20. Tag im Block-Prozess: Gericht und Staatsanwaltschaft würgen eine Erklärung Christina Blocks ab. Außerdem berichten Zeugen von ungewöhnlichen Hotelübernachtungen im Elysee-Hotel. Wer hatte Kontakt zur israelischen Sicherheitsfirma?
Der 20. Verhandlungstag im Hamburger Block-Prozess beginnt verspätet. Ein ursprünglich geladener Hotelmitarbeiter machte kurzfristig von seinem Recht auf Auskunftsverweigerung nach § 55 Strafprozessordnung (StPO) Gebrauch und wurde abgeladen. Damit rückte der Fokus des Tages auf zwei zentrale Zeugen aus der Block-Unternehmensgruppe: den früheren CEO und den aktuellen CFO.
Doch zunächst ergriff Christina Block das Wort. Sie wollte eine Einlassung zur Sache abgeben. Ihre Stimme ist ruhig, als sie spricht, sie ist entschlossen. Die Strapazen der bisherigen Verhandlungstage sind ihr dennoch anzumerken. Sie erklärt, sie lasse sich "so ehrlich, aufrichtig, authentisch ein" und das habe "nur einen Grund: Ich bin unschuldig". Im Hinblick auf die Silvesternacht 2023/24, in der ihre beiden jüngsten Kinder aus Dänemark entführt wurden, betont sie erneut, sie habe "einen entsprechenden Plan nicht gekannt, nicht gebilligt und auch nicht unterstützt". Daher könnten ihre wegen Beihilfe mitangeklagten Angehörigen auch "bei nichts Falschem geholfen" haben.
Ihre Einlassung, erklärt sie weiter, sei "die einzige Möglichkeit, tatsächlich Aufklärung zu betreiben und zugleich die einzige Möglichkeit, dass meine Kinder mich sehen und hören". Sie wisse nicht nur, "dass sie den Prozess verfolgen", sie "spüre es auch". Ihre Stimme bricht, als sie auf ihre Kinder Bezug nimmt. Dann erklärt sie: "Ich lasse sie nicht alleine. - Ich lasse sie nicht alleine. Diese Worte werden bleiben. Die Wahrheit wird bleiben. Meine Kinder können sich auf mich verlassen". Sie versichert zudem: "Ich bin niemals enttäuscht von ihnen", und sagt: "Meine Arme sind immer offen, egal wann".
Gericht und Staatsanwaltschaft würgen Einlassung ab: Nichts "mit der Sache" zu tun
Die Vorsitzende Isabel Hildebrandt unterbricht Block vehement und weist darauf hin, dass "Einlassungen zur Sache" nur zulässig seien, soweit sie zu den angeklagten Vorwürfen erfolgen, nicht zu familiären oder medialen Themen. Als Block auf das dänische Urteil dieser Woche vom 3. November 2025 eingeht, das ihr jeden Kontakt zu ihren jüngsten Kindern verwehrt, greift die Staatsanwaltschaft ein. Blocks Verteidiger Dr. Ingo Bott, die Vorsitzende und die Oberstaatsanwältin Mona Paul streiten sich um den zugelassenen Inhalt und Umfang der Erklärung Blocks. Diese hätten nichts mehr mit "der Sache", also dem Anklagevorwurf bezüglich der Silvesternacht, zu tun.
Bott erwidert, es gehe nicht darum, "Erklärungen abzugeben, um der Vorsitzenden gerecht zu werden". Ihr Verhalten sei "nicht unvoreingenommen". Block ist merklich verunsichert, als sie erneut auf ihre Mitschriften blickt und offenbar überlegt, was sie erklären darf und was nicht. Und es stellt sich die relevante Frage, inwieweit ein Gericht und die Staatsanwaltschaft in Inhalt und Umfang von Erklärungen einer Angeklagten intervenieren und diese beschränken können.
Zur Silvesternacht erklärt Block: "Ja, ich hätte alles für meine Kinder getan. Aber das, was in der Silvesternacht geschehen ist, war für alle furchtbar". Sie betont: "Ich habe das Geschehen nicht zu verantworten. Ein Geständnis für etwas, was ich nicht gemacht habe, kann ich nicht abgeben."
