerem Keuchen und dem Ton einer aufgeregten, kaum zu verstehenden Männerstimme. Dazwischen das Wimmern eines Mädchens, gepresst, abgehackt, so als würde der Laut unterdrückt. Der Eindruck, dass das Mädchen geknebelt worden sein könnte, drängt sich auf: Man hört den Atem stocken, das Ringen um Worte, dann die fast panische Stimme des Mädchens: "No!" und "What are you doing?!"

Die Stimmung im Saal gefror bereits nach den ersten wenigen abgespielten Minuten. Niemand sprach, niemand bewegte sich. Noch immer war das anhaltende, unregelmäßige Wimmern einer geknebelten Person zu hören. Im Hintergrund: Schreie, Schritte, gedämpfte Rufe – ein akustisches Protokoll der Angst. In weiteren Dateien wiederholten sich die bedrückenden Klangbilder. 

Beim Abspielen einer weiteren Audiodatei ertönt die Stimme eines Mannes, dessen Worte in Erinnerung bleiben: "You're going to your Mama." Block blickte stets vor sich auf den Tisch, während die Aufnahmen liefen. Kindsvater und Nebenkläger Stephan Hensel wirkte tief betroffen. Nach dem Ende der Wiedergabe nahm sich Block in der Pause die Hände vor das Gesicht, sichtbar überfordert. Dessen vollkommen ungeachtet das Verhalten einzelner Journalisten, die sich unmittelbar vor die Glasscheibe stellten und Block sensationslüstern beobachteten, als wäre sie Teil einer Schau. Bott fasste die Situation nach der Pause im Gerichtssaal knapp zusammen: "Das sind erschütternde Aufnahmen. Meine Mandantin ist absolut erschüttert."

Der mitangeklagte Israeli, der an der Entführung beteiligt war, erklärte danach: "Wir haben versucht, die Kinder zu beruhigen, indem wir gesagt haben, wir bringen sie zu ihrer Mama. Ich habe gedacht, wir kommen als Retter."  

Sachverständige befragt Block zum Verhalten der Kinder nach der Silvesternacht

Am Nachmittag wurde Christina Block von der Sachverständigen befragt, insbesondere zu ihren Eindrücken nach der Rückkehr der Kinder nach Hamburg. Block schilderte, dass ihr vieles fremd vorgekommen sei. Der Sohn habe eine tiefere Stimme gehabt, die Tochter habe wie programmiert gewirkt. Block hatte den Eindruck, die Tochter wolle Vorwürfe loswerden, und als sie diese geäußert hatte, habe sie wie befreit gewirkt. Ihr Sohn habe versucht, alles kennenzulernen, neugierig auf die Umgebung, auf die Gegenstände und Abläufe zu Hause. Vieles Erlebte sei erkennbar verdrängt gewesen, aber schnell wieder präsent geworden.

Block beschrieb, sie habe sich nach den Gewaltvorwürfen ihres Ex-Mannes ihr gegenüber und der anschließenden Entziehung der Kinder bei ihrem sozialen Umfeld vergewissert, ob ihr Verhalten unangemessen sei. Sie stelle sich vor, wie schwierig es für Eltern sei, allein mit derartigen Vorwürfen und einer Entziehung ihrer Kinder umzugehen. "Natürlich" hätten die Kinder nach ihrer Rückkehr zu ihr "Mama" gesagt. Und dennoch habe sie in ihrem Tagebuch festgehalten: "Die Kinder wirken so fremd auf mich" – ein Ergebnis "der knapp zweieinhalb Jahre andauernden Entfremdung" durch ihren Ex-Mann, so Block.

Weiter geht es am Mittwoch, den 19. November 2025.

Tag 1 – Prozessauftakt: Hat sie die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben? In Hamburg hat der Prozess gegen Steak-House-Erbin Christina und weitere Angeklagte begonnen. Die Verteidigung macht der Staatsanwaltschaft viele Vorwürfe.  

Tag 2 - Strafprozess gegen Christina Block vorerst unterbrochen: Eigentlich war eine Einlassung der Block-House-Erbin angekündigt, doch der Prozess gegen Christina Block wurde unterbrochen. Grund ist ein Streit um die Nebenklage ihrer 14-jährigen Tochter. Die Verhandlung wird am 25. Juli fortgesetzt.  

Tag 3 - "Du hast mich fertig gemacht": "Ich habe die Entführung meiner Kinder weder beauftragt noch gewollt": Über mehrere Stunden ließ sich Christina Block vor der Strafkammer des LG Hamburg ausführlich im Entführungsprozess gegen sie ein und schilderte ihre Sicht der Dinge.  

Tag 4 - "Sie haben meiner Tochter einen Alarmknopf um den Hals gehängt": Im "Block-Prozess" schildert Christina Block ihre verzweifelten Pläne, ihre Kinder zurückzuholen – von Bootsfahrten bis Maskenbildner. Im Fokus: Freundin "Olga", 120.000 Euro Bargeld und der Vorwurf eines Alarmknopfs um den Hals der Tochter.  

Tag 5 - "Ich habe die schlechteste Position, meine Kinder jemals wiederzusehen": Routine im Saal, aber offene Fragen im Verfahren: Christina Block antwortet ausweichend, schildert Erinnerungslücken und wirft ihrem Ex-Mann Manipulation vor. Die Rolle der Cyberfirma bleibt ungeklärt. 

Tag 6 - "Ich werde von nun an insgesamt schweigen": Am sechsten Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess verweigerte Christina Block alle Antworten auf Fragen der Nebenklage. Prozessuale Fragen, Framing- und Manipulationsanschuldigungen dominierten im aufgeladenen Gerichtssaal. 

