Block-Prozess Tag 73: "Ich wünschte, ich könnte es unge­schehen machen"

von Jakob Hoffmann

27.08.2026

Block liest weinend aus ihrem Tagebuch vor, ringt um Erklärungen, vier Stunden lang. Ihre wohl letzte öffentliche Einlassung wird zum Drahtseilakt. Und die Richterin macht eine plötzliche Ankündigung.

Zunächst beginnt der Prozesstag für Christina Block nicht viel anders als die vorherigen. Sie begrüßt ihre Unterstützer im Gerichtssaal, umarmt Angehörige und dann macht sie ohne Umschweife weiter, wo sie am 72. Verhandlungstag aufgehört hatte. Aber es wird ein Drahtseilakt, der ihr einiges abverlangen wird. Und es geht um viel für sie. Das Ende des Prozesses naht. Der Auftritt heute ist eine ihrer letzten Gelegenheiten, Ihre Version darzustellen. Die Hauptangeklagte führt vier Stunden lang durch die nun nahezu abgeschlossene Beweisaufnahme, versucht einzuordnen, Kontexte zu schaffen und Alternativerklärungen anzubieten – ohne dabei früheren Aussagen zu widersprechen oder konkrete Schuldzuweisungen festzumachen. Ihr Ziel: eine  entlastende Beweiswürdigung vorzeichnen, ohne sich selbst angreifbar zu machen. Ein Drahtseilakt.

Im Strafprozess kommt es schließlich darauf an, dass das Gericht für eine Verurteilung ohne Restzweifel von der Schuld des Angeklagten überzeugt sein muss. Um diesen Restzweifel zu wecken, gibt es in der Strafverteidigung grundsätzlich zwei Hauptstrategien: Das Szenario der Anklage zu erschüttern, oder ein Alternativszenario anbieten. Ein plausibles Alternativszenario kann überzeugender sein – läuft aber auch die Gefahr, selbst widerlegt zu werden. Die Einlassung, die Blocks letzte öffentlichen Worte in dem Prozess werden könnten, versucht daher beides in einem: Immer wieder bietet Block Erklärungen, Motivationen und Handlungsabläufe an, die es gegeben haben könnte, weist die Verantwortung für die verschiedenen ihr gemachten Vorwürfe David Barkay, Olga, ihrem Vater und ihrem Familienanwalt zu – wissen tue sie aber nichts, und beschuldigen wolle sie auch niemanden. 

Die Kammer muss nun in einem Wirrwarr aus inzwischen mehreren, jeweils abgeänderten Einlassungen, gesponnenen roten Fäden, alternativen Abläufen und Nebelkerzen entscheiden, was sie noch zweifelsfrei glauben kann – und wie viel Glaubhaftigkeit die Hauptangeklagte noch hat.

Wer wollte die Verhandlungslösung?

Christina Block hangelt sich chronologisch durch die entscheidenden Monate von August 2021, als ihre Kinder vom Vater Stephan Hensel in Dänemark einbehalten wurden, bis zum Januar 2024, als sie in der Nacht-und-Nebel-Aktion an Silvester dort entführt und zur Mutter nach Deutschland gebracht wurden. Bevor sie dann schlussendlich wieder an den Vater gegeben wurden. Block erklärt auch heute immer und immer wieder, sie habe diese Aktion nicht beauftragt. Sie sagt, sie hätte es auch nie tun können, das widerspräche allem, was sie sei, allem, wofür sie stehe. 

Block beharrt darauf, sie habe bis zuletzt die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung nicht aufgegeben. Ende April 2023 habe sie eine Liste mit "must haves" und "nice to haves" erstellt, also Voraussetzungen, die unbedingt erfüllt sein mussten, damit sie einer Verhandlungslösung zustimmen könnte, und solche, die sie nur gern gesehen hätte. Daraus sei ein Vorschlag entworfen worden, den sie über ihren Vertrauensanwalt Dr. Andreas Costard an Hensel herantragen wollte. Ganz wichtig ist ihr: Alles hätte "kindeswohlsensibel" ablaufen müssen, sonst hätte das den "Graben" zwischen ihr und den entfremdeten Kindern "noch weiter vertieft". 

Auch hier setzt sich ihr roter Faden vom Vortag fort: Hätte sie wirklich jeder Verhandlungslösung zugestimmt, um ihre Kinder wiederzusehen, dann müsste es an jemand anderem liegen, dass dies scheiterte. Der auf der Anklagebank rechts neben ihr sitzende Costard, ein enger Vertrauter und langjähriger Berater ihres Vaters Eugen Block, habe einer Verhandlungslösung kritisch gegenübergestanden. Warum, wisse sie nicht. Vielleicht, weil ihr Vater Hensel kein Geld zahlen wollte, da ihn das "für die Zurückbehaltung belohnen würde".  Darauf sei sie aber angewiesen gewesen: "Ich hatte nicht selbst die Mittel". Sie habe Angst gehabt, "dass eine Zahlungsweigerung bei meinen Kindern ankommt als 'die Blocks haben doch so viel Geld, nur für euch wollen sie es nicht ausgeben'."

Costards Verteidiger Dr. Marko Voß hat am Mittwoch zufällig direkt einen Beweisantrag dabei, um den Behauptungen zu widersprechen, sein Mandant habe eine Verhandlungslösung abgelehnt. "Ich meine, sowas heute auch wieder gehört zu haben, vom Tisch neben mir", sagt er mit einem ungewöhnlich scharfen Kommentar an Block und ihren Verteidiger. Er erinnert daran, dass selbst Chef-Entführer David Barkay ausgesagt hatte, Costard sei wie besprochen tätig geworden. Es sei Block gewesen, die eine Verhandlungslösung abgelehnt habe. Das will er mit einem Foto Costards von Hensels Haustürkamera vor dem Haus in Dänemark aus dem Juni 2023 und einer iMessage-Nachricht, in der er um ein Gespräch bittet, sowie einer bei Hensel sichergestellten Visitenkarte Costards beweisen, auf der handschriftlich vermerkt sei "Guten Tag Herr Hensel, ich würde gerne mit Ihnen reden. Ich habe ein Angebot dabei […]".

