Den Verlobungsring müsste sie im Falle einer Trennung jedenfalls zurückgeben, den Ort der Trauung kann sie sich völlig frei aussuchen: Taylor Swift heiratet. Familienrechtler Michael Hemming erklärt, was das US-Recht zu Ehen sagt.
LTO: "Nimm dir einen guten Anwalt" – einst die Antwort von Taylor Swift auf die Frage, was sie aufstrebenden Sänger:innen raten würde. Ohnehin ist sie dafür bekannt, rechtlich klug zu agieren und nichts unversucht zu lassen, etwa was Marken- und Urheberrecht oder Persönlichkeitsrecht angeht. Wie sieht es also mit ihrer Verlobung mit Travis Kelce aus – bindet diese sie nach US-Recht in irgendeiner Weise?
Michael Hemming: Das hängt ganz davon ab, wie sehr sie an dem Verlobungsring, den sie von Travis bekommen hat, hängt. Das gute Stück hat immerhin einen geschätzten Wert von 700.000 bis eine Million US-Dollar.
Die Verlobung wird auch im amerikanischen Recht als Eheversprechen gewertet. Die rechtlichen Konsequenzen reduzieren sich aber auf das Schicksal des Verlobungsrings. Der muss zurückgegeben werden, auch wenn sich das Paar einvernehmlich trennt.
Übrigens bleibt Travis mit seinem Geschenk unter der allgemeinen Erwartung an den Wert eines Verlobungsrings. Der sollte mindestens ein Bruttomonatsgehalt kosten. Investopedia nennt für das Jahr 2025 neben seinem Gehalt von 17 Millionen US-Dollar als Football-Spieler weitere Millionen aus Sponsoring-Verträgen, Investments und anderen Aktivitäten. Unter anderem hat er, zusammen mit seinem Bruder Jason, bei Amazon Wondery einen Dreijahresvertrag über 100 Millionen Dollar für eine Podcast-Show abgeschlossen.
Der Stein hätte demnach sogar noch ein bisschen größer ausfallen können.
Swifties machen sich schon Gedanken über die Hochzeitslocation. In Deutschland muss man unterscheiden: Das rechtlich bindende Eheversprechen muss in einem Standesamt und vor einem Standesbeamten abgegeben werden. Nur die Party oder auch eine rechtlich gesehen irrelevante freie Trauung können an jeglichen anderen Orten stattfinden. In Hollywoodfilmen sieht man immer nur Trauungen in traumhaften Locations oder im eigenen Garten, manchmal traut sogar ein Freund das Paar. Sind das dann rechtlich bindende Trauungen?
Standesämter, wie wir sie kennen, existieren in den USA nicht. Das Recht, eine Eheschließung vorzunehmen, wird Personen mit verschiedensten Funktionen übertragen. Meine Frau und ich beispielsweise wurden an einem Strand auf Maui von einer Richterin getraut.
"Unverheiratete und verheiratete Eltern beim Sorgerecht gleichgestellt"
In Deutschland bietet eine Ehe rechtlich gesehen immer noch ein paar Vorteile im Vergleich zum Zusammenleben als unverheiratetes Paar.
Das stimmt. Es ist noch immer so, dass die Ehe in Deutschland mit Privilegien versehen ist und unverheiratete Paare benachteiligt sind. Man denke nur an die Schwierigkeit, Auskunft über den Gesundheitszustand seines Partners oder seiner Partnerin nach einem Unfall vom Krankenhaus zu bekommen. Ein anderer Fall ist die überkommene Regelung, dass nicht verheiratete Mütter das alleinige Sorgerecht haben und der leibliche Vater erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, zu seinen Elternrechten zu kommen. Ein Anspruch auf Witwenrente besteht außerdem nur, wenn eine Ehe bestand.
Wie sieht das in den USA aus? Heiraten Swift und Kelce allein aus romantischen Gründen oder bietet die Ehe dort noch große Vorteile?
Wie viel Platz für Romantik bei dem Medienrummel, den die beiden auch selbst inszeniert haben, bleibt, ist kaum einzuschätzen. Vielleicht muss man bei diesen beiden Superstars Romantik auch einfach in einer ganz anderen Dimension denken.
Grundsätzlich gesehen ist die Ehe auch in den USA in vielerlei Hinsicht privilegiert. Bei Swift und Kelce mag es zwar keine bedeutende Rolle gespielt haben, aber für viele verheiratete Paare sind steuerliche Vorteile ein wichtiger Punkt.
Auch sonst ähnelt die Liste der Vorteile verheirateter Paare in den USA der deutscher Eheleute. Auch amerikanische Eheleute haben Erbansprüche, Auskunfts- und Entscheidungsbefugnisse im medizinischen Bereich, sozialversicherungsrechtliche Vorteile, um nur einige zu erwähnen. Unterschiede bestehen natürlich in der inhaltlichen Ausgestaltung. Vor allem die Einordnung von Rentenanwartschaften und deren Behandlung bei Scheidung oder Tod unterscheiden sich wesentlich von den deutschen Regeln und führen immer wieder zu schwierigen Situationen.