Irgendwer muss mit israelischer Firma im Hintergrund gesprochen haben
Im Anschluss nimmt das Gericht Lichtbilder von Überwachungskameras im Außenbereich, der Tiefgarage und dem Eingangsbereich des Elysee-Hotels von der Zeit unmittelbar vor der Entführung in Augenschein. Der israelische Mitangeklagte, welcher sich in Untersuchungshaft befindet und seine Beteiligung an der Entführung eingeräumt hat, soll markierte Personen identifizieren. Hierfür tritt der Angeklagte dicht an die Richterbank heran, nur wenige Zentimeter entfernt. Ein ungewöhnliches Bild.
Nach der Mittagspause beginnt die Zeugenvernehmung. Der frühere CEO der Block-Gruppe spricht über seine operative Verantwortung. Christina Block sei Gesellschafterin und Aufsichtsrätin und repräsentiere das Elysee-Hotel. Im Tagesgeschäft sei Block allerdings nicht tätig gewesen. Cyber-Security sei 2022/23 in der Block-Gruppe ein Thema gewesen. Block habe ihm in diesem Zusammenhang nahegelegt, sich die israelische Cyberfirma "anzusehen". Diese Firma hat die Entführung der Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 durchgeführt.
Für den CEO hätte allerdings "keine Veranlassung" bestanden, den bestehenden Dienstleister zu wechseln. Ein Eingreifen des Aufsichtsrats in operative Geschäfte der Unternehmensgruppe habe es in nicht gegeben. Als er bemerkte, dass mit der israelischen Firma im Hintergrund ohne seine Kenntnis weiterhin Gespräche stattgefunden hätten, habe er alle Beteiligten "aufgefordert, sämtliche Gespräche mit dieser Firma einzustellen."
Angesprochen auf Hotelübernachtungen, die Mitglieder der israelischen Cyber-Security-Firma gebucht hatten, habe man ihm mitgeteilt, es seien "Israelis, die Frau Block dort einquartiert hat", die es sich "dort gut gehen lassen" hätten. Nach interner und externer Revision seien gegen die Cyber-Security-Firma erfolglos Inkassomaßnahmen erfolgt. Als Bott den CEO befragt, kommt es zu Auseinandersetzungen um zulässige Fragestellungen. In solchen Momenten nimmt der Block-Prozess skurrile Ausmaße an, wenn dieselbe Frage über Minuten so lange umformuliert wird, bis sie letztlich zulässig ist und beantwortet werden muss.
Zahlung ohne Auftrag, Alias-Buchungen und Erinnerungslücken
Der ebenfalls vernommene CFO bestätigt später, er sei im August 2023 "aus Richtung von Frau Block" informiert worden, es drohe eine Cybergefahr. Er habe daraufhin Gespräche mit der israelischen Cyber-Security-Firma geführt und schließlich eine Rechnung über 12.000 Euro beglichen, obwohl kein Auftrag der Block-Gruppe vorgelegen habe. Man habe für "vergangene und künftige Tests" zahlen wollen, doch die Leistungen hätten "wenig Substanz" gehabt. In Bezug auf Hotelübernachtungen erklärt er, im Jahr 2023 seien im Zusammenhang mit der Firma 700 bis 800 unbezahlte Nächte sowie Gastronomieleistungen aufgelaufen. Die Buchungen seien, wie bereits der Ex-CEO erklärte, ordnungswidrig unter Aliasnamen und ohne Meldescheine erfolgt. Insgesamt seien dem Elysee-Hotel Kosten in Höhe von rund 225.000 Euro entstanden.
Auf Nachfragen, wie der Kontakt zwischen ihm und der israelischen Sicherheitsfirma zustande kam, widerspricht sich der Zeuge mehrfach. Block hält später dagegen: Sie habe mit dem CFO nie über die israelische Cyber-Security-Firma gesprochen und auch keine Rechnung über 12.000 Euro beglichen. "Das hätte ich auch nicht tun dürfen", so Block.
Weiter geht es am Dienstag, den 11. November 2025.
Kindesentziehungsprozess gegen Christina Block: . In: Legal Tribune Online, 06.11.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58564 (abgerufen am: 13.12.2025 )
Infos zum Zitiervorschlag