Die Spannungen zwischen den Lagern Block und Costard wachsen mit der Einlassung sichtlich. Der Seitenhieb zum Tisch neben ihm ist ungewöhnlich für Voß. Er teilt zwar regelmäßig scharf aus gegen die Nebenklage rechts neben ihm, die Staatsanwaltschaft einen Tisch weiter, die Kammer vor ihm, die Zeugen und Zeugenbeistände ihm schräg gegenüber. Nur seinen Kollegen Dr. Ingo Bott und dessen Mandantin am Tisch links neben ihm verschont er gewöhnlich. Und das blieb auch noch so, als diese zunehmend immer wieder seinen Mandanten als möglichen Alternativverantwortlichen ins Spiel brachten. Costard selbst schweigt von Beginn an. Im Strafprozess darf das Schweigen eines Angeklagten nicht belastend gewertet werden. Äußert er sich aber zu einzelnen Teilen, kann sein Schweigen zu anderen Teilen belastend sein. Christina Block hat es mit der umfassenden Einlassung versucht. Andreas Costard schweigt vollständig. Er spielt den Ball also nicht zurück. Auch sein Verteidiger tut das für gewöhnlich nicht; seine Retour auf die Einlassung könnte nun aber durchaus so zu verstehen sein. Er kündigte eine Erklärung an, die könnte Eskalationspotential haben.

Eugen Block übernahm das Zepter

Neben Costard schwebt auch Christina Blocks Vater Eugen Block als Schatten über ihren Schilderungen. Ausdrücklich hält sie fest, sie wolle weder ihn noch Costard beschuldigen – schafft mit ihrer Rahmung der Ereignisse aber genau diese Tür, durch die die Kammer in ihrer Würdigung nur noch hindurchgehen müsste. Es sind nur vage Andeutungen, Indizien – aber in einem Prozess, der vielfach auf Grundlage von Indizien geführt wird, kann damit schnell aus einem selbstschützenden Alternativen-Angebot eine Belastung werden. 

Block berichtet, wie ihr Vater "ausgerastet" sei, als sie ihm von Hensels Forderung nach einem Haus in Dänemark für den Umgang mit den Kindern berichtete. Nach einem gescheiterten Kontaktversuch im November 2022 habe ihr Vater völlig das Vertrauen in sie verloren und nur noch mit Costard gesprochen. "Ich selbst bin nur seine Tochter und eben nur eine Frau. Ich bin emotional. Ich dringe da nicht durch ", erklärt sie bitter. 

Weinend berichtet sie vom Sterben ihrer Mutter, von ihren verzweifelten Versuchen, ihren Kindern einen Abschied von der geliebten Großmutter zu ermöglichen. Ihre Mutter aber starb, ohne ihre Enkel noch einmal zu sehen. Sie bricht mit erstickter Stimme ab: "Es tut mir weh, es tut mir leid", flüstert sie dünn. 

Nach dem Tod ihrer Mutter sei ihr Vater "völlig von der Rolle" gewesen. Als der Familienpatriarch dann ankündigte, er werde nun "das Zepter übernehmen", habe sie Sorge gehabt, "dass seine Trauer und seine Wut in Aktionismus umschlagen könnten". Wieder belässt sie es dabei. Die Andeutung steht im Raum: Beauftragte ihr Vater die Entführung mit Costard hinter ihrem Rücken?

Block ist nicht gleich Block

Anders als die israelischen Zeugen und mutmaßlichen Entführer benennt Block aber nicht den Tod ihrer Mutter als Kipppunkt, sondern das Scheitern eines Pitches von Barkays Cyber-Security-Firma bei der Block Holding Ende November 2023.

Barkay hatte selbst in seiner Zeugenaussage berichtet, in Deutschland ein Cyber-Security-Startup geplant zu haben und hierzu etwa im Austausch mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gewesen zu sein. Auf LTO-Anfrage erklärte dieses, Barkay habe sie tatsächlich kontaktiert, um Unterstützung bei einer Startup-Gründung zu erhalten – ein einziges kurzes Treffen habe aber ergebnislos geendet, da Barkays Vorstellungen "zu schwammig" gewesen seien. 

Christina Block berichtet im Gerichtssaal, Barkay habe von Anfang an kommuniziert, seine Tätigkeit für Block als Referenz nutzen zu wollen, um sich in der Hotelbranche zu etablieren. Wichtig war ihm dafür vor allem, Dienstleister beim Herzstück des Block-Imperiums zu werden: Der Eugen Block Holding GmbH. 

Sie habe aber den Eindruck gehabt, dass Barkay und Olga die Unternehmensstruktur nicht verstanden hätten. Sie bezweifelt, dass Barkay bewusst gewesen sei, dass ein Vertrag mit dem Hotel nicht hieß, dass er Dienstleister der Block Holding war. Die verschiedenen Unternehmungen der Blocks sind schließlich in diversen Tochterunternehmen ausgelagert – wie die Elysée Hotel AG. Für das Hotel habe Costard daher den Auftrag erteilen können, für die Block Holding hätte das nur deren damaliger Geschäftsführer Stephan von Bülow gekonnt.