Eine erwähnenswerte Besonderheit sind die uns ebenfalls aus den Medien bekannten "wrongful death claims". Zwei besonders bekannt gewordene Verfahren wurden hier in Los Angeles geführt, das gegen O.J. Simpson und das im Zusammenhang mit dem Tod von Michael Jackson. Es handelt sich um zivilrechtliche Ansprüche wegen der schuldhaften Tötung eines nahen Familienmitglieds. Damit können Angehörige Entschädigung für Schäden, die ihnen durch den Tod entstanden sind, geltend machen.
Der Umfang des Anspruchs ist, im Gegensatz zu dem aus § 844 Bürgerliches Gesetzbuch, weiter gefasst und die Entschädigungsbeträge fallen deutlich höher aus.
Nicht verheirateten Partnern stehen diese Ansprüche meist nicht zu.
Gleichgestellt sind unverheiratete und verheiratete Eltern allerdings beim Sorgerecht.
"Scheidungen können schneller und günstiger sein"
Aus familienrechtlicher Sicht ist es immer klug, vor der Eheschließung auch schon an Scheidung zu denken. Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem Scheidungsverfahren in Deutschland und in den USA?
50 Bundesstaaten und 50 verschiedene Verfahrensvorschriften sind die Realität in den USA. Auch wenn sich die Vorschriften angeglichen haben, kommt es darauf an, in welchem Staat man sich scheiden lassen möchte.
Man kann aber generell sagen, dass Scheidungen, wenn sie einvernehmlich durchgeführt werden können, schneller und günstiger sein können. Streitet man sich aber, verkehrt sich das ins Gegenteil und die Scheidung kann zum wirtschaftlichen Fiasko werden, wie man bei Promi-Scheidungen immer wieder sehen kann.
Die gesetzliche Vermögensverteilung nach einer möglichen Scheidung wird bei Swift und Kelce wohl kaum eine Rolle spielen, sie werden garantiert einen Ehevertrag abschließen. Was kann man darin regeln?
Das US–amerikanische Familienrecht ist stark vertragsorientiert. Man kann in den USA Dinge vertraglich regeln, die bei uns undenkbar sind, denkt man nur an den Verzicht auf Kindesunterhalt oder gar den vollständigen Verzicht auf Elternrechte, wie es im Fall der Kinder von Michael Jackson geschehen war.
"Ein Pflichtteilsrecht kennt man in den USA nicht"
Noch eine Frage, die in Richtung Persönlichkeitsrecht geht: Sollten Swift und Kelce Kinder bekommen, werden diese von der Presse beobachtet. Wie schützt das US-Recht die Kinder vor der Veröffentlichung unautorisierter Fotos?
Kinder von Celebrities sind in den USA kaum vor übergriffigen Medien geschützt. Es liegt vor allem in den Händen der Eltern, dies zu tun.
Das geschieht durch Maßnahmen, die die Bewegungsfreiheit der Kinder oft erheblich einschränken. Betreuung zu Hause durch Nannies, Privatkindergärten, Privatschulen, Bodyguards, Transport in Fahrzeugen mit getönten Scheiben und ständige Rechtsstreitigkeiten mit Medien gehören zur Normalität.
Und wie sieht es mit der gesetzlichen Rechtsnachfolge aus? Wird Kelce mit der Hochzeit Swifts alleiniger Erbe – auch ihrer Songrechte – , wenn kein anderslautendes Testament existiert?
So sicher, wie es einen Ehevertrag zwischen Swift und Kelce geben wird, wird es auch Testamente der beiden geben. Da, wie gesagt, sich das Recht der einzelnen Bundesstaaten der USA unterscheidet, gibt es auch im Erbrecht unterschiedliche Bestimmungen.
Generell kann man sagen, dass zunächst der überlebende Ehegatte alles erbt. Sind Kinder vorhanden, erhält er oder sie den größeren Anteil, der kleinere geht an die Kinder. Wie groß dieser ausfällt, bestimmt das Recht des jeweiligen Bundesstaates. Besonders kompliziert wird es dann, wenn es, wie es nicht nur bei Promis immer wieder vorkommt, mehrere Kinder aus verschiedenen Beziehungen gibt und überdies noch mehrere Bundesstaaten beteiligt sind. Da liegt es auf der Hand, dass jeder die Notwendigkeit sieht, vorzusorgen.
Ein Pflichtteilsrecht kennt man in den USA übrigens nicht. Hier musste ich schon manches deutsche Kind eines amerikanischen Elternteils enttäuschen.
Vielen Dank!
Michael Hemming ist Fachanwalt für Familienrecht und Partner der Kanzlei hemming&hemming mit Standorten in Stuttgart und Los Angeles. Er ist in den USA als Foreign Legal Consultant zugelassen. Hemming betreut ausschließlich Fälle mit deutsch-amerikanischem Bezug im Familienrecht, Erbrecht, Steuerrecht und Staatsangehörigkeitsrecht. Bei internationalen Kindesentführungen ist er als Mediator und Rechtsanwalt tätig.
Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.
Rechtliches zu Taylor Swifts Verlobung: . In: Legal Tribune Online, 01.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58031 (abgerufen am: 13.12.2025 )
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