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Last-Minute-Weihnachtsgeschenke: Sieben Bücher von und für Juristen

von Pia Lorenz

21.12.2017

In einer Rechtsredaktion landet übers Jahr so einiges, was rezensiert werden möchte. Manches davon haben wir gelesen oder lesen lassen. Darunter: ein Anwalts-Thriller, ein Justizroman und das Entenhausener Gesetzbuch. 

1/7: Rechtsstaat, populärwissenschaftlich: Jens Gnisas "Das Ende der Gerechtigkeit"

(c) Herder Verlag

Sollte man ein Buch lesen, dessen Titel "Das Ende der Gerechtigkeit" lautet? Viele Menschen scheinen diese Frage positiv beantwortet zu haben, denn das Werk schaffte es – trotz oder wegen seines reißerischen Titels - auf die Spiegel-Bestseller-Liste. Und der Richter, der laut seinem Untertitel "Alarm schlägt", ist immerhin der Vorsitzende des Deutschen Richterbunds (DRB).

Mit dessen Gremien sei das Buch, das in der Richterschaft nicht durchgängig auf Begeisterung stieß, zwar nicht abgesprochen, so Jens Gnisa im Interview mit LTO kurz vor Erscheinen. Aber es greife auch viele Forderungen des DRB auf.

Dabei scheut Gnisa vor Schlagworten nicht zurück, passagenweise liest er sich eher wie ein Kommunalpolitiker als wie der Jurist, der der Direktor des Amtsgerichts Bielefeld ist. Man müsse die Worte verwenden, die auch die Menschen verwenden, sagte er im LTO-Interview. So erklärt er - fast mehr Politisches als Justizielles - mit einer Einfachheit, die an manchen Stellen naiv anmutet. Innenpolitisches wie den Umgang mit Flüchtlingen (erhebliche Vollzugsdefizite bei Abschiebungen), Terror (den Rechtsstaat nicht abbauen) oder Kinderehen (regelmäßig akzeptieren) bricht er so herunter, dass er der Verständlichkeit Komplexität opfert, die es zum Verständnis bräuchte. Und doch gelingt es Gnisa auch, juristische Wertungen zu vermitteln, die ohne juristische Vorbildung eigentlich schwer verständlich sind.

Sein "Faktencheck Strafjustiz" beschäftigt sich in einer Art und Weise mit Stammtischparolen, die man als populistisch empfinden kann. Zwingend ist das nicht. Man kann die Zahlen und Fakten, die er gefühlten Wahrheiten zu Straftaten, Strafzwecken oder Strukturen von Kriminalität entgegensetzen will, auch als Ausdruck der Bereitschaft verstehen, sich mit Ängsten zu beschäftigen, deren jahrelange Ignoranz sich als politisch fatal erwiesen hat.  

Gnisa will sein Werk als "Debattenbuch" verstanden wissen. Das Recht habe in der Politik nicht genug Fürsprecher, kritisiert er deutlich. Überhaupt sieht er die Ursachen von Übeln stets eher in der Politik als in der Justiz. Laufen bei den Gerichten Dinge schief, führt er das eher auf Personalmangel (also Fehlentscheidungen der Politik) zurück als auf eine mögliche Fehlbarkeit der Menschen, die dort Recht sprechen. Gnisa endet mit Lösungsvorschlägen. Sie reichen von Ideen zur Umsetzung des  Brexit über die Positionierung der deutschen Justiz bis zur Entrümpelung des Strafrechts. Ob, wenn sie nicht berücksichtigt werden, das Ende der Gerechtigkeit naht, sagt er nicht.