Christina Block meint, Barkay "schien missverstanden zu haben, dass [sie] etwas zu sagen hatte". Die Mehrheit der Anteile an der Block Holding liegen bei ihrem Vater, die Stimmrechte der Block-Geschwister sind verschwindend gering. Organschaftlich hätte sie Barkay daher gar nicht helfen können, meint Block. Nur der Geschäftsführer der Block Holding hätte Barkay den erhofften Auftrag erteilen können – diesen habe er also überzeugen müssen, so Block. Der Pitch sei aber "chaotisch" gelaufen, sie habe eine große Skepsis gegenüber Barkay beobachtet, dessen Auftreten als angeberisch angekommen sei und irritiert habe. "Es half sicherlich auch nicht, dass er, um seine enge Beziehung zu Dr. Costard zu betonen, auf einer Folie ein Foto von ihm zeigte", kommentiert Block.

Als Ende des Jahres die Tür bei der Block Holding mit der endgültigen Ablehnung durch Geschäftsführer Bülow dann vollständig zugegangen sein soll, habe Barkay dann vielleicht überlegt, "dass wenn er die Sorgen um die Kinder löste, er sich vielleicht doch noch für die Holding empfehlen könnte". Oder vielleicht habe er gehofft, in dem Fall aus Dankbarkeit von ihrem Vater Aufträge zu erhalten. Damit kommt sie wieder auf die schon von Beginn an von ihrer Verteidigung präsentierte These zurück: Vielleicht sei Barkay auch ohne ausdrücklichen Auftrag tätig geworden, weil er sich davon einen Vorteil für seine Geschäftsambitionen erhoffte.

Block: "golden data" gab es nicht

Schritt für Schritt geht Christina Block die gegen sie erhobenen Beweismittel durch und versucht, sie zu entkräften. Ganz so als sei sie Anwältin in eigener Sache. Man meint, viele ihrer eigenen Worte zu hören, deutlich erkennt man aber auch den strategischen Leitfaden ihres Verteidigers. Sie widerspricht den Zeugenaussagen der Israelis, die sie so schwer belastet hatten. Sie habe ihnen etwa ganz bestimmt kein Kleidungsstück von sich mit ihrem Geruch mitgegeben, weil sie sich "keine Illusionen" mehr gemacht habe, dass Hensel die Kinder "auf seine Seite" gezogen habe. So etwas hätte alles noch schlimmer gemacht. 

Warum ihre Kinder anderes behauptet hätten, wisse sie nicht. Sie bemüht sich jedoch, daraus keinen Vorwurf an ihre Kinder zu formulieren: "Sie waren sicher so verwirrt wie ich. Auch ich habe in dieser Situation schon Dinge falsch abgespeichert." Wohlgewählte Worte, die erneut unterstreichen sollen, sie habe zu früheren Zeitpunkten nicht bewusst falsche Angaben gemacht, sondern sich nur nicht richtig erinnert. 

Sie widerspricht zudem der Darstellung, sie habe bewusst die von Barkay und Co. so bezeichnete "golden data" geliefert, dass die Kinder in der besagten Silvesternacht zum Feuerwerk draußen und damit greifbar sein würden. Das ist für die Hauptangeklagte ein sehr wichtiger Punkt, denn darin könnte ihr erforderlicher Tatbeitrag liegen, sollte das Gericht etwa eine Mittäterschaft annehmen. Block schildert nun, wie es dazu gekommen sei; dazu hatten Barkay und seine rechte Hand "Olga" nichts ausgesagt. 

Olga, die zu ihrer engen Vertrauten und "Sorgentante" geworden war, habe sie gefragt, wie die Kinder Silvester feiern würden. So etwas habe sie oft vor Festtagen wie Geburtstagen oder Weihnachten gefragt. Sie habe bei der älteren Schwester der beiden später entführten Kinder, die noch bei Block lebt, nachgefragt, die ihr daraufhin berichtet habe, dass sie Silvester 2020/21 an den Hafen gegangen seien für das Feuerwerk. Block meint, das sei ja eine alte Information gewesen, keine Kenntnis, dass sie das auch drei Jahre später wieder tun würden. Das könne also gar keine "golden data" sein.

Christina Block berichtet, wie sie den Silvester- und Neujahrstag verlebt habe, beteuert immer wieder, so hätte sie sich doch niemals verhalten, hätte sie gewusst, dass Barkay und Olga zu diesem Zeitpunkt in Dänemark gerade ihre Kinder entführten. Sie hätte nicht einfach an einem Silvesterball mit hunderten Menschen teilnehmen, bis drei Uhr morgens an der Bar feiern und dann morgens erst von Olgas Anruf am Morgen aus dem Bett geholt werden können. Auch, wie langsam sie nach Olgas kryptischem Anruf – Block solle in ein Hotelzimmer gehen und sie vom dort deponierten Handy wieder anrufen – reagiert habe, zeige, dass sie keine Ahnung hatte, was vor sich ging.

Bei ihren Tagebucheinträgen weint die Hauptangeklagte

Wirkt Christina Block großteils sehr gefasst während ihrer Ausführungen, wird sie dann emotional, als sie Stellen aus ihrem Tagebuch und einem Kalender vorliest, deren Verwertung ihre Verteidigung aufgrund des intimen Inhalts widersprochen hatte. Der Trick dahinter: Was sie in der Einlassung sagt, ist streng genommen eine Schilderung ihrer eigenen Erinnerung und nicht ein Einbringen des Tagebuchs selbst. Auch, wenn sie sich darauf für die umfassenden Zitate wohl maßgeblich stützen dürfte. Dadurch sollen ihre Erinnerungen das Beweismittel werden, nicht das Tagebuch selbst – womit dieses nicht eingeführt wird, die für ihre Verteidigung relevanten Stellen aber auch erhalten blieben, sollte die Kammer ein Beweisverwertungsverbot für das Tagebuch annehmen. Aufgrund des Prinzips der Selbstöffnung, an das Nebenklagevertreter Dr. Philip von der Meden gerne erinnert, könnte diese Strategie aber auch die Chancen mindern, dass die Kammer ein solches Verwertungsverbot annimmt.