Tag 7 - "Bestrafen Sie mich": Der Mitangeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Tal S. gibt an, die Block-Kinder nur gerettet haben zu wollen. Er übernahm für die Entführung volle Verantwortung und appellierte an den Vater, "Frieden zu stiften".

Tag 8 - "Sie wirkte wie im Traum": Der Angeklagte Tal S. schildert am achten Verhandlungstag, wie er den Kindern Klebeband über Mund und Hände legte – bei dem Mädchen "härter", als es nicht kooperierte. Später gerieten Blocks Verteidiger und die Vorsitzende noch aneinander.

Tag 9 - "Hätte niemals gedacht, als rechtstreuer Bürger jemals vor Gericht zu stehen": Im Block-Prozess bestreiten ihr Lebenspartner Gerhard Delling, Cousine Uta B. und Sicherheitsunternehmer P. jede Beteiligung an der Entführung der Block-Kinder. Vater Hensel spricht derweil von Gewalt und "Todesangst" in der Silvesternacht.

Tag 10 - "Zum Glück hatte ich meine Hände schützend vor dem Gesicht": Blocks Ex-Ehemann beschreibt im Hamburger Entführungsprozess Schläge, Tritte und die Schreie der gemeinsamen Kinder in der Silvesternacht. Zudem wirft er Christina Block häusliche Gewalt vor, dem die Hauptangeklagte widersprach.

Tag 11 - "Unsere Verteidigerpflicht ist, das Wort zu erheben, wenn es notwendig ist": Im Prozess gegen Christina Block entbrennt eine hitzige Auseinandersetzung um Verteidigerrechte. Nebenkläger Hensel berichtet über die psychische Belastung der Kinder mit Aussagen, die stellenweise für Irritationen im Saal sorgten.

Tag 12 - "Wir haben Kinder, die funktionieren": Am zwölften Verhandlungstag ging die Befragung Stephan Hensels weiter. Er musste sich Vorhalte machen lassen, die ins Persönlichste gingen. Eine Verteidigerin lockte den Nebenkläger mit ihren Fragen sichtbar aus der Reserve.

Tag 13 - "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie etwas Böses wollten": Am dreizehnten Verhandlungstag des Block-Prozesses sorgt die Befragung von Nebenkläger Stephan Hensel erneut für Streit im Saal: An die Presse geleakte Akten, § 55 StPO, und ein ungewöhnlich emotionales Statement eines israelischen Mitangeklagten.

Tag 14 - "Alles, was aus Deutschland kam, wurde verteufelt": Am vierzehnten Verhandlungstag im Block-Prozess dominiert die juristische Kontroverse zum Umgang mit Handydaten. Block präsentiert sich kämpferisch, attackiert Hensel und bittet eindringlich, ihre Tochter nicht öffentlich aussagen zu lassen.

Tag 15 - Augenzeugen schildern Entführung der Kinder: Am 15. Verhandlungstag berichten Augenzeugen von der Entführung in der Silvesternacht 2023/24, während ein emotionaler Brief der Großeltern und Erklärungen zu psychischer Belastung der Kinder sowie Blocks Einlassungen für Spannung sorgen.

Tag 16 - "In so einer rekordverdächtigen Zeit bin ich noch nie aufgeflogen": Ein Sicherheitsberater berichtet über die Observation der Block-Kinder in Dänemark, sein Auffliegen vor Ort, einen riskanten Plan und ein heikles Mittagessen mit Anwälten: Einblicke in den 16. Verhandlungstag des Block-Prozesses.

Tag 17 - "Das ist alles nicht meine Kanne Bier": In welchem Verhältnis standen deutsche und israelische Sicherheitsfirmen? Aufschluss darüber sollte die Befragung des nächsten Zeugen im Block-Prozess geben. Außerdem gab es erneut Streit darum, ob Datenträger ausgewertet werden durften.

Tag 18 - "Die ganze Sache ist nicht mein cup of tea": Wie ist der Kontakt zur Firma zustandegekommen, die die Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll? Am Mittwoch sagte ein geheimnisvoller Zeuge aus, der "in höchsten Sicherheitskreisen" verkehrt.

Tag 19 - "Eine nicht mehr hinnehmbare Verletzung der Unschuldsvermutung": Während der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes seine Aussage verweigert, flammt der Streit über die ausgelesenen Handydaten von Christina Block wieder auf: Mehrere Verteidiger stellen Befangenheitsanträge am 19. Prozesstag.

Tag 20 - "Wer hat mit der israelischen Sicherheitsfirma gesprochen?": 20. Tag im Block-Prozess: Gericht und Staatsanwaltschaft würgen eine Erklärung Christina Blocks ab. Außerdem berichten Zeugen von ungewöhnlichen Hotelübernachtungen im Elysee-Hotel. Wer hatte Kontakt zur israelischen Sicherheitsfirma?

Tag 21 - Warum die Vorsitzende der Steakhouse-Erbin mit Haftbefehl drohte: Im Block-Prozess dreht sich an Tag 21 alles um die mysteriöse israelische Sicherheitsfirma, massive Zweifel an IT-Warnungen und eine scharfe Ansage der Vorsitzenden: Christina Block geht in Haft, wenn sie weiter Kontakt zu Zeugen hat.

Zitiervorschlag

Tonaufnahmen der Block-Kinder aus der Entführungsnacht: . In: Legal Tribune Online, 12.11.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58609 (abgerufen am: 13.12.2025 )

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