Jens Gnisa, Das Ende der Gerechtigkeit - Ein Richter schlägt Alarm, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-37729-7

Zitiervorschlag

Pia Lorenz, Last-Minute-Weihnachtsgeschenke: Sieben Bücher von und für Juristen . In: Legal Tribune Online, 21.12.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26153/ (abgerufen am: 20.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 06.01.2018 02:53, eono

    "Der Strafrechtler warnt vor Anführungszeichen, als Merkmale allzu verzagten Schreibens"! Darüber wundere ich mich seit 1992 in Bayern Ofr.
    Juristen/Staatsanwälte, Richter haben keine Ahnung was wörtliche Rede ist. Sätze in Anführungs-Schlußzeichen werden weder gelesen noch verstanden.
    2007/08 f NRW E LG erklärte eine Justizangestellte ihr PC habe gar keine Anführungs/Schlußzeichen. Sie benutzten diese nicht mehr.
    Das kann ich mir denken.
    Dann nämlich, wenn Richter selber nur frei erfinden wollen.
    Und überhaupt niemand weiß um wen oder was es geht.

  • 06.01.2018 03:42, eono

    Dazu muss ich noch was sagen:
    Bayern sind ja immer so Oberlehrerhaft. Bilden sich immer ein, "sie hätten die
    Weisheit mit den Löffeln ... "
    In Bayern geht es nicht um richtig oder falsch sondern um "recht sein!"
    Man und es muss alles passen. Eben recht sein - allen.
    "Ruhe die oberste Bürgerpflicht!"
    und wie machen sie das? Sie scheren sich einen Deut um irgendwelche Realitäten
    aus dem Leben - deshalb lehnen sie auch wörtliche Rede - den Wortlaut ab,
    kehren alles unter den Teppich.
    Sie reagieren auf das dahinter liegende Gefühl - bzw. auf ihre eigenen Leben!
    Ihre eigenen Nasenspitzen - wie sie leben, wie sie es kennen und:
    STELLEN DIE WELT/en AUF DEN KOPF
    Mit großem Erfolg, vielfach seit 1990ff Sie lösen praktisch alles auf.
    In dem sie nicht selber denken, sich nichts erarbeiten, nur Abschreiben.
    So machen sie auch Politik.
    Die USA sind ca 250-300 Jahre alt eine ganz junge Nation. Die anfing mit Kriegen, mit dem Ausrotten der indigenen Völker. Mit Sklavenhandel.
    Mit dem Erfolg dass sie heute noch Rassenprobleme haben.
    Old Germany hatte dagegen wie alle europäischen Länder eine gewachsene Kultur.
    Wir lebten - so denken sicherlich viele - "in Ruhe und in Frieden!"
    Bis auf 2 verlorene Weltkriege uva.
    Der Bundesfinanzminister Weigel: Wir... "wie in Amerika, wie in Indien" 1992
    In Indien geht es um den MANN den Unwert der FRAU, Witwenverbrennungen Herrenrassen, Kasten, Arm und Reich, kein Mittelstand, Vergewaltigungen. Morde.
    Und das - brauchen wir - unbedingt. Wollten wir auch sein haben?
    Wir verloren in D seit 1992 das Gefühl für "sachlich-richtig" - für das richtige Denken, Sprechen, sich verhalten, alle Höflichkeit - Arbeit - Berufe.
    Die meisten sind gar nicht mehr Arbeits-Dienstfähig.
    Wir leben nur noch von Skandalen und dem Untergang der Welt so rasch wie möglich. Wir machen praktisch alles falsch, was man nur falsch machen kann.

  • 15.01.2018 08:40, So mal+unter+uns

    Dieses Buch hatte ich mir als Student damals bei Neuerscheinen der zweiten Auflage gekauft. Auch wenn ich nicht alle Empfehlungen vollständig unterschreiben möchte, gibt dieses Buch sehr wertvolle Denkanstöße für die eigene Formulierung und füllt m.E. eine Lücke, die weder Deutschunterricht in der Schule (ganz unabhängig vom Jura-Hintergrund) noch Studium füllen können bzw. bei mir gefüllt haben.

    Ebenfalls sehr interessant ist seine kleine Rhetorikschule für Juristen. Da lohnt sich ebenfalls ein Blick.

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