"Bitte lieber Gott, mach, dass es im neuen Jahr besser wird", habe sie etwa kurz vor Silvester in ihr Tagebuch geschrieben, erzählt Christina Block. Beim Verlesen der Passage weint sie. Zunächst schien ihr Wunsch in Erfüllung zu gehen: Die Tage mit ihren Kindern Anfang Januar seien "wie ein Traum" gewesen. Am 2. Januar vermerkte sie: "Erste Annäherung. Oh Gott wie schön." Ihre Stimme versagt. "Theo in meinen Armen, ich kanns nicht glauben", flüstert sie durch Tränen. 

Sie liest die Einträge der folgenden Tage vor, von Annäherung der Kinder, einer Schneeballschlacht bis zu dem Schmerz, sie wieder zu verlieren. Sie kämpft sich durch Tränen, ihre Stimme bebt. "Es war so schön, euch wiederzusehen, ihr habt und hattet keine Angst". Das habe sie und auch ihren Kinderpsychiater so überrascht: Wie harmonisch die Beziehung innerhalb kürzester Zeit war. Damit hätte keiner gerechnet. Was in diesen Aufzeichnungen dagegen fehle, so Block, sei jeder Hinweis darauf, dass sie von der Silvesteraktion gewusst hätte. "Ich wusste von nichts", wiederholt sie abermals.

"Das, was geschehen ist, ist eine Katastrophe", beendet sie ihre letzten öffentlichen Worte. "Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen."

Die Einlassung scheint ihr einiges abverlangt zu haben, sie wirkt merklich erschöpft und bittet um fünf Minuten Pause, bevor es weitergeht. "Schon wieder?", fragt Richterin Isabel Hildebrandt nur schroff. Sie ist offensichtlich nicht begeistert. Die Mittagspause hatte zwar erst eine halbe Stunde zuvor geendet, in ihrer über vierstündigen, bisweilen hochemotionalen Einlassung hatte Block am Mittwoch ansonsten abseits der obligatorischen Mittagspause aber nur um eine einzige Pause gebeten – auch diese Bitte war eher unterkühlt beantwortet worden. Die erbetene Pause nach Schluss ihrer Einlassung bekommt sie dann auch nicht. 

Fragen werde Block nicht beantworten, erklärt ihr Verteidiger, sie habe schon alles gesagt. Damit bleibt es bei diesen Schlussworten.

Am Freitag geht es weiter. Das Programm steht noch nicht fest – die Vorsitzende kündigte aber bereits an, die Kammer habe dann etwas zu verkünden. Mit Blick auf die vielen noch nicht beschiedenen Beweisanträge und das sich nun doch immer schneller dem Ende nähernde Verfahren sind die Erwartungen groß.

Tag 1 – Prozessauftakt: Hat sie die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben? In Hamburg hat der Prozess gegen Steak-House-Erbin Christina und weitere Angeklagte begonnen. Die Verteidigung macht der Staatsanwaltschaft viele Vorwürfe.

Tag 2 - Strafprozess gegen Christina Block vorerst unterbrochen: Eigentlich war eine Einlassung der Block-House-Erbin angekündigt, doch der Prozess gegen Christina Block wurde unterbrochen. Grund ist ein Streit um die Nebenklage ihrer 14-jährigen Tochter. Die Verhandlung wird am 25. Juli fortgesetzt.

Tag 3 - "Du hast mich fertig gemacht": "Ich habe die Entführung meiner Kinder weder beauftragt noch gewollt": Über mehrere Stunden ließ sich Christina Block vor der Strafkammer des LG Hamburg ausführlich im Entführungsprozess gegen sie ein und schilderte ihre Sicht der Dinge.

Tag 4 - "Sie haben meiner Tochter einen Alarmknopf um den Hals gehängt": Im "Block-Prozess" schildert Christina Block ihre verzweifelten Pläne, ihre Kinder zurückzuholen – von Bootsfahrten bis Maskenbildner. Im Fokus: Freundin "Olga", 120.000 Euro Bargeld und der Vorwurf eines Alarmknopfs um den Hals der Tochter.

Tag 5 - "Ich habe die schlechteste Position, meine Kinder jemals wiederzusehen": Routine im Saal, aber offene Fragen im Verfahren: Christina Block antwortet ausweichend, schildert Erinnerungslücken und wirft ihrem Ex-Mann Manipulation vor. Die Rolle der Cyberfirma bleibt ungeklärt. 

Tag 6 - "Ich werde von nun an insgesamt schweigen": Am sechsten Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess verweigerte Christina Block alle Antworten auf Fragen der Nebenklage. Prozessuale Fragen, Framing- und Manipulationsanschuldigungen dominierten im aufgeladenen Gerichtssaal. 

Tag 7 - "Bestrafen Sie mich": Der Mitangeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Tal S. gibt an, die Block-Kinder nur gerettet haben zu wollen. Er übernahm für die Entführung volle Verantwortung und appellierte an den Vater, "Frieden zu stiften".

Tag 8 - "Sie wirkte wie im Traum": Der Angeklagte Tal S. schildert am achten Verhandlungstag, wie er den Kindern Klebeband über Mund und Hände legte – bei dem Mädchen "härter", als es nicht kooperierte. Später gerieten Blocks Verteidiger und die Vorsitzende noch aneinander.

Tag 9 - "Hätte niemals gedacht, als rechtstreuer Bürger jemals vor Gericht zu stehen": Im Block-Prozess bestreiten ihr Lebenspartner Gerhard Delling, Cousine Uta B. und Sicherheitsunternehmer P. jede Beteiligung an der Entführung der Block-Kinder. Vater Hensel spricht derweil von Gewalt und "Todesangst" in der Silvesternacht.

Tag 10 - "Zum Glück hatte ich meine Hände schützend vor dem Gesicht": Blocks Ex-Ehemann beschreibt im Hamburger Entführungsprozess Schläge, Tritte und die Schreie der gemeinsamen Kinder in der Silvesternacht. Zudem wirft er Christina Block häusliche Gewalt vor, dem die Hauptangeklagte widersprach.

Tag 11 - "Unsere Verteidigerpflicht ist, das Wort zu erheben, wenn es notwendig ist": Im Prozess gegen Christina Block entbrennt eine hitzige Auseinandersetzung um Verteidigerrechte. Nebenkläger Hensel berichtet über die psychische Belastung der Kinder mit Aussagen, die stellenweise für Irritationen im Saal sorgten.

Tag 12 - "Wir haben Kinder, die funktionieren": Am zwölften Verhandlungstag ging die Befragung Stephan Hensels weiter. Er musste sich Vorhalte machen lassen, die ins Persönlichste gingen. Eine Verteidigerin lockte den Nebenkläger mit ihren Fragen sichtbar aus der Reserve.

Tag 13 - "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie etwas Böses wollten": Am dreizehnten Verhandlungstag des Block-Prozesses sorgt die Befragung von Nebenkläger Stephan Hensel erneut für Streit im Saal: An die Presse geleakte Akten, § 55 StPO, und ein ungewöhnlich emotionales Statement eines israelischen Mitangeklagten.

Tag 14 - "Alles, was aus Deutschland kam, wurde verteufelt": Am vierzehnten Verhandlungstag im Block-Prozess dominiert die juristische Kontroverse zum Umgang mit Handydaten. Block präsentiert sich kämpferisch, attackiert Hensel und bittet eindringlich, ihre Tochter nicht öffentlich aussagen zu lassen.

Tag 15 - Augenzeugen schildern Entführung der Kinder: Am 15. Verhandlungstag berichten Augenzeugen von der Entführung in der Silvesternacht 2023/24, während ein emotionaler Brief der Großeltern und Erklärungen zu psychischer Belastung der Kinder sowie Blocks Einlassungen für Spannung sorgen.

Tag 16 - "In so einer rekordverdächtigen Zeit bin ich noch nie aufgeflogen": Ein Sicherheitsberater berichtet über die Observation der Block-Kinder in Dänemark, sein Auffliegen vor Ort, einen riskanten Plan und ein heikles Mittagessen mit Anwälten: Einblicke in den 16. Verhandlungstag des Block-Prozesses.

Tag 17 - "Das ist alles nicht meine Kanne Bier": In welchem Verhältnis standen deutsche und israelische Sicherheitsfirmen? Aufschluss darüber sollte die Befragung des nächsten Zeugen im Block-Prozess geben. Außerdem gab es erneut Streit darum, ob Datenträger ausgewertet werden durften.

Tag 18 - "Die ganze Sache ist nicht mein cup of tea": Wie ist der Kontakt zur Firma zustandegekommen, die die Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll? Am Mittwoch sagte ein geheimnisvoller Zeuge aus, der "in höchsten Sicherheitskreisen" verkehrt.

Tag 19 - "Eine nicht mehr hinnehmbare Verletzung der Unschuldsvermutung": Während der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes seine Aussage verweigert, flammt der Streit über die ausgelesenen Handydaten von Christina Block wieder auf: Mehrere Verteidiger stellen Befangenheitsanträge am 19. Prozesstag.

Tag 20 - "Wer hat mit der israelischen Sicherheitsfirma gesprochen?": 20. Tag im Block-Prozess: Gericht und Staatsanwaltschaft würgen eine Erklärung Christina Blocks ab. Außerdem berichten Zeugen von ungewöhnlichen Hotelübernachtungen im Elysee-Hotel. Wer hatte Kontakt zur israelischen Sicherheitsfirma?

Tag 21 - Warum die Vorsitzende der Steakhouse-Erbin mit Haftbefehl drohte: Im Block-Prozess dreht sich an Tag 21 alles um die mysteriöse israelische Sicherheitsfirma, massive Zweifel an IT-Warnungen und eine scharfe Ansage der Vorsitzenden: Christina Block geht in Haft, wenn sie weiter Kontakt zu Zeugen hat.

Tag 22 - Audioaufnahmen aus der Silvesternacht 2023/24 erschüttern den Saal: Im Mittelpunkt von Tag 22 stand die Inaugenscheinnahme mehrerer Audioaufzeichnungen nach § 86 StPO. Die Dateien dokumentieren in Tonaufnahmen dramatische Minuten einer Entführung.

Tag 23 - "Hier lügt jemand": Christina Block soll den Auftrag erteilt haben, zwei ihrer Kinder aus der Obhut des Ex-Manns zu entführen. Dessen neue Ehefrau wendet sich als Zeugin direkt an die Angeklagte – und spricht am 23. Verhandlungstag von "Todesangst" der Tochter.

Tag 24 - "BKH - Bring Kids Home": Zuschauergedrängel, doppelte Sicherheitskontrollen, gespannte Blicke. Im Mittelpunkt: Die Vernehmung von David Barkay, Geschäftsführer der Firma, die die Block-Kinder entführt haben soll. Am Ende des Tages gibt es eine böse Überraschung.

Tag 25 - "Operation Golden Ice #5" und der Moment der Entscheidung: Am 25. Prozesstag schildert der Organisator der Entführung minutiös den Ablauf und wie die Aktion fast abgebrochen worden wäre. Sein Narrativ der Gewaltfreiheit gerät ins Wanken, als die Vorsitzende seine Aussage Punkt für Punkt prüft.

Tag 26 - "Ich bin erleichtert, dass Sie jetzt tun, was getan werden muss": Klare Fragen, knappe Antworten: Am 26. Prozesstag gerät Cyber Cupula-Chef Barkay unter Druck. Es geht um kostenlose Unterbringung, Gratisbüro, Chats und Kameras in Dänemark - und die Grenze zwischen Informationsbeschaffung und Entführung.

Tag 28 - "Dass Hensel die Kinder isoliert hat, war eine Machtdemonstration": Am 28. Verhandlungstag haben im Block-Prozess Ex-Mitarbeiterinnen des Hamburger Jugendamts ausgesagt. Sie werfen Blocks Ex-Mann vor, höchst unkooperativ gewesen zu sein. Diese Vorgeschichte sei eine "Zäsur", sind sich die Verteidiger einig.

Tag 29 - "Ex-Hotelmitarbeiter sagen im Block-Prozess aus Offene Rechnungen, geschlossene Augen”: Am 19. Verhandlungstag führte der Block-Prozess tief hinein in die Welt eines Luxushotels jenseits regulärer Abläufe. Außerdem wollten zwei Anwälte wissen, gegen welchen Vorwurf sie verteidigen sollen.

Tag 30 – "Es war mein Traum, in einem Wohnmobil durch Europa zu reisen": Überraschendes Wiedersehen, der israelische Ex-Agent David Barkay sagt erneut detailliert vor Gericht aus. Wo er Erinnerungslücken hat, lässt das Gericht seine Notizbuchseiten an die Wand projizieren. Ein Eintrag stammt von Christina Block.

Tag 31 - "Jede Mutter hier im Raum würde so handeln": Ein Zeuge im Blitzlicht, der immer wieder ausweicht: Das Gericht ringt Barkay Details zur Entführung der Block-Kinder ab. Je mehr er einräumt, desto brüchiger wird seine Erzählung von einer "Rettung" im Interesse der Kinder.

Tag 32 - "Ich bestreite, dass der Zeuge irgendeinen Sachverstand hat": Ein von Christina Block konsultierter Kinderpsychologe schildert seine Eindrücke von den entführten Kindern. Am Ende stehen jedoch nicht seine Beobachtungen im Fokus, sondern ein Frontalangriff der Verteidigung auf seine fachliche Kompetenz.

Tag 33 - “Eine objektive Wahrheitsfindung ist nicht mehr möglich”: Weil ein Zeuge nicht erschien, beschäftigte sich das LG Hamburg mit Anträgen der Verteidigung. Der skurrilste: Blocks Verteidiger will das Verfahren wegen der Medienberichterstattung einstellen lassen. Es gebe zu viele "Realitätsangebote".

Tag 34 - "Ich will nicht, dass diese Frau im Knast sitzt, weil ich etwas gesagt habe": Treffen mit Christina Block, die er zuvor nicht erwähnt hat: Der mitangeklagte Israeli Tal S. macht eine interessante Einlassung. Zusätzlich geht es am Freitag um die Rolle von Blocks Vater: Welche Rolle spielte "der Patriarch"?

Tag 35 – "Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe": Ein militärisch präziser Plan, der gründlich schiefgeht: im Block-Prozess schildert Kronzeuge David Barkay, wie die "Rettung der Kinder" zum Fiasko geriet.

Tag 36 - “Wir wollten in der Lage sein, alles zu hören, was rein- und rausging”: David Barkay gibt Einblicke in die Überwachung der Familie Hensel, seine eigene Rolle entfacht eine Diskussion.

Tag 37 – "Hier nur für Sie der Bericht, Smiley":Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes sagt zu einem Hausbesuch bei Christina Block und den Kindern aus – gab es eine Sonderbehandlung? Eine Befragung mit Folgen für das mögliche Strafmaß. Und am Ende spielt sogar der Krieg im Nahen Osten eine Rolle.

Tag 38 - "Hätte die Polizei ihren Job gemacht, wären wir heute nicht hier": Zwei Kripo-Beamtinnen standen im Fokus des Prozesstages. Blocks Verteidiger Ingo Bott nutzt ihre Aussagen für schwere Vorwürfe gegen die Polizei – und sieht darin zugleich ein Argument gegen den Vorsatz seiner Mandantin.

Tag 39 - "Der Mossad wäre stolz auf das TiktTok-Verhalten seiner Agenten": Die Waffen der privaten Block-Security-Leute, ausgerechnet ein Polizist, der sich an kaum etwas erinnert, und vermeintliche Mossad-Agenten im Bademantel, die sich Herzen auf TikTok schicken. Das war Tag 39. Und es war hitzig und verwirrend.

Tag 40 - "Ich warte kurz, bis das Theater hier vorbei ist": Am Donnerstag sagt ein Kriminalpolizist als Zeuge im Block-Prozess ruhig und prägnant aus. Ein deutlicher Kontrast dazu, wie sich nicht nur Verteidigung und Gericht gegenseitig angehen, sondern auch die Verteidiger untereinander.

Tag 41 - "Das Haus wie ein Museum für eine Familie, die auseinandergerissen wurde": Am 41. Prozesstag hagelt es von den Anwälten Vorwürfe. Gegen die Arbeit der Ermittler, gegen die Anwälte auf der Gegenseite - und gegen das Publikum. Schließlich muss die Vorsitzende eingreifen. Auch als Fotos aus dem Block-Haus gezeigt werden.

Tag 42 - "Das perfekte Verbrechen gibt's nur im Kino": Warum kontaktierte die Polizei nach dem Notruf in der Silvesternacht nicht die Mutter der entführten Kinder? Wer bei der Polizei wichtige Entscheidungen traf, diese Suche gleicht einer Schnitzeljagd. Tag 42 und die Block-Woche enden abrupt.

Tag 43 - "Spannend, was für eine Zeugin die Nebenklage da aus dem Hut zaubert": Eine Nachbarin belastet Christina Block zunächst schwer, ihre Zeugenaussage gerät bei der Befragung aber gehörig ins Wanken. Das Bild von einer Polizei, die nicht genau erklären kann, was sie in der Silvesternacht tat, verfestigt sich.

Tag 44 – "Zuerst haben die Kinder noch Mama gesagt, dann nur noch Christina": Die Vernehmung einer Polizeibeamtin sorgt für Streit. Dann schildert die plötzlich eine für den Prozess wohl bedeutende Aussage von Christina Block. All das sorgt für einen emotionalen 44. Tag. Bis einen Angeklagten offenbar die Kräfte verlassen.

Tag 45 - "Wovor haben Sie denn Angst, Frau Staatsanwältin?": Der Streit über zulässige Fragen kocht über, eine Staatsanwältin ist streitlustig und Gerhard Delling bekommt statt eines Geburtstagsgeschenks harte Worte: Der Bericht zum 45. Verhandlungstag im Blockprozess.

Tag 46 - "Wenn ich was sage, werden mir schlechte Sachen passieren": Warum sollte ein israelischer Bauingenieur zum Fluchtwagenfahrer der Entführung werden? Und wurde er später bedroht? Eine Aussage zur Block-Großmutter gibt Rätsel auf und die Anwälte wollen am 46. Prozesstag die Fotografen aussperren.

Tag 47 - Der Fluchtwagenfahrer gerät ins Schleudern: Am 47. Tag im Block-Prozess zeigen die Strafverteidiger unterschiedliche Künste bei der Zeugenbefragung. In den Aussagen des Fluchtwagenfahrers tauchen Widersprüche auf. Das Gericht lehnt mit fragwürdiger Begründung eine Beschlagnahme ab.

Tag 48 – Welchem Zeugen kann man noch glauben?: Block bekommt zum Geburtstag einen kurzen Verhandlungstag, den sogar die Blumen überleben, die eine Zuschauerin ihr mitbringt. Derweil streiten Verteidigung und Nebenklage darüber, wie streng Abweichungen in Zeugenaussagen zu bewerten sind.

Tag 49 – "Kommste mit zur Auslandsobservierung, kannste viel lernen": Mit dem Dolch nach Dänemark - im Blockprozess beschreibt ein Privatdetektiv eine Observation in Dänemark, die vor allem eines war: kurz, chaotisch und "eine Riesenkacke". Die Staatsanwaltschaft hält sie für alles andere als harmlos.

Tag 50 – Olga packt aus und belastet nicht nur Christina Block: Die lang erwartete Aussage von "Olga" drängt den Fokus auf die Frage, wer die treibende Kraft hinter der Entführung der Kinder von Christina Block war. Die Vorsitzende liefert am Ende zwei Paukenschläge für den weiteren Prozessfortgang.

Tag 51  Christina Block, Codename "Marienkäfer": Keren T., die "rechte Hand" des mutmaßlichen Chef-Entführers und Schlüsselfigur, sagt aus. Sie belastet Block, ihren Vater, den Familienanwalt und sogar den Leiter des Hamburger Hafens, stellt damit aber auch ihre Glaubwürdigkeit infrage.

Tag 52 – War "Happy New Year" ein Code für "Wir haben die Kinder"?: Im Block-Prozess dürfen die Verteidiger die wichtige Zeugin "Olga" befragen. Es geht um bewaffnete Israelis, die ihre Angelegenheiten selbst regeln, um codierte Nachrichten, Unrechtsbewusstsein und Hamburger Lichtverhältnisse im Winter.

Tag 53 – Rückholung ist nicht gleich Entführung: Rechtsweg, Rückholung, Entführung: Im Block-Prozess wird zunehmend entscheidend, wer welche Stufe der geplanten Rückkehr der Kinder kannte und billigte. Der Verteidiger von Blocks Familienanwalt attackiert an Tag 53 die Schlüsselzeugin. 

Tag 54 – "Brau­chen Sie eine Pause, um ein Ableh­nungs­ge­such zu for­mu­lieren?": Die Befragung von Christina Blocks Psychologen R. zieht sich so in die Länge, dass es ordentlich zwischen Block-Verteidiger Bott und der Vorsitzenden Richterin Hildebrandt kracht. Die Erklärungen zu "Olgas" Befragung werden daher verschoben.

Tag 55 – "Die Gerichtssprache ist Deutsch, das denke ich mir nicht aus": Am 55. Tag beginnen die mit Spannung erwarteten Erklärungen der Verteidiger zur Befragung Keren T.s, die unter dem Decknamen "Olga" eine Schlüsselrolle gespielt haben soll. Für Nebenklagevertreter von der Meden wird es kein angenehmer Tag.

Tag 56 – Voß' großer Rundumschlag: Der Streit um zulässige Fragen und den Umgangston im Saal kocht über: Es wird sich gegenseitig korrigiert und verspottet, dann ruft Stephan Hensel ins Mikrofon. Costard-Verteidiger Voß legt sich besonders mit dem Gericht und zwei Anwälten an.

Tag 57 – "Ich habe niemals Leute manipuliert, ich habe andere Dinge getan": Ingo Bott hält eine Lesestunde. Der vermeintliche Kronzeuge Barkay erklärt bei seinem letzten Auftritt im Zeugenstand, dass er früher für den israelischen Geheimdienst gearbeitet hat. Was bleibt von der Befragung der israelischen Zeugen?

Tag 58 – Warum glaubte man anderen – den Angeklagten aber nicht?: Als eine Ermittlerin erklärt, dass das Verfahren gegen andere eingestellt wurde, weil man sich auf deren Wort verlassen habe, kochen im Block-Prozess die Emotionen über. Misst die Staatsanwaltschaft mit zweierlei Maß? 

Tag 59 – die Kammer denkt an den August, die Verteidigung an den BGH: Was darf eine zentrale Ermittlerin zum Block-Komplex aussagen? Am 59. Verhandlungstag zeichnet sich ab: Die Verteidiger bereiten sich schon auf die Revision vor. Und der Abschluss des Prozesses im August lässt sich wohl nicht mehr halten.

Tag 60 – Die Antwort auf alle Fragen lautet "David Barkay": Der zweite mutmaßliche Fluchtwagenfahrer berichtet per Videoschalte von der Entführung in der Silvesternacht: Beim Chef der Israelis, David Barkay, seien alle Fäden zusammengelaufen. Christina Block könnte noch etwas anderes gelegen kommen.

Tag 61 – "Sie war wie Prinzessin Diana": Kafka, Diana und David Barkay: Die Block-Verteidigung versucht, den mutmaßlichen Chef-Entführer als Strippenzieher darzustellen. Wer brachte die Kinder zuerst in Gefahr? "Profis" hätten bei der Aktion wohl nie mitgemacht.

Tag 62 – Der Entführer, der James Bond sein wollte: Ein Model aus GNTM weint nach einer Ansprache von Christina Block, wird zum Entführer und trinkt später angeblich mit einem Polizeihund aus einer Pfütze. Der Block-Prozess wird immer bizarrer – und zugleich immer schwerer aufzuklären.

Tag 63 – Letzter Entführer macht Christina Block verantwortlich: Sündenbock oder Selbsterhaltungs-Lügner mit Gewissen? Als letzter Zeuge der Kammer schildert der mutmaßliche Entführer Jonathan G., wie David Barkay ihn manipuliert habe – und macht auch Christina Block persönlich verantwortlich. 

Tag 64 – Doch noch ein Haftbefehl gegen Christina Block?: Eskalation im Block-Prozess: Hat die Hauptangeklagte versucht, die Gutachterin ihrer Kinder zu beeinflussen? Die Vorsitzende lässt vor dem Ausschluss der Öffentlichkeit die Bombe platzen. Muss Block auf den letzten Metern noch in U-Haft?

Tag 65 – Entscheidende Stunden hinter verschlossenen Türen: Die kinderpsychiatrische Gutachterin sagt bei ausgeschlossener Öffentlichkeit aus. Es geht um die psychischen Schäden, die die entführten Kinder erlitten – und damit möglicherweise um die Frage, ob Christina Block ins Gefängnis muss.

Tag 66 – Ausgerechnet auf der Zielgeraden meldet sich der nächste Israeli: Eigentlich hat das Gericht sein Beweisprogramm schon für abgeschlossen erklärt, da meldet sich der nächste, mutmaßlich an der Entführung in der Silvesternacht beteiligte Israeli. Muss die Kammer diesen möglichen Zeugen jetzt anhören?

Tag 67 – Das letzte Mal ohne die Presse: Nach vier Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit steht das Ergebnis des Gutachtens zu den zwei Block-Kindern fest. Mutter Christina Block trägt Schwarz, Vater Stephan Hensel ist abwesend. Immerhin: Ohne die Presse geht es gut voran.

Tag 68 – "Es geht nicht darum, ob Frau Block eine gute Mutter ist": Wieder öffentlich, wird die Kammer im Block-Prozess mit Anträgen überschüttet. Die Gutachtenerstattung wirkt noch nach, es wird viel diskutiert und am Ende macht die Vorsitzende der Verteidigung eine emotionale Ansage.

Tag 69 – Anwältin belächelt Eintrag ins "Klassenbuch": Ein durchgestochenes Gutachten, eine Richterin, die nicht Wachhund sein will, und eine Alarmanlage. Bei der Befragung einer Polizistin kommt es zu Schrei-Duellen. Dann ist alles schneller vorbei als gedacht, am Tag 69 im Block-Prozess.

Tag 70 – Ver­tei­diger werfen Ermitt­lern schlam­pige Arbeit vor: An Tag 70 im Block-Prozess nimmt die Kammer Erklärungen zur abgeschlossenen Vernehmung der Hauptermittlerin B. entgegen. Dabei könnte sich ein belastender Verdacht der Verteidigung bestätigt haben, der fast so alt ist wie der Prozess selbst.

Tag 71 – Staatsanwaltschaft räumt Fehler ein: "Das ist peinlich": Gerhard Dellings Smartphone, Christina Blocks Tagebuch und die Prozessplanung bringen die Stimmung auf einen neuen Tiefpunkt. Statt der erwarteten Aussage von Christina Block, gibt es ein unerwartetes Eingeständnis der Staatsanwaltschaft.

Tag 72 – "Meine Liebe ist und bleibt bedingungslos": Christina Block sagt nach langer Pause wieder aus, korrigiert frühere Aussagen und schiebt die Verantwortung auf den Familienanwalt. Mit ihren Erklärungen zur Selbstleseliste halten einige Verteidiger ihre letzten großen öffentlichen Worte.

Zitiervorschlag

Block-Prozess Tag 73: . In: Legal Tribune Online, 27.08.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60736 (abgerufen am: 06.09.2026 )

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